Yá sas! Hallo Freunde Griechenlands!

Wenn Ihr das erste Mal nach Kreta fliegt, werdet Ihr feststellen, daß dort vieles angenehm anders ist. Habt Ihr erst die touristisch geprägten Küstenorte verlassen, werdet Ihr das Gefühl haben, die Zeit sei auf Kreta stehen geblieben. Die Menschen sind freundlich und Gastfreundschaft ist noch im ursprünglichen Sinn zu erleben. Ihr werdet Kreta lieben ...

Kreta, die größte Insel Griechenlands und zugleich die fünftgrößte Europas, besteht zu mehr als 3/4 aus Gebirgen. Von Kreta aus sind es noch knapp 200 Kilometer bis Libyen /Afrika. Hier auf Kreta findet jeder Besucher "seinen" Strand: feinen Sandstrand, Kiesstrand oder Felsplateau. Ca. 300 Sonnentage pro Jahr haben Kreta zur beliebtesten Urlaubsinsel Griechenlands gemacht.

Eva, meine Freundin, und ich, wir haben im September 1994 das "Creta Maris" **** in Chersónissos  gebucht. Die Hotelanlage ist um die große Pool- Anlage herum im Village- Stil gebaut, d.h. neben dem Hauptgebäude gruppieren sich kleine Bungalows auf versetzten Ebenen. Wunderschöne Gärten und Park- ähnliche Anlagen vervollständigen den mediterranen Gesamteindruck. Die Räume sind in rustikal griechischem Stil eingerichtet. Service und Restauration entsprechen gehobenem Niveau. Hier können wir uns rundum verwöhnen lassen.  Davon machen wir in den ersten Tagen auch rund um die Uhr Gebrauch.



1. Kreta mit dem Motorroller

Dann aber erwacht unser Entdeckertrieb. Wir wollen mehr sehen und erleben als die Hotelanlage und das stark touristisch geprägte Chersonissos. Deshalb mieten wir einen Motorroller (!) bei einem der zahlreichen Vermieter vor Ort, lassen uns die Bedienung erklären - und los gehts. Die erforderliche Gewichtsverteilung läßt nur mich als Fahrer zu - Glück gehabt - Eva muß auf dem Sozius Platz nehmen. Rollerfahren macht uns riesig Spaß.

Hat man sich erst von der Nordküste entfernt, landet man in einer anderen Welt. Hier gehen die Uhren anders, der Tourismus spielt hier meistens eine untergeordnete Rolle. Wer sich darauf  einlässt, das "ursprüngliche" Kreta ein wenig kennen zu lernen, sollte viel Zeit mitbringen!

Unser erster Ausflug führt uns nach Agios Nikólaos, einem wunderschönen Küstenort im Nord- Osten Kretas, der für unser Empfinden irgendwie britisch geprägt ist. Das eigentliche Leben des Ortes spielt sich um den unscheinbaren, aber 64 m tiefen Süßwassersee Voulisméni ab, der durch einen kleinen Kanal mit dem Meer verbunden ist. Rundherum gruppieren sich zahlreiche Lokale, wo wir uns auf einen Drink niederlassen. Der Legende nach sollen in dem See die Göttinnen Athene und Artemis gebadet haben, was sie heute sicher nicht mehr tun würden...
In unserem Reiseführer haben wir von der ehemaligen Lepra- Kolonie auf der Insel Kalydón/Spinalónga gelesen. Die "Kolonie der Aussätzigen" hat unser Interesse geweckt. Nach Spinalonga kommt man mit Ausflugsschiffe von Eloúnda, einem bei den Griechen sehr beliebten Badeort, aber auch von Agios Nikólaos. Massentourismus ist nicht unser Ding. Deshalb fahren wir mit unserem Roller nach Pláka, einem Mini- Örtchen vor der Insel. Hier essen wir erst einmal zu Mittag ein herrliches Fischmenü auf einem schwankenden Ponton, der zu einer kleinen Strandtaverne gehört. Ein Fischer bietet uns die Überfahrt in seinem Kahn an. Wir nehmen sein Angebot an, er bringt uns direkt zur Landestelle der Lepra- Kolonie und verspricht, uns nach 3 Stunden wieder abzuholen.

Kalydón ist ein beeindruckendes Erlebnis, das wir jedem Kreta- Besucher empfehlen können (möglichst "auf eigene Faust" entdecken)! Die Stein- Häuser der Lepra- Kolonie vermitteln - obwohl zunehmend zerfallen - den Eindruck, als ob jeden Moment eine dieser elenden Gestalten um die Ecke kommen würde. Es ist schon ein wenig schaurig. Wir versuchen, möglichst viel von der Atmosphäre dieser Siedlung mit ihren engen Gassen aufzunehmen, aus der es für die Kranken in der ersten Hälfte des 20. Jhrdt. kein Entrinnen gab. Unglaublich aber wahr: Hier entstanden damals Werkstätten, Tavernen, Geschäfte, 2 Kirchen und ein Theater. Irgendwie erinnert uns das entfernt an die überlieferten Lebensumstände der Juden im Warschauer Ghetto. Dann setzen wir unseren Rundweg auf der Insel fort und erreichen das mächtige Kastell der Venezianer, das lange als uneinnehmbar galt und erst spät von den Osmanen erobert wurde. Der Ausblick von den Festungsmauern ist atemberaubend.

Zur verabredeten Zeit kehren wir an die Anlegestelle zurück, wo der Fischer uns wieder abholen will. Aber kein Boot weit und breit in Sicht. Die Touristen von den Ausflugsschiffen haben die Insel bereits verlassen, wir sind allein. Na dann warten wir eben. Nötigenfalls übernachten wir hier an diesem unheimlichen Ort und fahren morgen mit einem der Touri- Dampfer zurück. Aber unser Fischer kommt dann doch noch. Die Verspätung stört uns nicht im Geringsten. Wir sind schließlich hier a) auf Kreta -da gehen die Uhren bekanntermaßen langsamer- und b) im Urlaub.

Auf der Rückfahrt erreichen wir das Landstädtchen Neápolis, den Geburtsort Papst Alexander V. (1409). Der Ort wird von Touristen wenig frequentiert. An der Hauptstraße, in unmittelbarer Nähe der kleinen Kathedrale lassen wir uns an einem der Gehsteig- Tische eines Kafenions nieder, das nur von Einheimischen besucht ist. Wir bestellen einen Frappé. Der Wirt bringt ihn uns, dazu ein bißchen"Vogelfutter"  - so sieht die angebotene Nuß- Mischung jedenfalls aus. Schnell kommt man ins Gespräch, es fliegen griechische und deutsche Wortbrocken durch die Luft, die Hände gestikulieren wild. Ein kretisch- orthodoxer Priester in seiner schwarzen Robe überquert die Straße und läßt sich an einem der Nebentische nieder. Es wird Raki gereicht, dazu Brot und Ziegenkäse. Er unterhält sich mit den Anwesenden. Wir verstehen natürlich kein Wort, dennoch fühlen wir uns als Teil des Gesellschaft.

Die Kirche ist auf Kreta eine sehr wichtige Institution. Die Papades genannten Priester, sind meist verheiratet und haben natürlich auch Kinder. Sie leben mitten in ihren Gemeinden, haben dort eine Vorbildstellung, sprechen und denken aber wie alle anderen dort. Die Schranken zwischen ihnen und dem Rest der Bevölkerung sind sehr niedrig. Da die Papades nicht sonderlich viel verdienen, bewirtschaften sie  auch Felder oder sie haben Nutztiere, wie alle anderen der dörflichen Gemeinschaft auch. Sie können allerdings nicht Bischof werden, da diese Stellung Ehelosigkeit sowie das Mönchsgelübde voraussetzt. Für  Zuwendungen von anderen Dorfbewohnern sind sie aufgrund der geringen Einkünfte stets dankbar, ob in bar oder Naturalien. Es gibt auch keine Kirchensteuer auf Kreta, bzw. allgemein in der griechisch- orthodoxen Kirche. Die Rechnung unseres Priesters am Nebentisch geht offensichtlich auch "auf´s Haus".

Der Nächste Tag: Eva kann kaum mehr sitzen. Der Sozius- Sitz unseres Rollers verdient seinen Namen nicht, er ist eher ein Notsitz. Wir wechseln den Roller beim Vermieter gegen einen größeren und - legen einen Erholungstag ein.

Dann brechen wir zu unserer nächsten Tour auf. Heute wollen wir Kritsá, ein Dorf in den Begen westlich von Agios Nikólaos besuchen. Der Tank unseres Rollers ist fast leer. Wir beschließen, einige Kilometer hinter Mália zu tanken. Wir schaffen es auf den letzen Tropfen bis zur Tankstelle eines kleinen Ortes: "Volltanken!"  Aber das geht gerade leider nicht. Der Strom ist ausgefallen und die elektrische Pumpe arbeitet nicht. Also warten - und das in der Mittagsglut! Wir haben uns mittlerweile den Fatalismus der Kreter zu eigen gemacht- eine eigentümliche mentale Erfahrung für uns stressgeplagte Nordeuropäer, aber sehr erholsam: Wenn´s nicht zu ändern ist, warten wir eben! Nach ca. 2 Std. ist der Strom wieder da. Wir können unsere Fahrt mit vollem Tank fortsetzen.

Wir fahren vorbei an meterhohen Gestellen, auf denen Weintrauben in der Sonne zu Rosinen getrocknet werden. Die "fertigen" Rosinen fallen von den Gestellen auf darunterliegende schwarze Folien. Die Trauben werden hier in verschiedenen Arten vermarktet, als Tafeltrauben, getrocknete Rosinen und Wein. Auch die Rückstände der gekelterten Weintrauben werden noch verwendet, aus ihnen wird meist während der Olivenernte das kretische Nationalgetränk, Tsigoudhia (auch "Raki" genannt), gebrannt.

Die Landschaft Kretas wird von Olivenbäumen dominiert.  Fast 30 Millionen soll es hier geben. Ferner gedeihen hier Thymian, Oregano, Bohnenkraut und viele andere Kräuter.

Wir erreichen -via Agios Nikólaos- schließlich Kritsá, ein idyllisches Dorf an der Zufahrt zur Katharó- Hochebene. Letztere versuchen wir mit unserem Roller zu erreichen. Unmöglich für die kleinen Rollerreifen: eine Straße, die ihren Namen nicht verdient, abgrundtiefe Schlaglöcher, Schotter... Wir kehren um, parken vor der für ihre Fresken berühmten Kirche Panagía Kerá in Kritsá und schauen uns in den Läden auf der Dorfstraße um. Das Angebot ist ausschließlich touristisch geprägt:  Web- und Stickarbeiten, Glas- und Keramikartikel. Dennoch hat der Ort seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Wir lassen uns in einem zentralen Kafenion am Dorfplatz nieder. Es soll eine kurze Rast werden, es wird aber ein mehrstündiger Aufenthalt. Die Atmosphäre hier und die Menschen an den Nebentischen fesseln uns so sehr, daß wir unsere Rückfahrt sehr weit hinauszögern. Die Farben blau und weiß bestimmen das Ortsbild und vermitteln eine unglaublich entspannende Wirkung.



2. Kreta mit dem Mountain- Bike

Dann wollen wir die Lassíthi- Hochebene erkunden, allerdings nicht mit dem Roller, sondern mit Mountain- Bikes. Radfahren ist eine alte Leidenschaft von mir, allerdings habe ich nur Erfahrung mit Rennrädern. Eva ist bisher nur übliche Tourenräder gewöhnt, das Unternehmen ist also eine Herausforderung für sie. Das Creta Maris bietet geführte Bike- Touren an. Die Vorteile überzeugen uns: Ein Kleinbus bringt die kleine Gruppe nebst vorher angepassten Rädern (maßgeschneidert!) zunächst auf das Hochplateau. Der Anstieg bei glühender Sonne hätte wohl einige Teilnehmer mangels Übung bereits überfordert. So können wir uns auf relativ ebener Strecke mit einigen kleinen Hügeln zunächst an die Schaltung der Mountain- Bikes und ihre starken Felgenbremsen gewöhnen. Die Ungeübten von uns lernen zunächst: "Nicht unter Belastung schalten, sonst verspringt die Kette...". 2 holländische Guides begleiten die Gruppe. Einer führt das "Feld", der andere fährt als Schlußmann hinterher. Für den Notfall ist der Bus immer in der Nähe. Bereits der Rundkurs durch die Ebene erfordert die Konzentration der Biker auf Straßenbelag und Verkehr. Besondere Vorsicht ist in Kurven angesagt, die oftmals von Autofahrern geschnitten werden. Dennoch ist es ein herrliches Gefühl, auf 2 Rädern durch die Landschaft zu fahren.  Wir machen an einem kleinen Dorfladen Halt, in dem Web- und Stickarbeiten aller Art verkauft werden. Angeblich alles "handmade". Die Inhaberin des Ladens, eine ältere Frau, freut sich ersichtlich über unseren Besuch. Vermutlich halten hier nur wenige Touristen. Sie bewirtet unsere kleine Gruppe mit Weinproben, Oliven und Brot. Dann schmückt sie nacheinander jeden männlichen Teilnehmer mit dem traditionellen kretischen Kopfschmuck der Hirten, einem grob gehäkelten schwarzen Tuch, das von langen "Bommeln" gesäumt ist. Irgendwie sehen wir alle ziemlich dämlich damit aus, aber unsere Frauen haben ihren Spaß... Wir tauschen die Fransentücher wieder gegen unsere Schutzhelme, danken der Kreterin für ihre Bewirtung und setzen die Fahrt fort.

Um die Mittagszeit rasten wir in einem Restaurant an der Straße. An einem langen Tisch auf der Terasse gibt es typische Küche Kretas: Wein und Wasser, Brot, Oliven, Bauernsalat , Gemüse, Rinderhack und Hammel. Die warmen Gerichte kommen übrigens meistens "lauwarm" auf den Tisch, daran gewöhnt man sich bei der Lufttemperatur hier sehr schnell und weiß es zu schätzen. Nachdem alle gestärkt sind, beginnt die lange Abfahrt von der Hochebene. Zunächst gilt es jedoch, die Pass- Höhe zu bezwingen. Viele steigen hier vom Rad und schieben. Ich besiege den inneren Schweinehund und erreiche schweißgebadet die Anhöhe. Die Pass- Höhe ist gesäumt von alten, steinernen Windmühlen, in denen früher das auf der fruchtbaren Hochebene geerntete Getreide gemahlen wurde. Andere erhaltene Windmühlen auf dem Plateau dienten der Förderung des Grundwassers. Heute wird dies durch Dieselpumpen erledigt.

Bei der Abfahrt wird der Tross schnell auseinandergerissen. Die Ängstlichen fallen zurück, die Waghalsigen (dazu gehören wir auch) schiessen die steile Straße nach Norden hinunter. In den Kurven erfordert es einige Kraft zu bremsen, und Geschick, den bergwärts fahrenden Bussen auszuweichen. Aber es macht unendlich Spaß! An einem verabredeten Treffpunkt warten wir auf die Nachzügler. Die Gruppe diskutiert den weiteren Streckenverlauf, der Mehrheitsbeschluß fällt für die längere Variante mit einigen Steigungen. Wenige Kilometer weiter fallen die ersten beiden Frauen entkräftet aus. Sie setzen die Fahrt im "Besenwagen" fort. Der Rest der Gruppe hält durch. Am frühen Abend erreichen wir unser Hotel. Wir sehen aus wie Bauarbeiter: verschwitzt und weiß gepudert vom Straßenstaub. So laufen wir durch die Empfangshalle des Hotels, verfolgt von den skeptischen Blicken des Personals. Jetzt haben wir nur einen Wunsch: ab in den Pool! Dieser Ausflug hat riesig Spaß gemacht, obwohl wir am Ende unserer Kräfte sind. Eva hat sich fantastisch geschlagen, sie ist die ganze Strecke durchgefahren.

Der nächste Tag wird ein Tag am Pool zum Relaxen.

Knossós ist unser nächstes Ziel. Diesmal gehts Richtung Westen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das riesige Areal mühevoll freigelegt - eine Trümmerwüste mit verkohlten Grundmauern, zerstörten Palästen und Säulenstümpfen - aber von unschätzbarer Bedeutung für die Archäologie und Altertumswissenschaft. Was hier tief in der Erde Kretas geruht hatte, war eine echte Sensation und übertraf die kühnsten Erwartungen aller Forscher - der Beweis für die Existenz einer hochentwickelten Zivilisation lange vor der klassischen Antike Griechenlands. Das Vorhandensein der mächtigen Stadt Knossos war schon lange bekannt - Homer berichtet in seiner Odyssee von ihr als Haupstadt Kretas und Sitz des sagenhaften Königs Minos (4000 v. Chr.). Viele der zerstörten Bauten wurden rekonstruiert -  mit Stahlbeton und viel Phantasie. Was optisch eher ein Vorteil für die Touristen ist, wird von Archäologen scharf kritisiert.

 Die Hitze zur Mittagszeit bereitet uns beiden Übelkeit, die Luft steht und flirrt über den Mauern von Knossos. Wir treten die Flucht Richtung Iraklion an. Wenn Ihr Knossos besucht, sollte Ihr dies möglichst am Vormittag oder am späten Abend tun. Gerade im Sommer ist  die Hitze oft unerträglich.

Die größte Stadt Kretas, Iráklion, hat eigentlich wenig Charme bewahrt. Wir suchen unseren Weg durch den Dschungel der Straßen und Gassen zum Hafen, wo wir uns einen O- Saft zur Erfrischung bestellen. Jeder bekommt einen riesigen Pokal frisch gepreßten Orangensafts mit Eis. Der Wirt hat die Mengen wohl dem Durst der einkehrenden Gäste angepaßt. Dann wandern wir die lange Mole entlang zum venezianischen Kastell Kúles (ursprgl. "Rocca del Mare"). Die Mole wird von zutraulichen Katzen bevölkert. Katzen gibt es hier auf Kreta wirklich sehr viele.



3. Kreta mit dem Jeep

Von der Lassíthi- Hochebene haben wir bei unserer Mountain- Bike- Tour nicht so viel mitbekommen. Deshalb wollen wir einen neuen Anlauf starten. Wir mieten uns für einige Tage einen offenen Suzuki- Jeep für die weiten Entfernungen.  Die sonst zuhause übliche Diskussion "wer fährt?" wird jetzt mit anderen Vorzeichen geführt. Natürlich möchte jeder von uns beiden hier möglichst häufig -den Jeep- fahren.

 Die Fahrt in einem offenen Geländewagen ist immer wieder ein Erlebnis. Irgendwie hat man das Gefühl, "näher dran" zu sein. Wir fahren die steile Paß- Straße zur Lassíthi- Ebene hoch. Unser erster Halt liegt in einem Dorf, in dem der angeblich älteste Olivenbaum Kretas steht.  Der Baum steht auf der Terasse der Dorf- Taverne, wo gerade eine einheimische Gesellschaft ein Fest feiert. Auf einem riesigen Rost werden Fleisch und Sardinen gegrillt. Auf Kreta wird gerne und ausgiebig gefeiert. Wir fahren weiter und geraten in einen Leichenzug, der die Straße vollständig blockiert. Wir nutzen die Zeit, die Gesichter der Trauernden zu studieren. Viele ältere Menschen haben tief zerfurchte Gesichter. Es muß etwas dran sein an der These, daß die Menschen auf Kreta besonders alt werden. Viele Menschen hier im Dorf tragen Landestracht: die Männern weite schwarze Pumphosen,  hohe Schaftstiefel und oftmals eine reich mit Stickereien verzierte Weste, die Frauen lange schwarze Kleider und Hauben. Schwarz scheint die Kleiderfarbe  Kretas zu sein.

Unser nächstes Ziel ist die Dikti- Höhle oberhalb von Psychro - nach der Legende der Geburtsort des Göttervaters Zeus. Der beschwerliche Aufstieg zur Höhle dauert ca. 20 min, aber es gibt auch "Esel- Taxis". Heute ist es sehr heiß, nach 2/3 des Weges per pedes drehe ich um, Eva ist in der Taverne am Eingangsbereich zurückgeblieben (wg. Höhlen- Phobie..), wo ich sie bei Softdrinks und in angeregter Unterhaltung mit "Höhlen- Forschern" treffe. Nach deren Schilderung habe ich nicht viel verpaßt.

Obwohl Kreta ein recht heißes Klima hat, ist die Vegetation auch im Sommer üppig. Viele Häuserfassaden in den Dörfern sind zugewachsen mit Bougainvillea, einem Kletterstrauch mit roten Blättern (!), die Blüten selbst bleiben unscheinbar. Der Anblick ist fantastisch!

Wir verlassen die Hochebene bei Messa Lassithi und machen noch einmal Station in Neapolis.

Unser nächster Ausflug führt uns über Agios Nikolaos hoch entlang der zerklüfteten Küste nach Sitía. Oleander, Ginster, Kiefern und Zypressen säumen den Weg. Sitía selbst ist eher ein kleine verschlafene Provinzstadt, die noch wenig vom Tourismus berührt ist.

Weiter gehts zum Palmenstrand von Vái, der in Griechenland wegen der dort wachsenden kretischen Dattel- Palme einzigartig ist. Dieser Strand am östlichsten Ende der Insel wurde Ende der 80er zur Kulisse für die Bacardi- Werbung. Bei unserem Besuch vermissen wir allerdings das erwartete "Karibik- Flair". Vielleicht sind wir an der falschen Stelle.
Auf der Rückfahrt machen wir einen Schlenker an die Süd- Küste. Wir besuchen Ierapétra am Lybischen Meer. Von hier soll man bei klarer Sicht die afrikanische Küste sehen können. Die Umgebung ist geprägt von Gewächshäusern, die großflächig mit Plastikplanen abgedeckt sind, kein schöner Anblick. Im übrigen herrscht hier eine "Affenhitze", der Ort hat auch nicht viel zu bieten. Im Norden ist es erträglicher, also zurück. Hinter Agios Nikolaos wählen wir die Nebenstrasse an der Küste entlang und stoßen prompt auf ein Grundübel auf Kreta: eine brennende Müllkippe. Der Gestank ist bestialisch. Müllvermeidung, geschweige denn Recycling ist ein Fremdwort hier. Na ja, die Kreter werden die Notwendigkeit noch erkennen. Erstmal die Müllkippe hinter uns, ist der Weg traumhaft. Wir machen noch einen Stop in Sísi (weil uns der Name so gefällt). Hier gibt es eine Kirche, die traumhaft an der Felsküste gelegen ist.

Diesen Ausflug lassen wir auf dem Hauptplatz des Chersónissos Village bei ein paar "Woor- Schteinern" (so spricht es der griechische Kellner) ausklingen.

Heute abend werden in der Hotel- Diskothek die Wahl des "Mr." und der "Miss Creta Maris" veranstaltet. Eigentlich sind wir beide für solch typische Touristen- Events nicht zu begeistern, aber heute wollen wir an diesem Gaudi teilhaben - Urlaubsstimmung! "Miss CM" wird übrigens eine junge Frau aus Neuss, die sich als Profi- Tanzsportlerin entpuppt. Zusammen mit ihrem Partner zeigt sie auf dem Parkett unglaubliche Tanz- Akrobatik, die mit standing ovations gefeiert wird.

Réthymnon ist unser westlichstes Ziel. Die Altstadt Réthymnons mit ihren sanften Gelbtönen ist wirklich sehenswert: kleine Läden, Lokale, venezianische und türkische Häuser säumen die schmalen Gassen. Wir nutzen den Tag für einen ausgiebigen Bummel durch das geschäftige Treiben, kaufen einige Mitbringsel, kehren in ein typisches Lokal ein und essen dort einen der vielen "Bauernsalate", die wir auf Kreta tagsüber oft gewählt haben.

Für einen typischen "Choriátiki saláta" braucht man folgende Zutaten : Tomaten, 1 Salatgurke, Zwiebeln bzw. Gemüsezwiebeln, Paprika, schwarze Oliven, Peperoni, Schafskäse, Pfeffer und Salz, getrockneten Oregano und natürlich gutes Olivenöl, eventl. etwas milden Essig. Alle Zutaten werden kleingeschnitten und zusammen auf einem Teller angerichtet. Dazu wird Weißbrot gereicht.

Die wohl bekannteste und beliebteste Vorspeise, "Tzaziki", darf bei keinem griechischen Essen fehlen. Die Zubereitung ist einfach. Man benötigt: 1/2 Salatgurke, 2 Knoblauchzehen, 250 g Joghurt (nach Möglichkeit griechischen Joghurt aus dem Spezialgeschäft, oder - je zur Hälfte - Naturjoghurt und Sahnequark), 2 EL Olivenöl , evtl. Essig, frische oder tiefgefrorene Kräuter, Salz und Pfeffer. Die Gurke wird zunächst kleingeraspelt und dann mit dem Joghurt vermengt. Nun werden die Kräuter und das Öl dazugegeben; sollte das Ganze zu fest sein, kann man noch 1 EL Essig zugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. FERTIG !

Fazit: Urlaub auf Kreta - ein Genuß für Leib und Seele!