TSCHECHIEN - Bier und Knödel im alten Böhmen

Der Westen Tschechiens, also das alte Böhmen, wird oftmals als Rentner- Destination verunglimpft, insbesondere wegen seiner berühmten Kur- und Heilbäder. Doch dieser Teil des Landes hat viel mehr zu bieten.

Die Tschechische Republik liegt nahe an der Grenze zu Putins Interessensphäre. Seit 1968, als die UdSSR den Tschechen zu Hilfe kommen wollte, um den Sozialismus zu retten und den "Prager Frühling" zu ersticken, hat sich in den brüderlichen Beziehungen zwischen Tschechien und Russland viel verändert. Spätestens seit dem Überfall russischer Truppen auf die Ukraine und dem jüngsten "Hilferuf" aus Transnistrien, der abtrünnigen Region Moldawiens, wird den Russen mit großem Misstrauen begegnet. Die russische Führung unter ihrem autokratischen Präsidenten Putin hat in jüngster Zeit wiederholt angekündigt, in den nächsten Jahren die Grenzen des alten Zarenreiches vor 1917 wiederherstellen zu wollen. Im Gegensatz zur Ukraine, Moldawien und Estland gehörte Tschechien jedoch nie zum Zarenreich. Tschechien ist seit 1999 Mitglied der NATO, die Slowakei wie auch Estland seit 2004.

Die Teilung der Tschechoslowakei in zwei Staaten im Jahr 1992 erfolgte nicht auf Wunsch der Mehrheit der Bürger, sondern auf einseitige Entscheidung nationalistischer Politiker. Die entscheidenden Akteure waren auf slowakischer Seite Premierminister Vladimir Mečiar und auf tschechischer Seite Premierminister Václav Klaus. Inzwischen haben sich beide Länder friedlich und freundschaftlich entwickelt.

Für meine Reise nach Tschechien nehme ich mir eine Auszeit vom politischen Geschehen und widme mich der Kultur, den Naturschönheiten, der Küche und der Bierbraukunst des Landes.

Ich werde das Heimatland so berühmter Komponisten wie Bedřich Smetana ("Die Moldau") und Antonín Dvořák ( Sinfonie Nr. 9 "Aus der Neuen Welt") besuchen. Herrliche klassische Musik, wahre Meister-Kompositionen!


So 12.05.24: Anreise - Prag

Prague calling... Am Morgen fliege ich mit der Lufthansa nach Prag. Ich habe Glück, es ist kein Boeing-Jet, sondern ein Airbus A320. Nach den vielen Pannen bei Boeing in der letzten Zeit hätte ich einen Flug mit einer der "High-Risk-Of-Never-Come-Back"-Maschinen dieses Herstellers abgelehnt.

Unsere kleine Reisegruppe (8 Personen) wird mittags am Václav Havel Airport von der sympathischen Reiseleiterin Jindra Kollerova empfangen, die uns den Aufenthalt in ihrer Heimat sehr angenehm gestalten wird (nochmals vielen Dank, Frau Kollerova!). Patrik Steiniger ist unser tschechischer Busfahrer.

Ich habe bei Ikarus Tours, Königstein, eine Rundreise durch den Westen der Tschechischen Republik gebucht.

Obwohl das Land bereits vor 20 Jahren der EU beigetreten ist, hat man hier den Euro noch nicht eingeführt. Landeswährung ist nach wie vor die tschechische Krone (1 EUR = ca. 25 CZK), d.h. man muss sich erst einmal am Geldautomaten (tsch. Bankomat) Bargeld besorgen. Das ist wichtig, falls die Kreditkarte bei Kleinbeträgen (z.B. für Imbiss, Getränke oder Souvenirs) nicht akzeptiert wird. Auf keinen Fall sollte man am Flughafen Geld aus dem Automaten ziehen. Hier sind die Gebühren am höchsten und der Wechselkurs am schlechtesten. Warten Sie, bis Sie in der Stadt sind und gehen Sie dann zu einem Geldautomaten der bekannten Banken wie der Česká spořitelna oder der Komerční banka, aber nicht zu einem der Wechselstuben. Eine sehr informative Seite zu diesem Thema finden Sie hier.

Auf dem Prager Flughafen gibt es eine künstlerische Installation zu sehen, die an den ehemaligen Präsidenten und Dissidenten Václav Havel erinnert. Bořek Šípek, Bildhauer und Architekt, ist der Schöpfer dieses dreidimensionalen Porträts. Es besteht aus Tausenden von Objekten, die Havels Leben und Vermächtnis berühren und seine Lebensgeschichte erzählen.

Vom Flughafen geht es direkt ins Stadtzentrum zum Hradschin, dem historischen Stadtteil auf dem Prager Burgberg. Wir beginnen unseren Rundgang auf dem Hradschin- Platz mit einigen vornehmen Palästen wie dem Erzbischöflichen Palais. Dann betreten wir die Prager Burg mit ihren drei Burghöfen, dem gotischen St. Veits- Dom, dem Alten Königspalast (11.-16. Jh.) mit dem riesigen Vladislav- Saal und dem Raum des Prager Fenstersturzes und schließlich der St. Georgs Basilika.

Die Burg ist das größte geschlossene Burgareal der Welt und das meistbesuchte Denkmal Tschechiens. Sehr beeindruckend! Hier residierten die böhmischen Könige, zwei Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und die Präsidenten der sozialistischen Tschechoslowakei. Heute ist es der Sitz des Präsidenten der Tschechischen Republik.

In den bunten Häuschen der "Goldenen Gasse" befinden sich heute zahlreiche Souvenirläden. Die kleine Gasse an der Innenmauer der Prager Burg, auch Alchimistengasse oder Goldmachergasse genannt, wurde berühmt, weil hier Alchimisten gearbeitet haben sollen, um für Kaiser Rudolf II. künstliches Gold und den Stein der Weisen herzustellen. Beides gelang bekanntlich nicht. Dafür gelingt es heute den Händlern in den kleinen Läden, den Touristen mit allerlei Nippes das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zum Zeitpunkt unseres Besuches ist der Zugang zur Goldenen Gasse gesperrt. Es finden Dreharbeiten statt, vermutlich für einen Spielfilm.

Wir verlassen den Hradschin über die Treppen der Schlossstiege hinunter in die Kleinstadt.

Weiter geht es zum Einchecken ins Hotel Essence (4*), von dem ich erst 5 Tage vor Abflug durch kommentarlose Übersendung einer geänderten Hotelliste erfahren habe. Es wurde vom Veranstalter ohne vorherige Information der Reisenden gegen das beliebteste Prager Hotel Don Giovanni ausgetauscht.

Heute Abend essen wir in der Bierstube U Pinkasů, die hauptsächlich von Touristen besucht wird. Wie an den folgenden Tagen hat der Veranstalter bzw. die örtliche Agentur Horatia (Motto: "Travel in Style") einheitliche Speisen und Speisefolgen für uns ausgesucht. Eine Ausnahme bilden nur die Buffetabende, an denen sich jeder das Essen nach seinem Geschmack aussuchen kann. Doch das Buffetangebot ist eher spärlich - oder sollte ich sagen kantinenlastig?

Als "Kennenlern-Dinner" wird uns heute ein Einheits- Menü serviert, ohne dass im Restaurant auf abweichende Wünsche (einer von uns lehnt ein Schweinefleischgericht ab) Rücksicht genommen wird:

Wie auch an den folgenden Abenden zahlt jeder Reisegast seine Getränke selbst.

Ich bestelle zunächst ein großes Kozel dunkel, ein sehr leckeres, süffiges Bier, das zu den bekanntesten tschechischen Biermarken zählt. Es ist das dunkle Lagerbier der Brauerei Velké Popovice Kozel (dt. Großpopowitzer Ziegenbock) mit dem Ziegenbock im Logo. Kozel wird in einem Dorf in der Nähe von Prag gebraut.

In vielen tschechischen Restaurants wie dem U Pinkasů wird Bier oft in traditionellen Gläsern namens "Pfiff" (ca. 0,25 l) oder "Křížek" (0,4 l) serviert. Dies gehört zur tschechischen Bierkultur, ist also landestypisch.


Mo 13.05.24: Prag - Tabor-Ceské Budejovice (Budweis)

Viele Sehenswürdigkeiten kenne ich bereits von meinem letzten Besuch der Stadt Prag im Winter 2018 mit meiner Freundin Karin. Aus diesem Grunde klinke ich mich aus dem Vormittagsprogramm der Gruppe aus und unternehme meine eigene Erkundung der mir bislang unbekannten Gegend rund ums Hotel. Das Altstädter Rathaus und die Karlsbrücke kenne ich ja schon.

Über Prag und seine Bewohner in Vergangenheit und Gegenwart gibt es so viel zu erzählen, dass eine Website dafür nicht ausreichen würde.

Obwohl ich ihn bereits in meinem Prager Reisebericht erwähnt habe, muss ich noch einmal auf Jaroslav Hašeks antimilitaristischen Schelmenroman vom braven Soldaten Josef Schwejk hinweisen. Schweijk ist eine satirisch überzeichnete Prager Figur, die sich mit List und Witz durchs Leben schlägt und als Soldat im Ersten Weltkrieg mit Frechheit und übertriebenem Gehorsam ("Melde gehorsamst") Missstände in der österreichisch-ungarischen Armee aufdeckt. Ein wunderbarer, feiner Humor des Autors!

Den Vormittag in Prag beende ich mit einem Mittagessen in dem von einem Deutschen geführten Thai-Restaurant FAME Prague, direkt neben bzw. vor unserem Hotel. Der Chef erzählt mir stolz, dass am Abend zuvor Till Lindemann und die anderen Mitglieder der Rockgruppe Rammstein bei ihm gegessen haben. Sie wohnten in einem Hotel direkt gegenüber. Ich habe hier eine Tom Kha Gai Suppe und ein Lachsgericht zu einem völlig überhöhten Preis gegessen.

Um 13:00 werden die inzwischen zurückgekehrte Mitglieder der Gruppe und ich vom Busfahrer abgeholt.

Dann verlassen wir Prag Richtung Ceské Budejovice (Budweis).

Unterwegs machen wir Halt in der Kleinstadt Tábor (Lager), die untrennbar mit der Hussitenbewegung verbunden ist. Sie wurde 1420 als Hochburg der radikalsten Hussitenfraktion gegründet. Der Name "Hussiten" geht auf den böhmischen Theologen und Reformator Jan Hus (ca. 1370–1415) zurück. Er kritisierte den Reichtum der römisch-katholischen Kirche, ihre Sittenlosigkeit und den Ablasshandel, bei dem gegen Zahlung eines Geldbetrages die Vergebung der Sünden versprochen wurde: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!" - so beschrieb es der Ablassprediger Johann Tetzel bildhaft für das einfache Volk.

Durch das einzige erhaltene Stadttor, das Bechyne-Tor, kommen wir in den alten Kern mit seinen verwinkelten Gassen und niedrigen Bürgerhäusern. Die Altstadt erhebt sich hoch über dem Fluss Luznice. Auf dem Hauptplatz steht die Statue des grimmig dreinschauenden, siegreichen Feldherrn der Hussiten, Jan Žižka.

Bei einem Spaziergang durch den historischen Stadtkern kommen wir an vielen kleinen Bürgerhäusern im Renaissancestil vorbei und sehen auch das spätgotische Rathaus.

Die Stadt Tábor erhielt ihren Namen von den Einwohnern übrigens nach dem biblischen Berg Tabor im Norden Israels, auf dem die "Verklärung Christi" stattgefunden haben soll. Den Stausee am Ortseingang haben sie bibelkonform "Jordan" genannt.

Am Abend erreichen wir entlang der Moldau stromaufwärts die Stadt Ceské Budejovice (Budweis). Wir checken für 3 Nächte im Clarion Congress Hotel (4*) ein, wo wir heute auch unser Abendessen (Buffet) einnehmen. In guter Erinnerung bleibt mir als Vorsuppe eine "Altböhmische - Suppe" (Kulajda), bestehend aus Kartoffeln, süßer und saurer Sahne, Waldpilzen, pochiertem Ei und Dill.

Viele Asiaten haben sich in diesem Hotel einquartiert. Chinesen, Koreaner und Japaner besetzen morgens den Frühstücksraum. Meine Empfehlung: Erst ab 7:30 frühstücken, dann hat sich die Asian Connection bis auf wenige Vertreter aufgelöst. Eine Besonderheit im weitläufigen Frühstücksraum ist der Roboter, der die Mitarbeiter beim Einsammeln des gebrauchten Geschirrs unterstützt. Langsam und behutsam fährt der Roboter zwischen den Tischen umher und lässt die Gäste ihr Geschirr auf Wunsch auf seine Tabletts stellen. Ist das die Zukunft des Kellnerberufs?

In Tschechien gibt es eine Softdrink-Spezialität aus der Zeit des Eisernen Vorhangs. In den frühen 1960ern waren die westlichen Cola- Marken nicht erhältlich, so dass man nach einer Alternative forschte. Man fand sie mit dem bis heute beliebten Erfrischungsgetränk Kofola, das es - außer der gezapften oder in Flaschen verkauften Originalversion - in abenteuerlich vielen Geschmacksvarianten gibt. Während man bei uns vielleicht noch "Cherry-Cola" als besonders exotisch empfindet, gibt es von Kofola - insbesondere zur Weihnachtszeit - Geschmacksnoten wie Apfel-Zimt, Granatapfel/Vanille, Lebkuchengewürz, Linzer Torte und viele weitere... Wie immer ist alles Geschmackssache.

Di 14.05.24: Hluboka (Frauenberg) - Budweis

Frau Kollerova erzählt uns von der Geschichte Böhmens in den letzten Jahrhunderten und der kommunistischen Zeit Tschechiens von 1948 bis 1989 im Staatenbund mit der Slowakei unter der Vormundschaft des Kremls. Lange vorher, vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, waren die Familien Schwarzenberg und Rosenberg die Finanziers und Mäzene Böhmens. Ein Schloss der Schwarzenberger besuchen wir heute. Das Fürstenpaar Adam Franz und Eleonore zu Schwarzenberg initiierte den Umbau des Schlosses Hluboká im Tudorstil.

Wir beginnen unser Tagesprogramm also in Hluboká (Frauenberg). Das dortige märchenhafte Schloss der Fürstenfamilie zu Schwarzenberg thront auf einem Felsen über der Moldau und beherbergt wertvolle Kunstschätze. In fast allen Räumen hängen Gemälde der Fürstin Eleonore, die sehr schön gewesen sein soll. Davon zeugen zahlreiche Porträts.

Vom Parkplatz an der Hauptstraße kann man die Burg zu Fuß erreichen (ca. 15 Min.), wobei einige Höhenmeter zu überwinden sind. Man kann aber auch vom Parkplatz aus bequem mit einem Bummelzug hinauffahren. Wir fahren mit unserem kleinen Mercedes-Bus hinauf, wo uns der Fahrer aussteigen lässt und gleich wieder die Burgauffahrt verlässt.

Seit dem 13. Jh. wechselten die Burgherren häufig, meist weil sie überschuldet waren und verkaufen mussten. 1661 erwarben die Schwarzenbergs die Burg. Im 19. Jh. wurde das Schloss nach dem Vorbild von Windsor Castle umgebaut. Schloss Hluboká wird auch das "böhmische Neuschwanstein" genannt, für mich unverständlich, denn Neuschwanstein sieht eher aus wie das Märchenschloss von Disney. Eine Innenbesichtigung ist nur im Rahmen von organisierten Führungen möglich. Wir sind sehr beeindruckt von der prunkvollen Ausstattung der einzelnen Räume.

In diesem Zusammenhang stelle ich mir immer die Frage, mit wie viel Blut, Schweiß und Tränen der Landbevölkerung und der Bediensteten dieser Reichtum erworben wurde. Aber so war es wohl damals - und so ist es in vielen Ländern noch heute.

Zu Fuß geht es hinunter in den kleinen Ort am Fuße des Burgbergs. Jetzt haben wir uns eine Stärkung verdient: eine Gulaschsuppe und ein Bier von der hiesigen Kleinbrauerei Pivovar Hlubokar.

Wir fahren zurück nach Budweis und besuchen zunächst das Museum der Pferdeeisenbahn in einem der ehemaligen Bahnwärterhäuschen. Es erinnert an die erste europäische Pferdeeisenbahn Budweis-Linz-Gmunden (1827-1872). Damals zogen Pferde die Waggons auf hölzernen Schienen. Für die 128 km lange Strecke benötigte man 14 Stunden reine Fahrzeit.

Die Dauerausstellung zeigt das harte Leben der Bahnwärter, die in der Hierarchie der Eisenbahngesellschaft ganz unten standen und mit ihren Familien auf engstem Raum in den Bahnwärterhäuschen lebten.

Die Pferdeeisenbahn wurde Ende des 19. Jh. von der Dampflokomotive abgelöst, deren Waggons das Reisen für jedermann - abgestuft in vier Komfortklassen - ermöglichten. So wurde die soziale Distanz der Reisenden wiederhergestellt.

Die Altstadt von Budweis mit ihren liebevoll restaurierten Laubenhäusern, dem Hauptplatz (einer der größten in Tschechien) und dem darauf befindlichen achteckigen Samson-Brunnen ist natürlich einen Blick wert. Unser Weg führt uns in getakteter Abfolge vorbei an den Sehenswürdigkeiten von Budweis.

Für den Nachmittag gibt es kein Programm. Wir können die Stadt also individuell erkunden oder eine  besichtigungsfreie Zeit genießen. Wie viele tschechische Städte mit Industrie hat auch Budweis wenig attraktive Vororte, aber eine gut erhaltene, sehenswerte Altstadt.

Neben der bekannten Brauerei Budějovický Budvar (Budweiser Budvar und Samson) gibt es in der Stadt noch fünf weitere Brauereien, die alle ein hervorragendes Bier produzieren. Das Bierbrauen hat in Tschechien, dem früheren Böhmen und Mähren, eine jahrhundertealte Tradition. Bereits 1265 wurde Budweis das Privileg des Braurechts verliehen, sozusagen im Bundle mit der Stadtgründung. Das von Bierliebhabern - auch von mir - so geschätzte Lagerbier wird hier allerdings erst seit Ende des 19. Jh. gebraut.

Wer noch nie eine Bierbrauerei besucht hat, sollte vielleicht die von Budweiser Budvar besichtigen, wo das Bier bis heute nach althergebrachten Methoden gebraut wird. Die Brauerei liegt etwas außerhalb der Innenstadt, ist aber gut mit der Buslinie 2 (Fahrtrichtung Borek, Točna) zu erreichen. Alternativ nimmt man ein Taxi.

Zwischen dem US-belgischen Braugiganten Anheuser-Busch InBev und der tschechischen Brauerei Budweiser Budvar wird seit über 100 Jahren darüber gestritten, wer den Markennamen "Budweiser" verwenden darf. Zwischen dem echten "Budweiser Budvar" und einem "Bud" (nur unter diesem Namen dürfen die Amis es in Europa verkaufen) liegen Geschmacks- Welten, was ich von meinen Reisen in den USA bestätigen kann. Aus der Sicht eines Bierliebhabers kann das amerikanische Produkt wohl nur als Wasser mit Biergeschmack bezeichnet werden, wie es Christian Öser auf seinem lesenswerten Reiseblog ausdrückt. Recht hat er!

Bier gilt in Tschechien als Nationalgetränk. Der Bierkonsum pro Kopf ist mit 136 Litern (2022) pro Jahr der weltweit höchste. Das ist natürlich eine statistische Größe, bei der wohl das arithmetische Mittel des Bierkonsums von Säuglingen, Jugendlichen, Alkoholikern, Gelegenheitstrinkern und Greisen ermittelt wird. Welchen Aussagewert hat das?

Wer ein Bier bestellt, ordert jedno pivo oder velké pivo und bekommt ein 0,5 l- Glas. Möchte man weniger, so sagt man malé pivo und bekommt das kleinere Glas mit 0,3 l Inhalt.

Es gibt zahlreiche empfehlenswerte Biersorten:

Na zdraví !- Zum Wohl ! Sagen Sie hier niemals "Na sdorovje !", das ist russisch und damit verbinden die Tschechen unangenehme Erinnerungen.

Auch die tschechische bzw. böhmische Küche ist legendär! Sie steht für bodenständige, deftige Gerichte aus regionalen Zutaten. Es wird vor allen Dingen reichhaltig, einfach, fetthaltig und mit viel (Schweine-) Fleisch gekocht. Also "No country for vegetarians" oder Figurbewusste, eher für Waldarbeiter, Hüttenwerker und Bergleute.

Man sagt, in Tschechien trinke man nicht zum Essen, sondern speise zum Trinken.

Sie behaupten, das beste Bier der Welt zu brauen. Lassen wir das mal so stehen. Dank Marken wie Budweiser Budvar oder Pilsner Urquell ist tschechisches Bier auf allen Kontinenten bekannt. Die deutschen Brauereien jedenfalls haben es in den letzten Jahrzehnten - wohl aus Überheblichkeit und falscher Selbsteinschätzung - versäumt, ihr Bier mit entsprechenden Marketingmaßnahmen weltweit zu bewerben. Eine Ausnahme bildet wohl nur Beck`s Pils. Wenn es nicht schon zu spät wäre, könnten sie sich ein Beispiel an europäischen Global Playern wie Heineken, Guinness und den beiden Tschechen nehmen.

Heute Abend essen wir im Gasthaus Masné krámy (dt. Fleischbänke), in einem Gebäude, in dem früher Fleisch verkauft wurde. Es gibt

Nach Meinung der Mehrheit unserer Reisegruppe überwiegend Convenience Food: ein Traditionslokal, in dem abends in drei oder mehr Schichten auch viele Touristengruppen abgefertigt werden. Trotz der vielen Gäste stehen die Speisen innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch. Kennen Sie das unwillkürliche Aufstoßen nach dem Verzehr einer Tütensuppe oder eines Gerichtes im Chinarestaurant? Magg* oder Glutamat?


Mi 15.05.24: Holašovice - Ceský Krumlov

Morgens brechen wir auf nach Holašovice. Wie ein Bilderbuchdorf oder eine Filmkulisse wirkt der kleine Ort, der mit seinen Häusern den bäuerlichen Barockstil des 18. bis 20. Jh. repräsentiert, wie er in dieser Geschlossenheit sonst kaum anzutreffen ist. 60 Häuser und Gehöfte gruppieren sich um einen 70 x 210 m großen Dorfplatz. Holašovice wurde 1998 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Im Gegensatz zu vielen "Museumsdörfern" auf der Welt handelt es sich hier nicht um eine Sammlung von Häusern, sondern um historische Bausubstanz, die hier am Ort ihrer Entstehung sorgfältig restauriert wurde. Und genau das macht es für mich sehenswert, weil es historisch authentisch ist. Fast alle Gebäude sind in privatem Eigentum und werden bewohnt.

Das Wetter ist uns, wie in den vergangenen Tagen, sehr wohlgesonnen, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und 25°C.

Fahren wir weiter nach Ceský Krumlov (Böhmisch Krumau), einem weiteren architektonischen Kleinod.

Der mittelalterliche Stadtkern im S-förmigen Flussbett der Moldau, die in Tschechien übrigens "Vltava" heißt, gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ceský Krumlov ist wohl der malerischste Ort Südböhmens, aber auch der touristischste, ein beliebtes Ziel von Asiaten und Amerikanern, von Österreichern und Deutschen.

Wir spazieren durch die malerische Altstadt, die schon im Mai sehr gut besucht ist. Es geht bergauf und bergab auf Kopfsteinpflaster unterschiedlicher Größe, was nicht nur für Trägerinnen von HighHeels, sondern auch für BestAger und SilverLiner eine nicht zu unterschätzende Stolpergefahr darstellt. Also Vorsicht!

Die St. Veits-Kirche aus dem 14. Jh. ist unser nächstes Ziel, neben dem Veitsdom auf der Prager Burg die einzige Kirche, die dem heiligen Veit geweiht ist. Durch zahlreiche Um- und Anbauten ist der Baustil eine Mischung aus Barock und Gotik.

Auf felsiger Höhe thront die zweitgrößte Burg des Landes. Die genaue Höhe des Aufstiegs zur Burg kann je nach Ausgangspunkt variieren - von "mäßig steil" bis "sau-steil". Ich verzichte auf den Aufstieg und mache mir einen entspannten Nachmittag. Beim Vietnamesen My Saigon esse ich ein leckeres rotes Thai-Curry. Danach mache ich einen Rundgang durch das idyllische Städtchen und lande schließlich in einem schönen Gartenrestaurant direkt an der Moldau. Die Ruhe hier ist himmlisch.

Bei einer Führung durch das Schloss sieht die Gruppe unter anderem den prachtvoll ausgemalten Maskensaal sowie das einzigartige Schlosstheater mit einer der ältesten erhaltenen Barockbühnen der Welt, von denen es nur ganz wenige gibt.

Danach gibt es Zeit zur freien Verfügung, die für mich ja schon begonnen hat.

Heute Abend essen wir im Gewölbekeller des Lokals Satlava  ("Kerker"):

Die Nachspeise hat mir wirklich gut geschmeckt.

Die Tschechen sind wie alle Osteuropäer ein stolzes Volk. Das kommt auch in Ihrer Nationalhymne zum Ausdruck, in der die schöne Natur Böhmens besungen wird.

Mir fällt Georg Kreislers "Telefonbuchpolka" ein. Das soll keineswegs despektierlich sein, sondern eine Hommage an tschechische Namen aus der Zeit des alten Böhmen!

Ich habe den Eindruck, dass das Erlernen der tschechischen Sprache ungefähr so schwierig ist wie das Erlernen der russischen Sprache, also eine hohe Schwierigkeitsstufe für uns Deutsche - wenn auch ohne kyrillisches Alphabet. Doch gibt es inzwischen sehr gute interaktive Übersetzungs-Apps fürs Handy, die per Foto-Scan eine Speisekarte in einem Rutsch übersetzen und sogar eine Unterhaltung mit dem fremdsprachigen Gegenüber möglich machen, z.B. Google Übersetzer oder DeepL.

Als Handy-Navigation-App empfehle ich für Tschechien übrigens Mapy.cz Diese App eignet sich vor allem zur Fußgänger- und Radrouten-Planung und -Wegführung. Einfach genial!


Do 16.05.24: Rosenberg - Hohenfuhrt - Pilsen

Heute morgen besuchen wir die Burg Rožmberk, auf einem Gipfel über dem kleinen Dorf Rožmberk nad Vlatavou (Rosenberg) gelegen. Hier spukt bis heute die "Weiße Frau von Rožmberk". Sie hatte sich als 16-jährige in einen böhmischen Grafen verliebt, war aber bereits einem Adligen aus der Steiermark versprochen. Während der Hochzeitsfeierlichkeiten traf sie sich ein letztes mal mit ihrem Geliebten, wovon ihr Ehemann Wind bekam. Aus Rache und Hass bereitete er ihr bis zu seinem Tod ein überaus unglückliches Leben. Aus Gram darüber soll die Frau in ihr weißes Witwengewand gehüllt noch heute durch das Schloß wandeln. Uns ist sie nicht begegnet, wir haben nur ihr Porträt gesehen.

Wir fahren weiter nach Vyšší Brod (Hohenfurth), wo es das mehr als 700 Jahre alte Zisterzienserkloster mit Kunstschätzen wie der "Hohenfurther Madonna" zu besichtigen gibt.

Die vorgesehene kleinen Orgelvorführung in der Marienkirche muss leider ausfallen, da der Organist sich gestern an der Hand verletzt hat. Trotz ihrer nur 8 Register (Pfeifenreihen) soll die etwas mehr als 100 Jahre alte Chor-Orgel einen vollen, runden Klang von außergewöhnlicher Schönheit haben. Schade um die entgangene Hörprobe.

Dann geht es entlang der Moldau und der größten Moldautalsperre Lipno-See durch Horní Planá (Oberplan), dem Geburtsort des Biedermeier-Dichters Adalbert Stifter. Sein bekanntestes Werk dürfte der historische Roman "Witiko" sein. Die Erzählung berichtet von der Gründung des Adelsgeschlechts der Witigonen.

Die stark touristisch geprägte, kleine Ortschaft verfügt über einen wunderschönen Sandstrand am 40 km langen und 16 km breiten Lipno-See. Von hier starten auch die Ausflugsschiffe. 

Abends erreichen wir Plzen (Pilsen), wo wir im Courtyard by Marriott (4*) einchecken und im Restaurant U Salzmannů zu Abend essen:

Hat wirklich gut geschmeckt.

Heute Abend hat sich wieder einmal ein Problem offenbart, das mir von Anfang an aufgestoßen ist. Sofern es nicht die touristische Notlösung "Buffet" gibt, hat die örtliche Agentur Horatia ein für alle einheitliches Menü in den Restaurants bestellt, das sich zudem durch einen Schwerpunkt auf Schweinefleisch mit Knödeln auszeichnet. Andere Veranstalter und Agenturen machen das besser. Sie lassen ihre Reisegäste 1-2 Tage vorher aus jeweils 3 Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts durch Ankreuzen einer Liste wählen. Im übrigen haben wir keine "Low Budget- Reise" gebucht und damit einen gewissen Anspruch!

 

Fr 17.05.24: Pilsen - Tachov-Svetce - Marienbad

Der Morgen beginnt nach dem Frühstück mit der Besichtigung des für meinen Geschmack nicht sonderlich interessanten historischen Kerns von Plzen (Pilsen), mit seiner Mischung aus Bier, Sehenswürdigkeiten, Galerien, Theater und gemütlichen Cafés. Es fängt an, sich einzuregnen, die Wetterprognose für die nächsten Tage sieht nicht gut aus. Wir haben fünf schöne Sonnentage hinter uns.

Pilsner Urquell wurde 1842 als weltweit erstes Lagerbier nach Pilsner Art gebraut. Es zeichnet sich durch einen erfrischenden, kräftigen Geschmack mit einer angenehmen Hopfenbittere und einem malzigen Unterton aus und hat eine klare goldene Farbe. Bis heute ist es weltweit das Vorbild für die meisten Pils-Marken. Die Brauerei Plzeňský Prazdroj (Pilsner Urquell) ist incl. Pilsner- Verköstigung zu besichtigen. Die Brauerei braut ein weiteres Spitzen-Pilsner, das Gambrinus. Fast alle Restaurants in Plzen bieten die Traditionsbiere als Essensbegleitung an.

Mittagessen individuell: Ich bestelle mir Svíčková (deutsch "Lendenbraten auf Rahm"), ein traditionelles Gericht der böhmischen Küche. Es handelt sich um Rinderfilet in einer Sahnesauce zu Böhmischen Knödeln, Schlagsahne und Preiselbeeren. Sehr lecker! Das Preisniveau in tschechischen Restaurants ist übrigens um ca. die Hälfte niedriger als in Deutschland. Eine Ausnahme bildet das Zentrum von Prag, dort sind es aber immerhin auch noch 25 % weniger.

Auf der Weiterfahrt legen wir einen Stop in Tachov- Světce ein. Wir besichtigen die ehemalige fürstliche Windischgrätzsche Reitschule in Světce (Heiligen) - auch Reithalle Heiligen genannt - mit der Fürstenloge. Es ist die größte tschechische Reitschule und die zweitgrößte in Mitteleuropa (gleich nach der Spanischen Hofreitschule in Wien).

Das Gebäude der Reitschule in Světce verbindet Elemente der industriellen Architektur mit der Vorstellung eines aristokratischen Baus, wird aber in Reiseführern wie dem Baedeker nicht erwähnt weil es erst seit ca. 2 Jahren soweit renoviert ist, dass es touristisch zugängig ist.

Ein humoristischer Führer in originalgetreuer Uniform führt uns durch die Reitschule. Mit seinem starken tschechischen Akzent ist er ein wahrer Unterhaltungskünstler. Ich könnte ihn mir gut in der Hauptrolle bei einer Neuverfilmung des Schweijk vorstellen.

Unser Tagesziel ist Marianske Lazne (Marienbad), wo wir für 3 Nächte im OREA Spa Hotel Palace Zvon (4*) einchecken.

Das Hotel Zvon aus dem 19. Jahrhundert bietet insgesamt 127 Zimmer, die mit Möbeln des "Gelsenkirchener Barock" ausgestattet sind, pardon, das Hotel redet von italienischen Stilmöbeln. Ferner gibt es ein Wellness- und Spa- Zentrum nebst Badearzt. Auf eine Hotelbar hat man wohl im Sinne der Gesundheitsfürsorge für die Gäste verzichtet...

Eines muss man wirklich konstatieren: Die tschechischen Bäder haben sich sehr schnell aus ihrer sozialistischen Vergangenheit befreit und wieder europäische Standards übernommen. Aber die Ostblockzeit liegt ja auch schon mehr als 30 Jahre zurück. Nur gelegentlich erlebt man noch sozialistische Servicequalität und -freundlichkeit, aber eher selten in den Bäderstädten.

Das heutige Abendessen, ein Buffet, gibt es im hoteleigenen Restaurant. Die Qualität und Vielfalt des Buffets hat nicht einmal 1 Hotelstern verdient. An warmen Speisen gibt es heute als Schuhsohlen getarnte kleine Fischfilets, vermutlich vom Mittag übriggeblieben oder vom Vortag. Als Fleischgericht steht als Alternative ein als  "Bœuf bourguignon" deklariertes Gulasch mit erbsengroßen Fleischstücken zur Wahl, dazu die üblichen Beilagen.

Nach dem Essen laufen einige Mitreisende zur "Singenden Fontäne". Sie befindet sich auf der Kolonnade unweit unseres Hotels, die Musik erklingt meistens zu jeder ungeraden Stunde. Heute Abend werden zwei Titel von Karel Gott (+2019), der goldenen Stimme aus Prag, gespielt. Das kann ich beim geöffneten Balkonfenster meines Hotelzimmers gut mithören. Für morgen Abend ist Metallica und Smetanas Moldau angekündigt. Also für jeden Geschmack etwas.

Ich schaue mir das Spektakel nicht live an, weil ich ähnliche "Singende" Wasserfontainen bereits in Las Vegas und Jerewan, Armenien, bestaunt habe.


Sa 18.05.24: Marienbad - Stift Teplá (Tepl)

Morgens besichtigen wir die Kuranlagen von Marianzke Lasne (Marienbad) mit ihren verschiedenen Quellen. Das Wasser aus ihnen wird aus geringer Tiefe gewonnen und ist daher kalt. Es schmeckt ganz verschieden: salzig, bitter oder mineralisch und wird zur Behandlung unterschiedlicher Leiden eingesetzt.

Heute regnet es den ganzen Tag. Vormittags leichter Nieselregen, ab mittags vereinzelte Schauer.

J.W. von Goethe hatte hier wohl sein letztes amouröses Abenteuer. Der 70-jährige Johann Wolfgang verliebte sich in die nur 53 Jahre jüngere Ulrike von Levetzow. Seinen Heiratsantrag wies jedoch Ulrikes Mutter zurück, wohl weil er Ulrikes Großvater hätte sein können. Goethe verließ fluchtartig das Land und verarbeitete seinen Liebeskummer in der Marienbader Elegie.

In unserer Mittagspause darf diesmal eine der typischen Mehlspeisen nicht fehlen, für die die böhmische Küche berühmt ist: Liwanzen, das sind kleine Küchlein aus Hefeteig. Der fast schon flüssige Teig wird in der Liwanzenpfanne gebacken. Sie werden heiß gegessen, mit Zimtzucker und Mohn bestreut, mit Marillenkonfitüre oder Pflaumenmus bestrichen. Es gibt weitere Varianten. Liwanzen werden meist zum Kaffee serviert, aber auch als Nachtisch zum Mittagessen.

Verpassen Sie nicht die Marienbader Oblaten, die es einzeln oder doppelt mit einer hauchdünnen Zwischenschicht aus Creme in den Geschmacksrichtungen Vanille, Haselnuss, Schokolade oder Kakao gibt - ein köstliches Gebäck, das man je nach Geschmack noch mit zahlreichen süßen Aufstrichen veredeln kann oder als Waffeln zu Eiscreme, Joghurt und Früchten ißt. Sie wurden von dem Hostienbäcker eines der umliegenden Klöster erfunden.

Unser weiteres Programm sieht keine Wallfahrt, sondern eine Weiterfahrt vor und zwar nach Teplá (Tepl) zum in der Nähe gelegenen Stift.

Auf dem Weg aus Marienbad machen wir Halt an der russisch-orthodoxen Kirche St. Wladimir. Unsere Reiseleiterin hatte mit dem Pfarrer eine feste Zeit für den Kirchenbesuch der Gruppe vereinbart. Wer ist nicht da? Der Priester! Also warten wir im Regen auf ihn. Er kommt dann doch noch, kassiert Eintritt, gibt aber keine Erklärungen.

Wir fahren weiter zum Kloster Tepla, wo wir die Kirche der Prämonstratenser sowie das barocke Konventsgebäude aus dem 13. Jh. mit seiner gut erhaltenen Bibliothek mit fast 100.000 Bänden (Nur gucken, nicht anfassen!) besichtigen.

Innerhalb der Gemeinschaft gibt es sowohl Mönche als auch Priester. Die Mönche widmen sich dem klösterlichen Leben, während die Priester sowohl die Mönchsgelübde als auch die priesterlichen Aufgaben ausführen.

Es geht zurück nach Marienbad, wo wir ein wenig unverplante Zeit zur freien Verfügung haben bevor das Abendessen wartet.

Frau Kollerova hat uns vorgewarnt. Es wird wieder ein bescheidenes Buffet im Hotel geben wie am Vortag. Der Küchenmeister heißt hier - wie in den anderen Kurhotels - "Schmalhans"! Soll heißen, in den Kurhotels wird eine Diätküche zubereitet. Das erklärt die vermeintlich schlechte Qualität des Buffets am Vortag. Doch davon war in der Reisebeschreibung des Veranstalters nicht die Rede. Jeder war von einer abwechslungsreichen "Vollkost" in allen Hotels ausgegangen. Stattdessen hat uns der Veranstalter für 3 Nächte und 2 Abendessen in einem "Sanatorium" untergebracht. Jetzt wird mir auch klar, warum einem im Lift immer wieder Damen und Herren im Bademantel begegnet. Sie sind auf dem Weg zu oder von den Kureinrichtungen im Tiefgeschoss des Hotels.

Doch wer hätte das gedacht? Heute Abend gibt es im 4-Sternehotel neben den üblichen Salatblättchen zumindest gebratene Kalmarstreifen und Pommes...

Auch das Zimmer entspricht nicht meinen Erwartungen an ein 4-Sternehotel. Es handelt sich um ein kleines unklimatisiertes Zimmer (Nr 416) mit einem extrem niedrigen Doppelbett mit völlig ausgelegenen Schaumstoffmatratzen billigster Art, einem "Schrank- Klo" nebst Handwaschbecken und einer "Schrank- Duschkabine". Natürlich gibt es keine Bar in diesem Sternehotel und auch keine Minibar auf dem Zimmer. Es ist schließlich ein "Gesundheitshotel" und unter diesem Banner kann man alle Unzulänglichkeiten argumentativ bestens verkaufen.

Wussten Sie, dass der Name bzw. der Begriff "Bohème" vom französischen Wort für "Böhmen" abgeleitet ist? Da von dort viele Roma kamen, die man früher unbefangen Zigeuner nannte, bezeichneten die Franzosen auch sie bald als Bohémiens. Karl Marx verstand die Bohémiens gar abschätzig als "Lumpenproletariat".

Das bis heute gängige Stereotyp des Bohèmiens ist jedoch das des armen, idealistischen und materiell verachtenden jungen Künstlers oder Intellektuellen.

Unvergesslich bleibt Freddy Mercury`s Rocksong Bohemian Rhapsody, der den Textanalytikern heute noch Rätsel aufgibt. "I'm just a poor boy, I need no sympathy. Because I'm easy come, easy go, little high, little low. Any way the wind blows doesn't really matter to me, to me."...


So 19.05.24: Cheb - Doubrava - Königswart - Kladská

Pfingstsonntag. Der Tag beginnt mit einer kurzen Fahrt nach Doubrava (Taubrath), ein Dorf mit typischen alten Egerländer Fachwerkhäusern. Aus einem Wehrhof aus der Mitte des 18. Jh. wurde ein kleines privates Museum, in dem neben der Gebäudearchitektur landwirtschaftliches Gerät und typische Einrichtungsgegenstände gezeigt werden.

Weiterfahrt nach Cheb (Eger) im historischen Egerland im Nordwesten Böhmens. Dies ist die Heimat der Original Egerländer Musikanten, bis zu seinem Tod 1999 unter der Leitung von Ernst Mosch, seitdem unter Ernst Hutter. Blasmusik ist nicht mein Ding. Wer's mag, der möge sich daran erfreuen und kann zur Vertiefung seiner Leidenschaft das Egerländer Blasmusikmuseum in Kraslice (Graslitz) besuchen.

Die Altstadt von Cheb mit ihrem farbenfrohem Marktplatz mit den Fassaden der Gotik-, Renaissance- und Barockbürgerhäusern ist wirklich sehenswert. Um den Marktplatz herum steht das Neue Rathaus und das sogenannte Schillerhaus (früheres Gasthaus "Zum Goldenen Hirsch"), in dem sich Fritz Schiller für seine Recherchen zur Wallensteintrilogie einmietete. Im nahegelegenen Gablerhaus übernachtete einst Kollege Johann W. Goethe. So schreibt es der Baedeker... Merkwürdig: Die Angestellten des Eger-Museums nennen hingegen die Häuser auf der gegenüberliegenden Seite als ehemalige Herbergen der Dichterfürsten. Wer hat Recht?

Im Špalícek (Stöckel), einem Komplex aus elf bizarren Fachwerkhäusern, befanden sich im Mittelalter deutsch-jüdische Handelshäuser.

Wir besichtigen das Eger-Museum im ehemaligen Pachelbel-Haus, mit der Wallenstein-Exposition. Angeblich auf Anordnung von Kaiser Ferdinand wurde in diesem Haus 1634 Albrecht von Wallenstein ermordet. Wallenstein kämpfte damals im Dreißigjährigen Krieg als Oberbefehlshaber auf Seiten des Kaisers und der Katholischen Liga gegen die Protestantische Union, verscherzte es sich aber später mit Ferdinand. To je život, to je válka! Die Führerin im Eger- Haus referiert fast nur in einer Stimmlage, was sehr ermüdend auf den Zuhörer wirkt.

Im Stöckel- Restaurant nehmen wir einen kleinen Imbiss zu uns und genießen ein Kaltgetränk.

Weiter geht es nach Kynžvart (Bad Königswart) mit seinem Schloss. Die Fürstenfamilie von Metternich erwarb die verfallene Renaissance-Festung zu Beginn des 17. Jh. und baute sie zu einem Barockschloss um. Seine Gestalt im Stil des Wiener Klassizismus und des Empire erhielt Schloss Königswart dann im 19. Jh. Es diente als Sommerresidenz für den österreichischen Staatsmann und Diplomaten Klemens von Metternich. Die Söhnlein Rheingold Sektkellerei hat einen bekannten deutschen Sekt nach ihm benannt und die Flaschen mit seinem Portrait verziert.

Unser Schlossführer unterstreicht seine wortreichen Ausführungen mit der typisch melodischen Stimmmodulation und den ausladenden, übertrieben wirkenden, "flamboyanten" Arm- und Handbewegungen sowie einer ausdrucksstarken Mimik, wie man sie gelegentlich bei gleichgeschlechtlich orientierten Männern beobachten kann. Für mich ist es sehr gewöhnungsbedürftig, ihm länger zuzuhören und zuzusehen.

In gewisser Weise ist der heutige Tag wieder einmal ein "Kultur-Booster" der verschärften Art, aber es gibt keinen Grund zur Beanstandung. Das Tagesprogramm wurde vom Veranstalter angekündigt, ich wusste es also vorher. Was man bestellt, das bekommt man auch - meistens jedenfalls. Na ja, bei längeren Aufenthalten an einem Ort habe ich mich schon mal ausgeklinkt um dem Besichtigungsmarathon zu entgehen. Ein großer Vorteil heutiger Gruppenreisen ist, dass man nicht an allen vorgesehenen Aktivitäten teilnehmen muss, sondern vom Veranstalter auch Alternativen angeboten bekommt oder sich die Zeit selektiv nach eigenem Gusto vertreiben kann. Wenn man sich während einer Rundreise von der Gruppe trennt, ist es jedoch unerlässlich, den/die Reiseleiter/in zu informieren und mit ihm/ihr die Handynummern auszutauschen, damit man sich bei Bedarf gegenseitig erreichen kann.

Kladská (Glatzen) ist unser nächstes Tagesziel.

Inmitten des Slavkovský les (Kaiserwaldes) liegt am See ein im Stil einer Schweizer Jagdhütte gebautes uriges Restaurant, wo es als Spezialität Wildbret zum Dinner gibt.

Es ist das weit und breit bekannte Restaurant U Tetřeva (Zum Auerhahn) in Kladská, ein beliebtes Ziel der Kurgäste.

Unser Menü:
Dieses Dinner ist unser "Abschieds- Dinner", bei dem üblicherweise ein Mitglied der Reisegruppe eine rückblickende Dankesrede hält und bei dem das gesammelte Trinkgeld an die Reiseleitung und den Fahrer überreicht wird. Beides fällt hier aus. Die Gruppe hat keinen Redner ausgewählt. Zudem wollen einige von uns ihr Trinkgeld morgen am Flughafen lieber persönlich übergeben. So sei es...

Gut gesättigt fahren wir zurück nach Marienbad.

Mo 20.05.24: Karlovy Vary (Karlsbad) - Abreise

Morgens Abfahrt nach Karlovy Vary (Karlsbad). Natürlich gibt es auch hier einen Stadtrundgang vorbei an den bekannten Sehenswürdigkeiten von Karlsbad. Wir laufen durch das prunkvolle Kurzentrum mit seiner verschwenderischen Pracht an Bauten aus der Belle Époque. Man kann es auch anders sehen, als historische Kulisse, ein Museum für angewandte Gesundheit.

Das Alleinstellungsmerkmal von Karlsbad sind die Kolonnaden: die Markt- und die Parkkolonnade, das ehemalige Kaiserbad sowie die klassizistische Mühlbrunnenkolonnade, eine 130 m lange Säulenhalle im korinthischen Stil.

In den Kolonnaden sind Heilbrunnen (pramen) untergebracht, deren Wassertemperatur meistens bei 56° Celsius liegt, die Quellen unterscheiden sich in ihrer medizinischen Wirkung. Kurgäste schlürfen das mineralhaltige Wasser aus speziellen Schnabeltassen, die man hier überall in den Souvenirläden kaufen kann. Wer aus welcher Quelle trinken sollte, entscheidet ein Kurarzt nach einer ersten Untersuchung.

Die bekannteste und stärkste Quelle befindet sich in einer modernen, verglasten Stahlbetonkolonnade aus dem Jahre 1975, der sogenannten Sprudel- Kolonnade (eine Bausünde!) und wird Vřídlo (Sprudel) genannt. Die Quelle ist 72 °C heiß und schießt bis 14 Meter in die Höhe.

Karlsbad gehört zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt, in denen verschiedene Krankheiten behandelt werden. Zusammen mit den beiden anderen Kurorten Marienbad/Mariánské Lázně und Franzensbad/Františkovy Lázně bildet Karlsbad das sogenannte "Westböhmische Bäderdreieck", das im Juli 2021 in die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Für historisch Interessierte: In der unseligen Nazizeit war dieser an Deutschland grenzende Teil Tschechiens der Reichsgau "Sudetenland", wo Einwohner deutscher Nationalität, Abstammung und/oder Muttersprache die Mehrheit bildeten. Der Name wurde abgeleitet vom 310 km langen Gebirgszug der Sudeten zwischen Polen und Tschechien, wobei das Sudetengebirge und das "Sudetenland" geografisch nicht deckungsgleich waren.

Eine international bekannte alkoholische Spezialität Tschechiens ist der Kräuterbitter Becherovka aus Karlsbad, auch "13. Karlsbader Quelle" genannt. Er wird auch gerne als Hauptbestandteil diverser Mixgetränke verwendet, so z.B. für den bekanntesten tschechischen Longdrink "BeTon" (Becherovka und Tonic Water). Viele Bars bieten das Getränk als Gin-Tonic-Alternative an.

Am Nachmittag wird die Reisegruppe zum Flughafen in Prag gefahren, Ankunft dort um 13:45, also unglaubliche fünf Stunden vor Abflug !!! Eine absolute Zumutung!

Ich habe bereits am Vorabend online eingecheckt. Auch die Gepäckaufgabe klappt reibungslos. Was dann bei der Sicherheitskontrolle passiert, habe ich so noch an keinem anderen Flughafen erlebt, auch nicht am Ben Gurion Airport in Israel. Ich lege mein Handgepäck und meine Jacke in den dafür vorgesehenen Korb am Band, Tablet, Handy, Powerbank separat. Die junge Kontrollöse fragt nach Flüssigkeiten, ich verneine. In scharfem Ton fordert sie mich auf, die Hosenträger abzulegen. Ich bitte sie, darauf zu verzichten, da ich keinen Gürtel trage. Sie wirft mir einen strafenden Blick zu. Ein Kollege eilt herbei und schickt mich unwirsch durch zwei Körperscanner. Der zweite schlägt an. Der Oberkontrolleur streift sich Einweghandschuhe über, winkt mich zu sich und beginnt, meinen Körper intensiv abzutasten. Ausziehen muss ich mich dann doch nicht. Er findet nichts Verdächtiges. Er bedeutet mir, ich solle jetzt die Hosenträger ausziehen, Widerstand zwecklos. Als nächstes fordert er mich auf, meine Schuhe auszuziehen, reißt sie mir förmlich aus der Hand und legt Schuhe und Hosenträger in einen der Laufbandkörbe, um sie zu röntgen... Ich schaue ihn an und erlaube mir die Frage: "Why are you treating me like a criminal?" Der übereifrige Sicherheitshusar ist darüber gar nicht amüsiert und überschüttet mich mit einer Flut von Erklärungen - halb auf Englisch, halb auf Tschechisch. Ich winke ab, beschwichtige ihn. Es bringt sowieso nichts. Auch beim Durchleuchten der mir abgenommenen Kleidungsstücke hat er nichts gefunden. Er fordert mich auf, sein Hoheitsgebiet unverzüglich zu verlassen. In Deutschland hätte er mit meiner Beschwerde bei der Dienstaufsicht zu rechnen gehabt... So wird mir der Flughafen Prag in negativer Erinnerung bleiben.


Der Rückflug nach Frankfurt mit dem Kranich startet planmäßig um 18:35 - "Estimated (and actual) time of arrival" 19:45. Geht doch, Lufthansa!

Ich gönne mir eine Zwischenübernachtung im Holiday Inn Neu-Isenburg und fahre erst nach dem Frühstück am nächsten Morgen mit meinem dort geparkten Auto ausgeruht und entspannt nach Hause.

Diese Reise hat mir gut gefallen - mit Ausnahme der ständigen "Knödelei".

Wie sagte einst Wilhelm Busch:
"Spargel, Schinken und Koteletts
sind doch mitunter auch was netts"

Vielleicht reise ich nächstes Jahr ins ehemalige Mähren, grenzübergreifend im Osten der Tschechischen Republik und im Westen der Slowakei gelegen. Dann hoffentlich mit weniger Sightseeing-Stress, weniger anstrengenden Stadtrundgängen und mehr Begegnungen mit den Menschen der Region (mein ewiges Thema ...). Weniger ist oftmals mehr. Eine kleine Reisegruppe wie diese bietet sich dafür förmlich an. -> ein Tipp an Ikarus Tours, mit denen ich immer gerne unterwegs war, und alle anderen Reiseveranstalter von Gruppenreisen.

Auf dieser Reise gab es Besonderheiten, die ich bisher auf keiner meiner vielen Gruppenreisen erlebt habe: Unsere sympathische Reiseleiterin, Frau Kollerova, bot uns nicht an, sie mit Vornamen anzusprechen oder zu duzen. Aber das Duzen wurde auch nicht von allen Reiseteilnehmern untereinander gewollt. Das war neu für mich. Natürlich akzeptiere ich das - auch wenn es etwas distanziert Elitäres hat, was ich mir in einer so kleinen Gruppe nicht unbedingt wünsche ...

Dieser Reisebericht gibt meine persönlichen Eindrücke und Einschätzungen wieder. Mitreisende können selbstverständlich anderer Meinung sein.

Reisebericht als PDF (Version 09.06.2024)

 

Liebe Mitreisende in Tschechien, wenn Ihr diesen Reisebericht lest, hinterlasst doch bitte ein Feedback - positiv wie negativ - in meinem Gästebuch (den Button oben links drücken) oder per eMail an jbeneke@web.de

Die Fotos habe ich fürs web verkleinert. Gerne versende ich ein Foto in Originalgröße an Euch/Sie
(eMail-Adresse?). Falls jemand sein Konterfei nicht im Gruppenfoto sehen möchte, bitte ich um einen Hinweis.

Viele Grüße - Joachim Beneke

 

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Tschechien:

- Michael Müller Reiseführer "Tschechien"
- Baedeker, "Tschechien" - hatte ich als eBook auf dem Tablet dabei

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