1. Tag, Sonntag, 27.10.2013: Ankunft in Bangkok
Tropisch warm empfängt mich die
Thai- Metropole Bangkok. In dieser Jahreszeit liegen die
Tagestemperaturen immer über 30° C. Ich bin wieder in
meinem geliebten Südostasien. Erstmal eine lokale SIM- Karte
fürs Smartphone kaufen. Dafür kommt z.B. das preiswerte
Prepaid- Angebote von Happy (dtac) infrage. 1,5 GB
Datenvolumen für vierzehn Tage kosten ca. 14 €.
Am Airport treffe ich auf die Studiosus- Reisegruppe,
Reiseleiter Tom und den thailändischen Reisebegleiter, Herrn
Him. Die Mitreisenden sind im Gegensatz zu mir mit der vom
Veranstalter gebuchten Thai Airways hierher geflogen. Ich bin mit Emirates via Dubai hergekommen.
Unser Stadthotel ist das Pullman Bangkok Hotel G in der Silom Road. Die geräumigen, ganz in weiss gehaltenen Zimmer haben deckenhohe Fenster mit Blick auf die Hochhäuser der Stadt. Mein Zimmer liegt in der 29. Etage. Das Hotel hat 5 thailändische Sterne, die sind jedoch ein wenig kleiner als in Europa. Hier beginnt also unsere organisierte Rundreise durch die Mitte und den Norden von Thailand.
Die Nachbarländer habe ich bereits in den letzten Jahren besucht. In Thailand, dem ehemaligen Siam, sollen sie zusammentreffen, der orthodoxe Buddhismus der Mon aus Myanmar und die hinduistisch- brahmanische Kultur der Khmer aus Kambodscha. Wie bei den Nachbarn wechselten die herrschenden Völker auch hier ihre Hauptstadt im Laufe der Jahrhunderte: Sukhothai, Ayutthaya, Bangkok. Thailand ist seit dem letzten Weltkrieg eine konstitutionelle Monarchie.
Dem alten König Bhumibol Rama
IX. und Königin Sirikit werden
vom Volk viel Respekt und Sympathie
entgegengebracht. Überlebensgroße Bilder des
Königspaares schmücken viele Straßen. In jedem
Haushalt, Laden und Restaurant findet man
Portraitaufnahmen. Der König hatte vor
seiner Inthronisierung in
Boston studiert und ist ein weltoffener Mann. Ganz im Gegensatz zu
seinen Vorfahren, vor denen sich das Volk noch niederwerfen musste und die man gar bei ansonsten verhängter Todesstrafe nicht ansehen durfte.
König Bhumibol hörte und sah sich die Probleme seines Landes und Volkes
an. In den frühen Jahren seiner Regentschaft reiste er dabei mit einer Kamera um den Hals wie ein Tourist
durch das Land. Und so wird er auch oft abgebildet, ja sogar mit
Schweißperlen auf der Stirn und einem Schweißtropfen an der
Nase - was seine Volksnähe unterstreichen soll und den
Thailändern signalisiert: Euer König ist auch nur ein Mensch!
Leider wurde der Aufbau demokratischer Strukturen bis heute durch zahlreiche Militärputsche nachhaltig behindert. Es gibt innere Unruhen und Grenzkonflikte. Bisher ist es nicht gelungen, das ökonomische Ungleichgewicht zwischen der wohlhabenden Hauptstadt Bangkok und dem armen Nordosten zu regulieren - soziale Spannungen sind die Folge. Hungern muss allerdings niemand in Thailand - sagt Tom.
Nur 3 Wochen nach unserem Besuch erschüttern gewalttätige Krawalle oppositioneller Gruppen die Hauptstadt Bangkok. Vordergründig geht es um die Entmachtung der Familie Shinawatra, der auch die amtierende Ministerpräsidentin angehört. Aber die politischen Fronten lassen sich mit europäischen Maßstäben kaum beurteilen.
Heute nachmittag gönne ich mir eine Fußmassage im SPA- Bereich des Hotels: Nuad Tao, die Fußreflexzonenmassage, basiert auf der Theorie, dass bestimmte Zonen auf den Fußsohlen mit inneren Organen des gesamten Körpers in Verbindung stehen. Mit Ölen und pflegenden Kräutercremes werden in sanften Streichbewegungen Fuß und Wade sowohl gelockert als auch entspannt. Die Reflexzonen des Fußes werden mit einer speziellen Drucktechnik gezielt stimuliert. Nach der Massage fühle ich mich wie neugeboren, es gibt aber auch Stimmen anderer, bei denen eine Fußmassage zu Muskelkater an anderen Stellen des Körpers geführt haben soll.
Beim gemeinsamen Abendessen in einem ausgezeichneten Restaurant am Fluss, dem Supatra River House, kosten wir die ersten Thai- Spezialitäten. Die Restaurantküche nimmt Rücksicht auf die ungeübten Mägen unter uns. Bei fast allen Gerichten hat man auf die Zugabe von Chilli verzichtet.
Über die Thaiküche lässt sich viel
erzählen. Sie vereinbart Einflüsse aus China, Indien
und Indonesien, behält dabei aber einen
eigenständigen Charakter. Exotische, immer frische Zutaten
machen die Landesküche zu einem besonderen Geschmackserlebnis
mit fruchtigen, scharfen und sehr aromatischen Bestandteilen. Mit
Ausnahme des Desserts werden alle Gerichte gleichzeitig serviert. Die
Thais lieben es zu essen und speisen oft in großer Runde. Pro
Person gibt es mindestens zwei Gerichte und jeder probiert von allem.
Gegessen wird mit Gabel und Löffel. Das Messer wird in Thailand nur als Gebrauchsgegenstand in der Küche oder als
Waffe genutzt. Ich liebe die Thaiküche und ganz besonders die
scharfen Thai- Currys mit Chilli und Kokosmilch und die Suppen.
Diese Nacht schlafe ich tief und fest. Das kenne ich, der erste
Tag einer solchen Reise ist für mich immer von einem
hohen Schlafdefizit geprägt, weil ich im Flieger einfach
nicht richtig schlafen kann. Und wenn einem dann noch ein Boxspringbett als Liegestatt geboten wird...
2. Tag, Montag, 28.10.2013: Klongs und Prangs
Der junge Morgen beginnt mit einem opulenten Frühstück im Hotel, bei dem es an nichts fehlt. Für Asiaten und Europäer ist gleichermaßen gesorgt.
Ein Bus bringt uns zum Fluss Chao Phraya, an dessen Ufer wir
eine Barkasse besteigen. Unser Kahn tuckert gemächlich den Fluss
hinauf und wird überholt von Schnellbooten mit
offenen Antriebswellen und Schrauben sowie Innenbordern. Sie
machen einen Höllenlärm, bringen aber ihre Passagiere sehr
schnell von A nach B. Diese Art Bootsmotorisierung ist auch auf dem
Mekong und dem Irrewaddy üblich. Der deutsche TÜV würde
die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sofortige Stilllegungen verfügen. Mehrere
Schubverbände kommen uns entgegen. Sie transportieren Waren auf dem Chao Praya.
Wir zweigen ab in einen der wenigen Seitenkanäle und beginnen eine
Klongfahrt. Klongs, das sind die alten Kanäle der Stadt, die man
zunehmend wegen der von ihnen ausgehenden Seuchengefahr aber auch
zur Gewinnung zusätzlichen Baulandes zugeschüttet hat. Wir
passieren das Museum der königlichen Barken.
Dann gilt es eine
Schleuse zu durchfahren, die die
Wohngebiete von den alle Jahre wiederkehrenden Hochwasser-
Überschwemmungen weitgehend verschonen soll. Ein Mann taucht
in der
Schleusenkammer unter die große Röhre eines
Abwasserkanals und sucht in
den Sedimenten nach wertvollen Gegenständen, wie z.B. Ringen,
die
aus Versehen in den Abfluss gefallen sind. Jedesmal wenn er
wieder auftaucht hält er eine "Goldwäscher- Pfanne" in
der Hand, die er wie damals die Goldsucher am Klondike River suchend
vor sich her
schwenkt. Vermutlich hat er
keine Wahl, denn hier in der Metropole gibt es sowohl sehr arme
Menschen, als auch sehr
reiche, wie schon die noblen Neubauten in traditioneller Holzbauweise an den
Klongs beweisen. Deren Mauern haben ihre Bewohner mit Stacheldraht und Videokameras gesichert. Überall auf der Welt
prallen in
den Großstädten soziale Unterschiede besonders brutal aufeinander.

Unser Ziel ist Wat Arun, der Tempel
der Morgenröte.
Seinen Mittelpunkt bildet ein
86 m hoher Prang, der
eindrucksvoll mit Muscheln und kleinen Porzellanstücken verziert ist.
Das erinnert mich sehr an Antonio Gaudis Parque Güelle in
Barcelona. Aber nur Gaudi kann abgekupfert haben, nicht umgekehrt.
Im Unterschied zum Chedi hat ein Prang einen quadratischen
Grundriss. Er ist brahmanischen Ursprungs und kam mit den Khmer nach
Thailand. Der quadratische Unterbau wird immer höher und
bekommt Reliquienkapellen, zu denen steile Treppenaufgänge an
allen vier Seiten hinaufführen. Auf einer Dachpyramide erhebt
sich ein hoher Turm, bekrönt von einem Dreizack, der Waffe Shivas, und einem goldenen Schirm.
Es handelt sich nicht um ein Gotteshaus, sondern um einen Kultbau, ein
Denkmal.
Phra Prang, wie der zentrale Prang des Wat Arun ehrfurchtsvoll genannt wird, ist der bekannteste Prang Thailands. Seine Bauweise spiegelt den Aufbau des Kosmos nach der indisch beeinflussten Kosmologie Thailands wider: aus der Mitte des Weltmeeres erhebt sich der Weltenberg Meru, auf dessen Spitze der Hindu-Gott Indra seinen Palast hat. Indra ist auf seinem Reittier, dem Elefanten Erawan ganz oben am Prang in alle vier Himmelsrichtungen blickend dargestellt.
Wir laben uns an einem Mittagsbuffet auf einem Restaurantschiff an
der Phra Pok Klao Bridge. Eigentlich eine große Touri-
Abfütterungsstation, aber es ist okay, denn es geht
schnell und die Qualität ist gut. Die Nudelsuppe schmeckt
mir, besonders nachdem ich etwas Fischsauce, Zucker und natürlich
Chillis zugegeben habe. So kenne ich die Pho- Suppe aus Vietnam. Auf
Chillis werde ich für den Rest der Reise bei keinem warmen
Gericht mehr verzichten. In
Thailand trinkt man Singha- oder Chang- Bier, Löwen- oder
Elefantenbier - um bei den Markenzeichen zu bleiben. Ich bevorzuge das
etwas leichtere Singha Lager mit 5 Vol-%.
Reiseleiter Tom ermahnt die Gruppe sehr nachdrücklich, hier im Restaurant die Toiletten zu benutzen bevor es zum Königspalast weitergeht. Aber das ist eben Studiosus, der Reiseveranstalter, der seine Gäste "pampert" und an die Hand nimmt. Vielleicht ein Grund, warum das Durchschnittsalter auf den Studienreisen recht hoch ist? Ein weiterer Grund ist der Preis.
Der Königspalast, auch Grand Palace
genannt, wird als Hauptattraktion Bangkoks gehandelt. Keine
Besuchergruppe verzichtet auf einen Besuch der 220.000 m² großen
Anlage aus dem 18. Jh. Wir auch nicht. Den Palastbezirk
betritt man als Tourist durch den Besuchereingang, das Wissedtschairi-
Tor. Wir wundern uns über die europäisch anmutenden
Palast- und Empfangsgebäude, die wir als erstes sehen. Einzig die
Dächer der östlich gelegenen Empfangshallen sind
thailändischer Bauart. Die Gebäude selbst könnten so
mit wenigen Ausnahmen auch in europäischen Hauptstädten stehen. Das finde ich etwas
merkwürdig. Man hat hier den westlichen Baustil adaptiert.
Aber der "Inner Circle", der Sakralbereich, gibt einem den Glauben
an das asiatische Thailand wieder zurück. Hier hinein kommt
man erst nach einer offiziellen Bekleidungsinspektion. Shorts,
Röcke, die nicht bis zu den Fussknöcheln gehen, und
unbedeckte Schultern sind nicht erlaubt. Im Beanstandungsfall
können die Damen sich einen Sarong, ein großes
Wickeltuch, ausleihen. Aber die Wächter
machen schon mal Ausnahmen: Hübsche junge Japanerinnen werden auch
im Minirock durchgelassen. Selbst gesehen - so ist es halt. Macho, Macho auch in Asien....
Zum Sakralbereich des Königspalastes gibt es für mich folgendes hervorzuheben:
Natürlich den Smaragd- Buddha, eine 75
cm kleine aus Nephrit, also Jade, geschnittene Statue, die
auf einem riesigen vergoldeten Thron im Wat Phra Kaeo,
Thailands heiligstem Tempel, thront. Der Smaragd-Buddha ist also
keineswegs aus Smaragd. Wie bei
allen buddhistischen
Heiligtümern muss man vor dem Betreten die Schuhe ausziehen.
Es herrscht
absolutes Foto- und Videoverbot im Inneren der prachtvoll, mit Szenen
aus dem Leben Buddhas ausgeschmückten Tempelhalle. Kurioserweise kann
man den Smaragd- Buddha aber direkt und frontal durch ein offenes Fenster an
der gegenüberliegenden Wand von außen fotografieren.
Voraussetzung ist ein lichtstarkes Tele und ein Stativ. Beides habe ich leider nicht dabei (daher die Unschärfe auf dem Foto).
In einem angrenzenden Wandelgang werden in kunstvollen Wandgemälden die Episoden aus dem indischen Nationalepos Ramayana und der thailändischen Geschichte erzählt. Die Darstellungen sind mit vielen Goldintarsien gestaltet.
Und letztlich wäre da noch das Modell der Tempelanlagen von Angkor Wat zu nennen, bei dem mir die frevelhafte Aussage über die Lippen kommt, dass Erbauer Rama IV. hier nur noch die Märklin- Modelleisenbahn vergessen habe.
Hier endet unser heutiges Kulturprogramm. Dem Rat von Reiseleiter Tom und dem Diktat unseres Körpers gehorchend hat jeder von uns bis jetzt schon ca. 2 l Mineralwasser und Kokosnusswasser in sich hineingeschüttet, das fast in gleichem Tempo wieder ausgeschwitzt wurde. Erstmal zurück ins Hotel, frisch machen.
Und dann Bangkok am Abend entdecken. Es bilden sich
Grüppchen, einige Ehepaare möchten allein etwas unternehmen.
Ein pensionierter Oberlehrer macht sich zum Anführer einer Gruppe,
die zum Erawan- Schrein will, einem Geisterhaus, das zu einem ehemaligen Hotel gehörte.
Ich möchte lieber über den Nachtmarkt
streifen, verabrede mich mit einem anderen Alleinreisenden. Wir verpassen uns, also solo los.
Zunächst versuche ich im Dunkeln eine große Strasse auf
einem Zebrastreifen zu überqueren. Anfangs vergeblich, keine
Fussgängerampel und keine haltenden Fahrzeuge. Der Verkehr braust
an mir vorbei bis ich mir ein Herz fasse und zwischen den teils
haltenden, teils fahrenden Autos auf die andere Strassenseite springe.
Ein Bummel über die Silom Road
und die dazu parallel verlaufende Surawongse Road ist in jedem
Fall lohnenswert. Neben Boutiquen, Sportgeschäften oder
Drogeriemärkten gibt es auch zwei große
Kaufhäuser. Vom frühen Abend bis etwa 24 Uhr
ist an der Silom Road Nachtmarkt. Dort findet man neben typischen
Souvenirs auch
reihenweise Stände mit Taschen, Uhren, T-Shirts und
Sonnenbrillen - und natürlich Garküchen. Wie überall beim Einkaufen auf Bangkoks
Straßen sollte man auch auf dem Nachtmarkt kräftig
handeln. Für Touristen werden mitunter horrende Preise
aufgerufen, die sich jedoch um ein Vielfaches herunterhandeln lassen.
Ja, und dann gibt es da natürlich noch die Bars und Bordelle mit den
Mädchen und Ladyboys. Neben Pattaya und Phuket ist Bangkok das dritte Zentrum des allgegenwärtigen
Sextourismus in diesen thailändischen Städten. In Bangkok konzentriert sich das Rotlicht- Gewerbe rund
um die Silom Road im Vergnügungsviertel Patpong.
Die Thais nennen ihre Hauptstadt übrigens "Krung
Thep", Stadt der Engel. Hat aber wohl eine andere Bedeutung...
3. Tag, Dienstag, 29.10.2013: Markt und Tempel
Letzte Nacht hat es geregnet. Das führt bei nunmehr 34° C und 80% Luftfeuchtigkeit zu einer gefühlten Ganztagesauna. Kaum habe ich das Hotel oder den Bus verlassen, läuft der Schweiß auch schon in Strömen. Nicht gerade angenehm.
Ein Mitreisender berichtet, er sei bei dem Versuch, die
Restaurant- Plattform des Baiyoke Tower II zu betreten, unter
Verweis auf seine Sandalen abgewiesen worden. Ob das
wohl religiöse Gründe gehabt habe? Der Reiseleiter
meint, es sei wohl einfach der nicht eingehaltene Dresscode gewesen.
;-)
Acht Millionen Einwohner sind täglich in Bangkok unterwegs, nur die Mönche heben sich safrangelb von der Menge ab.
Wir besuchen den Tha Thewes Markt,
den Blumenmarkt, wo sich die Thais mit frischen Orchideen, Hibiskus,
Jasmin, Lotus, Frangipani und vielen weiteren Blumen versorgen. Die kleinen gelben Blüten
werden für die Herstellung der Glück verheißenden
Blumenketten benötigt. Ganze Beutel voller gelber
Blüten nimmt der gläubige Thai in die Tempel mit und opfert sie. An
den Blumenmarkt schließt sich ein Gemüsemarkt an, wo man die
üblichen vegetarischen Zutaten der Thaiküche erwerben kann.
Beeindruckend für mich ist die große Auswahl an Chillis,
Galgant und Ingwer.
Im Anschluss an den Marktbesuch geht es zum Wat Pho,
dem ältesten und größten Tempel Bangkoks. Auf seinem
Gelände befindet sich auch eine berühmte Schule für
angehende Thai- Masseure.
An einem Eingangsportal erläutert uns Reiseführer Tom die Bedeutung der Farben der dort wehenden Flaggen: gelb ist
die Farbe des Königs, blau die der Königin und
safrangelb/orange die der Mönche und der Religion. Daneben gibt es
noch die offizielle thailändische Nationalflagge in
rot-weiss-blau.
Berühmt ist der Wat Pho vor allem durch eine 46 m lange und 15 m
hohe liegende Buddha- Statue.
Leider erlaubt das ihn umgebende Gebäude nicht die Erfassung
dieser Dimensionen. Man steht unmittelbar vor dem liegenden
Buddha. Besucher und Gläubige müssen im Uhrzeigersinn um die
vergoldete Statue herumprozessieren. Ziselierte Bilder auf den Fußsohlen der
Statue stellen Episoden aus dem Leben des Erleuchteten dar. Eine noch
größere Statue mit 70 m Länge habe ich in
Yangun, Myanmar, gesehen.
95% der Thais sollen bekennende Buddhisten sein. Inwieweit die
Religion aber in deren Leben noch wie früher die zentrale Rolle
spielt, vermag ich nicht zu beurteilen. Vor kurzem ist der Oberste Mönchspatriarch, Somdet Phra Nyanasamvara, im Alter von 100 Jahren gestorben. Er war das geistliche Oberhaupt der Thais. Die Trauerfeierlichkeiten dauern noch an, die Gläubigen tragen schwarze oder weisse Kleidung als Zeichen ihrer Trauer.
Im Hof vor dem Heiligtum der liegenden Buddha- Statue sind fast einhundert Prangs und Chedis zu bewundern, die berühmten Kult- Türme.
Der Bus bringt uns zum früheren Ortsende. Hier begannen damals die Reisfelder, aber schon seit langem hat die Stadt das Land erobert. Ein Hauch von Italien weht uns entgegen. Vor 110 Jahren importierte man feinsten Carrara- Marmor aus der Toskana für den Bau eines neuen Tempels, des Wat Benchama-Bo-Bitr, im Volksmund auch Marmortempel genannt.
Neben dem Baumaterial führten die Thais auch gleich westliche
Bauelemente wie bleiverglaste Kirchenfenster ein, natürlich mit
Darstellungen Buddhas auf dem bunten Glas. Aber auch an chinesischen
Statuen, egal ob grimmigen Wächtern oder monströsen Tieren
fanden die Thais Gefallen und stellten sie in ihre Tempel. Das Dach des
Marmortempels deckten sie mit glasierten chinesischen Rundziegeln.
Mit anderen Worten, die Thais sind zumindest in ihrer jüngeren
Geschichte wohl recht liberal gewesen, was die Akzeptanz und Adaption anderer
Baustile und Kunstgegenstände aus aller Welt angeht. Man wundere sich nicht,
wenn man in einem hinduistischen Tempel Buddha- Statuen oder in einem
buddhistischen Tempel eine bronzene Kuh findet. Alles scheint
möglich.
Apropos Kuh: "Schwein" heißt auf Thai übrigens "Mu", sagt Him, unser thailändischer Co- Reiseführer, der sich als großes Organisationstalent entpuppt. Rind heisst aber nicht "Grunz", sondern "Nua".
Aber zurück in den Marmortempel. Eine Wandelhalle mit
Marmorböden und -säulen beherbergt 50 Buddhafiguren aus
Süd-Ost-Asien, die die gesamte kunsthistorische Entwicklung der
buddhistischen Religion repräsentieren. Es handelt sich um
Repliken, die in Bronze gegossen wurden. Unter all den verschiedenen
Buddhadarstellungen gibt es Gemeinsamkeiten. Buddha wird immer
mit verlängerten Ohrläppchen dargestellt, weil er im ersten
Teil seines Lebens ein reicher Prinz gewesen sein soll und Fürsten
ihre Ohren mit schweren goldenen Ringen behängten. Als Buddha
sich von seinem fürstlichen Leben löste, blieb die dauerhaft
veränderte Form seiner Ohrläppchen. Eine
andere Gemeinsamkeit
ist, dass Buddha fast durchgängig mit fraulichen Hüften und
angedeuteten Brüsten dargestellt wird. Dies soll seine
Geschlechtslosigkeit unterstreichen.
Den programmfreien Nachmittag und Abend nutze ich zu einem
asiatischen Chillout. Ich nehme nochmals eine wohltuende
Fußmassage, erkunde die Garküchen auf der Strasse und lass
mir das hiesige Singha- Bier schmecken. Nach einer Einkaufstour durch
die hiesigen Malls und Konsumtempel steht mir nicht der Sinn und mein
Bedarf an Tempeln ist für heute auch gedeckt.
4. Tag, Mittwoch, 30.10.2013: Bang Pa In und Ayutthaya
Mit
einer Ausflugsbarkasse geht es flussaufwärts den Chao Praya
hinauf. Die Fahrt ist nicht sonderlich ereignisreich. An Bord wird ein
frühes Mittagsmahl in Buffet- Form serviert. Die Tom Yam
Gung, die berühmte thailändische Garnelensuppe, schmeckt
hervorragend. Ein Mitreisender meint Seife zu schmecken, es ist
natürlich der für viele Gaumen ungewohnte Geschmack von Thai-
Koriander.
Nach kurzer Busfahrt erreichen wir die bei den Gläubigen sehr beliebte Tempelanlage Wat Phanan Choeng. Im
Außenbereich kann man gegen eine Spende "Öl ins Feuer
gießen" - ein uralter Brauch. Dazu bekommt der Spender ein
kleines Ölgefäß, mit dem er bereits brennende
Öllampen befüllen kann. An einem anderen Stand erwerben
die Gläubigen "Spendeneimer". Das sind gelbe
Plastikeimer, die mit allem möglichen, was ein Mönch für
das tägliche Leben braucht, befüllt sind. Der Preis des
Eimers richtet sich nach dem Wert seines Inhaltes. Mit den Spenden, egal ob Geld-, Essens- oder Sachspende verhält
es sich so: Kein Mönch bedankt sich bei deren Entgegennahme, denn der Spender gibt nicht aus Barmherzigkeit, er erkauft sich mit seiner Spende vielmehr ein besseres Karma, ein spirituelles Konzept, nach dem jede Handlung – physisch wie geistig – unweigerlich eine Folge hat. Diese muss sich nicht unbedingt im aktuellen Leben auswirken, sie kann sich möglicherweise auch erst in einem der nächsten Leben manifestieren.
Der eigentliche Magnet aber ist der große goldene Buddha Luang Pho Tho (merkwürdiger Name...), der im Tempel thront. Die Gläubigen werfen Helfern, die auf seinen Hüften und Schoß stehen, safranfarbene Tücher zu, die diese über die Schultern der riesigen Statue ziehen. Buddha wird eingekleidet.
Unser nächstes Ziel ist die ehemalige Sommerresidenz des
Königs, Bang Pa- In. Italienische Villen, französische und chinesische
Bauten, alte europäische Gartenbaukunst verschmelzen in diesen gepflegten Parkanlagen mit grazilen thailändischen
Palästen. Unromantisch könnte man auch von einem Sammelsurium unterschiedlicher Baustile sprechen.
Bauten in gotischem Stil treffen auf Salas, pagodenartige
Dächer, die eine offene Plattform krönen. Kitschig über
Jahrzehnte in Tierform geschnittene Buchsbäume vermitteln den
Eindruck, als würde eine Elefantenherde auf dem englischen Rasen
weiden. An anderer Stelle sitzen kleine Hasen auf dem Grün.
Die gesamte Anlage ist eine Mischung aus Schönbrunn, Sanssouci und Versailles - alles natürlich abgespeckt - mit einigen asiatischen Komponenten. Reiseleiter Tom erläutert, dies würde die kosmopolitische Einstellung des späteren Vollenders des Sommersitzes, Rama V., zum Ausdruck bringen, der sich im 19. Jh. von Einflüssen aus aller Welt inspirieren ließ.
Ich meine, eine Besichtigung hätten wir uns sparen können, die Originale liegen schließlich in Europa, aber die Anlage lag ja "auf dem Weg".
Zudem ist es unglaublich heiß und schwül. Da fällt mir ein Song von Zweiraumwohnung ein, "36 Grad und es wird noch heißer...". Glücklicherweise verteilt unser Bus- Boy immer wieder gekühltes Mineralwasser und Softdrinks und - nach Exkursionen auf Schusters Rappen - auch gekühlte textile Erfrischungstücher. Bier darf in den Bussen seit einiger Zeit nicht mehr verkauft werden. Zumindest in den öffentlichen Überlandbussen herrscht aber auch ohne Alkohol gute Stimmung. Die meisten dieser Busse haben Karaoke- Anlagen an Bord, so dass neben dem jeweiligen bislang unentdeckten Gesangsstar auch noch der ganze Bus mitsingen kann. Und davon wird ausgiebig Gebrauch gemacht, behauptet Tom.
Eine weitere halbe Stunde Busfahrt später treffen wir in Ayutthaya
ein.
Über Jahrhunderte erschufen 33 Könige in der alten
Hauptstadt Siams, dem heutigen Thailand, eine schier
unüberblickbare Tempelfülle bevor die Stadt 1767 von
den Burmesen vollständig zerstört wurde. Das frühe
Sukhothai war die erste Hauptstadt des Siam- Reiches, ab Mitte des
14. Jh. dann Ayuttahya und schließlich ab dem Ende des 18. Jh.
Bangkok. Vom Parkplatz aus geht der Weg zu den Ruinen durch eine
Zeltstadt von Verkaufsständen. An einer der Buden kauft Him
für die Gruppe hauchdünn ausgebackene Reis- Crepes, die mit
wenigen Kraramellfäden gefüllt aufgerollt werden. Keineswegs zu
süß und sehr lecker!
Dann stehen wir vor den drei großen mit Beton restaurierten
Chedis des alten Königstempels Wat Phra Si Sanphet.
Beton hat als Baustoff in den Tropen eine schlechte Eigenschaft: Es
wird von Flechten befallen und ändert seine Farbe in schwarz. Das
sieht natürlich nicht gerade gut aus.
An allen anderen Bauwerken kann man noch rudimentär die
ursprünglich massive Ziegelbauweise erkennen. Zivile Architektur wurde hier
immer mit Holz
gebaut, sakrale Bauten hingegen bestanden aus Stein, Ziegel oder
Holz. Hinter jedem Chedi stand hier in Reihe ein Mondhop, ein quadratischer
Bau, der vermutlich eine kleine Bibliothek beherbergte. Heute ist nur
noch
der Fundamentstumpf zu sehen.
Wo sind nur die goldenen Buddhas und Reichtümer hin,
die uns im Kinofilm "Anna und der König"
mit Jodie Foster in der Hauptrolle anstrahlten? Verwittert liegen Ayutthayas Tempelfelder
(UNESCO-Kulturerbe) vor uns und lassen kaum erahnen, dass hier
früher die prachtvollste Stadt Asiens stand. Und trotzdem
fasziniert die Besichtigung der Anlage.
Allein auf der Flussinsel, dem Kern der alten Hauptstadt Ayutthaya, gab es 3 Königspaläste, 375 Tempelanlagen, 29 Forts und 94 Stadttore. Schon diese Aufzählung lässt die Größe und Pracht erahnen. An den gegenüber liegenden Flussufern siedelten die Briten, Holländer, Franzosen und Portugiesen.
Unser heutiges Hotel ist das Krungsri River Hotel, ein Beherbergungsbetrieb, bei dem es viel zu bemängeln gibt. Die Abluftanlage im Badezimmer funktioniert nicht, ohne Zimmerkarte läuft die Klimaanlage in den Gästeräumen nicht. Man betritt bei den vorherrschenden Außentemperaturen also immer einen aufgeheizten Raum. Sehr unangenehm. Es gibt nur 2 recht kleine Lifts - und die Bedienung an der Lobby- Bar ist mangels Gästen zur besten Abendzeit an ihrem Tresen eingenickt. Vor dem Hotel macht sich lautstark der Straßen-, Eisenbahn- und Schiffsverkehr bemerkbar.
Auch das im Hotel servierte Abendessen ist
eher durchschnittlich. Statt der erbetenen frisch geschnittenen
Chillis wird mir amerikanischer Chilli- Ketchup serviert. Der
Hilfskellner in pseudomilitärischer Servier- Uniform reagiert
leider nicht auf meine verzweifelten Handzeichen. Erst die Vermittlung von Herrn Him führt zum Erfolg.
5. Tag, Donnerstag, 31.10.2013: unterwegs zur Khorat- Hochebene
Der Tag beginnt mit einem Besuch des Wat Chaiwatthanaram,
einem ehemaligen Khmertempel mit drei großen, khmer- typischen
Chedis. Sie erinnern ein wenig an überdimensionierte Maiskolben.
Um sie herum führt eine rechteckige Wandelhalle. Sie war mit
vielen Buddhastatuen geschmückt. Den
meisten von ihnen wurden von den
vandalierenden Burmesen die Köpfe abgeschlagen. Lediglich
in den Ecktürmen sind noch vollständige Statuen erhalten bzw. wurden diese restauriert.
Kurze Zeit später sind wir im Ayutthaya Historical Study Center. Dieses von den Franzosen gestiftete Museum beherbergt nur sehr wenige historische Exponate. Seine Grundidee ist nämlich anders. Es vermittelt anhand von Schautafeln, Modellen, Karten und Diaromen einen Eindruck vom historischen Ayuttahya. Wegen seines didaktischen Aufbaus ist es besonders bei Schulklassen als Ausflugsziel beliebt.
Dann nehmen wir die heutige längere Busfahrt zum nächsten
Ziel in Angriff. Bis zur Khorat- Hochebene sind es 250 km. Einen
Mittagshalt legen wir an einem typischen Rasthof an der Fernstrasse
ein. Hier gibt es "clean eating", was angesichts immer drohender
Magenverstimmungen nicht unwichtig ist. Für knapp 1 Euro bekommt
man eine Portion Reis mit wahlweise 2 Gerichten aus dem
täglich frisch gekochten Angebot von 10 heißen Speisen, dazu
eine Gemüsesuppe. Von diesem Angebot machen Thais und Falangs
gleichermaßen Gebrauch. Burger- Buden sind auf den Überlandstrecken, Buddha sei Dank, noch nicht zu finden.
"Falangs", so werden die Europäer und Amerikaner von den Thais genannt. Unsere helle Hautfarbe entspricht dem Schönheitsideal der Thais. Es ist schon merkwürdig, aber die Menschen idealisieren immer das, was ihrem Ebenbild gerade nicht entspricht. Deshalb legen wir umgekehrt Wert auf eine gebräunte Hautfarbe.
Ich frage Herrn Him, ob Thailand auch Autos baue. Er überlegt einen Moment, grinst dann von einem Ohr zum anderen und antwortet: "Ja, Tuk-Tuks!".
An den Raststellen, aber auch vereinzelt an den Strassen findet man
oftmals kleine Obst- und Gemüsemärkte, die ein reichhaltiges
Angebot präsentieren. Hier gibt es auch wieder die berühmte
Durian, die Stinkfrucht, zu entdecken. Aber auch Pomelos, Pitahayas
(Drachenfrucht), Mangostanen und Rambutan sind zu bestaunen.
In den Läden findet man ortstypische abgepackte Snacks
für die Reise. Unser Reiseleiter berichtet von einem
reichen Industriellen, der die Dachmarke "Otop" gegründet habe,
unter der
einzelne arme Dörfer ein bestimmtes Produkt vertreiben
können. Das wären z.B. Kokoskekse, getrocknete
Bananenscheiben, dünne Knabbersticks aus der Tarowurzel,
getrocknete Fische oder in Karamell- Platten gegossene Erdnüsse.
Eine gute Idee: der Milliardär aus Bangkok liefert Marketing,
Vertrieb und Finanzierung, die Dörfler die Produktion. Sie
könnten sonst niemals regional ihr Produkt verkaufen. Natürlich verdient der Industrielle am meisten bei diesem Win-win-Modell.
Tom hat einen Beutel Tamarinden gekauft, die er uns zur Verköstigung anbietet. Die Schale der wie Bamberger Hörnchen (Kartoffelsorte) aussehenden Schoten läßt sich leicht entfernen. Darunter liegen in fasriges Fruchtfleich eingebettet die Samenkerne. Kulinarisch verwertbar ist nur das Fruchtfleisch, das ähnlich wie getrocknete Pflaumen schmeckt. Man kaut und lutscht darauf herum und spuckt die Kerne aus. Bei uns gibt es meist Tamarindenpaste im Asia- Laden zu kaufen.
In Khorat angekommen besuchen wir zunächst ein Töpferdorf in der Umgebung. In Dan Kwian riecht
es nach Ton und Holzfeuern. Handwerker klopfen bei unserem
Besuch mit dem Handballen Ton in Formen, die später
zusammengefügte Figuren wie
Frösche oder
Schildkröten entstehen lassen. Die Arbeit wird in den Familienbetrieben im Akkord
verrichtet. Zumeist werden Bestellungen von
europäischen Importeuren wie dem schwedischen Möbelhaus mit
dem Elch in Tausenderauflagen abgearbeitet und verschifft.
Natürlich bekommen die Handwerker hier nur einen Bruchteil des
späteren Verkaufspreises als Lohn. Eine 1 m hohe Bauchvase kostet
an der Straße 300 bis 600 baht, also max. 15 Euro. Für den
Versand nach Europa berechnet die Spedition incl.
Versicherung nochmal weitere 2.000 baht. Aber die Auftragsproduktion für
die großen
Importeure lohnt sich auch für die hiesigen Handwerker. Sie
verdienen im Monat 7.000 baht, also ca. 170 EUR, müssen aber nicht
wie ihre Nachbarn einen zweiten Hausstand in Bangkok
gründen und hohe Preise für Unterkunft, Essen
und Telefon bezahlen. Dazu kommen bei den
Pendlern familiäre Spannungen, wenn der Vater oder die Mutter
wochenlang weg sind. Hier auf der Khorat- Hochebene gibt es nicht viel
Arbeit. Zudem sind die Böden nicht so fruchtbar wie in der
regenreicheren Tiefebene. Das veranlasst die Männer, sich Arbeit
als ungelernte Hilfskräfte auf den landesweiten Baustellen zu
suchen. Nicht wenige Mädchen und junge Frauen verdingen sich als
Prostituierte in Bangkok, Phuket und Pattaya.
Wir checken ein im Dusit Princess Hotel in Khorat. Das Dusit gehört zu einer chinesischen Hotelkette. Wie bei vielen Hotels der 3*- Kategorie blendet man den Gast mit einer pompösen Empfangshalle. Die Zimmer und Flure auf den Etagen müssen dann aber erhebliche Abstriche hinnehmen. Ich erspare mir Aufzählungen.
Am Abend besuchen wir ein
landestypisches Lokal in Khorat. Natürlich gibt es Thaispeisen. Warum ißt man in heißen Ländern
eigentlich so gerne scharfe Speisen? Scharfes hilft nicht nur zu
desinfizieren, also Bakterien abzutöten, es fördert
bekanntlich auch das Schwitzen. Durch die Schärfe
öffnen sich die Hautporen am ganzen Körper, was
wiederum zur Senkung der Körpertemperatur beiträgt.
Eine einfache und plausible Erklärung!
Als Unterhaltungsprogramm spielt nach dem Essen eine
Schülerband auf traditionellen Instrumenten der Gegend
Volksweisen aus dem Isaan, der ärmlichen Nordostprovinz
Thailands.
Mädchen aus der gleichen Schule tanzen dazu anmutig in
hübschen Kostümen. Sie biegen dabei ihre Finger nach hinten
wie früher die Apsara- Tänzerinnen der Khmer. Die Schule wird von unserem
Reiseveranstalter schon seit Jahren finanziell unterstützt.
Anschließend verkaufen uns die Kinder selbstgefertigte
Bambusflöten und -pfeifen. Ich spende meinen Obolus für die Schule
auch ohne Flötentöne.
6. Tag, Freitag, 01.11.2013: Khmerkultur rund um Phnom Rung
"Sawadi krap" oder auch "S'wadi krap" sagen die Männer, "Sawadi
kaa" die Frauen zur Begrüßung. Das haben wir
mittlerweile gelernt.Nach dem Frühstück brechen wir
auf nach Phimai, der alten Khmer- Stadt. Diese Anlage
restauriert man sehr sorgfältig, finanzielle Mittel der UNESCO
machen es möglich.
Die Khmer-Stadt aus dem 11. Jh. wurde wohl von König Jayavarman VI. gegründet. Sie liegt 225 km von Angkor Wat entfernt und ist mit ihr über eine befestigte Strassse verbunden. So wie Angkor stellt auch Phimai ein ehrgeiziges Modell des Universums dar: mehrere symbolische Bergketten und Ozeane umgeben das Zentrum der Welt, den Berg Meru. Viele bauliche Elemente der Khmer wie die Narga- bewehrten Brücken sowie Stadttore, die man auf Elefanten durchreiten konnte, finden sich auch hier. Es gibt eine Computer-Rekonstruktion des Phimai Historical Park von der Calgary Universität.
Draußen ist es etwas erträglicher geworden, weil die Luftfeuchtigkeit
hier niedriger ist. Zudem spürt man ab und zu einen leichten
Windhauch.
Den nächsten Halt legen wir an einem riesigen Banyan- Baum,
einer Art Würgefeige, ein. Es soll der größte
Banyan- Baum der Welt sein, der mit seiner gewaltigen Ausladung mit den
"Füßen" im Wasser steht. Die Äste dieses Baumes treiben
ebenfalls Wurzeln und machen sich nach einiger Zeit selbstständig,
wenn der Kontakt zum Ursprungsbaum durch Verwitterung abgebrochen ist.
Der Banyan- Baum liefert nur weiches Holz von schlechter Qualität, das
nicht verarbeitet werden kann, dafür hat er eine unglaubliche
Wachstumsgeschwindigkeit - ein Grund, warum er gerne in Parkanlagen
gepflanzt wird. Vor dem Baum- Ungetüm verkauft ein Händler kleine
Schildkröten, Wasserschlangen und Fische in Plastikbeuteln.
Natürlich bringt es Glück, wenn man die Wassertiere am
seichten Tümpel des Banyan- Baumes freiläßt. Und dem
Händler bringt es Profit. Besonders kleine Kinder sind begeistert.
Normalerweise versammeln sich unter dem Wurzelwerk Wahrsager, heute haben sie frei.

Weiter gehts nach Phnom
Rung. Gewaltig setzt der Khmertempel das
Treiben von Gott Shiva in Szene, mystisch erwachen die Helden des Ramayana-Epos,
Prinz Rama und seine Frau Sita, zum Leben. Und was entdecken wir im
zentralen Heiligtum? Nicht Buddha, nicht Shiva, sondern eine
überdimensionale Phallus- Statue, das Fruchtbarkeitssymbol der Hindus.
7. Tag, Samstag, 02.11.2013: Busmarathon zum Riesenbuddha von Phitsanulok
Gestern haben wir schon mehrere Stunden im Bus gesessen, heute soll alles an bisheriger Streckenlänge in den Schatten gestellt werden. Bereits um 7:30 fahren wir los. The early bird gets the deal! Wir haben eine Tagesstrecke von ca. 520 km vor uns - der Horror bei jeder Busrundreise und dennoch vom Veranstalter in den Reiseverlauf integriert. Vielleicht hätte man auch von Korat nach Sukhothai mit einer Propellermaschine fliegen können, was uns einen halben Tag Busfahrt erspart hätte. Die meisten Veranstalter verzichten übrigens ganz auf den Nord-Ost-Schlenker.
Schon wenige Kilometer nach der Abfahrt hat der Bus ein Problem mit dem Getriebe. Ein Hochschalten in die oberen Gänge ist nicht mehr möglich. Also Nothalt am Strassenrand. Wir stellen uns auf eine längere Wartezeit ein bis ein neu angeforderter Bus hier sein wird. Aber erstaunlicherweise bekommen Fahrer und Bus-Boy den Volvo wieder flott.
Im Dorf Ban Khwao sollen uns eigentlich Seidenweber zeigen, was hinter dem feinen Garn steckt, wie es gewonnen, gesponnen und gefärbt wird. Leider ein Totalausfall. Das Dorf macht wohl gerade Betriebsferien.
Zwei Reihen hinter mir im Bus sitzen zwei Schwäbinnen, die
lautstark im breitesten Dialekt parlieren. Von diesem mundsprachlichen Singsang verstehe ich kein Wort.
Ja, es wird auch wieder ein Halt an einer Raststätte eingelegt.
Und damit es schneller geht, stellt Reiseleiter Tom zwei Gerichte zur
Wahl: gebratenen Reis, vegetarisch oder mit Hühnchenfleisch.
Draußen vor der Tür verkauft eine Thai an einem
Stand
gebratene Maden, Heuschrecken, Frösche und kleinen Echsen. Die
Gruppe wagt sich nicht, von diesen Snacks zu naschen, ich auch nicht.
Und dann passiert mein persönlicher Super-Gau,
dessen Eintreten ich nie für möglich gehalten hätte.
Ich stelle fest, dass ich Reisepass und Rückflugticket im
Zimmersafe des letzten Hotels liegenlassen habe. Herr Him telefoniert sofort mit dem Hotel. Sie finden die Dokumente und sagen zu,
diese per Express nach Chiang Mai, unserer letzten Station, zu schicken. Hoffentlich klappt
das
rechtzeitig. Sonst bleibt mir immer noch der Gang zum dortigen Honorarkonsultat um mir Ersatzpapiere ausstellen zu lassen. Es gibt
schließlich für fast jedes Problem eine Lösung.
Wir erreichen Bung Sam Pan und
Phitsanulok, wo uns der berühmteste Vertreter des Landes zu
Zwergen schrumpfen lässt: der Phra Buddha Jinaraj. Vollendet
in Form und Farbe, werden Tausende seiner Abbildungen fast
täglich in allen Größen von den Pilgern
für ihre heimatlichen Buddha-Altäre erworben. Als Phitsanoluk seinerzeit Hauptstadt wurde, soll der Buddha blutige Tränen geweint haben.
In Thailand glaubt man an die chinesischen Tierkreiszeichen und die unterscheiden sich von den westlichen nicht nur dadurch, dass gleich ein ganzes (Geburts-) Jahr einem Tierkreiszeichen zugeordnet wird, nein auch dadurch, dass völlig andere Tiere Bedeutung erlangen. So gibt es z.B. das Jahr der Ratte, der Schlange, des Affen, des Hasen und des Schafes. Letzterem wäre ich dann zuzuordnen. Sehr schmeichelhaft! Allerdings wird den im Jahr des Schafes geborenen viel Positives nachgesagt.
Die heutige Unterkunft entschädigt für den langen Bustag. Das Sukhothai Heritage
Hotel
ist wirklich empfehlenswert: Eine wunderschöne Anlage und sehr
stilvoll eingerichtete Zimmer. Leider hält die Küche da nicht
mit und der Service auch nicht.
8. Tag, Sonntag, 03.11.2013: Wat Machma Nu
In Sukhothai ist es wieder unerträglich heiß. Bei 35°
C und 81% LF liegt die gefühlte Temperatur bei 44°. Ein
Schritt aus einem klimatisierten Raum hinaus ins Freie und der Schweiss
rinnt in Strömen. Und es gibt kein Entrinnen, das Tagesprogramm
wird unbarmherzig abgearbeitet. Reiseleiter Tom gehört
zu den Menschen, denen hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit
anscheinend nichts ausmachen, weshalb er liebend gern seine
Erklärungen in gleißender Sonne gibt und die Gruppe damit
zum Braten verurteilt. Darüberhinaus ist er begeisterter Wanderer,
weshalb er sofort nach Verlassen des Busses auch schon zum
nächsten Tempel vorauseilt, die Gruppe
schweißgebadet hinterher. Aber nicht jeder schwitzt so wie ich,
insbesondere die sehr schlanken Gruppenmitglieder kommen offenbar ganz gut
mit dem Klima klar.
Für das Königshaus ist die alte Hauptstadt Sukhothai (UNESCO-Kulturerbe) die Wiege Thailands. Für
Tempelräuber war sie dagegen lange eine beliebte
Selbstbedienungsstätte bevor strikte Strafen dem
Ausplündern ein Ende setzten. Doch welchen der 193
Tempelruinen wollen wir uns heute zuerst gehen?
Den prachtvollsten! Wat Mahathat! Auf einer Fläche von 40.000 qm verteilten sich unzählige Chedis, Bots, Salas und Buddha- Statuen.
Das Interesse an kulturhistorischen und kunstgeschichtlichen Erklärungen von Tom ist unterschiedlich verteilt. Ich kann mittlerweile die vielen Wats, Chedis und Prangs nicht mehr auseinanderhalten und die Buddhastatuen auch nicht. Der Reiseleiter doziert auch über die Besonderheiten der Reste von Putz auf den Ruinen - ob ein-, zwei- oder gar dreilagig, etc., worauf ein Mitreisender hinter vorgehaltener Hand meint, es wären doch gar keine Stukkateure in der Gruppe, die das interessieren könnte. Stellt sich die Frage: "Wat Machma Nu ?"
Wir machen uns auf nach Si Satchanalai, der kleinen Schwesterstadt von Sukhothai. Der bemerkenswerteste Tempel ist hier sicher der Wat Chang Lom, dessen monumentaler Chedi aus Laterit und Stuck noch gut erhalten ist. Er wurde im 13. Jh. errichtet. Am unteren Sockel scheinen lebensgroße Statuen von 39 Elefanten den Tempel zu tragen. Ihnen verdankt der Tempel auch seinen Namen, der "umgeben von Elefanten" bedeutet. Leider haben die Elefanten im Laufe der Jahre ihre Rüssel und Stoßzähne verloren,
so dass sie jetzt etwas unförmig aussehen.
Weiter geht es nach Lampang. Die Strecke windet sich auf kurviger 2-spuriger Strasse 250 km durch die Berge. Tom hat einen in Zuckerrohrstangen verpackten süßen Reisimbiss gekauft. Jeder im Bus darf kosten.
Unser heutiges Übernachtungshotel hat den schlechtesten Standard auf der Reise, das Wienglakor Hotel
in Lampang. Zum Teil stark abgewohnte Zimmer, kaputte Elektro- und
Sanitär- Installation, kein Wifi. Das Abendessen nehmen wir bei tropischen Abendtemperaturen in
einem unklimatisierten offenen Restaurantgebäude ein, aber das
Essen selbst ist wieder mal gut.
9. Tag, Montag, 04.11.2013: Pass- Geister und moderne Tempelkunst
Fremde Herren waren in Thailands Geschichte immer ein
Fremdwort. Während noch zuletzt Burma, das heutige Myanmar, von
den Briten und Kambodscha von den Franzosen besetzt waren, haben die
Könige von Birma die Eigenständigkeit des Landes
immer verteidigen können.
Warum, zeigt das Kloster Wat Phra That Lampang Luang. Mit seinen dicken Umfassungsmauern bot es der Bevölkerung Schutz bei Angriffen der Feinde - das Kloster wurde zur Fluchtburg. Eine Naga- Treppe führt zum monumentalen Hauptportal. Gut
versteckt glänzt weiter hinten in der Anlage ein Teakholztempel, der einen der wertvollsten Buddhas
des Landes
beherbergt. Es ist der zweite Smaragdbuddha - ebenfalls aus Nephrit und diesmal hinter Gittern.
Vor dem Kloster hat sich eine Trauergesellschaft unter Zeltdächern niedergelassen. Der Sarg des Verstorbenen ist reich geschmückt. Musiker spielen auf traditionellen Instrumenten Trauerweisen. Im Anschluss an diese Feier wird der Sarg mit dem Leichnam verbrannt. Es ist die hier übliche Bestattungsform.
Auf der Weiterfahrt tauchen am Straßenrand Ananasplantagen auf. Der Busfahrer hält an einer offenbar zuvor abgesprochenen Stelle, wo ein Plantagenbauer Ananas für die Gruppe schält und anschneidet während seine Frau Duftkerzen und Räucherstäbchen verkauft. Leben und leben lassen, das ist die Devise. Und es ist okay so.
Es geht hinauf in die karstige Hügelkette Richtung Norden. Am Pass Pratu Pa
erwartet uns eine Batterie von Geisterhäuschen. Offenbar
meinen die Menschen hier die Pass- Geister besänftigen zu
müssen. Tom spendiert einen Thai- Brandy für alle.
Mittagsstopp an der Promenade des Phayao-See, eines künstlich aufgestauten Sees. Ich bestelle mir eine Tom Yam Gung- Suppe, von der ich mir dann auch gleich eine ordentliche Portion über die Hose kippe. Ungeschickt lässt grüßen... Habe ich die Pass- Geister gegen mich aufgebracht? Wer weiss das schon.
Wir erreichen den "Weißen Tempel", Wat Rong
Khun, kurz vor Chiang Rai. Das Meisterwerk surrealer Gegenwarts- Baukunst befindet sich gerade im Entstehen. Der Architekt dieses
Traums von einem Tempel ist der thailändische Künstler Ajarn
Chalermchai Kositpipat, der für sich beansprucht, den "schönsten Tempel der Welt"
erschaffen zu wollen - zum Ruhm der modernen thailändisch- buddhistischen
Kunst. Nur ein erster Tempel der geplanten Gesamtanlage ist
bisher halbwegs
fertiggestellt. Man ist geneigt, das Bauwerk auch Eispalast zu nennen.
Es ist vollständig weiss. Die vielen Spiegelelemente
verstärken den Eindruck von Kühle.
Die Figurenensembles sind eine Mischung aus Hieronymus Bosch und
Antonio Gaudi, und doch tut man dem Künstler mit diesem Vergleich ob seiner
Eigenständigkeit Unrecht. Er verwendet überwiegend buddhistische
Elemente und Symbolik. Doch er greift in seinen Bildern im Tempelinneren auch Personen der Neuzeit auf. So sitzen z.B. George Bush und Osama bin Laden gemeinsam auf einer Rakete und verabschieden sich ins Weltall. Und Michael Jackson taucht in den Gemälden neben Ganesha, dem Elefantengott auf. Im Inneren des Tempels darf leider nicht fotografiert werden.
Unser Tagesziel ist Chiang Rai, wo wir im Hotel The Legend am
Kok River einchecken.
Das Hotel hat einen Laundry Service, so dass ich erst einmal meine
Wäsche zum Waschen und Bügeln abgebe - das ist hier im Luxushotel sogar billiger als zuhause.
Wunderschön in einer gepflegten Gartenlandschaft liegen die
Gästehäuser mit jeweils 3 Zimmern im Erd- und
Obergeschoss. Es sind
eher Suiten, groß, geräumig und extravagant ausgestattet.
Die Mosquitonetze über den Betten verheissen allerdings nichts Gutes. Gegessen wird aber auch hier Open Air, sogar unmittelbar am Fluss, jedoch hält sich die
Belästigung durch Insekten in Grenzen.
Natürlich haben sich alle vor dem Essen prophylaktisch mit den
einschlägigen Repellents eingedieselt. Ich schwöre dabei übrigens auf No Bites.
10. Tag, Dienstag, 05.11.2013: Das Goldene Dreieck
Goldes Dreieck - Woher hat die Region eigentlich ihren schillernden Namen? Für Oscar Wilde war klar: vom Opium. Medizin, Teufelswerk oder harmlos berauschender Spaß? Warum Asiens Kriegsherren wegen dieser Frage einen gewaltigen Sturm in Europa auslösten und sich britische Kolonialherren am Rauschmittel lange eine goldene Nase verdienten, lässt sich vortrefflich im neuen, modernen Museum - der Hall of Opium im Golden Triangle Park erkunden.Wir sind an diesem Tag die ersten Besucher und betreten das Museum
zu psychedelischen Klängen durch einen blau und rot illuminierten
Tunnel. Der unterirdische Tunnel verläuft moderat ansteigend über eine 130 m lange Strecke bis zum Ausstellungsgebäude. An einigen Stellen tauchen Fratzen aus dem
seitlich geöffneten Gestein auf, Hände ragen sich uns
entgegen oder scheinen sich freischwimmen zu wollen. Insgesamt eine
Atmosphäre, die das Berauschende, Befreiende,
Transzendentale und zugleich den Horror eines Opium- Rausches
simulieren soll.
Sodann bietet
die Ausstellung unter äußerst ansprechenden
museumspädagogischen Aspekten Einblicke in den Anbau von Mohn, die
Gewinnung von Opium und Heroin, die beteiligten Interessenpositionen,
den Opiumkrieg der Briten gegen China, die schlimmen Folgen des
Opiumkonsums und schließt mit der Frage an jeden Besucher, was er
persönlich wolle. Er müsse sich für oder gegen den
Drogenkonsum entscheiden. Dieses Museum hat eine enorme Wirkung auf die
Besucher, einige von uns verlassen mit Gänsehaut die Ausstellung.
Das ist der Grund warum die Mutter des Königs, die sich aktiv beim Kampf gegen den Mohnanbau engagiert hat, seinerzeit das
Museum gegründet hat. Für Schulklassen gehört ein Besuch der Hall of
Opium hier zum Pflichtprogramm.
Während die Thais, unterstützt durch die USA, den Mohnanbau fast vollständig eliminieren konnten, wird insbesondere in Myanmar weiter in großem Stil angebaut und produziert, teilweise auch in Laos.
In den 90ern herrschte hier im Goldenen Dreieck noch der selbsternannte "Opiumkönig" Chang Shi-Fu. Seine 10.000 Mann Armee sorgte für Angst und Schrecken, sie verfügte sogar über Boden-Luft-Raketen. Gegen die Thailändische Armee und die Spezialeinheiten der Amerikaner zogen sie aber den Kürzeren.
Heute haben gepflegte Obstplantagen die damaligen Mohnfelder abgelöst. Dafür hat ein Entwicklungshilfeprojekt von König Bhumibol gesorgt, bei dem das Saatgut kostenlos verteilt wurde.
Aber das Rauschgiftproblem ist nicht abschließend
gelöst, denn inzwischen hat illegal hergestelltes und vertriebenes
Amphetamin (Speed) das Opium ersetzt. Auf der Strecke von Chiang Mai
nach Chiang Rai, kurz vor dem 3-Länder-Eck, gibt es
deshalb regelmäßig Strassensperren der Polizei, die nach
Drogen fahndet.
Im Dorf Sob Ruak teilen sich Thailand, Myanmar und Laos einen Fluss: den Mekong, und hier mündet der Sop Ruak River in den Mekong und bildet mit ihm
eine Halbinsel. Schaut man flussaufwärts, liegt links Thailand,
mittig Myanmar und rechts Laos. Wir machen eine kurze Bootsfahrt
im Dreiländereck, nicht sonderlich interessant, aber so kann jeder
zu Recht behaupten, er sei schon einmal auf dem Mekong gefahren.
Aus dem Mekong werden hin und wieder wahre Riesenfische, zumeist Welse, gezogen. Vor einigen Jahren wurde ein sieben Meter langer Gigant gefangen, in dessen Bauch sich ein noch nicht verdauter menschlicher Leichnam gefunden haben soll. Der reinste Horror! Am Führerhaus der Barkasse finde ich eine Abbildung des Fangs.
Frauen aus den Dörfern verkaufen am Anleger selbst
geschnitzte und bemalte Blüten aus Seife, die sie in lackierte oder
gravierte Kokosnusshälften drapiert haben. Sie sind zum Teil
sehr kunstvoll gestaltet und damit ein begehrtes Mitbringsel für die Lieben
zuhause.
11. Tag, Mittwoch, 06.11.2013: In Chiang Mai
Wir fahren durch die grüne Hügellandschaft
des Nordens wieder südwärts und unterbrechen unsere
Fahrt mehrfach für Fotostopps. Mich begeistert das eher wenig, weil die
fotografierten Landschaften hinterher auf einem Foto nicht einmal einen
Bruchteil des Eindrucks der Originalansicht liefern.
Und weil es auf der Strecke offenbar nur eine geeignete Raststätte gibt, machen wir dort bereits um kurz vor 11 eine Mittagspause. Hier gibt es eine heiße Quelle als Springbrunnen zu bewundern und heute gibt es eine kollektive Nudelsuppe, diesmal wahlweise mit oder ohne Schweinefleischbällchen. Natürlich "damit es schneller geht".
Dann erreichen wir Chiang Mai, nach Bangkok die
größte Stadt des Landes. Die Gruppe wird von Tom
gefragt, ob man vor der Hotelankunft noch zwei, drei Manufakturen mit
Verkaufsraum besichtigen wolle, was die überwiegende Mehrheit bejaht. Es werden also
nacheinander angefahren und die dortigen Waren gekauft: eine
Seidenweberei, eine Edelsteinschleiferei und eine
Silberwarenmanufaktur. Ein Mitreisender erregt sich über diese nicht im
offiziellen Programm stehenden Besuche und läßt sich nur
schwerlich beruhigen. Bei den meisten Mitreisenden erntet er dafür
kein Verständnis, zumal ihm angeboten wird, mit einem Taxi ins
Hotel vorauszufahren. Es ist wie immer - die Mehrheit bestimmt, was
gemacht wird und was normal ist, die Minderheit zieht den Kürzeren. Das
sieht das deutsche Reiserecht allerdings ein wenig anders.
Herr Him hat schon im Hotel angerufen. Mein Pass ist angekommen! Tief durchatmen, das ist nochmal gutgegangen. Wir beziehen unsere Zimmer im guten Hotel Empress in Chiang Mai. Das Abendessen wird im Hotelrestaurant serviert und wir werden überschwenglich vom Personal hofiert. Zunächst gibt es einen kleinen Vorspeisenteller aus der Küche, danach spendiert der Hotelmanager einen Thai- Brandy und erklärt uns den hiesigen Trinkspruch Chok Dee! Dann verweist er auf den Brauch, dass man im Gegensatz zu Deutschland, wo man sich dreimal zuproste (?), in Thailand neunmal zuproste. Und dazu müsse das Glas neunmal nachgefüllt werden. ("Danach singen wir alle zusammen Warum ist es am Rhein so schön?" O-Ton) Das wird dann auch von den fleissigen Geistern versucht. Wer sein Glas ausgetrunken hat, bekommt sofort nachgeschenkt. Daher nippen die meisten von uns bei jeder Trinkspruchrunde nur am Glas.
Nach dem sehr guten Essen spendiert das Haus Kaffee und Tee,
einen Dessertteller mit Schoko- und Zuckerguss- Schrift "Vielen Dank",
einen Dessertriegel und ein Geschenk in Form eines
kleinen Elefanten als Schlüsselanhänger.
Man könnte meinen, das Restaurant hätte etwas gutzumachen. Möglicherweise hat der Veranstalter Studiosus die negative Kritik einer vorherigen Gruppe an das Hotel weitergegeben, so dass man sich nun geradezu vor Höflichkeit und Freundlichkeit überschlägt. Für alles bedankt sich jede/r Restaurantangestellte übertrieben devot bei uns. Okay, wir waren gern hier Gast.
Reiseleiter Tom bietet an, nach dem Essen mit ihm den Nachtmarkt von Chiang Mai zu besuchen. Der sei besonders sehenswert. So gebe es z.B. ein "Bayrisches Hofbräuhaus", in dem die thailändischen Kellnerinnen Dirndl trügen, was besonders lustig aussehe. Sie hätten auch 3-5 Floskeln drauf wie z.B. "Magst no a Maß?". Zudem gäbe es da eine Halle mit örtlichen Kunsthandwerkern, die einen Besuch lohne. So kommt es, dass sich die ganze Gruppe seinem Vorschlag anschließt. Mit dem Hofbräuhaus wird es aber nichts, es hat geschlossen! Dafür werden zwei Transvestiten zum Gegenstand des Interesses.
Der Nachtmarkt liegt - wie in Bangkok - in der gleichen Straße wie unser Übernachtungshotel und
ist nur wenige hundert Meter entfernt. Das dortige Angebot besteht zu
90% aus chinesischen Import- Imitaten. Die verbleibenden 10% sind
Speisen der Straßenküchen und Produkte der Bergvölker,
die ebenso wie die inländischen Textilien, Taschen und
kunsthandwerklichen Gegenstände nicht meinen Geschmack treffen.
Folglich macht das Ganze auf mich den Eindruck eines dieser
unzähligen Flohmärkte in aller Welt, die ich am liebsten nur
von weitem sehe...
12. Tag, Donnerstag, 07.11.2013: Dickhäuter und Kochkurs
Vorbei an kleinen Kramläden und dem Fluss Ping führt unser Weg durch Chiang Mai zu den schönsten Tempeln der „Perle des Nordens“: die Lan-Na-Tempel Wat Chedi Luang und Wat Phra Singh. Es sollen unsere letzten auf dieser Reise sein.
Der große Stupa im Wat Chedi Luang war seinerzeit 82m hoch - für damalige Verhältnisse eine beachtliche Bauhöhe. Der Stupa beherbergte einst einen weiteren Smaragdbuddha, der infolge eines
Erdbebens nach Luang Prabang, Laos, gebracht wurde, wo er noch heute zu bewundern ist.
Wat Phra Singh ist sogar ein königlicher Tempel erster Klasse, was bedeutet, dass er von einem König gebaut wurde. Hier ist die berühmte Buddha-Statue des Phra Phuttha Sihing zu bewundern, um die sich viele Legenden ranken.
Unser heutiges Lunch nehmen wir in blumiger Atmosphäre ein. Wir speisen in einem
Restaurant, das wunderschön in bewaldeter Landschaft einer
Orchideenzucht angeschlossen ist. Und die Gewächshäuser mit ihren vielen Orchideenarten sind wirklich sehr sehenswert.
In den Wäldern von Chiang Dao zeigen uns anschließend Thailands Elefanten
im Maesa Elephant Camp, was die Mahouts ihnen beigebracht haben. Die Vorstellung beginnt mit einem erfrischenden Bad für die Tiere im angrenzenden kleinen Fluß. Das lieben die Dickhäuter sichtbar. Danach geht es in die Arena, wo einzelne Elefanten ihre Treffsicherheit mit einem Ball demonstrieren. Ein Helfer
wirft ihnen den Ball zu. Mit einem gezielten Schuss nimmt der Elefant den Ball volley und schießt ihn auf ein Tor - und manchmal trifft er auch.
Spektakulär ist die anschließende Vorführung von Elefanten, die mit ihren Rüsseln malen können! Die Tierpfleger haben jedem von ihnen ein anderes Motiv beigebracht: Bäume mit grünen Blättern und roten Blüten, die Silhouette eines anderen Elefanten und sogar ganze Landschaften. Nach und nach gibt der Pfleger dem Elefanten in Farbe getunkte Pinsel an und das Tier tupft und zieht den Pinsel mit großer Präzision über die Leinwand.
Man hat die Bilder in einer New Yorker Galerie ausgestellt und sie als Werke eines jungen thailändischen Künstlers ausgegeben. Sie fanden zu hohen Preisen reißenden Absatz. Als man dann die Wahrheit über deren Herkunft offenbarte, wollte das niemand glauben.
Während der Regierungszeit
König Bhumibols wurden bisher 16 weiße Elefanten gefangen.
Sie gelten in Thailand als heilige Tiere. Eigentlich gibt es keine weißen Elefanten, es handelt sich
vielmehr um Tiere, deren Haut von besonders großflächigen
Pigmentstörungen gekennzeichnet ist. Alle Elefanten haben
diese hellen Flecken - in unterschiedlicher Ausprägung. Zehn "weiße Elefanten" des Königs leben noch und sind in
einem
aufwändigen Gehege auf dem Palastgelände in Bangkok
untergebracht.
Zum Dinner werden wir bei einer Thailänderin in deren Patio bewirtet. Aber
zuvor dürfen wir in ihrer Showküche selbst einige Gerichte
zubereiten. Das macht natürlich großen Spaß und auch ich als Liebhaber der asiatischen Küche lerne vor
Ort dazu. Die Thailänderin ist mit einem deutschen
Reiseleiter verheiratet, der hier mit ihr vor mehr als 20 Jahre eine
Familie gegründet und in einem noblen bewachten Wohnviertel
von Chiang Mai ein geräumiges Haus gebaut hat. Durch
Zimmervermietung an ausländische Studenten und Beköstigung
von Reisegruppen verdienen die
beiden sich ein offenbar auskömmliches
Zubrot.
Nach dem sehr schmackhaften Abendessen werden wir mit einer Khoom Loy verabschiedet, einer fliegenden Laterne, die unsere Gastgeber in den abendlichen Himmel aufsteigen lassen. Die Himmelslaternen funktionieren nach dem Prinzip eines Heißluftballons. Bei uns in Deutschland sind diese fliegenden Brandsätze verboten.
Zurück am Hotel suche ich noch den Seven Eleven- Laden um die
Ecke auf. Auf dem kurzen Weg dahin spricht mich ein Tuktuk- Fahrer an
"Mister, bumbum?". Was er vermitteln will, ist eindeutig zweideutig. Jeder allein
über die nächtliche Strasse laufende Mann europäischen
Aussehens wird sofort für einen Sextouristen gehalten.
13. Tag, Freitag, 08.11.2013: Warten auf den Rückflug
Heute teilt sich die Gruppe. Die Hälfte der Teilnehmer fliegt weiter nach Südthailand, das wohl traumhafte Badestrände und die berühmten James Bond Felsen zu bieten hat.
Dem Rest der Reisegesellschaft bleibt heute viel Zeit für einen
Einkaufsbummel. Erst am Abend fliegen wir mit Thai Airways zurück nach Bangkok.
Außer mir sind alle auf den Anschlussflug nach Frankfurt gebucht, ich lege noch eine
Übernachtung im Pullman Bangkok
Hotel G ein.
14. Tag, Samstag, 09.11.2013: Zurück in Europa
Am nächsten Morgen trete auch ich den Rückflug an. Die 777 von Emirates bringt mich via Dubai zurück nach Düsseldorf, wo ich am Abend ankomme.
Mein Fazit:
Nachdem ich bereits vorher die Nachbarstaaten Laos, Kambodscha, Vietnam, Myanmar und Indien bereist hatte, konnte Thailand mir nicht viel Neues kulturhistorischer oder auch religionsgeschichtlicher Art vermitteln. Thailand wie auch Vietnam sind schon sehr weitgehend von westlichen Einflüssen geprägt. Wenn Sie das ursprüngliche Südostasien sehen wollen, reisen Sie nach Laos und Myanmar. Aber beeilen Sie sich, denn auch hier wird die westliche Neuzeit schnell und mit Macht einbrechen. In Thailand haben mich die wenigen Begegnungen mit den Menschen und die "kleinen Dinge" off the beaten tracks begeistert.
Studienreisen werden entgegen landläufiger Meinung nicht nur von pensionierten Oberstudienräten gebucht, deren Interesse sich überwiegend auf Geschichte, Architektur und vergangene Kulturen fokussiert. Studienreisen sind erfahrungsgemäß immer sehr programmintensiv, sie müssen aber nicht zwangsläufig so ruinen- und geschichtsorientiert sein, dass daneben kaum Platz bleibt für Begegnungen mit den Menschen vor Ort, deren Sitten und Gebräuche, Probleme und Lebensumstände. Das ist meine ganz persönliche Kritik an dieser Studiosus- Reise.
Danksagung
Ein großes Dankeschön gilt meinen Mitreisenden, dem Ehepaar Renate und Simon Smith, die mir die Veröffentlichung ihrer Reisefotos in diesem Reisebericht erlaubt haben!
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Meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Thailand:
Eins vorweg: Kaufen Sie bloß nicht den Baedeker- Reiseführer Thailand. Er ist oberflächlich und lückenhaft!
Das Reise Know-How Thailand Handbuch ist hingegen einen Kauf wert. Und als Ergänzung empfehle ich den Band "KulturSchock Thailand
", ebenfalls vom Reise Know-How Verlag. Es handelt sich um einen "Mentalitätsführer", der für uns Falangs für das Verstehen der thailändischen Kultur und Denkweise eine große Hilfe ist.
Bei einem Badeaufenthalt in Thailand brauchen Sie diese Reiseliteratur natürlich nicht! Da reichen auch die Reiseführer von MARCO POLO
oder der vom ADAC.
Und wem der Sinn nach einer Romanze in wunderschöner Kulisse (Siam im 19. Jh.) steht, dem sei die DVD mit dem Film "Anna und der König
" mit Jodie Foster und Chow Yun-Fat empfohlen.
Und
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