Äthiopien  

                                             Rekonstruktion einer Reise im Jahr 1982
 

Vorgeschichte und Anreise

Äthiopien, der älteste unabhängige Staat und das älteste Kulturland Afrikas mit mehr als 25 Jahrhunderten dokumentierter Geschichte, war Anfang 1982  Ziel der ungewöhnlichsten und abenteuerlichsten Reise, die ich bisher unternommen habe. Zu dieser Zeit wurde Äthiopien von einer sozialistischen Militär- Junta unter Mengistu Haile Mariam regiert, und war trotz seiner Schönheit touristisch ein fast weißer Fleck auf der Weltkarte. Es gab keine Reiseführer, lediglich einen Kunst- Reiseführer von DuMont. Der Negus Negesti, Kaiser Haile Selassie, war erst 1974 gestürzt worden und die wenigen vermögenden Familien hatten Ihre Söhne und Töchter in die USA und nach Europa geschickt. So sollten sie vor der Willkür der neuen Machthaber geschützt werden und gleichzeitig auf ausländischen Universitäten studieren können. Diesem Umstand verdankte ich die Möglichkeit, das Land zu besuchen. Zu meinem Freundeskreis gehörten damals Äthiopier, die in Deutschland studierten. Die Erlangung eines Visums für eine Individualreise nach Äthiopien war 1982 nur möglich, wenn der Bewerber die schriftliche Einladung eines äthiopischen Staatsbürgers, der dort seinen Wohnsitz hatte, vorweisen konnte. Diese Einladung erhielt ich mit meiner damaligen Freundin von der Familie eines Freundes, der aus der Hauptstadt Addis Abeba stammte. Mein Freund selbst konnte damals nicht sein Land besuchen, da er sonst Gefahr gelaufen wäre, wegen "Republikflucht" o.ä. verhaftet zu werden, zumindest aber nicht mehr ausreisen zu können. Insofern konnte ich praktischerweise auch als Bote für den Austausch von familiären Neuigkeiten fungieren.

Ich ließ mich im Tropeninstitut gegen Gelbfieber und Hepatitis A impfen und begann mit der Malariaprophylaxe. Dann ging es um die Organisation eines Fluges. Die Lufthansa flog Addis Abeba ein mal wöchentlich via Rom an, aber der Preis von ca. DM 6.000,-- für den 8-Std.-Flug war damals für uns unbezahlbar, so entschieden wir uns für die sowjetische Aeroflot. Die Aeroflot bot den Flug für etwas über DM 1.000,-- (!) an, allerdings auf "Umwegen"... Wir bekamen endlich das erforderliche Visum von der Äthiopischen Botschaft, wohlgemeinte Warnungen schlugen wir in den Wind. Unser Flug ging von Frankfurt/ M. über Berlin- Schönefeld (damalige DDR) und Warschau zunächst nach Moskau. Dort wurden uns erst einmal die Pässe abgenommen. Ich habe mich niemals im Ausland so ausgeliefert gefühlt wie damals im kommunistischen Moskau ohne Pass (auch auf der Rückreise). Wir wurden von Zöllnern und Militärs bis in die Kragenspitzen gemustert und befragt (was wollen Westdeutsche im sozialistischen Bruderland Äthiopien?) und dann auf den Flugsteig für den Anschlußflug nach Addis Abeba weitergeleitet (Pässe zurückerhalten). Endlich wieder im Flieger. Die Passagiere an Bord: eine Mischung aus Arbeitern auf den Erdölfeldern, verschlossen dreinblickenden Gestalten, und Geschäftsleute - keine Touristen außer uns. Von Moskau ging der Flug zunächst nach Odessa am Schwarzen Meer, wo die meisten Arbeiter die Maschine verliessen. Während des Fluges gab es eine sehr bescheidene Bordverpflegung, die Stewardessen fuhren mit einer Drahtkarre, wie man sie als Einkaufswagen aus dem Supermarkt kennt, durch die Gangway und verteilten wahlweise Wasser oder Bier in Weißblechdosen. Von Odessa ging es nach Kairo und von dort nach Addis Abeba.

Während des Fluges hörte ich mit meinem Walkman Bob Marley, Raggae- Musik aus Jamaika, deren Texte oft sehnsuchtsvoll den Regenten Ras Tafari Makonnen, der unter dem Namen "Haile Selassie" als letzter Kaiser Äthiopiens gekrönt wurde, verherrlichen. Die Bezeichnung "Ras" bedeutet im Äthiopischen übrigens Fürst.

Der Anflug auf die Hauptstadt über das von der Sonne ausgebrannte Hochplateau: atemberaubend. Es war Hochsommer am "Horn von Afrika". Wir verließen erleichtert den Flieger, der uns nach gut 24 Stunden endlich ans Ziel unserer Reise gebracht hatte. Die Abfertigung und Zollkontrolle ging erstaunlich zügig - wohl, weil unser Gastgeber mit etwas Handgeld "nachgeholfen" hatte.

In Addis Abeba, Äthiopien

Unser Gastgeber, den wir bis dahin natürlich nicht kannten, war der Bruder unseres Freundes aus Deutschland. Er holte uns mit einem alten Peugeot am Flughafen ab. Auf dieser Fahrt bekamen wir einen ersten Eindruck von der Hauptstadt, die nur im Zentrum einige asphaltierte Straßen (mit tiefen Schlaglöchern) kannte. Wir fuhren durch - für europäische Maßstäbe - sehr ärmliche Straßen: Häuser (chickas) aus Schlamm und Stroh, Ziegelhäuser mit Wellblechdächern, Menschen in Baumwolltücher gehüllt. Bilder, die mir in Erinnerung blieben: Metzger, die das Fleisch an der Veranda ihres Geschäftes aushingen - dem Straßenstaub ausgesetzt -, alte Frauen, die riesige Reisigbündel und Eukalyptuszweige zum Heizen auf dem gebeugten Rücken schleppten.

Dann erreichten wir das Anwesen unseres Gastgebers. Unser erster Eindruck: eine Laubenkolonie. Jedoch wurde das eingeschossige Haus von einer Mauer eingefriedet - an deren Einfahrt ein Eisentor, bewacht von einem Wächter, der das Tor auf ein Hupsignal öffnete. Der Wächter, ein alter Mann, wohnte in einem 1-Raum-Häuschen an der Mauer. Er wurde uns als bewährter Kämpfer gegen die Italiener im 2. Weltkrieg und als Mitglied der Familie vorgestellt. Dann zeigte uns ein Hausmädchen unser Zimmer, es war später Nachmittag. Schon an diesem ersten Tag wurde uns bewußt, in einer Mehrklassen- Gesellschaft gelandet zu sein. Uns wurde der gutgemeinte Rat gegeben, die Höhenlage Addis Abebas (2.400 m) nicht zu unterschätzen: die dünne Luft in Verbindung mit den stark sinkenden Nachttemperaturen hätte schon vielen Europäer eine empfindliche und nachhaltige Erkältung beschert. Also zogen wir uns wärmer an. Der Abend gehörte dem Kennenlernen und der Übermittlung von Neuigkeiten aus Deutschland. Obwohl unser Englisch sehr holprig war, gab es (fast) keine Verständigungsprobleme mit unserer Gastgeberfamilie. Die politischen Verhältnisse vor Ort waren nie Gegenstand unserer Gespräche.

Wir wußten nicht, was wir in Äthiopien zu sehen bekommen sollten.

In den nächsten Tagen machten wir mit einem weiteren Bruder unseres Gastgebers eine Stadtrundfahrt durch Addis Abeba. Wir sahen erstmals größere Gebäude, den Regierungspalast -des alten und- der neuen Machthaber (weiträumig vom Militär abgesperrt), das Gebäude der Nationalbank, die Africa Hall der UN mit den berühmten Glasfenstern des einheimischen Künstlers Afewerk Tekle und das Hilton (noch aus Haile Selassies Zeit), in dem 1 mal im Monat ein bei Ausländern sehr beliebter "bayerischer Abend" stattfinden sollte, so sagte man uns. Die Lufthansa würde dazu jeweils frisches Weizenbier und Weißwürstchen einfliegen, so unser "Stadtführer". Wir empfanden diese Vorstellung als dekadent und deplaziert angesichts der überwiegenden Armut im Land. An einem der folgenden Tage aßen wir dennoch auf Einladung unserer Gastgeber im Hilton zu Mittag.

Wir schlenderten über den Markt von Addis Abeba, einem der größten Afrikas. Hier hatten sich einige wenige Geschäfte auch auf den Verkauf von landestypischen Souvenirs spezialisiert. Dazu muß man wissen, daß die wenigen Ausländer zu dieser Zeit im wesentlichen aus den sozialistischen "Bruderländern" kamen. Wir wurden beim Tee von den Händlern nach unserer Herkunft gefragt: "Germany"!. Die Antwort auf die immer gestellte stereotype Gegenfrage: "East or West?" löste kleine Begeisterungsstürme aus. Die Ostdeutschen, die damals vor allem als Entwicklungshelfer und Militärberater vor Ort waren, wurden uns beschrieben als Plastiktüten- bewaffnete Feilscher, die möglichst weniger als den Einstandspreis für begehrte Waren zahlen wollten. Den Trugschluß der Händler, von uns Westdeutschen im Gegensatz dazu jeden Preis fordern zu können, verhinderte unser einheimischer Freund. Dennoch zahlten wir für die von uns erstandenen Waren einen Preis, von dem wir meinten, daß er beiden Seiten gerecht würde. So erstanden wir z.B. ein kunstvoll besticktes Baumwollhemd, auf Kuhhaut gemalte äthiopische Musikantendarstellungen sowie die auf Leinen gemalte Geschichte der Königin von Saba. Aus deren intimer Begegnung mit König Salomon von Juda entstammt nach dem Nationalepos der Begründer der Äthiopischen Herrscher- Dynastie, Menelik I.

Am nächsten Tag hatte sich meine Freundin in den Kopf gesetzt, sich in einem nahen einheimischen Laden (eine Mischung aus Kiosk, Moped-Tankstelle und Frisörbetrieb in Nachbarschaftshilfe) Dreadlocks machen zu lassen. Ich war davon nicht sehr angetan, da sie blonde Haare und eine sehr helle Hautfarbe hatte, und ich mir nicht vorstellen konnte, daß "blond" und "Rastafrisur" eine ideale Kombination bildeten. Ich sollte Recht behalten. Nach der mehrstündigen Prozedur, bei der ihr die Haare mit Perlen in dünne Zöpfe geflochten wurden, sah sie aus wie Michael Jackson nach seiner Hautaufhellung. Sie fand´s gut, ich hingegen ...

Dann sollten wir eine Äthiopische Kirche kennenlernen, einen Sakralbau der ältesten orthodoxen christlichen Kirche der Welt. Wir besuchten eine am Stadtrand gelegene klassische "Rundkirche", so genannt, weil der Kirchenbau mit einem kreisförmigen Außengang um den eigentlichen, heiligen Innenraum angelegt ist. Vor dem Betreten wurden wir aufgefordert, unsere Schuhe auszuziehen - wie bei den Moslems; meiner Freundin wurde das Betreten des Innenraums von einem alten Priester untersagt, dies sei ein Privileg der Männer. Ich sah dort Darstellungen der Erzengel und des Jüngsten Gerichts

Unser Gastgeber lud uns zum Mittagesen in ein einheimischen Restaurant ein. Auf einem niedrigen Tisch wurde eine große Platte mit injera (Teff- Fladen) und verschiedenen, wat genannten, scharfen Saucen angerichtet! Teff ist eine Grashirse- Art, die nur hier wächst, und die als Teig auf heißen Steinen zu großen Sauerteig- Fladen von schwammiger Konsistenz gebacken wird. Die Fladen reißt man in Stücke und tunkt sie mit den Händen in diverse scharfe Saucen (mit verschiedenen Zutaten wie Gemüse, Huhn, Rind- und Schaffleisch). Besteck wird nicht benutzt. Dazu gab es das Nationalgetränk t´ej, eine Art Honigwein und/oder t´ella, das einheimische Bier. Dieses Essen hat uns sehr gut geschmeckt.

Der Schwiegervater unseres Freundes, ein wohlhabender Zahnarzt, hatte uns ebenfalls zu einem Besuch eingeladen. Wir wurden herzlich willkommen geheißen und bewirtet. Seine ehemalige Praxis war nun eine volkseigene Dental Clinic. Wir besichtigten seinen Behandlungsraum. Die Geräte (Bohrer) sahen aus, als stammten sie aus den 50er Jahren. Nur gut, daß wir während unseres Aufenthaltes dort keine Zahnschmerzen bekamen... Natürlich äußerten wir unsere tatsächliche Einschätzung nicht.

An einem weiteren Tag besuchten wir ein Löwen- Gehege in der Hauptstadt. Der Löwe als König der Tiere war traditionell das Symbol der Äthiopischen Herrscher. Anfang der 80er wurde die National- Flagge noch anstelle des jetzigen Sternsymbols einem Löwen geziert, der einen Speer hielt. Zu Haile Selassis ("Löwe von Juda") Zeiten trug dieser Löwe zudem noch eine goldene Krone und ein Kreuz (anstelle des damaligen Speers). Die Äthiopischen Herrscher hielten Löwen in den historischen Hauptstädten Axum, Gondar und Addis Abeba in Gehegen als Zeichen ihrer Macht, früher auch als Vollstrecker von Todesurteilen. Das Löwengehege von Addis Abeba war bei unserem Besuch eine stark renovierungsbedürftige Anlage, in der die wenigen Tiere in baufälligen Käfigen und Freianlagen gehalten wurden. Ein Wärter nahm uns - wohl auf Vermittlung unseres Freundes - mit in einen abgeschirmten Bereich. Dort präsentierte er uns voller Stolz mehrere Löwen- Babys, die wir sogar auf den Arm nehmen durften. Das wäre in Deutschland wohl unmöglich gewesen.

Die Seen im Süden

Unser Gastgeber lud uns zu einem Wochenend- Ausflug in den Süden zu den wunderschönen Seen zwischen Nazret und Awasa ein. Bei der Fahrt aus der Hauptstadt wurden wir von Soldaten an einer Straßensperre angehalten. Die Burschen machten einen agressiven (und stark angetrunkenen) Eindruck und fuchtelten beängstigend mit ihren Maschinenpistolen herum. Pässe! Gutes Zureden -und vielleicht etwas mehr- von unserem Gastgeber ermöglichte uns die unbehelligte Weiterfahrt. Glücklicherweise war dies die einzige Begegnung dieser Art während unseres 4- wöchigen Aufenthaltes.

Wie Glasperlen an einer Schnur reiht sich hinter dem Ort Nazret See an See. An den Ufern und Inseln nisten einige der schönsten unter den über 800 Vogelarten, die Äthiopien zu einem Vogelparadies machen, der Zwai-See mit seiner Flußpferdebucht und seinen Seeadlern, der Langano- See, in dessen braunem Wasser man schwimmen oder sich auf dem schwarzen oder gelben vulkanischen Sand in der Sonne bräunen kann. Wir badeten nicht; wir wußten nicht, was sich in den undurchsichtigen Fluten verbarg. Im seichten und salzigen Abiata- See sind Tausende rosa Flamingos und Reiher zu Hause, aber auch viele andere Wasservogelarten.

Wir wohnten in einem Resort, das damals wohl zu den besseren im Lande gehörte. Der Zustand der Gäste- Bungalows ließ uns jedoch erschaudern: Zwei Pritschenbetten mit schmuddeligen Decken, der Raum nur schwach von einer Glühbirne erleuchtet, von den Wänden und Decken bröckelte der Putz, auch die Beschaffenheit des Bodens war undefinierbar. Wir hatten den Eindruck, jeden Moment mit anderen - mehrfüssigen - Bewohnern Bekanntschaft zu machen, was auch geschah. Aus der Dusche tröpfelte eine braune Brühe. Es wurde eine unvergeßliche Nacht ohne viel Schlaf, aber wir wollten unseren Gastgeber nicht brüskieren. Meine Freundin fing sich hier eine starke Durchfall- Erkrankung ein. Die Anlage wurde uns später als sehr beliebt beschrieben. Wir waren froh, sie verlassen zu können.

Dann ging es weiter, zurück nach Norden, Richtung Awash. Hier wurden 1974 die Gebeine von "Lucy" gefunden, eines der ältesten erhaltenen Skelette der Gattung Mensch (3- 4 Mio. Jahre alt!), was - neben anderen Funden - der Überlieferung Recht geben soll, wonach Äthiopien die "Wiege der Menschheit" ist. Am Awash River, direkt neben der Straße, sahen wir Fluß- Krokodile, die am Ufer lagen bzw. im Wasser dösten. Afrika live! In der Nähe von Awash dann ein Quartier, das uns wieder besser stimmte. Diese Hotelanlage mitten in einer üppigen Blumen- und Pflanzenwelt (so viel Grün haben wir nirgends sonst in Äthiopien gesehen) soll angeblich eine bevorzugte Sommerresidenz von Mitgliedern der alten Herrscher- Familie gewesen sein. Sicher war sie damals noch besser gepflegt, aber nach unserem vorherigen Erlebnis waren wir mehr als zufrieden! Die Anlage wurde überragt von Wassertanks auf Stelzen und riesigen Papaya- Pflanzen, deren Frucht übrigens eine besondere Köstlichkeit ist und die es mittlerweile ja auch hier zu kaufen gibt. Wir hatten die Gelegenheit, mit Einheimischen eine kleine Bananen- Plantage und die heißen Quellen in der Nähe zu besichtigen: ein wirkliches Erlebnis. Bananen kannten wir nur vom Obststand im Supermarkt. Jetzt suchten wir unseren Weg durch einen wahren Urwald von Bananenstauden, die bis zu 3 m hoch wuchsen. In den heißen Quellen badeten einige Äthiopier, andere wuschen ihre Wäsche dort. Am Abend hatte ich die Gelegenheit, mich ausgiebig mit einem älteren Wächter des Hotels zu unterhalten. Er erzählte mir in gebrochenem Englisch voller Stolz von seinem Kampf gegen die Italiener. 1936 eroberten die Italiener mit Giftgaseinsatz das Land und wurden 1941 wieder vertrieben. Dieser Zeitabschnitt wurde für die Älteren ein regelrechtes Trauma.

Zurück in Addis Abeba sollte ein weiteres Highlight unseres Aufenthaltes beginnen. Unser Gastgeber war für die nächsten Tage verhindert. Bei einer der an einer Hand abzuzählenden Reiseagenturen vor Ort buchten wir mit seiner Hilfe eine kombinierte Flug-/Bus- Rundreise in den Norden. Die heilige Stadt Aksum und die Felsenkirchen von Lalibela sollten uns leider wegen des Eritrea- Konfliktes (oder besser: "-Krieges") verschlossen bleiben. Jedem Besucher des Landes ist ein Besuch dieser Stätten auf der "Historischen Route" sehr zu empfehlen!

Die äthiopische Währung ist übrigens der Birr. Ein- und Ausfuhr der äthiopischen Währung ist nicht gestattet. Es empfiehlt sich auch heute, US$ als Bargeld mitzunehmen, da dessen Akzeptanz am größten ist. Kreditkarten sind nicht verbreitet. Amtssprache ist Amharisch mit dem auf das Äthiopische zurückgehenden Alphabet, daneben vielfältige regionale Dialekte. Mit Englisch kann man sich als Ausländer allerdings ganz gut verständigen.

Tana- See, Gondar und das Semyen- Gebirge

Wir flogen mit einer größeren, 2- motorigen Propellermaschine der Ethiopian Airlines nach Bahar Dahr, ein Erlebnis ganz besonderer Art: Das Flugzeug "fiel" in jedes Tal des gebirgigen Hochplateaus, unsere Mägen zeitverzögert ebenfalls: Mir wurde kotzübel. Nur Achterbahn- Fahren ist schöner! Dann die Landung: eine Graspiste, auf der bis zuletzt noch Schafe grasten. Die Hirten würden die Tiere erst von der Piste treiben, wenn sie Motorengeräusche am Himmel hörten, sagte man uns. Dabei käme es ab und an zu Fehleinschätzungen ...

Wir verliessen die Maschine über eine Leiter, der "Airport" bestand nur aus einer von Soldaten bewachten Wellblech- Hütte, hinter der unser Bus, ein klappriges Gefährt mit einem draufgängerischen Fahrer (sollten wir später noch erleben) hielt. Die Reisegesellschaft bestand außer uns beiden aus einer kleinen Gruppe Belgier, über die ich heute rätsele, was sie eigentlich dorthin verschlagen hatte. Wir wurden von Miryam begrüßt, einer Geschichtsstudentin, die sich ihren Lebensunterhalt mit gelegentlichen Reiseführungen für die wenigen Touristen im Lande verdiente.

Die Rundreise begann mit einer Fahrt zu den 30 km entfernten Tis- Isat- Fällen ("Das Wasser, das raucht"), wo sich die Fluten des im Tanasee entspringenden Blauen Nils auf 500 m Breite tosend in die Tiefe stürzen - einer der schönsten Wasserfälle der Erde. Der Eindruck war unbeschreiblich. Livingston, der große Afrika- Entdecker, muß sich damals in Kenia ähnlich gefühlt haben wie wir hier..
 
Auf dieser Rundreise hatten wir sehr oft Kontakt mit der einfachen einheimischen Bevölkerung. Hier an den Fällen trafen wir auf Hirten, die mit ihrem Vieh an einer Wasserstelle lagerten, Bilder wie aus biblischen Zeiten! Amharen, Falaschen, Gallas, Dankali und viele weitere Stämme oder Volksgruppen bilden die Bevölkerung Äthiopiens, das früher einmal Abessinien ("Vökergemisch") genannt wurde. Die meisten Äthiopier sind großgewachsene, dunkelhäutige Menschen mit sehr feinen, ebenmäßigen Gesichtszügen. Daneben gibt es Menschen mit negroiden Zügen, die oftmals aus dem Sudan stammen.

Ich habe viele Frauen und Mädchen gesehen, die ich als "bildhübsch" bezeichnen würde. Einige dunkelhäutige Top- Models unserer Zeit kommen aus Äthiopien oder Somalia. Zur Vermeidung von Mißverständnissen: meine Freundin bestätigte mir aus der Sicht einer Frau: Auch viele äthiopische Männer entsprechen offensichtlich dem Schönheitsideal!

Fast 90 % der Bevölkerung arbeiten auf dem Land. In den heißeren Zonen werden Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle, in den mittleren Klimazonen Mais, Weizen, Gerste, t´eff, Tabak, Kartoffeln und Ölsamen angebaut.

Wir übernachteten in Bahar Dahr am Tana- See, dem größten Inlandssee, genannt "das magische Auge Äthiopiens", auf dessen Inseln viele Mönchsorden ihre Klöster und Kirchen errichtet haben. Die Inseln waren nur mit schmalen Papyrusbooten erreichbar, für Touristen heute auch mit Motorbooten. Der Tana-See, der zu den höchstgelegenen stehenden großen Gewässern gehört, liegt auf etwa 1.800 m ü. M. im äthiopischen Hochplateau. Von seinem südlichen Ende strömt der mächtige Abbai oder Blaue Nil in Kehren und Windungen über tausend Kilometer weit bis zur Grenze des Sudan, um sich dann in Khartum mit dem Weißen Nil zu vereinen. Es waren die Wasser des Tana-Sees, die schon die altägyptische Kultur nährten und wachsen sahen. Im Hotel gab es Fisch: Tilapia, Nilbarsch, Seewolf u. a., gekocht und gebraten.

Dann ging es Richtung Gondar, der alten Hauptstadt des Reichs (nach Kairo einmal die zweitgrößte Stadt Afrikas). Wir besuchten in einem Vorort zunächst einen lokalen Markt, wo ein spärliches Angebot heimischer Lebensmittel und Tiere feilgeboten wurden: Getreide, Gewürze, wenige Früchte und abgemagert wirkende Tiere. Wir hatten den Eindruck, hier nicht sonderlich willkommen zu sein. Kinder und Jugendliche gaben uns dies mit unmißverständlichen Gesten zu verstehen, eine Reaktion, die wohl durch das Verhalten der Belgier provoziert wurde. Wie selbstverständlich und ohne den gebotenen Respekt fotografierten und filmten sie die arme, aber stolze Bevölkerung.

Auf dem Weg nach Gondar fuhren wir vorbei an einem Stadium des damals vermeintlich "real existierenden Sozialismus", einer Sportstätte, die vornehmlich als Aufmarschplatz der Massen zur Huldigung der neuen Machthaber diente, geschmückt mit überlebensgroßen Darstellungen von Marx, Engels und Lenin.

Im krassen Gegensatz dazu: Gondar, die alte Königsstadt mit ihren Schlössern und Burgen. Hervorzuheben ist insbesondere der Gemp, das Schloß Fasilidas, des Gründers der alten Hauptstadt, der in unglaublicher Pracht residiert haben soll. Der in arabisch- indischem Stil errichtete Palastbezirk mit seinen Löwenkäfigen und der Sängerhalle (Debbal Gemp) war ein Jahrhundert lang Residenz der äthiopischen Könige. Warum König Fasilidas im 17. Jhd. in dieser abgelegenen Gegend die Landeshauptstadt gegründet hat, darüber stellen Historiker heute noch Mutmassungen an. Desgleichen haben Kunsthistoriker bis heute das Rätsel nicht zu lösen vermocht, wo der Ursprung des eigenartigen Baustils der kaiserlichen Schlösser zu finden ist. Sie liegen in einer weiten, von Mauern umschlossenen Parkanlage. Geht man durch die leeren Empfangshallen, über Zinnen und Innenhöfe, glaubt man mitunter das dumpfe Grollen von Löwen in Käfigen oder die klagenden Töne einer Maenko, der einsaitigen äthiopischen Geige, zu hören. Gondar hat uns sehr beeindruckt.

Ca. 3 km nordwestlich von Gondar liegt das sogenannte "Bad Fasilidas", eine Wasserburg, die sich Fasilidas in einem großen Wasserbecken anlegen ließ und das noch heute Hauptort des Timkat- Festes ist, der "großen Segnung des geweihten Wassers zur Erinnerung an die Taufe Jesu Christi im Jordan", ein Kirchenfest, das alljährlich die Gläubigen mit den in farbenprächtige Umhängen, mit Kirchenkronen und Sonnenschirmen aus Brokat geschmückten Priestern der ortohodoxen Kirche begehen. Bei unserem Besuch war das Bad Fasilidas trockengefallen.

Ein weiteres Juwel bekamen wir zu sehen: die Basilika Debre Berhan Selassie, die "Dreieinigkeits- Kirche auf dem Berge des Lichts", das schönste und bedeutendste sakrale Gebäude Äthiopiens, dessen Wand- und Deckenbemalung oft kopiert wurde. Die Kirche wird von einer hohen Mauer eingegrenzt und von Mönchen bewacht. Die Decke ist mit einer Vielzahl geflügelter Engelsköpfe ausgemalt. Die Wandmalereien kann man als vollständigste äthiopische Ikonographie bezeichnen, Szenen aus dem Alten und Neuen Testament sowie dem Leben der Heiligen. Charakteristisch die großen schwarzen Augen der volkstümlich gemalten Gesichter. Das Dach der Kirche soll früher einmal vergoldet gewesen sein. Diese Kirche hat mich damals wirklich sehr beeindruckt.

Dann ging die Reise mit dem Bus in das wild zerklüftete Semyen- Gebirge, das "Dach Afrikas". Die hohen Tafelberge beherbergen eine Vielfalt seltener wilder Tiere. Der Walia-Ibex scheint der Schwerkraft zu trotzen, wenn er an fast senkrechten Felsklippen emporklettert. Der Gelada Pavian mit seiner zerzausten Mähne und dem buschigen Schwanzende verdient wohl seinen Zunamen "Löwenaffe". Der Semien-Fuchs oder "Abessinien-Wolf" gehört zu den seltensten Tieren der Welt. Er kommt nur in Äthiopien vor. Und über Kuppen und Gipfel hinweg fliegen in der reinen Höhenluft Vögel mit berühmten Namen: die Weisskragentaube zum Beispiel. Oder auch der Lämmergeier, der sich bis in Höhen von 8.000 m erhebt und nachgewiesenermaßen Fluggeschwindigkeiten bis zu 130 km/h erreicht.

Auch unser Busfahrer wollte offensichtlich die Superlativen vervollständigen. In halsbrecherischem Tempo manövrierte er sein Gefährt über die ungesicherten Serpentinen. An einigen Stellen hielt er an, ließ uns in den Abgrund schauen, wo er uns auf ein tief unten zerschelltes Fahrzeug aufmerksam machte, dessen Fahrer die "Kurve nicht geschafft" hatte. Damit wollte er wohl weniger die Angst seiner Passagiere verstärken, als seine eigenen fahrerischen Qualitäten hervorheben. Wir haben uns dabei nicht sonderlich wohl gefühlt. Unterwegs begegneten uns auf der schmalen Pass- Straße wiederholt militärische Fahrzeugkolonnen, die wohl aus den damaligen Provinzen Tigray und Eritrea zurückkehrten, in denen der Bürgerkrieg tobte. Wir fuhren bis zur Grenze des Sperrbezirks kurz hinter Debark, in Sichtweite des Mt. Ras Dejen (4.550 m), und mußten dann umkehren. Wie gerne hätten wir Aksum, die Heilige Stadt, und die Felsenkirchen von Lalibela besucht...

Auf der Rückfahrt machten wir Halt an einer spartanischen Raststätte, wo es einen einheimischen Imbiß gab: Kotcho,  einen beliebten Pfannkuchen aus Stamm und Wurzel der ensete (falsche Banane). Für die Kinder der Umgebung waren wir weißhäutigen Touristen eine exotische Sensation. Kleine Mädchen wollten unbedingt die blonden Haare meiner Freundin berühren. Ein etwa 10-jähriger Junge führte uns fakirartige Kunststücke vor, wobei er auf eine Belohnung spekulierte. Die sollte er natürlich bekommen.

Später hielt unser Fahrer an einer der armseligen kegelförmigen Bambushütten am Straßenrand, die man tukul nennt. Ein Bauer und seine Kinder trieben auf einem Dreschplatz einen Esel über das trockene Getreide. Die Frau des Bauern war mit hohem körperlichen Einsatz damit beschäftigt, die Spreu vom Korn zu trennen indem sie das Getreide in die Luft warf. Der Wind erledigte den Rest. Die häuslichen Aufgaben der Geschlechter waren hier noch nach mittelalterlichen Maßstäben verteilt. Auf uns Europäer wirkte die Szene wie aus einer anderen Welt. Die Belgier hielten wieder gnadenlos ihre Fotolinsen ´drauf.

Von Bahar Dahr ging es mit der Propeller- Maschine zurück nach Addis Abeba, wo wir noch einige Tage verbrachten. Während unserer Reise haben wir die Äthiopier als stolze, bescheidene und gastfreundliche Menschen kennen und lieben gelernt.

Der Rückflug nach Deutschland mit der Aeroflot sollte den Hinflug noch toppen: Ein Zubringerflug brachte uns zunächst nach Aden im kommunistischen Süd- Jemen. Wir mußten im stickig heißen Flughafengebäude ca. 2 Stunden warten. Dann ging es weiter via Odessa nach Moskau, wo wir am späten Abend ankamen. Ein Weiterflug nach Deutschland war am gleichen Tag nicht mehr möglich. Man "beraubte" uns erneut unserer Pässe und brachte uns mit einem Flughafenbus in ein Transit- Hotel auf dem Airport- Gelände. Es war so gegen 22:30 Uhr Ortszeit. Wir hatten in den letzten Stunden an Bord nichts mehr gegessen und getrunken und demzufolge ziemlichen Hunger und Durst. Aber es gab nichts mehr im Hotel! Nicht mal einen Drink konnten wir nehmen: Alles schon geschlossen. Unser "Abendmahl" bestand aus einem Schluck aus dem Wasserkran im Hotelzimmer.  

Etwa 2 Jahre nach unserem Besuch wurde Äthiopien von einer schrecklichen Hungerkatastrophe heimgesucht. Die über die Medien verbreiteten Bilder werden vielen noch in Erinnerung sein. Ich habe damals sehr gelitten unter der Vorstellung, daß ein klimatisch so begünstigtes Land in ein solches Elend verfallen war. Äthiopien ist sicher kein industrialisiertes Land nach westlichen Standards, Hunger wäre aber niemals ein Thema, würden die natürlichen Ressourcen ökonomisch genutzt und die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten beigelegt - eine Herausforderung der künftigen politischen Entwicklung. Karlheinz Böhm, der Schauspieler, der zum Entwicklungshelfer wurde, und den ich für sein Engagement sehr bewundere, hat damals (und heute noch) mit seinem Projekt "Menschen für Menschen" Meilensteine der Mitmenschlichkeit gesetzt.

Anfang der 90er Jahre wurde das Mengistu- Regime gestürzt und demokratische Strukturen im Land etabliert. Eritrea ist inzwischen ein autonomer Staat.  

Dank an meine Äthiopischen Freunde

Ich danke allen Äthiopischen Freunden, die mir diese Reise ermöglicht haben, von Herzen! Leider habe ich seit Jahren den Kontakt zu ihnen verloren. Vielleicht sind sie inzwischen in ihr wunderschönes Land zurückgekehrt und wirken mit am Aufbau und der Festigung der jungen Demokratie. Ich wünsche ihnen weise Entscheidungen und eine glückliche Hand. Sollte einer von Ihnen durch Zufall auf diese Seite stoßen, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme riesig freuen! Den Familien in Addis Abeba gilt mein besonderer Dank für ihre warme Gastfreundschaft.


Auskünfte und Botschaften

Ethiopian Airlines
Am Hauptbahnhof 6
60329 Frankfurt
Telefon: 069 / 27 40 07-0
Fax: 069 / 27 40 07-30

Reiseveranstalter in Äthiopien:

Ethiopian Tourism Commission (ETC)        National Tourist Organisation (NTO)
PO Box 2183                                                  PO Box 5709
Addis Abeba                                                  Addis Abeba
Telefon: 00251 / 1 / 51 74 70                        Telefon: 00251 / 1 / 51 29 55
Fax: 00251 / 4 / 51 38 99                               Fax: 00251 / 4 /  51 76 88

Botschaften:

Äthiopische Botschaft                                    Botschaft von Deutschland
Brentanostr. 1                                                 Khabana
53113 Bonn                                                    PO Box 660
Telefon: 0228 /23 30 41                                Addis Abeba
Fax: 0228 / 23 30 45                                     Telefon: 00251 / 1 / 55 04 33
                                                                          Fax: 00251 / 1 / 55 13 11

*Maps courtesy of www.theodora.com/maps used with permission.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

direkt bei AMAZON.de bestellenReiseführer- Tipp:

"Äthiopien", Hildemann u. Fitzenreiter, Reise Know-How-Verlag

(Leider stand mir dieser sehr gute Reiseführer damals nicht zur Verfügung,
die 1. Auflage stammt aus 1999)


----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Eine Nachricht aus dem Newsletter von www.oasereisen.de vom 10.02.2009:

Baldige Auslieferung des ehemaligen äthiopischen Diktators Mengistu?

Man nannte ihn den „schwarzen Stalin“ und den „Schlächter von Addis Abeba“: Mengistu Haile Mariam, der Äthiopiens letzten Kaiser Haile Selassie stürzte und bis zu seiner Flucht 1991 eine 17-jährige Schreckensherrschaft auf der Basis eines „Steinzeit-Kommunismus“ etablierte. Der Kaiser wurde mit einem Kissen erstickt und auf Geheiß Mengistus unter dessen Waschbecken eingemauert. Den vorsichtig prowestlichen Vize Teferi Bente ließ Mengistu im Kabinettssaal erschießen – und sämtliche Minister ebenfalls: es hätte ihm ja noch einer gefährlich werden können.

Intelligenz war ihm eine Bedrohung: Studenten wurden während des „Roten Terrors“ auf dem Campus in Addis Abeba zu Tausenden erschossen; Eltern mussten die penibel gezählten Gewehrkugeln bezahlen, bevor sie ihre Kinder beerdigen konnten. Die Hungerprovinz Tigray ließ Mengistu komplett von der Nahrungshilfe abnabeln, während Schiffe mit äthiopischem Weizen nach Russland fuhren, um Waffenkäufe zu finanzieren; Zehntausende starben. Mengistu zu einem fassungslosen BBC-Reporter: „Wo keine Menschen mehr sind, leben auch keine Rebellen mehr“.

Seit 1991 lebt Mengistu luxuriös unter dem Schutz des letzten Tyrannen Afrikas, dem greisen Diktator und „Sozialisten“ Robert Mugabe in Zimbabwe – als Dank für dessen Waffenlieferung, als Mugabe noch einen Rebellenkampf gegen die Briten führte. Mugabe unterhält für den Massenmörder Mengistu nicht nur eine schwer bewachte Villa in Harare (passend im Vorort namens Gun Hill), sondern auch eine Farm und einen Wochenend-Landsitz am Kariba-See; monatliche Telefonrechnungen seines Gastes von manchmal 15.000 Dollar werden unter „Peanuts“ verbucht, während 80% der Zimbabwer hungern. Als Gegenleistung hat Mengistu seinen Gönner in „Sicherheitsfragen“ beraten und war der Architekt einer gewalttätigen Staatsaktion von 2006, wo 700.000 Slum-Bewohner vertrieben und Tausende ermordet wurden, da man sie als Anhänger der Oppositionspartei MDC verdächtigte.

Nun wird es aber langsam eng für Mengistu: ein Gericht in Addis Abeba hat ihn im Mai letzten Jahres in Abwesenheit zum Tode verurteilt, und immer hartnäckiger fordert Äthiopien seine Auslieferung. Da aber die MDC (Movement for Democratic Change von Morgan Tswangirai) unter dem nun geistesgestörten Mugabe („es gibt keine Cholera“ – 60.000 sind schon gestorben) nur Juniorpartner ist, wird der Alte das verhindern. Aber er ist 85. Oder er wird vor seinem natürlichen Tod erschossen.