Marokko ist ein Land mit unglaublich vielen Gesichtern und Geschichten. Jeder Besucher nimmt das westlichste Land der Maghreb- Staaten und seine 35 Mio. Bewohner anders wahr. Im Vorfeld meiner Reise habe ich negative Stimmen über die Marokkaner gehört. Und das möchte ich validieren. Doch ich befürchte, es wird mir während der einwöchigen Rundreise durch Zentralmarokko nur eingeschränkt gelingen. Vermutlich werde ich nur zuschauen statt mitzuerleben, die meiste Zeit des Tages im Bus sitzend, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutschiert, immer mit "Sicherheitsabstand" zu den Einheimischen. In 4-Sterne-Hotels ist es illusorisch, Kontakt zu einer Bevölkerung zu finden, von der sich 60% als arm betrachtet. Ich habe mich für eine Rundreise mit RV Touristik aus München entschieden, mit denen ich bereits in Albanien und Montenegro unterwegs war.



Schon als Jugendlicher haben mich die Bilder der kunsthistorisch bedeutenden Tunisreise der Maler Klee, Macke und Moillet fasziniert und seitdem üben die Maghreb- Staaten eine große Anziehungskraft auf mich aus. Die Farben, Formen und das Licht dieser Region gelten bis heute als Auslöser der Moderne und als Wiederbelebung des Aquarells.

Marokko ist unbestritten der modernste und liberalste Staat in Nordafrika. Die Staatsform des Landes ist eine Monarchie mit Elementen parlamentarischer Demokratie, aber zentralen Vorrechten des Königs Mohammed VI., der Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Armee und auch geistliches Oberhaupt der Muslime ist. Nach sunnitisch-islamischem Glauben ist er ein direkter Nachkomme des Propheten Mohammed, ein "Scherif". Marokkos Flagge zeigt einen 5-eckigen grünen Stern auf rotem Grund. Der Stern symbolisiert die "5 Säulen des Islam".

"In schā' Allāh", So Gott will, ist die gebräuchliche religiöse Formel, die fast zu jeder Gelegenheit benutzt wird und die Gottes- und Schicksalsergebenheit der Muslims unterstreicht. 95% der Bevölkerung gehören dem sunnitischen Islam an.

Die Experten der Risikomanagement-Beratungsgesellschaft Control Risks stufen das politische Risiko in Marokko auf "medium" ein, das Sicherheitsrisiko auf "low". Nur Israel und Jordanien werden im südlichen Mittelmeerraum so positiv bewertet. (Quelle: ControlRisk Middle East Riskmap 2020). Das Auswärtige Amt beurteilt das Sicherheitsrisiko allerdings etwas anders. Man schließt nicht aus, dass es trotz erheblicher Sicherheitsmaßnahmen zu terroristischen Angriffen im öffentlichen Raum kommen kann.

In Anbetracht der Coronavirus- Epidemie habe ich mir Desinfektionslösung für die Hände und ein paar Atemschutzmasken für die Reise besorgt. Letztere werde ich nicht benötigen doch Vorsicht ist die Mutter der Weisheit (oder auch der Porzellankiste)... Noch sind alle Grenzen offen, aber schon kurze Zeit nach unserem Rückflug wird die Epidemie zur Pandemie und Marokko wird seine Grenzen wegen der akuten Bedrohungslage schließen. Diese Entwicklung konnte niemand voraussehen, wir haben einfach Glück gehabt...

Als weitere Sicherheitsmaßnahme registriere ich meine Reise wie zuletzt auf der Internet- Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes namens "Elefand".

 

1. Tag – Sa 29.02.2020: Flug nach Agadir

Am frühen Vormittag startet unser 4-stündiger Flug von München nach Marokko. Wir sind eine Reisegesellschaft von 16 Personen.

Im Flieger werden die Passagiere gebeten, eine Gesundheitskarte (Public Health Passenger Form - Coronavirus) für die Einreise auszufüllen. Das finde ich angesichts der derzeitigen Risiken angemessen.

Die Wetterprognose für unsere Reise liegt für den Tag zwischen 22° und 28° und für die Nacht zwischen 8° und 14°, kein Regen. Und so kommt es auch...

Die Währung in Marokko ist der DIRHAM. Faustregel für den derzeitige Wechselkurs zum Euro: 10 Marokk. Dirham (MAD) = ca. 1 €. Man sollte bereits am Flughafen Euro in Dirham wechseln oder am Geldautomaten ziehen und dabei auf kleine Noten- Stückelung achten - für die erwarteten Trinkgelder... Es gibt 2 Schalter zum Geldwechseln in der Ankunftshalle. An einem von diesen beiden versucht das Personal, den Reisenden mit großem Erfolg direkt eine Prepaid-Kreditkarte anzudrehen.

Am Flughafen begrüßt uns ein "Transit-Reiseleiter" und bringt uns erst einmal zum Übernachtungshotel Agadir Beach Club. Unser Busfahrer für die nächsten Tage ist Abdul. Er hat an der Rallye Paris-Dakar teilgenommen, wird aber in den nächsten Tagen unseren Iveco-Bus vorsichtig und umsichtig steuern, weiß also Hobby und Beruf exakt zu trennen. Zudem sind die Straßenverkehrsregeln, insbesondere die Höchstgeschwindig- keit, in Marokko streng geregelt und kontrolliert. Die örtliche Agentur hat für unsere Reisegesellschaft Handdesinfektionsmittel besorgt. Also wird die Gefahr einer Coronavirus- Ansteckung auch hier nicht vernachlässigt.

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, bleibt bis zum Dinnerbuffet noch Zeit, die wir mit einer kleinen Stadtrundfahrt überbrücken. Zunächst geht es hinauf zur Kasbahruine, die auf einem Hügel über der Stadt thront. Wie an anderen Hügeln des Landes auch ziert ihn der schon von weitem lesbare, aus Steinen geformte Wahlspruch "Gott, König, Vaterland". Der Besuch lohnt sich wohl vornehmlich wegen des Panoramablicks über Agadir.

Am Parkplatz erwartet die Gäste eine Schar von Händlern und Kamelführern. Mit einem der letztgenannten komme ich ins Gespräch. Er versteht sofort, dass ich nicht an einem Ritt auf seinem Dromedar interessiert bin - "NO means NO!", unternimmt aber dennoch zahlreiche Umstimmungsversuche. Er nimmt es mir nicht übel, dass ich beim NO bleibe und ernennt mich per Handschlag sogar zu seinem Bruder. Er spricht ein wenig Englisch, kein Deutsch.

1960 hat es in Agadir ein verheerendes Erdbeben gegeben, bei dem ca. 12.000 bis 15.000 Menschen ums Leben kamen. Marokko liegt in einer Zone, in der die Reibungen von afrikanischer und eurasischer Erdplatte immer wieder Erschütterungen auslösen. Genau heute jährt sich der Jahrestag der Katastrophe zum 60. Mal. Zahlreiche Angehörige der damals ums Leben Gekommenen haben sich auf dem Hügel vor der Kasbahruine zum Gebet versammelt.

Mohammed, unser Interims- reiseleiter, führt uns nun in den Souk von Agadir. Wir bekommen einen ersten Eindruck vom geschäftigen Treiben, mich begeistern die überbordenden Stände der Obst- und Gemüsehändler. Überall kann man die oftmals zu Pyramiden gestapelten Früchte probieren.

Hier einige arabische Wörter für unterwegs:

Guten Tag – "Salam alaikum", darauf erwidert man "Aleikum salam"
Alternativ begrüßt man sich mit "Sbah alcher" (Guten Morgen) oder "Mss Icher" (Guten Abend)
Wie geht es? – "Les bess?"
Auf Wiedersehen – "Bslama"
Willkommen – "Marhaba"
Danke – "Shoukran"; kann man sowohl höflich als Dankeschön! benutzen, als auch energisch ausgesprochen als Nein Danke!

Arabische Sprache - schwere Sprache! Zudem wird sie auch noch von rechts nach links geschrieben und gelesen.

Nach dem Abendessen im Hotel lernen wir dann unseren örtlichen Reiseleiter für die nächste Woche kennen: Anass Tazi, der uns ab sofort kurzweilig und äußerst sachkundig auf der Reise begleiten wird. Er spricht ein sehr gutes Deutsch.


2. Tag – So 01.03.2020: Agadir – Ouarzazate

"Yallah!" Auf gehts! Unsere Rundreise führt uns in den Osten. Wir beginnen die Fahrt über das Gebirge des Antiatlas Richtung Ouarzazate, einem wichtigen Handelszentrum.

In der Gegend um Agadir wachsen viele Arganbäume. Deren Früchte werden zur Gewinnung von Arganöl genutzt. Die Kerne der Früchte liefern ein kostbares nussiges Öl, das weltweit sehr geschätzt und stark nachgefragt wird. Berberfrauen stellen es in mühsamer Handarbeit her, was seinen hohen Preis erklärt. Die Männer verkaufen das Arganöl auf den hiesigen Basaren in reiner Form für die Küche oder als Mischung mit allen möglichen Ingredienzien, dann allerdings zur kosmetischen und medizinischen Anwendung.

In den Arganbäumen kann man häufig Hausziegen entdecken. Um an die schmackhaften Früchte der mit Stacheln bewehrten Bäume zu gelangen haben sie wahre Kletterkünste entwickelt.
Elke Weiler von meerblog.de
hat mir die Veröffentlichung eines ihrer Fotos genehmigt. Vielen Dank dafür!

Was mir negativ auffällt, sind die abschnittweise mit Plastikmüll übersäten Straßenränder an den Überlandstrassen. Seit Ende 2016 gibt es Umweltschutzgesetze. Sie werden in den Städten auch angewendet und kontrolliert, auf dem Land hat die Bevölkerung aber noch nicht das nötige Bewusstsein bzw. Verständnis für den Umweltschutz. Aber es sei viel, viel besser geworden meint Anass. Und das muss es auch, will man das ganze Land für den Tourismus erschließen.

Die Strasse geht durch die fruchtbare Sous- Ebene. Sie ist geprägt durch Obst- und Gemüseanbau. Es gibt Tomaten, Orangen, kleine Bananen, Kürbis, Getreide (Weizen, Gerste, Mais), frische Gewürze, Oliven und Arganbäume.

Die Landwirtschaft ist neben dem Tourismus die wichtigste Säule der Nationalökonomie.

Wir fahren durch eine Steinwüstenlandschaft, sodann auf einer Paßstraße über den Antiatlas.



An der Überlandstraße nach Quarzazate liegt die alte Tankstelle Gas Haven, die Kulisse für einen mit abstoßenden Grausamkeiten gespickten Horrorfilm war, "The hills have eyes - Hügel der blutigen Augen". Die Handlung dieses B-Movies spielt in New Mexico, USA, gedreht wurde aber hier in Marokko. Mir fällt der Name Quentin Tarantino ein, aber im Horrorfilm- Genre bin ich nicht zuhause... Zahlreiche wirkliche und angebliche Requisiten dieser Filmproduktion stehen an der Tanke herum, was einen eigentümlichen Thrill ausübt.

Kurz darauf erreichen wir eine der berühmtesten Kasbahs Marokkos. Sie liegt auf der alten Karawanenstrasse zwischen Marrakesch und Timbuktu in Mali. Beim Namen Timbuktu erinnere ich mich immer an folgende Geschichte:

Once in a quizshow there were an Australian and a priest competing against each other. Their scores were equal, so they had to create a verse about "Timbuktu".

The priest began:
"I was a father, all my life,
had no children, had no wife.
I read the Bible, through and through.
On my way to Timbuktu."

Then the Australian told his version:
"When Tim and I to Brisbane went
we met three ladies cheap to rent.
They were three but we were two
so I booked one and Tim booked two."

Die Kasbah Ait Ben Haddou ist wie alle Kasbahs eine Festung aus gestampftem Lehm, Lehmziegeln und Bruchsteinen. Immer umschließt eine hohe mit Ecktürmen bewehrte Mauer einen mehrstöckigen Zentralbau. Der wurde als Gemeinschaftsspeicher und/oder Sippenwohnburg genutzt. Mit ihren gestuften und verschachtelten Aufbauten und Türmen mit Berber- Ornamenten sieht die Kasbah Ait Ben Haddou nicht nur aus wie eine Filmkulisse, sie diente in der Vergangenheit tatsächlich Filmemachern wie Bernardo Bertolucci, Martin Scorsese oder Ridley Scott als Drehort. Viele Szenen berühmter Filme wie "Lawrence von Arabien", "Die Mumie", "Der Gladiator", "Königreich der Himmel", "Game of Thrones" usw., usw. wurden hier gedreht.

Auf der überdachten Dachterrasse des Restaurants L'Oasis D'or genießen wir einen Mittagsimbiss. Ich bestelle eine Tajine de poulet au citron et aux olives (Tajine mit Hühnchen und Salzzitrone) - sehr, sehr lecker!

Bei einer Tajine handelt es sich um ein Schmorgericht, das in den typischen aus Lehm gebrannten gleichnamigen Gefäßen mit dem spitzen Deckel nebst Dampfsperre gekocht wird, einer Art Dampfgarer. Man gibt nach und nach in der Reihenfolge der Garzeiten die Zutaten hinein und schließt immer wieder den Deckel. Sofern nicht vorbereitet, ist das Gericht erst nach 2 Stunden fertig. Nichts für Eilige also.

In Marokko sagt man: "Allah hat die Zeit erschaffen, von Eile hat er nichts gesagt" und "Wer es eilig hat, der ist bereits tot." Darüber habe ich lange nachgedacht...

Auf den Aufstieg zur Kasbah verzichte ich. In der sengenden Sonne kein Vergnügen... Bei uns heißt übrigens eine Kasbah "Hauser"... das wird nicht von jedem verstanden.

Ouarzazate, das heutige Tagesziel, liegt auf einem Wüstenplateau im Gebiet der Vorsahara. Die noch schneebedeckten Berge des Hohen Atlas auf der einen Seite, die karge Steinwüste auf der anderen Seite und dazwischen die Stadt, die sich mit ihrer Architektur und der rotbraunen Farbgebung harmonisch in das Landschaftsbild einfügt, bilden reizvolle Kontraste. Vor den Toren von Quarzazate befinden sich die Atlas- Filmstudios. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Wirtschaft. Wie bereits erwähnt, wurden und werden viele Abenteuer- und Monumentalfilme in dieser Landschaft gedreht.

Ein Abendessen gibt es in unserem Übernachtungshotel Kenzi Azghor.

Bei Rundreisen gilt für Alleinreisende oftmals die Petition:
"So sei ich, gewährt mir die Bitte,
in Eurem Bunde der Dritte" (Fünfte, Siebte...)
- frei nach Schillers Bürgschaft -

Das ist in unserer Gruppe nicht der Fall. Wie selbstverständlich werden auch die Singles von den Paaren als Gesellschaft akzeptiert.


3. Tag – Mo 02.03.2020: Ouarzazate – Erfoud

Heute führt uns die Fahrt auf die berühmte „Straße der Kasbahs". Hier am Rande der Sahara liegen die exotischsten Landschaften. Der Hohe Atlas im Norden, der Djebel Saghro im Süden, das Dades-Tal und die vielen Kasbahs und Palmenoasen geben einen guten Eindruck von diesem Landesteil.



Dattelpalmen
zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. In Nordafrika kennt man sie seit mindestens 6.000 Jahren! Datteln weisen den höchsten Energie- und Rohfasergehalt unter allen Obstsorten auf, weshalb sie auch das "Brot der Wüste" genannt werden. Bei den Beduinenvölkern sind sie ein Grundnahrungsmittel, wahre Nährstoffbomben und randvoll mit Mineralstoffen, Vitaminen und wertvollen Pflanzeninhaltsstoffen. Die Sorte Medjool ist das Non Plus Ultra unter den Datteln. Damals waren sie nur den Königshäusern vorbehalten, weshalb sie auch Königsdatteln genannt wurden. Selbstverständlich werde ich davon etwas mitnehmen. Anass rät zu einem Kauf bei einem Dattelhändler in Fes.

Safran aus dem Hohen Atlas ist eine sehr erträgliche Einkommensquelle der dortigen Landbevölkerung. Der hohe Preis rechtfertigt sich durch die mühsame Erntemethode. Das kostbarste aller Gewürze wird auf einer Höhe von etwa 1100 Metern kultiviert. Die Blüte des Crocus Sativus blüht gerade einmal zwei Tage im Oktober/November eines Jahr. Das Pflücken der empfindlichen Blüten muss in den frühen Morgenstunden des ersten Tages der Blütezeit per Hand erfolgen. Starke Sonneneinstrahlung gilt es zu vermeiden. Anschließend werden die drei orangefarbenen bis roten Stempelfäden, die jede Blüte enthält, abgezupft. Der hellgelbe Griffel, der mit den Fäden verbunden ist, muss möglichst vollständig entfernt werden, damit die Qualität des Gewürzes nicht beeinträchtigt wird. Der Erlös aus dem Verkauf des Safran bedeutet für viele Familien und Händler die wichtigste Einkommensquelle des Jahres.

Leider gibt es oftmals Fälschungen auf den Märkten. Meistens wird dann Kurkuma oder Färberdistel als Safran verkauft. Da der Preis für Safran zeitweise dem Goldpreis entspricht, ist das Fälschen natürlich sehr lukrativ.

Marokkos Menschen sind ein Vielvölkergemisch. Die wesentlichen Volksgruppen sind Berber, Araber, Juden und Harazin. Die Berber, das Wüstenvolk, sind die ursprünglichen Einwohner des heutigen Marokko, die Araber kamen im 7. und 8. Jh. in den Maghreb. Die Juden hatten auch hier die ewige Außenseiterrolle und die Harazin waren ursprünglich schwarze Sklaven der Berber. Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Berbern und Arabern hält sich die Waage, doch durch die jahrhundertelange Vermischung der beiden Völker ist es heute schwierig, sie auseinanderzuhalten. Dennoch gibt es kleine aber feine Unterschiede. Die zumeist in den Städten wohnenden Araber fühlen sich den Berbern der ländlichen Umgebung überlegen, was immer wieder zu Konflikten führt. Juden und Harazin sind Minderheiten in Marokko.

In Marokko wurden bis heute mehr als 140 Stauseen angelegt - für Bewässerung, Trinkwasserversorgung u. Energiegewinnung. Wir sind im Hohen Atlas.

Nahe der Oase Tinerhir besuchen wir die reizvolle Todra-Schlucht. Hier hat sich in Millionen von Jahren der Quellfluss des Todra seinen Weg in steilwandigen Engtälern durch die Hänge des Hohen Atlas gefräst. Der Spaziergang durch die schmalen, manchmal bis zu 300 m hohen Felswände, ist beeindruckend. An den engsten Stellen ist die Schlucht nur 10 m breit. In der Schlucht gibt es 2 Hotels, die aber vor wenigen Jahren wegen ständiger Steinschlaggefahr geschlossen wurden.

In einem Gasthaus an der Strecke gibt es Tajine kebap, sehr lecker: Hackfleischbällchen mit Tomaten, Zwiebeln, Ei und Kreuzkümmel.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Oasenstadt Erfoud. "Oase" heißt übrigens Palmenhain.

Wir wechseln das Transportmittel. Mit Toyota Landcruiser SUVs fahren wir in das rotgoldene Sanddünengebiet Erg Chebbi an der algerischen Grenze, um dort den Sonnenuntergang zu erleben. Nur die Fahrt kostet pro Person 30 EUR und wird von allen im Nachhinein als zu teuer bezeichnet. Drei Mitreisende nutzen die Möglichkeit, mit Dromedaren auf die Dünen zu reiten und von dort die Abendsonne untergehen zu sehen.

Danach gibt es Abendessen im Palms Hotel.

Marokkanische Weine sind sehr gut und passen zu jeder Gelegenheit. Sidi Ali und Oulmes, stilles beziehungsweise kohlensäurehaltiges Mineralwasser, ersetzen bei Tisch Wein und Bier, denn gläubige Moslems dürfen keinen Alkohol trinken. Die lokalen Biere Flag und Casablanca ähneln stark den deutschen Lager- Bieren. Wichtigstes Getränk ist jedoch Thé à la Menthe, Minztee, der zum Essen oder auch in den zahlreichen Cafés getrunken wird. Er wird aus grünem Tee und Nana Minze zubereitet. Mit frischen Minzzweigen schmeckt er uns immer wieder sehr gut.


4. Tag – Di 03.03.2020: Erfoud – Fes

In grauer Vorzeit reichte das urzeitliche Mittelmeer mindestens bis Erfoud, so dass bis heute viele versteinerte Ammmoniten, Orthoceras, Trilobiten und Crinoiden gefunden werden. In Erfoud haben sich einige Betriebe darauf spezialisiert, diese heute in Steinschichten eingebetteten Fossilien zu dekorativen Tischplatten, Waschbecken, Vogeltränken usw. zu verarbeiten. Das hat natürlich seinen Preis und den können sich i.d.R. nur gut situierte Touristen leisten. Wir besuchen einen solchen Betrieb und werden von einem deutsch sprechenden Mitarbeiter herumgeführt. Sehr interessant.

Über Errachidia im Oasengebiet des Flusses Ziz erreichen wir den Luftkurort Midelt, im Winter ein beliebtes Skigebiet der Marokkaner. Weiter geht es durch herrliche immergrüne Zedernwälder nach Ifrane, ebenfalls Sommerfrische und Wintersportplatz.

Der exklusive Kurort Ifrane, 55.000 Einwohner, soll laut Anass zu den 5 saubersten Städten weltweit zählen. Unglaublich hier in Marokko. Doch überall, wo der König gerne weilt, ist es extrem sauber und aufgeräumt.

Wir legen eine Mittagspause ein in einem Restaurant, das frische Forellen serviert. Dazu gibt es verschiedene Beilagen, die eher europäischem Geschmack entsprechen.

Bei der Weiterfahrt macht unser Fahrer Abdul einen Stop in einem Kiefernwald, der als Heimat von Berberaffen gilt. Und tatsächlich dauert es nicht lange bis die neugierigen Gesellen uns umringen. Natürlich erwarten sie Futter. Das verteilt ein herbeigeeilter geschäftstüchtiger Händler in kleinen Portionen an uns - ungeschälte Erdnüsse, die von den Affen ruckzuck vertilgt werden.

Die Fahrtstrecke von 420 km am heutigen Tag erscheint uns besonders lang und anstrengend - obwohl uns eine noch längere Etappe bevorsteht.

Anass verkürzt uns die Länge der Fahrt durch seine Erzählungen. So berichtet er z.B. von Abraham. Dieser war für Juden, Christen und Muslime der erste Mensch, der an den einen und einzigen Gott glaubte, ihm absolut vertraute und sogar einen Bund mit Gott schließen durfte. Damit ist er für die drei Glaubensgemeinschaften der gemeinsame Ur-Vater ihrer Religionen. Die heiligen Schriften der Juden, Christen und Muslime erzählen viele Geschichten über Abraham. Muslime nennen ihn Ibrahim.

Gott stellte Abraham auf dem Tempelberg in Jerusalem einst auf eine Probe. Er soll von Abraham verlangt haben, dort seinen Sohn Isaak zu opfern. Voller Verzweiflung aber auch voller Vertrauen soll Abraham dazu bereit gewesen sein. Die Bibel erzählt, dass Gott ihn erst im letzten Moment davon abhielt. Abraham hatte die Prüfung bestanden und bekam seinen Sohn zurück. Dieses Ereignis machte den Tempelberg zuerst für Juden zu einer heiligen Stätte. Sie errichten dort nacheinander zwei Tempel. Beide wurden mutwillig von Feinden zerstört. Später wurde der Ort auch für die Christen zu einem wichtigen Symbolort ihrer Religion.

Mohammed soll genau an dieser Stelle seine Himmelsreise angetreten haben. Laut Überlieferung begegneten ihm dabei viele Propheten, zu denen nach islamischem Glauben auch Abraham, Moses und Jesus gehörten. Zum Gedenken an dieses Ereignis errichteten die Muslime neben der Klagemauer ihren Felsendom und die Al Aqsa-Moschee.

Anass erzählt uns auch von König Salomon von Israel. Ihm wurden, wie auch den anderen Propheten, spezielle übernatürliche Kräfte nachgesagt. Jesus konnte z.B. Tote zum Leben erwecken, Moses das Meer teilen... Salomon soll wie alle seine Zeitgenossen in der Lage gewesen sein, Teufel und Dämonen zu sehen, als einziger diese aber auch zu beherrschen. Als die Königin von Saba, Mâkedâ, ihn besuchte, soll er einem Oberteufel bzw. Dschinn befohlen haben, ihren Thron aus Saba vor ihrem Eintreffen in Jerusalem dorthin zu verbringen. Und so geschah es...

Viele dieser Geschichten aus dem Koran haben wir noch nie gehört.

Anass fragt uns, ob wir an Teufel und Dämonen glauben. Keiner bestätigt das. Er kommentiert unseren Unglauben nicht weiter.

Schließlich erreichen wir das Hotel Les Merinides in Fès, ein recht luxuriöses Hotel, das nach einer alten islamischen Berberdynastie benannt wurde.

Fès ist die älteste Königsstadt des Landes. Als Königsstädte bezeichnet man in Marokko die vier Städte Fès, Marrakesch, Meknès und Rabat. Jede von ihnen war zu einem bestimmten Zeitpunkt in der regionalen Geschichte die Hauptstadt einer der großen Dynastien. Die Herrscher bauten ihre jeweilige Hauptstadt prunkvoll aus, weshalb die Königsstädte heute zu den wichtigsten touristischen Attraktionen Marokkos gehören.


5. Tag – Mi 04.03.2020: Fès

Fès ist ein Zentrum des geistigen Lebens, des Handwerks und des Handels an der Schnittstelle zweier Welten. Seit Jahrhunderten gilt die Stadt als Hochburg des Wissens und der Spiritualität des Maghrebs. In den verschlungenen Gassen der mittelalterlichen Innenstadt gibt es zahlreiche Riads mit schattigen Innenhöfen, die Fassaden zieren typisch maurische Kachelmosaike. Man spürt einen Hauch Andalusiens. Mit der Zeit der Reconquista in Spanien, spätestens aber mit der Eroberung Granadas durch die katholischen Könige, setzte die große Fluchtbewegung der Mauren nach Marokko ein. Dies führte dazu. dass bis heute spanisch-maurische Kunst an vielen Stellen in der Medina, der Altstadt, zu sehen ist.

In Marokkos Altstädten wirken die Häuser von außen alle sehr schlicht und meist eher baufällig. Der erste Eindruck von der historischen Medina ist also alles andere als schön. Die wahre Schönheit liegt im Verborgenen der Häuser und Riads, denn im Islam glauben die Menschen, dass es Unglück bringt, den eigenen Reichtum offen zur Schau zu stellen. Findet man aber Zutritt zu den Häusern, ist die Detailverliebtheit und Pracht der Mosaike und Dekore wirklich sehr beeindruckend.

Die Stadt bot Stoff in Hülle und Fülle u.a. für den Schriftsteller Amin Maalouf. Sein 1986 veröffentlichter Roman "Leo Africanicus. Der Geograph des Papstes" schildert eine Reise in das Fès des 16. Jahrhunderts, das sich bis heute nur wenig verändert hat. Ich habe diesen Roman verschlungen.

Anass überrascht uns heute mit seinem Outfit. Er trägt die Djellaba, das traditionelle marokkanische Männergewand. Es handelt sich um ein bodenlanges Gewand mit spitzer Kapuze, das die Körperkonturen weitgehend verbirgt. Daran könnte auch ich Gefallen finden, aber wo sollte man eine Djellaba in Deutschland tragen?

Heute steht die ganztägige Stadtbesichtigung von Fès auf dem Programm. Am Vormittag stürzen wir uns zunächst in das Getümmel der Medina. Fes hat bis heute die größte "Fussgängerzone" der Welt. Lastenträger mit ihren Eseln und Karren transportieren die Waren zielsicher durch das Gewirr. Die Gassen der Medina erstrecken sich über viele Kilometer. Keine Straßenkarte kann das Labyrinth der engen, unübersichtlichen, verwinkelten Gassen wiedergeben! Wir spazieren durch die Märkte der Handwerker, streifen durch die Stände der Gewürzhändler, sehen den Teppichwebern bei der Arbeit zu. Anass ist unser zuverlässlicher Steuermann.

Im Gerberviertel von Fès erleben wir die ganze Farbenpracht des Orients – samt der dazugehörigen Gerüche! Über verschlungene Treppen erreichen wir eine Aussichtsplattform, von der aus wir den Gerbern in den Hinterhöfen bei der Arbeit zuzusehen können. Dem Besucher wird ein Zweig Minze in die Hand gedrückt und den sollte man unbedingt als Geruchsschutz mitnehmen. In großen Bottichen werden die Häute von Schafen, Ziegen und Kamelen gegerbt und gefärbt. Ab mittags soll es in der Hitze ganz erbärmlich stinken, ja geradezu ekelhaft, doch wir sind schon früh am Tage hier. Das Gerben erfolgt nämlich seit alter Zeit mit einer Mischung aus Urin und Taubenkot, eine natürliche Form des Ammoniak.

Die Arbeiter, die ungeschützt in den Gerbbottichen stehen, können einem wirklich leid tun, auch wenn ihre Arbeit sehr gut bezahlt wird. In der prallen Hitze werden die Tierhäute in der Fäkalienmischung eingelegt, geschrubbt, getrocknet, abgeschabt und auf viele weitere Arten bearbeitet. In einem zweiten Schritt erfolgt das Färben. Vom Dach des Hauses können wir die bunte Vielzahl der Färbebottiche sehen.

Anschließend geht es in die Verkaufsräume des angeschlossenen Ledershops, wo sich einige von uns eine neue Lederjacke, eine Tasche oder sonstige Erzeugnisse kaufen.

Fès hat nicht nur eine der größten Altstädte der Welt, die Medina ist auch die größte Baustelle Marokkos. Fast ein Drittel der Häuser ist einsturzgefährdet! An allen Ecken und Kanten fällt der Blick auf einfallende Ziegelmauern. Die Regierung hat ein großes Renovierungsprogramm aufgelegt um das UNESCO- Weltkulturerbe zu retten und die begonnenen Bauarbeiten sind fast überall zu beobachten.

Wir besuchen eine ganz spezielle Weberei, wo Seide aus den starken Fasern der Blätter von Agaven in alten Webstühlen verarbeitet wird. Die Seide wird vorher in allen möglichen Farben gefärbt und zu einem feinen Faden versponnen. Sie hat einen typisch metallischen Glanz und ist sehr begehrt. Natürlich werden uns auch hier die fertigen Stoffe und Textilerzeugnisse zum Kauf angeboten - ohne dass man uns dazu nötigt.

Ich habe ein ungutes Gefühl angesichts der dichtgedrängten Menschen in den Souk- Gassen der Medina. Der Corona- Virus Sars-CoV-2 greift immer weiter um sich. Wir können es täglich im Internet verfolgen. Die Weltgesundheits- organisation (WHO) empfiehlt, Menschenmengen möglichst zu meiden. Aber in Marokko soll es bisher nur 2 Infizierte geben... Ich vermute, dass liegt an dem hiesigen Gesundheitssystem und Meldewesen. Der afrikanische Kontinent ist wegen seiner sehr intensiven Handelsbeziehungen zu China besonders für Ansteckungen gefährdet. Manche Experten meinen allerdings, der Virus möge keine Hitze, weshalb Afrika weniger gefährdet sei. Die Ereignisse werden sich nach unserer Rückkehr nach Deutschland noch dramatisch überschlagen.

Ausländer sollten in Marokko stark auf die Hygiene achten. Wir waschen unsere Hände grundsätzlich ausgiebig vor und nach dem Essen und nach jedem Toilettengang. Lieber einmal zuviel als einmal zu wenig. Auch vom Handdesinfektionsmittel wird ausgiebig Gebrauch gemacht.

Zur Vermeidung von Magen-Darm-Beschwerden sollte man sich zudem an folgende Regeln der WHO halten (gilt auch ohne Corona):

1. Vermeiden Sie alle ungekochten oder nicht gebratenen Nahrungsmittel sowie Früchte und Gemüse, die nicht geschält werden können.
2. Wenn möglich, vergewissern Sie sich, ob gekochte Nahrungsmittel sorgfältig und in frischem Zustand zubereitet wurden.
3. Vermeiden Sie Trinkwasser aus der Leitung, Eiswürfel oder Speiseeis, wenn Sie sich keine Gewissheit über die Reinheit beschaffen können.
4. Vermeiden Sie Fleisch, Fisch und Schalentiere in rohem Zustand.
5. Risikofreie Getränke sind gewöhnlich heißer Tee, Kaffee, Softgetränke aus Flaschen, Mineralwasser aus Flaschen, Bier, Wein und sonstige Alkoholika.
6. Grundsätzlich gilt: kochen, braten, schälen - oder vermeiden.

Am Nachmittag fahren wir entlang der "Route de Fès" um das ummauerte Fès, vorbei an Mauern mit klotzigen Wehrtürmen und verschiedenen Toren. Die Stadtmauer von Fès ist 15 km lang und wird oft mit der alten Stadtmauer von Jerusalem verglichen.

Von einem Hügel bietet sich uns eine großartige Aussicht auf das Gewirr an Gemäuern und übereinander getürmten und verschachtelten Häusern und Bauten.


6.Tag – Do 05.03.2020: Richtung Süden – nach Marrakesch

Der längste Fahrtag unserer Rundreise (550 km) bringt uns heute durch großartige Landschaften bis zur Region um Beni Mellal mit Obstplantagen und Olivenhainen und von hier aus weiter entlang der Berge des Mittleren Atlas nach Marrakesch, eine der vier Königsstädte Marokkos und oft auch als „Perle des Südens“ bezeichnet. Wir brechen am frühen Morgen auf und sind erst kurz vor dem abendlichen Dinner am Zielort, dem Hotel Palm Plaza. Natürlich wird die Fahrt mehrfach für "Hygienestopps", einen kleinen Imbiss, Kaffee oder Tee unterbrochen.

Unterwegs erzählt uns Anass die Geschichte von dem vermögenden Barbiersohn Hasan aus 1001 Nacht, dessen Schicksal immer seine Frauen wurden. Mit seiner Erzählweise versteht Anass uns alle zu gebannten Zuhörern zu machen. Großes Kompliment!


7. Tag – Fr 06.03.2020: Marrakesch

Heute morgen ist es noch recht kühl. Wir starten unsere Stadtbesichtigung im alten Ménara-Garten, einem Olivenhain rund um ein großes Wasserbecken (Bassin La Ménara), eigentlich keine besondere Attraktion für das Touristenauge.

Weiter geht es zur maurischen Koutoubia-Moschee mit ihrem 77 Meter hohen Minarett, dem Wahrzeichen Marrakeschs, dessen Höhe nicht von anderen Gebäuden übertroffen werden darf.

Bis auf die riesige Hassan-II.-Moschee in Casablanca dürfen Ungläubige in Marokko keine Moschee von innen betreten. Das gilt seitdem französische Soldaten während der Protektoratszeit gläubige Muslims in einer Moschee in Marrakesch erschossen haben.

Der Bahia Palast aus dem 19. Jahrhundert ist ein Prachtbau mit riesigen Ausmaßen. Auf 8.000 Quadratmeter befinden sich 160 Räume und viele Riads (Innenhöfe), dazu auch einige Gärten. Hier residierte ein Großwesir. Mit seinen maurischen und andalusischen Bauelementen erinnert der Bahia- Palast ein wenig an die Alhambra im spanischen Granada. Graziöse Stuckarbeiten und aufwendig geschnitzte Raumdecken aus Zedernholz treffen auf kunstvolle Mosaike und dekorative Arabesken.

Bis auf wenige Ausnahmen wollen wir alle den Jardin Majorelle sehen, einen 4.000 m² großen botanischen Garten, den vor ca. 100 Jahren der französische Maler Jaques Majorelle angelegt hat. Eine spezielle Abstufung des Kobaltblaus, die er im Garten sehr oft verwendete, nennt man nach ihm Majorelle-Blau. Später erwarb der Modedesigner Yves Saint Laurent den Garten und holte sich hier Inspirationen für neue Kollektionen. Der arabische Garten beeinhaltet viele Palmen- und Bambus- arten, Seerosenteiche und Kakteenanlagen. Sein Besuch lohnt sich wirklich!

Und noch einen ganz besonderen Garten gibt es in der Nähe. Der Anima Garten von André Heller liegt 27 km außerhalb von Marrakesch. Die Sehenswürdigkeit soll ein unvergesslicher Ausflug in eine zauberhafte Welt, eine Symbiose aus Kunst und Natur, sein. Wir haben diesen Garten leider nicht gesehen.

Das Mittagessen nehmen wir im Hotel ein weil der Veranstalter dort nur Zimmer mit Halbpension buchen konnte. Das Abendessen ist heute anders verplant. Die kleine Erholungspause tut uns allen gut.

Gesättigt und mit gestilltem Durst fahren wir zu den Saadier- Gräbern aus dem 16. Jahrhundert. Die Anlage besteht aus zwei Mausoleen mit prachtvollen Mosaik-, Stuck- und Zedernholz- Verzierungen sowie zahlreichen Außengräbern. Erst 1917 wurde die Nekropole wiederentdeckt nachdem sie lange Zeit mit einer Mauer verschlossen war. Der Tote wurde schon damals auf der Bahre bis zum Grab getragen, hineingehoben und dort rechtsseitig in der Gebetsrichtung nach Mekka niedergelegt. Deshalb sind die Gräber auch nur ca. 30- 40 cm breit.

Wir schlendern durch die engen Gänge der Souks. Hier ist es fast immer voll, manchmal laut und immer lebendig. Und hier wird alles verkauft, was die Einheimischen brauchen und die Touristen schön finden, kunstvolle Spiegel, Messing- und Silbergefäße, bunte Hängelampen, wunderschöne Keramik. Einige Schritte weiter Erbsen, Auberginen, Äpfel und Orangen, Tomaten, Gewürze, Oliven und Datteln. Dann wieder Lederwaren, orientalische Gewänder für den Herrn, Kaftans, und wertvolle lange Kleider für die Dame, ergänzt um Babouches, ultraflache Slipper. Teppiche und Schmuck sind natürlich auch zu finden.

Anass führt uns in die Naturapotheke Herboristerie Bab Agnou. Ein deutsch- sprachiger Angestellter bittet uns in einen separaten Raum und stellt uns die Wirksamkeit der angebotenen Naturheilmittel vor. Wir bekommen Riech- und Kosmetikproben. Mich beeindruckt die Riechprobe von zerriebenem Schwarzkümmel, die mir fast die Schädeldecke abhebt... Die Produkte sind alle qualitativ sehr gut und zertifiziert und nach Meinung erfahrener Anwender nicht überteuert.

Heute ist Freitag, der Tag des Gemeinschaftsgebetes (oder Freitagsgebetes) der Muslims, das am Nachmittag stattfindet. Die Teilnahme daran ist für die Gläubigen verpflichtend, zumindest für die Männer. Während dieser Zeit sind die Geschäfte geschlossen. Aber es gibt sowieso keine festen Öffnungszeiten. Jeder Händler macht es nach Gutdünken. Bei Einbruch der Dämmerung müssen jedoch alle Geschäfte in den Souks geschlossen und die auf den Wegen ausgebreiteten Waren weggeräumt werden.

Die Hauptachse der Souks endet an einem berühmten Platz, dem Djemaa el-Fna. Der besondere Reiz von Marrakesch liegt in seinem farbenprächtigen Alltagsleben auf diesem Hauptplatz. Der Platz der Gehängten, auch Platz der Gaukler genannt, ist Marrakeschs pulsierendes Zentrum und vermutlich einer der bekanntesten Plätze in ganz Afrika.

Einst sollen hier die Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt worden sein. Heute machen Gaukler, Schlangenbeschwörer, Affendresseure, Akrobaten, Musiker und Tänzer den Platz ab dem späten Nachmittag zu einem einzigen Freilichttheater! Ein Sprichwort besagt: "Hast Du einen Tag in Marokko, verbringe ihn in Marrakesch. Hast Du nur eine Stunde, verbringe sie auf dem Djemaa el-Fna!"

Einen sehr guten Überblick über das Spektakel auf dem Djemaa el-Fna hat man von der Balkon- Terrasse des Café de France. Von hier kann ich bei einem Glas frisch gepressten Orangensaft (es gibt keinen Alkohol) das bunte Treiben und die vorüberziehenden Rauchschwaden der Grillmeister beobachten.

Zu Abend speisen wir heute in dem berühmten Restaurant Dar Essalam mitten in der Medina von Marrakesch. Es gibt marokkanisches Essen (Mezze, Tajine, Cous Cous, Obst) und Folkloredarbietungen. Die Qualität des Essens (Fleisch völlig überkocht und zäh, leider nicht au point) läßt zu wünschen übrig. Das Ambiente hingegen ist fantastisch. Hier drehte Alfred Hitchcock Szenen seines Meisterwerks "Der Mann, der zuviel wusste" und auch Winston Churchill und andere Prominente sollen hier zu Gast gewesen sein.

Viele von uns unternehmen im Anschluß eine Kutschfahrt durch das alte Marrakesch. Die daran nicht Interessierten lassen sich ins Hotel fahren. Auf uns wartet der Schlaf der Gerechten.


8. Tag – Sa 07.03.2020 – Rückflug nach Deutschland

Nach einem frühen Frühstück werden wir zum Flughafen nach Agadir gebracht. Der Rückflug mit dem Kranich verläuft ohne Komplikationen.

Auf dieser einwöchigen Reise haben wir viele Stunden im Bus verbracht, insgesamt sind wir fast 2.300 km auf Achse gewesen. Das gefiel mir nicht besonders, aber ich hätte mich vorher erkundigen bzw. die Routenbeschreibung sorgfältig lesen können.

Ansonsten hat Marokko meine Erwartungen weit übertroffen. Die Schönheit der Landschaften und alten Städte, die Farben und Gerüche der Natur und der Souks, Licht und Schatten Nordafrikas und nicht zuletzt die Freundlichkeit der Menschen ergeben eine grandiose Symphonie von Eindrücken, die ich mitnehme.

Besonders hat mich die Zurückhaltung und Unaufdringlichkeit der Händler in den Souks begeistert. Negative Beispiele kenne ich zur Genüge aus der Türkei und von Ägypten.

Hierher möchte ich noch ein weiteres mal reisen - dann mit mehr Kontakt zu den Marokkanern, auch wenn ich nicht Französisch spreche.

Nochmals vielen Dank an Anass für die sehr kurzweilige und interessante Führung durch sein Land! Ich habe viel dazugelernt.

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Marokko:

- KulturSchock Marokko von Muriel Brunswig, Reise Know-How Verlag *****

- Reisehandbuch DuMont Marokko

- Belletristik: Leo Africanus - Der Geograph des Papstes von Amin Maalouf *****

Machen Sie bei einer organisierten Rundreise nie den Fehler, sich einen Reiseführer für Individualreisende zuzulegen! Sie brauchen schließlich keine Touren- oder Übernachtungsvorschläge. Auf diesem Hintergrund ist es für mich völlig unverständlich, dass der Veranstalter RV Touristik seinen Reisegästen das Taschenbuch von Polyglott "Marokko on Tour - individuelle Touren durch das Land" als Reiselektüre zur Verfügung stellt... Zudem ist dieser Band inhaltlich wirklich sehr schlecht.



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