Sonntag, 27.12.2015: Bienvenidos a Andalucía!

"Die Kinder von Torremolinos" heißt ein Roman von James A. Michener. Er spielt in den 70er Jahren und er spiegelt das Lebensgefühl der Jugend in dieser Zeit. Der Roman hat mein Fernweh als junger Mann entfacht und mich gemeinsam mit meiner damaligen Freundin eine Pauschalreise in den spanischen Küstenort Torremolinos buchen lassen - meine erste Flugreise. Unser Hotel war das Melia Costa del Sol - und die Reise ein einziger Reinfall. In diesem Urlaub habe ich erlebt, dass ein Strandurlaub nicht mein Ding ist. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Wie der Zufall es will, bin ich fast 40 Jahre später wieder in diesem Hotel, ein Déjà-vu!

Torremolinos ist der Startpunkt einer kleinen Andalusienrundreise über den Jahreswechsel 2015/2016. Der Flug nach Malaga und der Bustransfer haben ohne Probleme geklappt, aber Probleme erwartet auch niemand auf einer Studiosus- Reise. Üblicherweise ist alles schon fast zu perfekt organisiert. Mit dabei ist wieder mein alter Freund Rüdiger und meine Kollegin Claudia.

Im Hotel wartet auf uns ein vom Veranstalter so genanntes "Welcome- Dinner". In steriler Speisesaal- Atmosphäre gibt es ein typisches Hotelbuffet, an dem sich auch alle anderen Hotelgäste verköstigen. Das fängt ja gut an... Das Melia Hotel ist eine dieser Beton- Bettenburgen des damals boomenden Massentourismus in Spanien, für den Ortsnamen wie Torremolinos und Benidorm bis heute als Warnung stehen. Aber okay, für eine Übernachtung kann man sich auch das Relikt dieser Zeit an der Bar schön trinken.

Montag, 28.12.2015: Nach Ronda und Jerez

Am Frühstücksbuffet des Hotels ist nichts zu bemängeln, danach heißt es jedoch nichts wie weg aus Torremolinos. Eine Bergstraße mit wunderbaren Ausblicken führt uns nach Ronda, spektakulär auf einem Hochplateau gelegen. Die schöne alte Stadt wird von einer über 100 m tiefen Schlucht mit senkrecht abfallenden Wänden gespalten. Auf der einen Seite liegt die Altstadt, auf der anderen die neueren Stadtteile. Natürlich gibt es mehrere Brücken, über die man zum jeweils anderen Teil der Stadt wechseln kann, die berühmteste ist die Ende des 18. Jh. fertiggestellte Brücke Puente Nuevo. Man findet sie als Wahrzeichen der Stadt auf jeder Ansichtskarte von Ronda.

Von der Terrasse des Casa Juan Bosco, einem Palast, der dem Salesianerorden gehört, haben wir eine spektakuläre Sicht auf Schlucht und Brücke.

Ronda war eine der Hochburgen der "Bandoleros". Das waren Straßenräuber, die in Robin Hood- Manier vom 18. bis Anfang des 20. Jh. Reiche überfielen und einen Teil ihrer Beute den Armen überließen. Die Mitte des 19. Jh. gegründete Landpolizei, die Guardia Civil, machte dem räuberischen Treiben ein Ende.

Hier wurde Stierkampfgeschichte geschrieben. Die Plaza de Toros von Ronda ist die älteste Arena des Landes. Bis zum Anfang des 18. Jh. bestand ein Stierkampf lediglich aus dem Abstechen des Tieres mit der Lanze aus dem Pferdesattel. Erst dann und erst hier wurde der Stier zu Fuß bekämpft - ab jetzt hieß es "Mann gegen Stier". Francisco Romero soll der erste gewesen sein. Er gilt als Erfinder der Muleta, des roten Tuches der Stierkämpfer. Sein Enkel Pedro gilt als bedeutendster Matador aller Zeiten. Mittlerweile gibt es sogar Matadoras - Frauen, die in die Arena steigen und sich dem Kampfstier stellen... Nebenbei bemerkt: ein Stier ist farbenblind. Er reagiert nur auf die Bewegung, nicht auf die rote Farbe der Muleta.

Über die „Route der weißen Dörfer“ geht es weiter nach Jerez de la Frontera. "De la Frontera" bedeutet "an der Grenze gelegen" und gemeint ist die Grenze zwischen dem alten Maurenreich der Kalifen und dem der katholischen Könige. Viele Ortschaften tragen hier diesen Namenszusatz. Die Häuser der meist an einem Berghang gelegenen weißen Dörfer sehen aus wie Haufen aus Würfelzucker.

Wieder einmal habe ich ein empfehlenswertes Restaurant gefunden, das La Carbona in Jerez, und hier schon vor Tagen im Web einen Tisch reserviert. Wir besuchen das für die Qualität seiner Speisen ausgezeichnete Restaurant. Es liegt in einer Seitenstrasse. Javier Muñoz, der Chefkoch, bezeichnet sich selbst auch als "Chef del Sherry" - Sherry-Koch, weil er die meisten Gerichte mit Sherry zubereitet. Seine prämierte Kochkunst wurde sogar in der Financial Times gelobt, zahlreiche Promis haben das La Carbona besucht. Wir verbringen dort einen schönen Abend. Ich genieße Oktopussalat, Corvina (Umberfisch) auf mediterranem Gemüsebeet und Weißes Schokoladeneis. Der von uns gewählte Wein, ein Ribera del Duero, schmeckt sensationell. Die Weinpreise sind selbst in sehr guten Restaurants günstig - gemessen an deutschen Gastronomiepreisen. Wir haben nie mehr als 30 € für eine Flasche guten Wein bezahlt.

Die Bar unseres Hotels Los Jandalos ist geschlossen, aber direkt gegenüber gibt es einen Irish Pub mit Guinness on draught!

Dienstag, 29.12.2015: Sevilla, die Metropole Andalusiens

Heute morgen besichtigen wir die exklusive private Bodega Bodegas Tradicion "um Einblick in die Geheimnisse der Sherryproduktion zu gewinnen", wie der Reiseveranstalter angekündigt hat. Natürlich ist das völlig übertrieben, denn in Wirklichkeit geht es vornehmlich um die Verkostung verschiedener hochwertiger und hochpreisiger Sherrys. Weiter in der Studiosus- Ankündigung: "Der Besitzer plaudert auch gerne mit uns über das Leben im heutigen Andalusien und die Auswege aus der Wirtschaftskrise." Das mag durchaus sein, aber wir lernen den Besitzer gar nicht kennen, sondern eine deutsche Angestellte. Dumm gelaufen. Der Sherry schmeckt trotzdem gut. Das besondere an dieser Bodega ist neben der hohen Qualität seiner Sherrys die angeschlossene Kunstgalerie mit u.a. Werken von Goya und Velázques.

Sherry gibt es in allen Qualitätsstufen - von einfach bis überragend. Und Jerez ist einer der zentralen Orte für die Herstellung von Sherry, bei dem es nicht um Jahrgänge geht, sondern um Geschmack, Aroma und Farbe. Der hier vorherrschende Kreideboden ist ein Paradies für die Palomino- Rebe und ihre eher herbe Traube. Der trockene Weißwein wird in einem speziellen Verfahren mit Branntwein auf mind. 15 %-Vol. Alkoholgehalt "aufgespritet" und zunächst 1 Jahr lang gelagert. Dann erfolgt die Weiterverarbeitung im Solera- Verfahren, bei dem in mind. drei übereinanderliegenden Fassreihen immer vom untersten abgezapft wird. Das entstehende Leervolumen wird aus dem darüberliegenden Fass und dieses wiederum vom daraufliegenden Fass aufgefüllt. Die oberen Fassreihen oder Lagerstufen nennt man Criadera-Stufen, von denen es oftmals 10 und mehr gibt. Dann werden sie aber nicht übereinander gelagert, da das Gewicht der oberen Stufen die untere/n zerdrücken würde. Man pumpt dann um. Der Verschnitt von älterem mit jüngeren Wein sorgt dafür, dass am Ende der Sherry einer Bodega immer gleich schmeckt.

Seitdem Sir Francis Drake, der Pirat der englischen Königin, die ersten Fässer Wein von hier als Beute mit auf die Insel brachte, sind die Engländer ganz verrückt nach Sherry, übrigens eine Verballhornung des Namens Jerez.

Die berühmtesten Bodegas in Jerez sind Gonzales Byass (Tio Pepe), Pedro Domecq, Harveys und Sandeman, die neben Sherry auch hervorragenden Brandy produzieren. Probieren Sie unbedingt einen Carachillo (Cafe solo mit Brandy)!

Wir besuchen das alte Kartäuserkloster am Ortsrand von Jerez. Die Kartäuser sind ein Schweige- Orden, der auf den Hl. Bruno von Köln zurückgeht. Das Leben der Kartäuser in Stille und Gebet kommt eindrucksvoll in dem Film
Die große Stille zum Ausdruck. Das Kartäuserkloster Cartuja de Jerez de la Frontera und seine Kirche sind dringend renovierungsbedürftig. Offensichtlich mangelt es dem Orden jedoch an ausreichenden finanziellen Mitteln.

Leider reicht die Zeit in Jerez nicht für einen Besuch der Königlichen Reitschule mit ihren edlen Andalusierpferden, den Cartujanos.

Wir fahren weiter nach Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, wo uns zunächst der Plaza de Espana erwartet. Um ihn zieht sich im riesigen Halbkreis der Palacio Espanol, gebaut anläßlich der Ibero-Amerikanischen Ausstellung von 1929. Die vor dem Palacio liegenden Kachelbänke geben historische Ereignisse der spanischen Provinzen wider. Man muss tief Luft holen um die Ausmaße des Platzes mit dem Auge zu erfassen und seine Schönheit zu genießen.

Mit dem Pilatushaus sehen wir anschließend einen prächtigen Adelspalast aus dem frühen 16. Jh. - ein wahres Kleinod maurisch inspirierter Baukunst: wunderschöne Innenhöfe, Fliesen, Azulejo- Kacheln und Gärten!

Die Sevillanos kaufen in der Calle Sierpes noch die letzten Geschenke ein, u.a. rote Unterwäsche - doch dazu später mehr.

Zum Dinner besuchen wir das Restaurant Eslava im Stadtteil Santa Cruz. Wir nehmen ein Taxi. Spanier essen üblicherweise erst ab 21:00 Uhr zu Abend. Daran gewöhnen wir uns schnell. Das Eslava ist eine sehr beliebte Tapas- Bar mit einem kleinen, aber feinen Restaurant. Wir haben einen Tisch reserviert. Es gibt Sardellenfilets, Carpaccio vom Rind, gegrillten Seehecht und Rippchen vom Iberico Schwein in Honigsauce. Fantástico!

Unser Domizil für die nächsten 2 Übernachtungen ist das in einem Hinterhof gelegene gute Hotel Zenit Sevilla.

Mittwoch, 30.12.2015: Spiegel der Kulturen

Der mittelalterliche Königspalast Alcázar vermittelt einen Vorgeschmack auf die Alhambra. Moslemische Handwerker bauten im 15. Jh. auf den Fundamenten der alten Hauptmoschee die Burg für einen christlichen König. Dieser Palast stammt also nicht aus der Zeit der Maurenherrschaft. Er ist jüngeren Datums.



Prachtvolle Innenhöfe und Arkadengänge wechseln mit üppigen Sälen, kachel- und ornamentgeschmückt. Die goldene Kuppel im "Saal der Botschafter" bildet sicher den Höhepunkt der Baukunst im Alcázar- Palast. Unverständlich, dass so feinsinnige Arbeiten von Pedro I., "dem Grausamen" beauftragt wurden. Er ließ seine 25-jährige Ehefrau in den Kerker werfen und dort verrecken um fortan mit seiner Lieblingsmätresse zu leben.

Mit der größten gotischen Kathedrale der Welt, Santa María de la Sede, erleben wir einen weiteren Höhepunkt unserer Andalusienrundreise. Eine Beschreibung der zahlreichen Kapellen und Kunstschätze würde meinen Reisebericht sprengen. Diese Kirche ist wirklich atemberaubend. Schauen Sie selbst und lesen Sie Details in den vielen erhältlichen Reiseführern nach.

Im Dom ist der Sarkophag mit den sterblichen Überresten von Cristobal Colon (Christoph Kolumbus) zu sehen. Man hat seine Identität per DNA- Vergleich mit Gebeinen seines Bruders und seines Sohnes verifizieren können. Kolumbus hat sich zu Lebzeiten verbeten, in spanischer Erde beerdigt zu werden. Diesem Wunsch hat sein Heimatland entsprochen und seine Überreste in einem von symbolischen Sargträgern gehaltenen Sarkophag ca. 2 m über dem Erdboden konserviert.  Die vier Sargträger verkörpern die Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra. Vermutlich hatte sich Kolumbus das etwas anders vorgestellt...

Vom ehemaligen Minarett, dem heutigen Kathedralenturm La Giralda, genießt man einen wunderbaren Blick über die Stadt und den Fluss Guadalquivir. Bis zur Höhe des Glockenstuhls auf ca. 70m konnte man den Turm zu Pferd über eine spindelförmige Rampe besteigen. So war es möglich, wichtige Nachrichten schnell vom Turm ausgerufen.

Alcazar und Kathedrale gehören natürlich zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Andalusien war mehr als 7 Jh. lang von den Mauren besetzt, die der Region auch den Namen gaben. Die Mauren, auch Sarazenen genannt, waren ein Völkergemisch aus Arabern und nordafrikanischen Berbern. Aus "al-(V)andalus", Vandalenland, dem maurischen Namen für die iberische Halbinsel wurde Andalusien, der Name der heute größten Region Spaniens. Im Südwesten des heutigen Spaniens, den Städten Sevilla, Cordoba und Granada begründeten die Mauren eine der fortschrittlichsten Zivilisationen des Mittelalters, in der Muslime, Juden und Christen friedlich miteinander lebten. In jeder dieser andalusischen Städte sind die spektakulären Baudenkmäler der Mauren erhalten geblieben.

Am Abend haben wir die Möglichkeit, eine Flamenco- Vorführung im Tablao el Arenal zu erleben. Das Vergnügen kostet 38 € und ist seinen Preis wert. Sie können auch ein Dinner dazubuchen. Die Show ist voller Leidenschaft und Dramatik. Man muss keine Spanischkenntnisse mitbringen um das emotionale Feuerwerk aufwühlender Gefühle zwischen Glück und Trauer zu verstehen.



Flamenco gilt als traditioneller spanischer Tanz und Musik. Seine Urheber sind jedoch die "Gitanos" genannten andalusischen Roma. Der wohl berühmteste Flamenco- Gitarrist war der 2014 verstorbene Paco de Lucia. Geradezu legendär ist sein mit den Jazzgitarristen John McLaughlin und Al Di Meola aufgenommenes Album "Friday Night in San Francisco".

Donnerstag, 31.12.2015: Silvester in Córdoba

Córdoba war im Mittelalter zeitweise die größte europäische Stadt; es erinnert an das friedliche Zusammenleben von Islam, Judentum und Christentum. Die Omaijaden errichteten hier ihr Kalifat des Westens. Heute schläft Cordoba den Dornröschenschlaf einer spanischen Provinzstadt.

Die riesige Mezquita, die damalige Hauptmoschee (ebenfalls UNESCO-Kulturerbe) mit 23.000 qm Grundfläche, überwältigt mit ihrem Säulenwald und der hervorragend erhaltenen Gebetsnische aus Tausenden funkelnden Mosaiksteinen. Die unzähligen Säulen haben unterschiedliche Längen und Kapitelen. In diesem gigantischen Bauwerk fällt mir die Orientierung schwer. Wo sind wir reingekommen? Wo ist ein Ausgang?

Die katholischen Eroberer haben die Moschee zwar nicht zerstört, aber sie haben ihr christliche Symbole und Bilder aufgepfropft. So entstand mitten in der riesigen Moschee eine beeindruckende Kathedrale. Gigantonomie wie bei King Kong vs Godzilla - völliger Irrsinn, da es bis heute immer um den einen Gott ging, den die Menschen anbeten.




Nachmittags gibt es Tapas im Restaurant Casa Pepe - sehr ursprünglich und zünftig.

Unser Tageshotel ist das Hotel Conquistador direkt neben der Mezquita. Die Zimmer haben nackten weißen Fliesenboden, das Bett steht auf Rädern wie im Krankenhaus, die Minibar ist leer und in der kleinen Hotelbar wird nur sporadisch bedient. Das hätten wir uns anders gewünscht.

Am Abend geht es zum Silvester-Dinner in das andalusische Restaurant Almudaina. Es gibt eine mehr als dreistündige Speisenabfolge, von der ich das Filetsteak in besonders guter Erinnerung behalten werde. Weniger gut finde ich - wie die meisten Mitreisenden auch - die unangenehm enge Bestuhlung am Tisch sowie fehlende Musik und/oder ein Unterhaltungsprogramm...

Ein wichtiger Silvesterbrauch für ein glückliches neues Jahr ist in Spanien das Tragen roter Unterwäsche in der Silvesternacht. Zahlreiche Schaufenster der Geschäfte sind in den Tagen vorher mit roten Dessous dekoriert. Allerdings sollte die Wäsche nie selbst gekauft sein. Egal wer, Man(n) oder Frau muss die rote Unterwäsche geschenkt bekommen. Sonst gibt es keine Garantie für Liebe und Leidenschaft im neuen Jahr.

Um Mitternacht wird sodann zu jedem Glockenschlag eine von 12 Weintrauben gegessen, ein weiterer Silvesterbrauch. Wegen der vielen Erstickungstoten in der Vergangenheit hat die Regierung angeordnet, dass zwischen den einzelnen Glockenschlägen mindestens 3 Sekunden liegen müssen. Es wird empfohlen, die Weintrauben vorsorglich vorher zu enthäuten und zu entkernen. Insbesondere die Kinder amüsieren sich köstlich über die dick aufgeblasenen Wangen der Silvestergesellschaft...

Stoßen wir auf ein glückliches neues Jahr an. Der spanische Champagner heißt Cava. Feliz año nuevo! Frohes neues Jahr!

Cordoba ist für Menschen, die gern ausgelassen Silvester feiern möchten, völlig ungeeignet. Diese Stadt feiert nicht, sie schläft sich ins neue Jahr...

Freitag, 01.01.2016: Neujahr

Die Puente Romano überquert auf etwa 250 m Länge in 16 schwungvollen Bögen den Guadalquivir. Sie wurde vermutlich schon unter der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus errichtet. Später bauten die Mauren sie aus. Mit ihren Bögen, die auf mächtigen Strebpfeilern ruhen, ist die Brücke ein Meisterwerk antiker Baukunst.

Die Strecke von Córdoba nach Granada bietet Andalusien pur. Durch die nicht enden wollenden Olivenplantagen, auf denen jetzt im Winter die Ernte begonnen hat, geht es vorbei an Dörfern mit stolzen Burgen.

Auf der Strecke machen wir Halt an einer Raststätte, in der geschäftstüchtige Einwohner die Erzeugnisse der Umgebung, insbesondere Olivenöl verkaufen und die Reisenden bewirten. Die Preise sind absolut angemessen.

Granada empfängt uns mit dem Panorama der Alhambra und der dahinterliegenden Schneeberge der Sierra Nevada. Vom Mirador San Nicolás hat man die beste Aussicht.

Ein Spaziergang führt uns durch das ehemals moslemische Viertel Albaicín mit dem Postkartenblick auf die Alhambra und hinunter in die Unterstadt. Hier hat unsere Reiseleiterin während ihres Studiums in Granada gewohnt. Bei ihr werden damit wohl besonders intensive Erinnerungen geweckt.

In Granada gehören die Kathedrale und die Grabkapelle der katholischen Könige zu den wichtigsten christlichen Baudenkmälern. Doch am Neujahrstag ist nur eine Außenbesichtigung möglich. In der Gasse La Alcaicería war früher der arabische Seidenmarkt angesiedelt. Heute werden hier Souvenirs verkauft. 

Bei den vorherrschenden Temperaturen kann man sogar draußen sitzen und einen Mittagsimbiss einnehmen oder einen Kaffee trinken. Ich probiere Pulpo, einen Salat vom Kraken bzw. seinen Fangarmen, die mit kleinen Saugnäpfen besetzt sind - köstlich!

Granada liegt 730 m hoch, am Abend wird es etwas kühler, aber 13° ist für uns ja immer noch warm mitten im Winter.

Das Stadthotel Melia Granada verspricht von außen mehr als es von innen erfüllt. Einige Mitreisende bekommen Zimmer, deren Fenster mit undurchsichtiger Folie beklebt sind, mein Bad vereint auf 1,80 m x 1,80 m Badewanne, Bidet, WC und Waschbecken. Mehr geht wirklich nicht auf einen Bierdeckel.

Samstag, 02.01.2016: Zauber der Alhambra

Die Alhambra (UNESCO-Kulturerbe): Von außen eine imposante Burg, innen beeindrucken Wasserspiele, filigranes Stuckwerk und kunstvoll geschnittene Kacheln. Der Festungskomplex erstreckt sich über 720 m Länge und 220 m Breite auf einem Hügelrücken. Die Alhambra zu beschreiben ist in wenigen Sätzen nicht möglich. Der amerikanische Schriftsteller Washington Irving erzählt in seinem weltberühmten Werk "Erzählungen von der Alhambra" Selbsterlebtes, Geschichten und Legenden rund um die Festung.

Wunderschöne Ausblicke auf die Stadt erlaubt ein Spaziergang durch die Gärten des oberhalb der Burg gelegenen Sommerpalastes Generalife. Den Rundgang erspare ich mir - zumal das Wetter und die Jahreszeit nicht gerade einladend sind. Wir sind in diesen Tagen soviel gelaufen, dass mir die Füße weh tun.

Auf der Weiterfahrt legen wir kurz vor Malaga einen Stopp an einem Standrestaurant ein. Hier gibts Paella, das Nationalgericht der Region Valencia an der Ostküste. In die klassische Paella kommen keine Fische und Meeresfrüchte, ich mag die Paella de marisco aber besonders gern und so kommt sie auch auf den Tisch - mit Muscheln, Langostinos od. Kaisergranat, Beinen der Meerspinne und was weiß ich sonst noch.

Anschließend geht es zurück an die Costa del Sol nach Torremolinos ... und wieder grüßt das Murmeltier.

Heute abend speisen wir im Casa Juan, Die Restaurantwahl ist erneut ein Volltreffer. Die Qualität der Fische und Meeresfrüchte ist hervorragend. Ich genieße Gambas Pil Pil und als Hauptgang Rape Plancha, Seeteufel -auch Lotte genannt-, beides fantastisch!

Die letzte Nacht verbringen wir wie zu Anfang der Reise im Hotel Melia Costa del Sol.

Sonntag, 03.01.2016: Rückflug ab Málaga

Eine besondere Frühstücksspezialität habe ich bereits auf Cuba und in Madrid kennengelernt: Churros con Chocolate, ein süßes und kalorienlastiges stangenförmiges Fettgebäck aus Brandteig, das man zum Verzehr in dickflüssige heiße Schokolade tunkt. In Spanien gibt es sogar spezielle Geschäfte, Churrerias, die frisch frittierte Churros verkaufen. Man sollte Churros unbedingt mal probiert haben.

Bis zum späten Rückflug vertrödeln wir den Tag an der Promenade und gönnen uns zur Mittagszeit ein letztes andalusisches Fischessen. Auf dieser Reise haben wir wirklich einen kulinarischen Streifzug durch die spanische Fisch- und Meeresfrüchte- Küche gemacht. Aber auch Claudia, unsere fleischfressende Pflanze, ist auf ihre Kosten gekommen.

Zum Schluß eine kritische Anmerkung zum Veranstalter Studiosus: Diese Reise ist Bestandteil des Me & More- Reiseangebotes für Alleinreisende. Trotzdem hat Studiosus zwei ältere Ehepaare in die Gruppe eingebucht - sehr zum Ärger der anderen Mitreisenden und einiger Singles, die gerne an der Reise teilgenommen hätten. So macht Studiosus seine Produktlinie der Singlereisen kaputt.

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen:

Natürlich gibt es unzählige Reiseführer über Andalusien und seine berühmten Städte. Wenn Sie einen kompakten Führer für einen 1- 2 wöchigen Aufenthalt suchen, empfehle ich Ihnen den Band "Andalusien" von Thomas Schröder, Michael Müller- Verlag.

Und wenn Sie etwas Belletristik mitnehmen wollen, kaufen Sie den zuvor schon erwähnten Klassiker von Washington Irving "Erzählungen von der Alhambra".



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