Montag 11.05.2026
Es ist einige Jahrzehnte her, dass ich zuletzt in der belgischen Hauptstadt Brüssel war. Seit geraumer Zeit steht ein weiterer Besuch auf meiner Bucket-Liste. Ich habe mich für eine Hin- und Rückreise mit der Deutschen Bummel-Bahn entschieden.
Seit Anfang Mai besitze ich die BahnCard 50 für Senioren. Das „große Sparen” beginnt mit der Zugfahrt 2.Klasse nach Brüssel und zurück für 125 € inklusive Sitzplatzreservierung. Den Ablauf dieser Zugfahrt werde ich hier nicht weiter kommentieren. Jeder Reisende möge sich sein eigenes Urteil bilden.
Von Essen erreiche ich über Köln Hbf und Bruxelles-Nord am frühen Nachmittag den unterirdischen Bahnhof Bruxelles-Central.
Ich nehme den Ausgang Carrefour de l’Europe / Mont des Arts. Von hier sind es zu Fuß nur ca. 400 m bis zum gebuchten Hotel Motel One in der Rue Royale 120.
Nach meinen bisherigen Erfahrungen steht Motel One bei Städtereisen für bewährt gute Hotelqualität zu einem akzeptablen Preis. In Brüssel sind die Übernachtungspreise allerdings höher als an
anderen Orten.
Heute erwartet mich - wie befürchtet - Regenwetter, und das nicht zu knapp, also "Raindrops Keep Falling on My Head".
Ich werde sehen, inwieweit sich das auf meine geplante Erkundungstour in der europäischen Fritten-, Bier- und Comics-Hauptstadt auswirken wird.
Wenn Sie sich für das Tageswetter und die Vorschau auf die nächsten Tage interessieren, laden Sie unbedingt die Apps von diesen zwei belgischen Wetterdiensten auf Ihr Handy (beide verfügbar für Android und iOS):
1. MeteoBelgique
○ Speziell auf Belgien ausgerichtet, bietet diese App lokale Wettervorhersagen, Unwetterwarnungen und aktuelle Wetterbedingungen.
2. Buienradar
○ Sehr beliebt in den Benelux-Ländern, zeigt präzise Regenradar-Daten und Wettervorhersagen für Brüssel und Umgebung.
○ Besonders gut für kurzfristige Regenprognosen.
Während meines Kurzaufenthalts in Brüssel möchte ich die belgische Frittenbuden-Kultur erkunden, die zum Weltkulturerbe werden soll, wenn es nach dem belgischen Pommesverband geht. Belgische Fritten, auch Frieten genannt, sind mit 11 mm deutlich dicker als die Pommes, die man bei uns meistens bekommt. Zudem werden sie zweimal frittiert: erst in Pflanzenfett und danach noch in tierischem Fett, meist Rindernierenfett. Einige Pommes-Chefs frittieren ausschließlich in tierischem Fett. Das Rezept folgt dem Grundsatz "First they swim, then they sing, then they swing." Die Fritten werden zuerst bei etwa 130 bis 140 °C im Fett quasi gekocht, dann lässt man sie kurz abkühlen um sie danach final bei 170 Grad ihrer Vollendung zuzuführen. Voila, das ist belgische Frittierkunst.
Ich bereite Pommes im Airfryer zu, da es zuhause keine Fritteuse gibt. Wenn man weiß, wie es geht, schmecken sie fast genauso gut wie klassisch zubereitete, fettgetränkte Pommes, haben aber nur einen Bruchteil der Kalorien.
Die
Fritten (Vlaamse frites) müssen innen weich, außen knusprig, goldbraun und gut gesalzen sein. Entscheidend ist die Kartoffelsorte. Als optimal hat sich die eher weichkochende Sorte Bintje erwiesen.
Serviert werden sie klassisch in der Papierspitztüte, und natürlich isst man die Fritten aus der Hand. Bloß keinen Ketchup dazu bestellen wie die Amerikaner! Ein solcher Frevel grenzt für Belgier an Vergewaltigung der Kartoffelstäbchen. Mayo und Tartaar Sauce (leichte Remoulade) gehen dagegen immer. Die belgischen Fritten gelten als die besten Pommes der Welt!
Als Pommes-Sauce auch sehr beliebt ist die Joppie-Sauce aus Mayo, Zwiebeln und einer leichten Curry-Gewürzmischung - sehr pikant! Auch die Andalouse-Sauce aus Mayo, Ketchup, Knoblauch, einer Prise Paprikapulver und Pfeffer gehört zu den beliebten Saucen - leicht scharf und schwer lecker... Last but not least wäre da noch die Saté-Sauce, eine Erdnusssauce, die, wie die Joppie-Sauce, auch in Holland viele Fans hat.
Tipp: Jede Pommes-Sauce immer "apart" oder "beside", also im separaten Schälchen bestellen, nicht über die Fritten gießen lassen!
In meiner frühen Kindheit gab es in unserer Stadt am Südrand des Ruhrgebiets noch keine Pommesbuden, erst Mitte der 60er Jahre öffneten die ersten. Sie waren die kulinarischen Höhepunkte meiner Jugend. Ich erinnere mich, dass meine Mutter Pommes ebenso wie Coca-Cola als amerikanisches Übel und sehr ungesund verurteilte. Zu dieser Zeit wurde zuhause gegessen, nicht in Pommesbuden, Hausmannskost statt Fastfood (diesen Begriff gab es damals aber noch nicht). Was sagte Gott, als er das Ruhrgebiet erschaffen hatte? – Essen ist fertig!
Und das sollen Brüssels beste Pommesbuden (in Belgien "Frituur" oder "Fritkot" genannt) sein:
1. Maison Antoine, Place Jourdan 1
(angeblich die knusprigsten Fritten und die beste Mayo, lange Schlangen üblich!)
2,3 km vom Hotel
2. Frites Atelier, Rue Sainte Catherine 32
(konzipiert vom holländischen Starkoch Sergio Herman; zahlreiche exklusive Kompositionen mit Fritten)
1,4 km vom Hotel
3. Friterie Tabora, Rue de Tabora 2
1 km vom Hotel, in der Nähe vom Grand Place
Doch heute soll es keine Pommesbude sein. Ich habe Appetit auf Moules frites (Miesmuscheln mit Pommes), das "Nationalgericht" der frankophonen Regionen Belgiens, zu denen auch Brüssel gehört.
Für die Tradition dieses Gerichts steht das Chez Léon in der Rue des Bouchers 18. Es gilt als das bekannteste Muschelrestaurant in Brüssel; seit dem 19. Jahrhundert kommen dort Moules frites auf den Tisch. Das Chez Léon ist wie die meisten Restaurants in der Straße sehr touristisch, für viele Besucher aber ein Muss, weshalb man zur Vermeidung von Wartezeiten abends einen Tisch reservieren sollte. Vom Motel One aus erreicht man das Restaurant in zehn Minuten zu Fuß. Das Regenwetter beschleunigt die Schritte, während ich durch die Straßen laufe.
Die wahren Gourmets unter uns werden bei dieser Restaurantwahl vermutlich die Nase rümpfen. Sie speisen in einer anderen Liga. In der Haute Cuisine kochen sternegekrönte Spitzenköche Menüs aus den edelsten Zutaten. Das ist leider nicht meine Welt und nicht
mein Budget. Also bleibe ich in der Mittelklasse und erkunde heute Abend die Geschmacksvorlieben der "normalen" Brüssel-Touristen.
Die Rue des Bouchers gilt als die zentrale Restaurant-Meile der Stadtmitte mit vielen Optionen für Moules frites und andere Meeresfrüchte.
Moules Frites, in Gemüsesud und überwiegend in Weißwein gegarte Miesmuscheln mit hausgemachten Fritten
- da könnte ich mich reinknien, besonders in Brüssel, der Welthauptstadt dieses einfachen, aber sehr leckeren Gerichts.
Es gibt ein wirklich breites Muschelangebot in Brüssel: von den einfachen Moules de Zélande (Miesmuscheln) bis zu den teuren Coquille Saint-Jaques (Jakobsmuscheln).
Lange galt die Regel, dass Muscheln nur von September bis April, also in den Monaten mit "R", genießbar sind.
Stimmt das? Jein! Die Wasserqualität der Muschelbänke wird zumindest in Europa streng überwacht. Während einer Algenblüte dürfen keine Muscheln geerntet werden. In den Sommermonaten werden die Meeresfrüchte zudem häufig aus kälteren Gewässern importiert. Zudem werden sie oftmals zusätzlich in kaltem Wasser gelagert oder gespült, damit sie Giftstoffe und Sand ausscheiden können.
Eine weitere köstliche belgische Spezialität sind Croquettes de Crevettes.
Dabei handelt es sich um knusprig frittierte Garnelenkroketten, die aus einer Masse aus Sandgarnelen aus der südlichen Nordsee (Crevettes grises) und Béchamelsauce bestehen. Die Masse wird zu Rollen geformt, paniert und schließlich frittiert. Außen sind sie goldbraun und knackig, innen weich, heiß und aromatisch.
Ein Tipp für Sparfüchse: Wenn man mittags statt abends essen geht, kostet es in den meisten Restaurants, auch in den Luxusrestaurants, oftmals weniger als die Hälfte.
Im zarten Alter von vier oder fünf Jahren schickten mich meine Eltern im Rahmen der in den 1950er- und frühen 1960er- Jahren üblichen "Kinderlandverschickung" in ein sommerliches Ferienlager ("Sommerfrische") in Oostende an der belgischen Küste. Die Maßnahme wurde von der Caritas unseres Wohnorts organisiert und begleitet. Nachts erzählten die älteren Kinder sich im Bettensaal oftmals furcht-erregende Gruselgeschichten. Ich war das jüngste Kind und zog mir angsterfüllt die Bettdecke über meinen Kopf. Ansonsten war es eine schöne Zeit, an die ich mich gerne erinnere.
In den 80er- Jahren kehrte ich mit meiner jungen Familie nach Oostende zurück – in eine Ferienwohnung. Es war Herbst und unser Aufenthalt wurde von zahlreichen Regenschauern begleitet, typisches belgisches Wetter also. Der Urlaub war ein Griff in die Regentonne!
An der Strandpromenade konnte man immer noch diese übergroßen Gokarts ausleihen, für die ich mich schon als kleiner Junge im Ferienlager begeistert hatte. Allerdings reichten meine Füße damals nicht bis an die Pedale. Dann wurde der Sitz eben so weit vorgestellt, dass es passte.
Am meisten haben mich damals die Pferdefischer von Oostduinkerke beeindruckt. Sie zogen bei Ebbe mit ihren Pferden durch das Niedrigwasser der Priele und fingen mit
Schleppnetzen Krabben. Belgien hat zwar keine Wattenmeerküste, aber Sandbänke, die bei Ebbe freigelegt werden. Die Krabben wurden nach dem Fang sofort gekocht und an die zahlreichen Touristen oder Restaurants verkauft. Für uns Ungeübte folgte dann das mühsame Pulen, um die kleinen Tiere aus ihrem Panzer zu befreien. Die Tradition der Peerdevisscher, der Pferdefischer, hat sich bis heute erhalten, allerdings nur noch aus touristischen Gründen. Heute sind die Krabben zunehmend in ihrem Bestand gefährdet. Der Grund: Überfischung, äh, Überkrabbung. Der Aufwand der alten, praktizierten Fangmethode lohnt sich nicht mehr. Heute werden Krabben zunehmend in Aquakulturen gezüchtet. Auch bei uns in Deutschland gibt es immer mehr solcher Garnelenzucht-Betriebe.
Belgien ist eine parlamentarische Monarchie, deren Regierung derzeit von Ministerpräsident De Wever geleitet wird. Seit 2013 ist Philippe König der Belgier und damit Staatsoberhaupt des zwischen Flamen und Wallonen zerrissenen Landes.
Bis in die Gegenwart ist Belgien ein außergewöhnliches Staatsgebilde, das aus dem niederländischsprachigen Flandern im Norden und dem französischsprachigen Wallonien im Süden besteht. Brüssel liegt mittendrin, ist offiziell zweisprachig, de facto dominiert jedoch das Französische. Anders als in anderen
europäischen Ländern ist es hier nicht der politische Konflikt zwischen Links, Mitte und Rechts, der zu Verwerfungen führt. Es ist die Begegnung zwischen Flamen und Wallonen, die zu einer oftmals nicht zu überbrückenden Spaltung des Landes im belgischen Alltag führt. Dies hat dazu geführt, dass die Region Brüssel-Hauptstadt seit den Wahlen Anfang 2024 ohne Regierung ist. Die beteiligten Parteien aus unterschiedlichen Lagern können sich nicht auf ein neues Regierungsbündnis einigen. Eine Katastrophe für die Hauptstadtregion! Seitdem bewegt sich auf kommunaler Ebene so gut wie nichts mehr.
Mein Lesetipp ist der historische Roman "Der Löwe von Flandern" von Hendrik Conscience. Der Roman schildert den Kampf der Flamen gegen die französische Unterdrückung Anfang des 14. Jahrhunderts.
Ach ja, es gibt in Ostbelgien auch noch einen mit 0,7 % Sprachgruppenanteil eher zu vernachlässigenden deutschsprachigen Teil der Bevölkerung. Deutsch wurde 1963 als eine der drei Amtssprachen Belgiens offiziell anerkannt. In der Hauptstadt scheint man aber unsere Heimatsprache nicht zu kennen.
Und damit zurück zu meinem Besuch in Brüssel: Sorry, meine Erzählung geht oft von der Küche zur Politik und zur Geschichte des Landes oder zu meiner eigenen Vergangenheit und umgekehrt...
Ich hatte heute Abend einen Tisch für eine Person im Chez Léon reservieren lassen. Man weist mir jedoch einen Tisch zu, an dem bereits eine charmante Dame mittleren Alters namens Sylvie sitzt. Sie hat nichts gegen meine Gesellschaft und ich habe nichts gegen ihre. So verbringen wir einen wirklich interessanten und unterhaltsamen Abend. Es ist ein ungewöhnliches Kennenlernen, das mich an das Dinner mit Wibke an Bord der MS Midnatsol im Herbst 2025 an der norwegischen Küste erinnert. Ein Déjà-vu?
Sylvie ist Französin und kommt aus Reims. Sie spricht perfekt Englisch und ein wenig Deutsch. Sie ist aus geschäftlichen Gründen in Brüssel. Sylvie hat mich gebeten, kein Foto von ihr in meinem Reisebericht zu veröffentlichen. Das respektiere ich selbstverständlich. Es ist jedoch wirklich schade, denn Sylvie ist nicht nur sehr gebildet und humorvoll, sondern auch äußerst attraktiv, und ihr Foto hätte meinen Reisebericht geschmückt.
Im Chez Léon bestelle ich als Vorspeise Garnelenkroketten und als Hauptgang das für das Restaurant berühmte Moules Frites und ein Leon-Bier
vom Fass. Das Bier ist frisch und leicht fruchtig und passt perfekt zu den Muscheln. Wie ich gehört habe, wurde es speziell für die Küche dieses Restaurants entwickelt.
Sylvie genießt etwas ganz anderes, Vol au vent de volaille avec frites (Geflügel- Königin-Pastetchen mit Pommes).
Nach diesem wirklich leckeren belgischen Dinner bietet es sich an, eine der zahlreichen umliegenden Kneipen und Bars zu besuchen und die Besonderheiten des belgischen Biers näher zu erkunden. Doch welche Lokalität? Und wie finde ich die Nadel im Heuhaufen? Es gibt über 1.500 verschiedene belgische Biersorten, und die belgische Bierkultur gehört, anders als die Fritten, bereits seit 2016 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unglaublich, aber wahr.
Das kleine Belgien hat eine lange und reiche Brautradition und ist weltweit für die Vielfalt und Qualität seiner Biere bekannt. Jede Region und Stadt hat ihre eigenen traditionellen Biere und Brauereien, von denen viele seit Jahrhunderten in Familien- oder Klosterbesitz sind. Zu den bekanntesten Sorten gehören die Trappistenbiere mit ihren komplexen, oft malzbetonten und fruchtigen Geschmacksprofilen, darunter Tripel und Dubbel. Daneben sind die Biere Saison, Lambic, Gueuze, Witbier und Flanders Red Ale sehr beliebt.
Als Erfinder des Bierbrauens gilt übrigens der legendäre König Gambrinus. In der Literatur und bildenden Kunst wird Gambrinus auch als Gegenstück zum Weingott Bacchus dargestellt. Seine Herkunft liegt in mittelalterlichen Überlieferungen, v. a. deutsch-belgisch. Er ist Schutzpatron der Brauer und Biertrinker gleichermaßen. Gambrinus ist der mythische König des Bieres – ein Symbol für Lebensfreude, Durst und Hopfenglück.
Die hiesigen Biersorten sind für ihre vielfältigen Aromen und Geschmacksrichtungen bekannt und werden oft mit bestimmten Speisen kombiniert, um das Geschmackserlebnis zu optimieren. Das "deutsche Reinheitsgebot" spielt hier keine Rolle. Das Aufregende am belgischen Bier ist, dass man nie weiß, in welchem Glas es serviert wird. Für nahezu jedes Bier gibt es eine andere Glasform: von der Schale über die Tulpe bis hin zu einer Art Weinglas.
Belgische Biere haben manchmal sehr kuriose und - für uns - verrückte Namen.
Einige Beispiele:
Duvel - Teufel
Mort Subite – Plötzlicher Tod
Delirium Tremens - Zittern des Wahnsinns / Alkoholentzugsdelir
Pêcheresse - Sünderin
Vurige Non - Feurige Nonne
Nur wenige Schritte vom Chez Léon entfernt liegt schräg gegenüber in der kurzen Sackgasse Impasse de la Fidélité das Delirium Café – der perfekte Ort für eine Bierverkostung!
Die Gasse ist vor allem im Zusammenhang mit Jeanneke Pis bekannt, der weiblichen Version von Manneken Pis. Die etwa 50 cm hohe Bronzefigur, die sich in einer vergitterten Nische erleichtert, befindet sich direkt gegenüber den Bars und Bierlokalen. Sie wurde erst 1987 eingeweiht und ist zu einer Touristen- Attraktion geworden.
Das „Délirium Café” ist keine Rauschgift-Höhle, wie man bei dem Namen des Bierlokals vermuten könnte. Der Name bezieht sich auf das starke belgische Bier Delirium Tremens der Brauerei Huyghe. Es werden jedoch noch "einige" andere Biere angeboten, man spricht von unglaublichen 3.000 (!) Sorten aus über 60 Ländern,
darunter welche mit so untypischen Geschmacksrichtungen wie Schokolade und Paprika. Die Zahl der angebotenen Sorten führte schon im Jahr 2004 zu einem Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde.
In Heidelberg habe ich einmal vor 20 bis 30 Jahren auf einer Geschäftsreise eine Bar mit mehreren 100 Flaschenbieren im Angebot besucht. Eine solche Vielfalt kannte ich damals noch nicht. Die Bar gibt es heute nicht mehr, vermutlich wegen erheblicher Überschreitung des MHD auf den Flaschen und daraus resultierender Vernichtung des gesamten Bestandes. Die Bierflaschen waren zuletzt wohl nur noch Deko-Elemente.
Der Geschäftsführer einer bei uns sehr bekannten Brauerei hat mir einmal vertraulich erzählt, dass das MHD auf Bierflaschen keine berechtigte Gültigkeit habe und eher auf EU- Regularien beruhe, bei denen vor allem Lobby- Interessen berücksichtigt wurden. Flaschenbier sei viel länger haltbar!
Mehrere Etagen und angrenzende Bars bilden an der Impasse de la Fidélité zusammen das sogenannte
"Delirium Village", eine Bierlandschaft mit verschiedenen Einrichtungs-Stilen und Musikrichtungen.
Am Wochenende ist es hier brechend voll, aber heute, am Montag abend, ist es noch relativ übersichtlich.
Ich freue mich, dass Sylvie mich ins Delirium begleitet hat. Hört sich zweideutig an, oder?
Dort bestelle ich ein Witbier (belg. Weißbier). Das berühmte Hoegaarden Wit Blanche wird unter Zugabe von Orangenschalen und Koriander gebraut. Dadurch bekommt es einen besonders erfrischenden Geschmack. Als Ergänzung kommt ein lokaler Jenever (oder Genever) infrage. Perfekt als Absacker vor dem Schlafengehen.
Wer Genever nicht kennt: Der Schnaps stammt aus dem 16. Jh. Er hat einen Wacholdergeschmack und gilt als Vorläufer des Gin. Jonge Genever schmeckt fast wie Wodka, Oude Genever ist weicher und malzig. Daneben gibt es zahlreiche andere aromatisierte Arten von Genever, eine Parallele zum Bier. Die Bezeichnungen Jonge und Oude (Young + Old) haben aber nichts mit dem tatsächlichen Alter des Destillats zu tun, sondern mit historisch bedingten unterschiedlichen Herstellungsweisen.
Der Rückweg zum Hotel - leider ohne Sylvie - ist genauso kurz wie der Hinweg. Ich schlafe wie ein Murmeltier. Ob es wohl am nächsten Morgen grüßen wird?
Dienstag 12.05.2026
Als Frühaufsteher (senile Bettflucht!) frühstücke ich meistens schon früh.
Ab 7:00 hat das gewohnt reichhaltige Motel One- Frühstücksbuffet geöffnet.
Das Murmeltier glänzt durch Abwesenheit und ich vermisse es nicht. Glück gehabt, kein Déjà-vu!
Zudem erwartet mich heute ein Tag ohne Dauerregen, nur mit gelegentlichen Schauern. Diesen Tag werde ich der belgischen Comic-Kultur und einigen kulinarischen Entdeckungen in Brüssel widmen.
Nach dem Frühstück bleibt ausreichend Zeit, um zur Metro-Haltestelle Parc zu laufen. Für das Bezahlen der Fahrten mit Bus, Tram und Metro (ÖPNV: STIB-MIVB)
gibt es hier ein geniales System. Man bezahlt mit einer NFC-fähigen Kreditkarte den Preis von 2,40 € pro Fahrt. Die Kreditkarte ist dann das Ticket. Für weitere Fahrten wird mit derselben Kreditkarte bezahlt, bis am Tag ein Gesamtbetrag von 8,50 € erreicht ist. Darüber hinaus sind alle weiteren Fahrten an diesem Tag kostenfrei.
Ich liebe es, mit der U-Bahn oder Metro die Hauptstädte dieser Welt zu erkunden, weshalb ich auch in Brüssel die Metro nutze.
Für Touristen, die sich mehrere Tage in der Stadt aufhalten und möglichst viele Museen während dieser Zeit besichtigen möchten, lohnt sich vielleicht die Brussels Card. Es gibt sie für 1, 2 oder 3 Tage und sie beinhaltet alle ÖPNV-Fahrten und 48 kostenlose Museumsbesuche. Für mich ist sie weniger attraktiv, denn ich will hier weder an einem Museums-Marathon teilnehmen, noch das Europaviertel mit den Politikpalästen der EU und der NATO besichtigen.
Als erstes Ziel meiner heutigen Stadterkundung habe ich das Museum of original figurines, MOOF gewählt. Es liegt in der Galerie Horta,
Rue Marché-aux-Herbes 116, öffnet aber erst um 10:30 Uhr. Wie der Name schon andeutet, sind hier auf 1200 m² Ausstellungsfläche die berühmten Comic-Figuren in 3D zu bestaunen, vor allem Figuren aus europäischen Comics, mit einem Schwerpunkt auf belgischen und französischen Helden.
Den angegliederten Museums- Shop kann man ohne Ticket betreten und dort in dem reichhaltigen Angebot stöbern. Schon seit geraumer Zeit bin ich auf der Suche nach einer qualitativ guten Figurengruppe von Tim und Struppi oder Lucky Luke mit seinem Pferd Jolly Jumper und seinem Hund Rantanplan. Aber ich werde auch hier nicht fündig. Bei eBay wird leider zu viel China-Schrott angeboten.
Lucky Luke, der einsame Kult-Cowboy mit dem weißen Hut, der seinen Colt schneller als sein Schatten ziehen kann, feiert in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag, so wie Udo Lindenberg. Aber wie heißt es so schön "Man ist so alt, wie man sich (an)fühlt".
Lucky Luke ist die Titelfigur einer seit 1946 erscheinenden belgischen Comic-Serie des Zeichners Maurice de Bevere, alias Morris, und des Texters René Goscinny. Beide sind schon vor Jahrzehnten verstorben. Seitdem wechseln die Autoren und Zeichner der Serie.
Im Museums-Shop ist keine deutschsprachige Ausgabe der Comics erhältlich. Das liegt weniger an noch vorhandenen Ressentiments aus der Zeit der beiden Weltkriege als vielmehr an der mangelnden Nachfrage. Die meisten deutschen Besucher beherrschen jedoch die englische Sprache...

Aus der Comic-Welt zurück in die Realität: Der nur 650 m entfernt liegende Grand' Place, der Groote Markt, gehört unzweifelhaft zu den schönsten mittelalterlichen Plätzen in Europa. Das alte Rathaus aus dem Jahr 1448 mit seinem 96 m hohen Turm, das Stadtmuseum und die Zunfthäuser wurden alle nach dem 2.Weltkrieg im ursprünglichen Baustil der Spätgotik, der Renaissance und des flämischen und italienischen Barocks wieder aufgebaut. Der Grand' Place ist - wie der Name nahe legt - seit dem 12. Jh. der größte Platz und das Zentrum der Stadt.
In der Vergangenheit wurden die umliegenden Häuser nicht nummeriert, sie erhielten Namen, die sich auf die Statuen an ihren Fassaden bezogen. Deshalb hat jedes einzelne Haus rund um den Platz einen eigenen Namen und repräsentiert eine bestimmte Handwerkszunft.
In Brüssel sind belgische Pralinen eine ganz besondere Spezialität. Die Herstellung von Trüffelpralinen gehört zur Königsklasse der Chocolatiers. Selbst ich als Schokoladen-Abstinenzler schmelze bei ihnen dahin. Auf dem Essener Weihnachtsmarkt gibt es einen Stand mit belgischen Trüffelpralinen, den ich nie verpasse. Doch wie kommen die Pralinen zu ihrer Bezeichnung „Trüffelpralinen”? Das hat nichts mit dem echten Speisetrüffel, also dem Pilz, zu tun, sondern bezieht sich auf die Form und das Aussehen der Pralinen, insbesondere derjenigen, die in Kakaopulver gewälzt werden. Sie wirken bewusst nicht perfekt rund, sondern oft mit Linien, Sprenkeln oder einem „aufgerissenen” Look. Der Name ist also wegen ihrer Optik entstanden – eine kulinarische Metapher aus Frankreich. Meist sind es weiche Kugeln aus Schokolade und belgischer Butter oder Sahne, auch Ganache genannt, die keine feste Außenschale haben.
Sie sind häufig handgefertigt und aus hochwertigen Zutaten hergestellt.
In der Rue de l'Étuve 19 liegt eines der beiden Brüsseler Geschäfte von Laurent Gerbaud, der 2025 von Gault & Millau zum besten Chocolatier der Stadt gekürt wurde. Für Schokoladen-Liebhaber ist sein Geschäft die erste Einkaufs-Adresse.
Unweit entfernt in der Rue de l'Étuve 41 findet man das "Schokoladenmuseum" Choco-Story Brussels, ein kleines, privat betriebenes Museum, das die Geschichte von Kakao und Schokolade auf unterhaltsame Weise präsentiert. Zu den Höhepunkten zählen Live-Demonstrationen eines Maître Chocolatier, Schokoladenverkostungen und Workshops, in denen man beispielsweise eigene Pralinen herstellen kann. Ein Shop und ein Café laden zum Mitnehmen von Souvenirs ein.
Bei seinem ersten Besuch in Brüssel darf der Standard-Tourist natürlich nicht versäumen, das Manneken Pis, den berühmtesten Bürger und das Maskottchen der Stadt, zu besuchen. Die Brunnenfigur an der Ecke Rue de l'Étuve und Rue de Chéne (fünf Minuten Fußweg vom Grand' Place) ist selbstverständlich einer der Touri-Hotspots in Brüssel. Das nur 60 cm große Bürschchen ist bereits mehr als 600 Jahre alt. Im Laufe der Zeit wurde Manneken immer wieder anders eingekleidet, sodass sich bis heute eine Sammlung von ca. 900 Kleidungsstücken angehäuft hat. Diese kann man in einer speziellen Ausstellung besichtigen – muss man aber nicht. Für mich ist das so ein bisschen Barbie für Erwachsene ...
Die Familie Manneken und Jeanneke Pis wird seit kurzem durch den Zinneke Pis ergänzt, den pinkelnden Hund an der Ecke von Rue des Chartreux und Rue de Vieux-Marche. Im Brüsseler Dialekt bedeutet "Zinneke" in etwa so viel wie "räudiger Straßenköter".
Für die Brüsseler hat das Urinieren offensichtlich eine besondere, öffentlichkeitsorientierte Bedeutung. Oder ist Blasenschwäche vielleicht eine genetisch bedingte belgische Krankheit?
Heißt nicht auch die rechtspopulistische ehemalige Regierungspartei Polens "PiS"? Das steht allerdings für den polnischen Parteinamen "Recht und Gerechtigkeit", den ich nicht weiter kommentieren möchte.
Als Mittagsgericht möchte ich Waterzooi genießen, einen cremigen Eintopf, der ursprünglich aus Gent stammt, aber auch in Brüssel gern gegessen wird. Das Gericht wird vor allem mit Huhn oder Fisch, viel Wurzelgemüse und einer cremigen, mit Ei oder Sahne gebundenen Brühe zubereitet.
Waterzooi wurde ursprünglich als Arme-Leute-Essen kreiert, kann heute aber auch in vielen feinen Restaurants auf den Speisekarten gefunden werden. Die Bezeichnung "Waterzooi" weist auf die ursprüngliche Zubereitung hin, bei der Wasser als Hauptbestandteil verwendet wurde. Seit Jahrhunderten erfreut sich Waterzooi großer Beliebtheit in Belgien.
Ich entscheide mich zum Lunch für das im Restaurant Le Marmiton, Galerie de la Reine 38, und das dort angebotene "Wasserzooï de Poisson à la Gantois". Der recht hohe Preis erklärt sich dadurch, dass es sich beim Waterzooi ("Wassersud") im Marmiton nicht um einen einfachen Fischeintopf handelt, sondern um ein aufwendig zubereitetes, klassisches flämisches Gericht, zu dem in diesem Traditionsrestaurant nur Fische und Meeresfrüchte höchster Qualität verarbeitet werden. Waterzooi wird hier seinem
Namen absolut nicht gerecht und ist alles andere als ein fader Wassersud!
Ich folge der Empfehlung des Kellners und wähle dazu ein dunkles Bier, ein Tripel Karmeliet. Es ergänzt das Gericht hervorragend und schmeckt mir ebenso gut wie das Waterzooi.
Wer sich näher mit der belgischen Bierkultur beschäftigen möchte, für den ist die Belgian Beer World vielleicht genau die richtige Location. Es handelt sich um ein interaktives Museum im Gebäude der ehemaligen Börse von Brüssel. Angeblich soll man hier auf über hundert belgische Brauereien treffen, von handwerklichen Produzenten bis hin zu Großbrauereien. Man kann in die Geschichte, Vielfalt und Geheimnisse der Bierherstellung eintauchen. Zum Abschluss gibt es im Beerlab Rooftop mit „atemberaubendem Blick auf die Stadt” ein kleines Bier zur Verkostung. Für den ganzen Spaß wird ein Eintrittsgeld von rund 20 € verlangt. Die Bewertungen dieses Bierwelt-Besuchs fallen sehr unterschiedlich aus.
Ein Gueuze gehört nicht zum Verkostungsangebot der Rooftop-Bar. Dieses Bier verdankt seine spontane Gärung einem Hefepilz, der nur in der Umgebung von Brüssel vorkommt. Ein gutes Gueuze wird mindestens zwei Jahre kühl in verkorkten Flaschen gelagert und wie Sekt immer wieder gewendet. Das perlende Getränk gilt als der Champagner unter den Bieren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass eine Flasche Oude Gueuze im Restaurant bis zu 25 € kosten kann.
Da ich kein Champagner-Freund bin, habe ich in Brüssel auch kein Gueuze probiert. Es gibt aber noch einen anderen Grund für meinen Verzicht: Gueuze soll sehr sauer und cidrig schmecken, also fast wie trockener Apfelwein. Das sind für mich Ausschlusskriterien bei einem Bier.
Ich
möchte den Nachmittag anders gestalten und besuche das Comic Art Museum (auch Belgisches Comiczentrum oder BCZ genannt), das nationale Museum für belgische Comics.
Einige Informationsquellen berichten, dass es dort nur Erläuterungen und Erklärungen auf Französisch oder Niederländisch gibt. Doch das ist definitiv falsch! Es gibt selbstverständlich auch englische Übersetzungen. Leider werden keine deutschen Erläuterungen angeboten.
Eine Dauerausstellung informiert im Comiczentrum über die Geschichte und Entstehung der bunten Heftchen. Belgiens Comic-Zeichner gehören zu den besten der Welt. Ihre Comics wie Die Schlümpfe, Lucky Luke oder Tim und Struppi begeisterten Millionen von Lesern. Der Besuch dieses Museums ist wirklich ein Highlight bei einem Brüssel-Trip.
Heute abend esse ich im The Lobster House in der Rue Des Bouchers 34.
Es gehört zu den beliebtesten Restaurants in der City von Brüssel und ist bekannt für seine frischen Meeresfrüchte.
Ich bestelle zwei Garnelenkroketten und als Hauptgericht die legendäre Meeresfrüchte- Paella mit frischem halben Hummer.
Als „begleitendes Getränk“ bestelle ich ein Glas Jupiler Lager, das meistverkaufte Bier Belgiens. Wenn es der Mehrheit schmeckt, muss es mir ja auch munden. Alles passt perfekt!
Mittwoch 13.05.2026
Auch heute regnet es in der Hauptstadt. Also heißt es Regenjacke anziehen und Schirm mitnehmen, Motto:
Singing (and walking) in the rain
Mehr als fünfzig bemalte Häuserfassaden, sogenannte Murals, bilden den
Comic Strip Walk von Brüssel. Sie befinden sich alle im Zentrum und sind auch auf folgender Website zu bewundern: https://www.parcoursbd.brussels/en/fresques/
In der Touristeninformation am Grand Place gibt es eine Karte für den Rundgang. Auf meine wiederholt per E-Mail freundlich geäußerte Bitte, mir diese Karte zuzusenden, hat man dort leider nicht reagiert. Die Gründe kenne ich nicht. Das hat mir jedenfalls nicht gefallen.
Die Belgier lieben Comics über
alles und Brüssel ist quasi die Comic-Hauptstadt Europas. Überall in Brüssel können Sie Hauswände entdecken, die farbenfroh mit den wichtigsten und bekanntesten Comicfiguren Belgiens bemalt sind.
Man kann eine etwa 11 km lange Wanderung entlang vieler Comic-Wände unternehmen, die zu Fuß in rund 2-3 Stunden zu bewältigen sein soll. Das ist aber eher etwas für die härtesten Comic-Fans und Lauf- Enthusiasten. Dazu gehöre ich nicht. Ich beschränke mich heute Morgen auf eine Auswahl von Murals, bei der mir Tim und Struppi (in Belgien "Tintin et Milou") von Hergé begegnen, Lucky Luke und die Daltons von Morris, Spirou und Fantasio, Gaston, das Marsupilami von Franquin und die Schlümpfe von Peyo - um nur die Bekanntesten zu nennen.

Zu den berühmtesten Comic-Künstlern gehören natürlich auch die Franzosen Uderzo und Goscinny. Ein Wandgemälde in der Rue de la Buanderie 33 in Brüssel zeigt ihre Figuren aus den Asterix-und-Obelix-Comics bei einem Angriff auf ein Römerlager.
Heute Mittag koste ich mit Tim (siehe KI-generierte Zeichnung links) die Pommes der Friterie Tabora in der Rue de Tabora 2 in der Nähe des Grand Place mit einer der typischen belgischen Pommes-Saucen. Hmh, sehr lecker! Brüssel ist wirklich die Welthauptstadt der Fritten! Das muss man ausnutzen.
Eine berühmte Spezialität der Stadt blieb bisher unerwähnt, die Brüsseler Waffeln. Die dicken, meist rechteckigen Waffeln mit großen, tiefen Kammern bestehen aus einem weichen Rührteig. Man genießt sie entweder pur, nur mit wenig Puderzucker bestäubt, oder mit üppigen Toppings, als da wären typischerweise Erdbeeren, Bananen, Schlagsahne oder heiße
Schokolade. Häufig werden auch Butter oder Sirup darübergegeben.
Das ist keine Köstlichkeit, die sich während einer Diät anbietet! Am besten genießt man sie schön heiß direkt aus dem Waffeleisen. Belgische Waffeln sind uns in Deutschland ja nicht unbekannt.
Einen Fehler sollte man jedoch auf keinen Fall machen: Sie in einer Fritkot oder Friterie, also einer Pommesbude, essen. Sie schmecken sonst nach Pommesfett ...
Nach dem Genuss einer Waffel und einer Tasse Kaffee bummel ich über die Rue Neuve/Nieuwstraat, die Fußgängerzone und Haupteinkaufsstraße im Zentrum von Brüssel. Sie verläuft zwischen dem Place de la Monnaie/Muntplein im Süden und dem Place Charles Rogier/Karel Rogierplein im Norden.
Leider ist der heutige Tag ja von zahlreichen Regenschauern geprägt. Aber das lässt sich nicht ändern.
Ich habe mir schon vor Reiseantritt den Zentrums-Stadtplan von Freytag & Berndt im praktischen
Taschenformat als Planungshilfe zugelegt. Perfekt ist der Plan nicht, aber immerhin besser als diese Riesen-Stadtpläne der gesamten Region Brüssel...
Mein Weg führt zurück ins Motel One. Auf dem Weg liegt die Hauptkirche der Stadt Brüssel, die 800 Jahre alte Kathedrale St. Michael und St. Gudula. In der Kurzform wird die Kirche oft nur St. Gudule genannt.
Aufgrund der langen Bauzeit von 300 Jahren sind in der Architektur die Stile von drei Jahrhunderten eingeflossen, von der Romanik über die Brabanter Gotik bis zur Renaissance. Die Gotik prägt das Äußere der Kathedrale.
Ich bin immer wieder beeindruckt, welch hohe Baukunst man schon damals beherrscht hat, ohne CAD, ohne KI und ohne all die technischen Hilfsmittel unserer Zeit. Die damaligen und heutigen Architekten von Monumentalbauten ihrer Zeit können sich mindestens auf Augenhöhe begegnen!
Heute Abend speise ich im Le Bistro - Porte de Hal, einer klassischen Brasserie mit belgischer Küche. Das Restaurant wird von Einheimischen sehr geschätzt und ist touristisch weniger frequentiert. Es liegt außerhalb des Zentrums. Auch hier habe ich einen Tisch reservieren lassen. Ich nehme ab Arts-Loi die Metro Linie 6 Richtung Roi Bauduin bis Porte de Hal. Die Metrostation liegt direkt vor dem Restaurant.
Ich entscheide mich für Carbonnade Flamande, (Beef Carbonnade) eines der klassischen Gerichte Belgiens. Es ist ein langsam in dunklem belgischen Bier geschmortes Rindergulasch, das mit Fritten oder Kartoffelstampf (avec "Purée de pommes de terre") serviert wird. Ich wähle Kartoffelstampf. Dazu passt ein Brune, ein dunkles, malziges Bier wie das Trappistenbier Rochefort 8 (gespr. "Roschfoor hüit").
Die Verständigung ist hier für mich ziemlich schwierig, weshalb ich mehrmals erklären muss "Je suis allemand, pas belge ou français" (Jeh swiehs allmoo, pa bälsch o frooncä - Ich bin Deutscher, nicht Belgier oder Franzose). Leider spreche ich nur ein paar Brocken Touristen-Französisch, "juste un petit peu" (jüst öh petti pö), nicht genug für eine wirkliche Konversation. Schade, aber an meinem mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium wurden Latein und Englisch als Fremdsprachen unterrichtet, aber kein Französisch. Später habe ich es leider auch nicht mehr gelernt. Glücklicherweise gibt es heute Übersetzungs-Apps für Smartphones.
Zum Abschluss meines kurzen Brüssel-Besuchs wollte ich in einem typischen Brüsseler Bistro ein typisch belgisches Gericht essen. Das ist mir mit meiner Restaurant- und Speisewahl heute Abend besonders gut gelungen und hat mir sehr gefallen.
Das sind die vermeintlich 20 besten Spezialitäten der belgischen Küche:
https://www.chefskarte.de/die-20-besten-belgischen-spezialitaten-mit-fotos/
Donnerstag 14.05.2026
Auch heute, am Tag meiner Abreise, erwarten mich ergiebige Regenschauer. Ich habe wirklich ein sehr unglückliches Klimafenster für meinen Kurzbesuch erwischt.
Bei einem Besuch in Brüssel darf das Musée Magritte, das Magritte Museum, nicht fehlen, auch für mich nicht. Es befindet sich am historischen Place Royale (Königsplatz), in unmittelbarer Nähe zum Musical Instruments Museum (MIM) und zum Königspalast und ist ab 10:00 Uhr
geöffnet.
René Magritte, die Brüsseler Ikone des Surrealismus, starb 1967. Das Magritte- Museum zeigt auf drei Etagen rund 200 seiner Werke und ist damit die weltweit größte Sammlung. Jedes Werk von Magritte ist ein neues philosophisches Rätsel und zwingt das Publikum, über das Dargestellte nicht nur nachzudenken sondern hinauszudenken. Das fasziniert mich.
Ein Beispiel: Das hier gezeigte Bild trägt den Namen "La reproduktion interdite", also "Vervielfältigung verboten". Ein Mann steht vor einem Spiegel und schaut darin auf seinen Rücken. Das Buch auf dem Kaminsims spiegelt sich hingegen korrekt.
Was will der Maler uns damit sagen? Bei Wikipedia kann man sehr interessante Erklärungsansätze finden.
Mittags geht es zurück nach Deutschland. Vorher gönne ich mir noch eine Portion Fritten mit Andalouse-Sauce. Während des EU-Gipfels 2016 in Brüssel soll Kanzlerin Angela Merkel übrigens in der berühmtesten Frittenbude der Stadt, der Maison Antoine, ebenfalls Pommes mit Andalouse-Sauce bestellt haben. Dann haben wir ja den gleichen Geschmack.
Mit dem Zug fahre ich von Bruxelles-Central über Bruxelles-Nord, Köln Hbf und Essen Hbf zurück nach Hause. Brüssel hat mir sowohl kulturell als auch kulinarisch wirklich gut gefallen - auch wenn es nur eine Stippvisite war und das Wetter leider nicht mitgespielt hat. C’est la vie !
Meine Work-Life-Balance ist als Rentner zur reinen Life-Balance geworden.
Ich liebe das Leben!
Viele Grüße, Sylvie! Amicalement, Sylvie !
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Links:
www.brussels-gourmet.be kulinarischer Wegweiser für Brüssel
https://www.visit.brussels/en/visitors
https://wetraveltheworld.de/belgische-kueste/ 16 ultimative Ziele an der belgischen Küste
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