Myanmar <c> theodora.comTeil 1: Yangon - Inlesee - Pindaya

Es gibt kontroverse Ansichten darüber, ob man nach Myanmar reisen sollte. Die demokratische Opposition im Lande hat Myanmar unter der Herrschaft der Militärjunta des Generalissimus Than Shwe als Gefängnis für seine Bürger und als "faschistisches Disneyland" für Touristen bezeichnet. Oppositionsführerin und Friedensnobel- preisträgerin Aung San Suu Kyi ist Mitte des Jahres in einem inszenierten Prozeß von den Machthabern zu weiteren 18 Monaten Hausarrest verurteilt worden. So hat man sie für die Wahlen im nächsten Jahr aus dem Verkehr gezogen. Die Menschen auf der Strasse sprechen aus Furcht vor Regime- Spitzeln nicht ihren Namen aus. Sie reden respektvoll von Das Foto von Suu Kyi stammt aus Wikimedia: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Interview_kyi_400.jpg. Es wird dort als Lizenz-frei und public domain bezeichnet. "die Dame". Aung San Suu Kyi hat sich in den letzten 20 Jahren der Militärdiktatur wiederholt für den Hausarrest als Alternative zur Verbannung ins Exil entschieden. Im Herbst 2009 hat sie nun erstmals den Generälen Ihre Mitarbeit zur Entwicklung des Landes angeboten.

Der Vorwurf, eine Reise nach Myanmar würde durch die ins Land gebrachten Devisen die Diktatur der Militärs festigen, ist nicht von der Hand zu weisen, aber deren Einnahmen aus der Förderung der Bodenschätze und der stillen Duldung des Drogenhandels sind ungleich höher. Und es gibt gute Gründe, warum man als Tourist Myanmar besuchen sollte. Auch die einfachen Leute im Land profitieren vom Tourismus - als Beschäftigte in der Hotel- und Gastronomiebranche, Kunsthandwerker, Souvenirverkäufer und in vielen anderen Berufen. Die ReiserouteBevölkerung sucht den Kontakt zur Außenwelt, den sie nur über die Touristen herstellen können. Meine Entscheidung steht fest, ich fliege hin - als Teilnehmer einer von Studiosus veranstalteten Gruppen- Rundreise.

Myanmar, das frühere Burma - im deutschsprachigen Raum auch Birma genannt - ist flächenmäßig doppelt so groß wie Deutschland, hat aber nur halb so viele Einwohner. In diesem Reisebericht werde ich die verschiedenen Namen des Landes und seiner Bewohner synonym verwenden. In Myanmar ist die Zeit stehengeblieben, so scheint es zumindest abseits der Touristen- Rennstrecke. Das ursprüngliche alte Asien, das es in vielen Ländern der Region schon nicht mehr gibt, ist hier im Alltag noch anzutreffen. Was den Ausländern vielleicht romantisch verklärt erscheinen mag, bedeutet für die Bevölkerung eher ein mühseliges tägliches Leben.

Von meiner Reise nach Myanmar erhoffe ich mir auch etwas mehr Verstehen des Buddhismus.

Tag 1 - Donnerstag, 05.11.2009

Nachmittags startet der Jumbo der Thai Airways von Frankfurt nach Bangkok, Flugdauer ca. 11 Std. Es gibt Meilennachschub für mein Miles & More- Konto, denn die Fluggesellschaft gehört der Star Alliance an.

Wie gehabt kann ich im Flugzeug nicht schlafen, also Rumdösen, kurzes Einnicken und wieder Wachwerden in der Economy Class. Oftmals wird mir die Frage gestellt, ob ich auf meinen Reisen Tagebuch führe. So würde ich das nicht nennen, allerdings notiere ich mir wichtige Eindrücke und Fakten, die nicht im Reiseführer stehen, in meinem mitgeführten Moleskine- Notizbuch. Das mache ich schon seit Jahren so. Hemingway soll auch ein Fan dieser kleinen schwarzen Notizbücher gewesen sein. Aber bitte keine Missverständnisse, das ist wohl die einzige Gemeinsamkeit von uns, obwohl - einen Mojito trinke ich gelegentlich auch gern mal...

Etwa 2 Monate vor der Abreise hatte ich meinen Reisepass für das erforderliche Visum mit Passfotos, Anträgen und Erklärungen an die Botschaft der Union Myanmar in Berlin geschickt. Im Oktober gibt es erste Gerüchte, dass die Visum- Erteilung wegen der näherrückenden Wahlen und damit von der Regierung befürchteten Demonstrationen eingestellt werden soll. Wir haben Glück, die Visum- Ausstellung verläuft problemlos.

Myanmar hat ein tropisches Klima. Die Regenzeit dauert bis ca. Mitte Oktober, dann beginnt normalerweise die "kühlere" Jahreszeit mit Temperaturen knapp unter 30° C. Im November 2009 sind es 5° mehr als sonst. Im Vielvölkerstaat leben neben den Burmesen (70% der Bevölkerung) Gruppen der Shan, Karen, Mon, Chin, Kachin und einiger weiterer Völker. Einige besiedeln teilautonome Bezirke. Im Nordosten des Shan- Staates an der Grenze zu China liefern sich seit kurzem örtliche Rebellen und Regierungstruppen bewaffnete Auseinandersetzungen. Da wir dieses Gebiet nicht bereisen werden, sieht unser Reiseveranstalter keine Gefährdung für uns. Damit wird er Recht behalten.

Tag 2 - Freitag, 06.11.2009

Am Vormittag landen wir in Bangkok, Thailand. Im Flughafenterminal müssen wir zunächst gefühlte 3 km durch diverse Duty free- Zonen zum Transit- Gate für den Weiterflug zurücklegen. Dann geht es weiter nach Yangon, der in Kolonialzeiten Rangoon oder Rangun genannten größten Stadt Myanmars. Im Flieger sind erst einmal Formulare auszufüllen: Gesundheitsfragenformular, Aye AyeEin- und Ausreisekarte, Zollerklärung. Die Abfertigung der Passagiere erfolgt dagegen bei der Einreise schnell und unkompliziert. Da hab ich in anderen Ländern schon anderes erlebt.

Am Flughafen erwartet uns unsere local guide, die Burmesin Aye Aye Soe, die uns - zusätzlich zur mitgereisten deutschen Reiseleiterin - während unserer Rundreise mit viel Charme und Freundlichkeit begleiten wird. "Mingalaba!" sagt man hier zur Begrüßung.

Yangon war bis vor kurzem die Hauptstadt Myanmars. Die Militärjunta hat 200 km nördlich von Yangon im Hinterland eine neue Hauptstadt gegründet - aus Angst vor einer Invasion der Amerikaner, so sagt man,. Sie haben diesen Ort Pyinmana Naypyidaw genannt. Touristen dürfen die "verbotene Stadt" nicht betreten.

Mitgeführte Handys sind bis auf die Weckerfunktion nutzlos. Mangels Roaming kann man nicht damit telefonieren, es sei denn, man kauft hier eine lokale Prepaid- Karte. Sie soll einen Monat gültig sein und man kann wohl damit 15 Minuten nach Europa telefonieren oder 60 Minuten im Inland. SMS oder Internetzugang sind nicht möglich.

Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt im Winter + 5 1/2 Stunden. Erholen wir uns also zunächst ein wenig vom Flug. Unser Hotel in Yangon ist das Chatrium, das ehem. Nikko Hotel, am Kandawgyi See (Royal Lake), ein luxuriöses Hotel mit schönen geräumigen Zimmern. Um die Mittagszeit ist es unerträglich heiß in der Stadt und die hohe Luftfeuchtigkeit gibt einem den Rest. Also erst einmal im klimatisierten Zimmer etwas Schlaf nachholen. Mit dem Bus geht es am Nachmittag zur Sule Pagode. Die letzten 300 m dahin legen wir zufuß zurück und schlendern durch eine Straße in der Altstadt, die beidseitig von Läden und Straßenständen gesäumt ist. Hier kaufen die Leute alles Mögliche und Unmögliche ein. Die Gerüche der Waren wabern durch die Straße. An einigen Ständen werden Betelnuss-Päckchen verkauft. Dazu wird Betelnuss zerkleinert und vermischt mit Kalk und Zutaten wie Ingwer, Minze oder Zimt in ein Stück Betelblatt gewickelt. Der Speichel färbt sich beim Kauen rot und wird immer wieder ausgespuckt. Auch die Zähne verfärben sich auf die Dauer bei Betelnusskauern rot. Sieht ebensowenig apetitlich aus wie die roten Flecken auf der Strasse. Betelnuss ist im übrigen eine Droge, die je nach Mischung anregend oder beruhigend wirkt.

Die Sule Pagode wird von den Gläubigen oft besucht. Ihre seltene achteckige (oktogonale) Grundform symbolisiert die Wochentage. Buddha auf der RatteDer Mittwoch wird doppelt gezählt. Jedem Wochentag ist im Buddhismus ein Tier zugeordnet. Man verehrt jeweils eine Buddha- Darstellung, bei der der Erleuchtete auf dem Tier reitet, das dem Geburtswochentag des Gläubigen entspricht. Dabei übergießt man die Buddha- Statue und die Tier- Statue jeweils dreimal mit einem Becher Wasser. Wer den Wochentag seiner Geburt nicht kennt, kann dies in einem "ewigen Kalender" nachschlagen. Danach bin ich an einem Donnerstag geboren und demnach dem Tierbild der Ratte zugehörig, das übrigens sehr positiv besetzt sein soll. Bei diesem System drängt sich mir ein Vergleich zu den uns bekannten Sternkreiszeichen auf.

An der Sule Pagode gibt es eine weitere Besonderheit: eine Art Spendenseilbahn, die in Form einer kleinen goldenen Hintha- Barke mit der Spende zu einem Buddhaschrein an der Stupa hinauffährt. In der Stupa der Sule Pagode soll ein Haar Buddhas und andere Reliquien aufbewahrt werden. Eine Stupa kann eine Stätte zur Reliquienaufbewahrung sein, aber auch ein Denkmal oder eine Votivgabe von Gläubigen. Im Unterschied zur Pagode ist eine Stupa nicht begehbar. Sie besteht aus vier Grundelementen: einer quadratischen Plattform als Basis, dem halbkugeligen Kuppelgewölbe, einer Reliquien-Kammer sowie der Spitze - in Myanmar durch einen stilisierten Schirm ergänzt - die mit einer „Krone“, einem „Juwel“ (welches oft wörtlich zu nehmen ist) abgeschlossen ist. Dem Glanz seiner Pagoden und Stupas verdankt Myanmar übrigens den Beinamen „Goldenes Land“.

Auf dem Gelände der Pagode gibt es auch Statuen von Nats. Das sind Geisterdarstellungen, Relikte des Animismus, die verehrt werden. Doch dazu später mehr.

Der Bus bringt uns zur Strand Road an den Yangon River. Hier steht auch das berühmte Hotel "The Strand", wo während der Kolonialzeit die üblichen Verdächtigen wie Somerset Maugham, George Orwell u.a. abgestiegen sind. Mit einer altersschwachen Flussfähre setzen wir pünktlich zum Sonnenuntergang über den Yangon River zum anderen Ufer, wo die Wohnviertel der Arbeiter liegen. Wir verlassen die Fähre jedoch nicht und fahren wieder zurück. Der dreigeschossige Seelenverkäufer ist gut mit Passagieren gefüllt. Unser TÜV würde beim Anblick der Fähre erblinden, aber hier ist eben Asien... Wir stehen oben auf dem Oberdeck und genießen den abendlichen Fahrtwind. Beim Ausstieg gehen wir Leib an Leib mit den Einheimischen auf Tuchfühlung.

Zurück im Hotel gibt es ein asiatisches Buffet. Um 21:00 Uhr ist die Gruppe im Bett. Das soll noch System werden.

Tag 3 - Samstag, 07.11.2009

Zum Frühstück probiere ich das Nationalgericht Mohinga, eine würzige Suppe mit Reisnudeln und Fisch, die man individuell mit Kräutern und weiteren Saucen aufpeppt.

Aye Aye hat heute auf ihre Wangen Thanaka aufgetragen, eine Paste aus gemahlenem Sandelholz, gelber Baumrinde und Wasser, die kühlt und als Sonnenschutz und Feuchtigkeitscreme dient. Außerhalb der Städte sieht man diese tradionelle Kosmetik bei vielen Frauen und Kindern.

Wir fahren zum 70 m langen liegenden Buddha in der Kyankhtatkyi Pagode. Auf seinen Fußsohlen sind die 108 Symbole des Buddhismus abgebildet, die alle eine besondere Bedeutung haben. Buddhastatuen haben fast immer weiche, lächelnde Gesichtszüge und runde Hüften. Dies soll zum Ausdruck bringen, dass Buddha in der höchsten Stufe der Erleuchtung auch das Geschlechtliche überwunden hat. Der historische Buddha (der "Erleuchtete") war übrigens bis zu seinem 29. Lebensjahr ein nepalesischer Prinz namens Siddhartha Gautama. Er starb 483 v.Chr. im hohen Alter von 80 Jahren.

Es gibt kein Land auf der Welt, in dem der Buddhismus das Leben der Menschen so sehr bis in ihren Alltag bestimmt und die gesellschaftliche Struktur beeinflusst wie in Myanmar. Es gibt kein Kastensystem wie in Indien. Der Buddhismus ist hier mehr als eine Religion, er verkörpert eine Lebensform. Bei der in Myanmar gelebten Form handelt es sich um den Theravada- Buddhismus, die "alte Weisheitsschule". Der Mensch befindet sich in einem Zyklus von Wiedergeburten. Das jeweilige Leben wird durch die Verdienste oder Verstöße des vorherigen Lebens bestimmt. Nur das Erreichen des Nirwana kann den Menschen letztlich erlösen. Im Buddhismus gibt es zwar eine letzte Realität aber keine oberste Gottheit. Buddha ist nicht Gott, er zeigte vielmehr, wie das Karma ständig verbessert werden kann um so durch positives Handeln die Qualität künftiger Leben zu verbessern und letztlich ins Nirwana einzugehen. Der Mensch ist somit immer Herr seines Schicksals.

Den kostbaren Kronschatz mit dem prächtigen Löwenthron aus dem Palast von Mandalay bewundern wir sodann im Nationalmuseum, das jedoch mit weiteren spektakulären Exponaten nicht aufwarten kann.

Die absolutistischen Herrscher des Landes entschieden damals über Leben und Tod. Und die Todesstrafe wurde sehr grausam vollstreckt, z.B. durch Verbrennen, Ertränken oder mittels Zertrampeln durch Elefanten. Der letzte Herrscher Myanmars, König Thibaw, war zwar sehr gebildet, aber ein völliger Versager und ständig stoned. Er sprach sehr dem Alkohol und dem Betelnusskauen zu. Als die Engländer 1885 auf die damalige Hauptstadt Mandalay anrückten, soll seine Frau, Königin Suppayalat, drei Stunden lang ununterbrochen von einem Aussichtsturm geschrieen haben. Eine Nachbildung dieses Turms ist im Museum zu sehen. Das Königspaar wurde kurze Zeit nach der Eroberung Mandalays aus dem Land verbannt und das Königreich von den Briten aufgehoben.

Mittags gibt es ein Lunch im Savoy Hotel. Eine wirklich gut schmeckende Rote Linsen- Suppe mit Röstzwiebeln bildet das Highlight.

Für den Nachmittag steht der Besuch eines unschätzbaren Juwels, eines der 3 Hauptheiligtümer des Landes an: die Shwedagon Pagode. „Leuchtend in ihrem Gold, wie eine plötzliche Hoffnung in der Seele dunkler Nacht“, so beschrieb sie der britische Autor Somerset Maugham.

Die Pagode steht auf dem Singuttara- Hügel und ist das höchste Bauwerk der Stadt Yangon. Die Stupa hat eine Höhe von 107 m und ist komplett vergoldet. Von jeder Himmelsrichtung aus führen prächtige Aufgänge hinauf auf die 60.000 m² große Plattform, auf der die Stupa und rings um sie zahlreiche kleinere Tempel und Andachtshallen stehen. Wir steigen den Südaufgang hinauf, der unten von zwei Krokodilstatuen flankert wird. Der überdachte Aufgang wird von Devotionalien- und Souvenirläden gesäumt. Oben angekommen beginnen wir zusammen mit den Gläubigen im Uhrzeigersinn den goldglänzenden Stupa zu umkreisen. Der Stupa wird von dem kostbarsten Schirm (hti) gekrönt, der jemals im Lande angefertigt wurde. Er ist mit tausenden von Edelsteinen besetzt, die Spitze bildet ein 76- karätiger Diamant.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs kehren junge Frauen und Mädchen in langer Reihe nebeneinander aufgestellt den Staub vom Boden. Dies ist eine große Ehre für die ausgewählten Gläubigen. Nur den am heutigen Wochentag geborenen wird sie zuteil. Tempel und Pagoden, auch Ruinen, dürfen nur barfuß betreten werden, was für uns Touristen ein ständiges An- und Ausziehen des Schuhwerks bedeutet. Es erweist sich als besonders praktisch, an den Besichtigungstagen nur Sandalen oder Flip Flops zu tragen. Die Fußsohlen sind natürlich nach jeder Besichtigung schwarz.

Unsere Reiseleiterin erzählt so viele Geschichten und Legenden zu einzelnen Figuren, Glocken und Denkmälern, dass ich diese hier nicht wiedergeben kann. Wir bleiben auf der Plattform der Pagode bis zum Sonnenuntergang, der hier besonders stimmungsvoll ist. Die untergehende Sonne und tausende von Lichtern tauchen die Stupa in ein warmes goldenes Licht, eine Atmosphäre wie auf einem romantischen heimatlichen Weihnachtsmarkt. Der Vergleich liegt wohl an der Jahreszeit. Ich werde immer wieder von einzelnen Mönchen angesprochen, die mir von Buddhas Lehren erzählen wollen und Spenden sammeln. Das schwer verständliche Englisch macht mir ein Verstehen so gut wie unmöglich.

Tief beeindruckt fahren wir zurück ins Hotel. In Myanmar werden keine Kreditkarten oder Travellercheques akzeptiert, nur Bares! Das zu wissen ist sehr wichtig. Man hat (fast) keine Chance, seinen Reiseetat aufzustocken wenn man nicht genügend US- $ in bar dabei hat. Bei einer Gruppenreise, bei der die Mahlzeiten weitgehend beinhaltet sind, sollte man pro Tag und Person mindestens 20 $ kalkulieren, lieber mehr! Das reicht dann gerade für Getränke, den einen oder anderen gelegentlichen Imbiss, Foto- und Filmgebühren, Trinkgelder und Laundry. Die Landeswährung heißt hier Kyat (gesprochen tschat) und wird inoffiziell zum Kurs 1 $ = 900 K bis 1.000 K getauscht. Der Schwarztausch ist natürlich verboten, wird aber durchgängig praktiziert. Man sollte immer auch einen Bestand an Kyat dabei haben, denn mancherorts wird nur die Landeswährung akzeptiert.


Tag 4 - Sonntag, 08.11.2009

Heute geht es zu den Shan, einer Bevölkerungsgruppe deren Angehörige auch "die großen Thai" genannt werden. Sie leben in den nördlichen Gebieten oberhalb von 1.000 m Höhe, besitzen einen höheren Zivilisationsstand als die andere Minderheiten in Myanmar und gelten als besonders fleißig.

Wir fliegen mit Yangon Airways ins Shan- Hochland nach Heho. Die propellergetriebene ATR 72 bringt uns sicher hin. Am kleinen Airport erwartet uns ein Bus, mit dem wir die 30 km Strecke bis zum Inlesee zurücklegen. Das macht bei den hiesigen schlechten Strassenverhältnissen mindestens 2 Std. reine Fahrtzeit. Vorbei an idyllischen Dörfern der Paoh- und Danu-Volksstämme geht es auf serpentinenreicher Strecke durch ein Mittelgebirge. Die Engländer haben hier damals eine Schmalspurbahnstrecke gebaut, die noch heute von einem kleinen Bähnchen genutzt wird. Allerdings soll die Bahn wegen des schlechten Erhaltungszustandes der Schienen einmal täglich entgleisen - wenn das kein Anreiz für eine Mitfahrt ist!

Wir erreichen das malerische Tal des Inlesees und machen Halt am alten Holzkloster Shwe Yan Pei. Die Gebetshalle ist aus Teakholz gebaut und hat ovale Fenster. Daneben liegt eine weiß getünchte Pagode ohne Stupa. Der kleine Rundgang im Inneren ähnelt einem Kreuzgang, nur dass in den Nischen kleine Buddhafiguren stehen, jeweils mit den Namen ihrer Spender, Deutsche sind auch darunter.

In Nyaungshwe, dem Hauptort am See, liegt die Yadanamanaung Pagode, deren Inneres dunkelrot und golden gehalten ist und Bildnisse von der Vergänglichkeit des Menschen zeigt.

Am Nan Chaung Kanal steigen wir mit unserem Handgepäck in Langboote um, in denen neben dem Bootsführer immer 4- 5 Personen hintereinander in Holzsesseln sitzen. Unsere Koffer werden separat auf Boote verladen. Dann geht es den Kanal hinunter Richtung Inlesee. Die Boote werden von kräftigen Dieselmotoren angetrieben und direkt über eine lange Welle, an deren Ende sich die Schraube dreht, gesteuert. Auf dem Inlesee wird mit den Booten das Paradise Inle Resort angefahren, eine Hotelanlage, die mit ihren Gästebungalows wie ein romantisches Pfahldorf in der Nähe des Seeufer steht und nicht von Land aus erreichbar ist. Die einzelnen Gebäude sind durch Stege verbunden. Neben einem Restaurant kann das Resort auch eine Bar vorweisen - keine Selbstverständlichkeit. Hier gibt es selbstverständlich die 3 üblichen Biersorten des Landes: Myanmar Beer, Mandalay Beer und das importierte Tiger Beer aus Singapur - alle als englisches Lager gebraut. Bier wird meist in Flaschen von 0,65 l Inhalt verkauft und kostet je nach location 1.500- 4.000 K. In den Tophotels zahlt man für eine 0,33 l Dose aus der Minibar auch schon mal 4.500 K ! Softdrinks werden in Dosen verkauft, sie kosten auf der Straße 500 K, im Restaurant/ Hotel 1.000- 2.000 K. Wirklich günstig ist der einheimische Rum: Die 0,7 l Flasche bekommt man im Straßenladen für 1.100- 1.500 K. Von übermäßigem Genuss muss aber abgeraten werden, Schädelbrummen ist sonst garantiert!

Ein Thema für sich sind die am Tage und in der Nacht mehrfach vorkommenden Stromausfälle im Land. Die großen Hotels und wer es sich sonst noch leisten kann haben für diese alltägliche Situation Notstromaggregate, die schon nach wenigen Sekunden Dunkelheit mit mehr oder weniger lautem Getöse anspringen. Aber erstmal steht man nachts im Dunkeln (oder ohne Warmwasser unter der Dusche). Don´t panic! "Taschenlampe immer griffbereit halten!" ist ein nützlicher Tipp. Viele Hotels legen ihren Gästen grundsätzlich Taschenlampen für den Notfall ins Zimmer. In einigen Gebieten wird der Strom sogar stundenweise abgeschaltet. Man arrangiert sich mit dem Mangel...


Tag 5 - Montag, 09.11.2009

In knapp 900 m Höhe liegt der Inlesee oder auch Inlay, Heimat des Intha-Volkes (der „Menschen vom See“), eingebettet in die Landschaft der Shan-Berge. Mit den Langbooten fahren wir vorbei an den schwimmenden Gärten, die von den Inthas nur von ihren Kanus aus bestellt werden können. Ebenso ungewöhnlich sind die Beinruderer, welche sich mit einer erstaunlichen Technik auf dem Wasser fortbewegen. Unsere Boote gleiten durch Dörfer, die wie unser Resort auf Stelzen im See ruhen, zur Phaung Daw U Pagode, dem höchsten Heiligtum der Shan. Hier werden 5 kleine Buddhastatuen verehrt, die als solche überhaupt nicht mehr erkennbar sind, weil die Gläubigen sie mit fortwährendem Blattgoldauftragen in Schneemann- ähnliche Figuren verwandelt haben. Zu den Buddahs vortreten und diese mit Blattgold verzieren dürfen nur die Männer. "Women prohibited!" ist in burmesisch und englisch deutlich als Verbot auf Schildern zu lesen. Die Schrift der Burmesen hat übrigens nichts mit asiatischen Symbolzeichen zu tun. Sie besteht überwiegend aus runden Formen und wird deshalb auch Blasen- oder Brezelschrift genannt.

Unmittelbar neben der Pagode liegt ein Bootsgarage, in der ein großes vergoldetes Prozessionsschiff in Form eines großen Hintha- Vogels (ähnelt einem Huhn) liegt. Damit werden die Buddhastatuen jährlich über den See gefahren.

Folgende Geschichte blieb mir in Erinnerung: Das Prozessionsschiff geriet auf den alljährlichen Umfahrten zweimal in einen Sturm, der zum Kentern führte - seltsamerweise immer an der gleichen Stelle. Die Buddhas versanken dabei im See und nur jeweils 4 von ihnen konnten auf dem Seegrund wiedergefunden werden. Als man zur Pagode zurückkehrte, fand man - ein Wunder - den fünften Buddha an seinem alten Platz vor. Fortan nannte man den 5. Buddha den "Buddha, der nicht verreisen will" und führte auf den jährlichen Prozessionen nur noch die anderen vier mit sich herum. Eine wirklich pragmatische Lösung!

Nach dem Pagodenbesuch fahren wir nach Paw Khone, dem Lotosweberdorf. In langjähriger Tradition werden hier kostbare Lotosstoffe hergestellt. Die hauchdünnen Fasern der Lotosstengel werden dabei zu Fäden gesponnen und mit speziellen Webstühlen zu Schals verwoben. Das Gewebe ist nicht weich und anschmiegsam, es erinnern etwas an Leinen und wird oft für Mönchsroben verwendet.

Auch eine Cheroot- Manufaktur steht auf dem Programm. Hier werden die traditionellen Zigarren handgerollt. Der "Tabak" besteht aus gebrochenen Cheroot - Blättern, vermischt mit Holz des Baumes und einer geheimen Mischung von Zusätzen. Für das Mundstück und manchmal auch das Deckblatt nimmt man Zeitungspapier. Einige Mitreisende probieren diese Zigarren. In ihren Gesichtern kann ich keine richtige Begeisterung erkennen.

Auf der Veranda posieren "Giraffenfrauen", die sich gegen eine kleine Spende gerne fotografieren lassen. Sie gehören dem Stamm der Padaung, einer Untergruppe der Kayahs an. Die Frauen tragen ab dem 5 Lebensjahr bis zu ihrer Verheiratung zunehmend mehr Messingringe um den Hals und an den Waden. Der Hals wird so bis zu 20 cm lang und gilt als Schönheitsideal. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, ob diese Art Schmuck zu einer Verkümmerung der Halsmuskulatur führt und gesundheitsgefährdend ist

Am Nachmittag besuchen wir Indein, eines der größten Pagodenfelder Myanmars. Dazu verlassen wir den See und fahren den kleinen Fluss Nam Pilu hinauf. Von der Anlegestelle mit dem örtlichen Marktplatz steigt man üblicherweise einen langen überdachten Treppenaufgang hinauf zu der Anlage. Wir nicht - unsere Reiseleiterin führt uns bei den extremen Temperaturen direkt hinter der maroden Brücke des Ortes über einen kleinen Fluß hinauf durch den Dschungel, vorbei an hunderten von Stupas und Pagoden, die sich in äußerst baufälligem Zustand befinden. Viele Schirme auf den Stupas sind herabgefallen oder hängen schief auf den Spitzen, Unkraut und Bäume durchwachsen das Ruinenfeld. Dennoch oder gerade deswegen verströmt die Anlage eine magische Wirkung, die den staunenden Betrachter um viele Jahrhunderte zurücksetzt in eine Zeit, als dies hier ein wichtiges Heiligtum war.


Tag 6 - Dienstag, 10.11.2009

Um 5:30 Uhr werde ich von einer Armada von Bootsmotoren geweckt. Dazu mischt sich das laute Gurren von Tauben, die es sich auf dem Dach meines Pfahlhauses bequem gemacht haben. Kein Wecker mehr nötig!

Nach dem Frühstück brechen wir auf zu den schwimmenden Gärten. Diese bestehen aus Matten, auf denen man Schlamm und verflochtenes Unkraut angehäuft und dann mit Stangen im Grund des Sees verankert hat. Auf diesen Pontons werden ganzjährig Tomaten, Kohl, Bohnen, Auberginen und auch Blumen angebaut. Mit großem Erfolg, gemessen an den zahlreichen Gemüsetransporter auf der Straße.

In der einschlägigen Reiseliteraur wird immer das Nga Pha Kyaung erwähnt, das älteste und angesehenste Kloster am Inlesee, das in jüngster Zeit den Beinamen "Kloster der springenden Katzen" erhielt. Hier machen wir den nächsten Halt und bewundern das Innere der Gebetshalle mit seinen großen Buddhadarstellungen. Buddhas der Shan sind immer daran erkennbar, dass ihre doppelten Augenbrauen nicht über der Nase zusammenlaufen. Vielfach sind die Statuen auch mit Kronen und festlichen Gewändern geschmückt, was an das erste Leben Buddhas als Prinz Siddharta erinnern soll. Wieder was gelernt.

Vor Jahren hat hier im Kloster mal ein junger Mönch mit verschränkten Armen meditiert und dabei die Arme zu einem Ring vor dem Körper geöffnet. Eine der Kloster- Katzen sprang darufhin durch diesen Ring, was den Mönch veranlasste, dies mit weiteren Katzen zu trainieren. Sie sprangen fortan durch einen Dressurring und wurden dafür regelmäßig mit kleinen Leckereien belohnt. Das wiederum bekam ein Reporter der National Geographic zu Gehör, überzeugte sich vor Ort und berichtete darüber in einer Reisereportage der Zeitschrift. Seitdem ist das Kloster eine Touristenattraktion.

Die Boote bringen uns mit unserem Gepäck wieder nach Nyaungshwe, von wo aus es mit dem Bus durch eine wunderschöne Landschaft weitergeht zu den Hill Stations, die einst die Briten aufgebaut haben. Nach ca. vier Stunden erreichen wir Pindaya. Hier liegen die berühmten Pindaya Tropfstein- Höhlen, die bis zu 150 m tief in den Kalksteinfelsen der U Min Hügel führen. Wegen der unglaublich vielen vergoldeten Buddhas (mehr als 8.000) in den Höhlenräumen tragen die Tropfsteinhöhlen auch den Namen Shwe U Min Pagode, weshalb man sie natürlich nur barfuß betreten darf. Inzwischen ist der Höhlenboden aber mit Fliesen und Kunststoffrasen ausgelegt. Kennt man in Myanmar eigentlich auch Fußpilz? Die Höhlenkammern haben teilweise ein sehr hohe Luftfeuchtigkeit, die Baumwollsachen kleben uns am Körper fest.

Nach einer Legende hatten 7 Prinzessinnen in der Höhle übernachtet. Währenddessen sponn eine riesige Spinne den Eingang zu, so dass die Prinzessinnen am nächsten Morgen nicht mehr die Höhle verlassen konnten. Ihre Hilfeschrei wurden von einem jungen Mann gehört, der des Weges kam. Mit Pfeil und Bogen erlegte er die Spinne und befreite so die jungen Damen. Zum Dank gab man ihm die jüngste zur Frau. Und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr seeliges Ende... Eine zugegeben kitschige Nachbildung der Riesenspinne und des Bogenschützen ziert heute den Höhleneingang.

In der Höhle ist auch die Statue eines Mönchs zu bewundern, der entgegen der klösterlichen Regel seine Tagesmahlzeit noch nicht vor 12 Uhr mittags eingenommen hatte. Er war den ganzen Vormittag über mit anderen Aufgaben beschäftigt als er unmittelbar vor High Noon einen großen Hunger verspürte. Deshalb hielt er kurzerhand die Sonne vor dem Erreichen ihres Höchststandes auf und genoss zunächst seine Mahlzeit. Der Mann wußte sich eben zu helfen...

Als weitere Besonderheit ist in den Höhlen ein Wunschstein und der Wunschstupa eines Zauberers zu bewundern. Bis heute vertrauen sich die Gläubigen diesen mit ihren kleinen irdischen Wünschen an.

In einer Pagode am Höhleneingang soll ein Haar von Ashoka aufbewahrt werden, dem indischen Herrscher, der den Buddhismus über Asien verbreitete. Von hier aus bietet sich uns ein wunderschöner Blick auf die hügelige Landschaft mit ihren zahlreichen Pagoden. Auch unser heutiges Übernachtungsziel, das Conqueror Hotel ist von hier gut zu erkennen.

Aber zunächst gibt es ein kleines Malheur zu vermelden. Ausgerechnet unsere Reiseleiterin vermisst nach der Rückkehr aus der Höhlen- Pagode ihre Schlappen, die sie wie wir alle vor dem Eingang abgestellt hat. Nach umfangreicher Recherche stellt sich heraus, dass die Leiterin einer dänischen Reisegruppe, die auch in unserem Hotel wohnt, die Schlappen verwechselt hat. Über diesen Umstand ist die Dänin sehr amüsiert, unsere Münchner Reiseleiterin eher nicht.

Auf dem Weg zum Hotel legen wir noch einen Stopp in einer kleinen Papiermanufaktur an der Landstraße ein, wo uns die Shan-Papier- und Mönchsschirmherstellung erläutert wird. Für die Papierherstellung wird Borke von Maulbeerbäumen zerfasert und mit Wasser und Kleister zu einer Breipampe verarbeitet, die abschließend auf große Siebe gegossen wird. Nach 3- 5 Stunden Trockenzeit ist das Papier fertig, das man für die Herstellung von Sonnenschirmen für die Mönche benötigt.

Im Hotel angekommen beziehen wir die Gästebungalows und lassen uns im Haupthaus das Dinner schmecken. Dann beginnt für einige von uns, mich eingeschlossen, eine weniger erfreuliche Nacht, deren Details ich dem geneigten Leser erspare. Nur soviel, es war wohl ein Magen-Darm-Virus, der in den folgenden Tagen durch die ganze Gruppe wandern sollte und nur 3 oder 4 Mitreisende verschonte. Allen Asienreisenden sei dringend geraten, sich mit Medikamenten auf eine solche Situation einzustellen. Imodium, Perenterol und ein Elektrolyt- Glucose- Pulver sind unverzichtbar!


Tag 7 - Mittwoch, 11.11.2009

Die meiste Zeit dieses Tages werde ich im Bus verbringen. Während viele Mitreisende im nächstgrößeren Ort aussteigen um in den verstaubten Läden und Marktständen nach Souvenirs zu suchen, bleibe ich im Bus und warte auf das Ende der heutigen Etappe. Doch bis dahin dauert es noch. Was kann man für die Lieben zuhause mitbringen? Jede Menge Kitsch und Staubfänger, aber auch hochwertige handwerkliche Arbeiten, z.B. Lackwaren, Schnitzereien, Webarbeiten, Marionetten und Schmuck. Wie immer ist alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Die Straße zurück nach Heho windet sich durch sorgsam bestellte Felder und Wälder. Überall wird geerntet: Weißkohl, Mais, Zwiebeln, Avocados, Melonen und viele Obstsorten. Dieser Landstrich ernährt seine Menschen wirklich gut.

Nachmittags fliegen wir mit Yangon Airways nach Mandalay. Den hiesigen neuen Flughafen wollen die größenwahnsinnigen Generäle auf Jumbo- Tauglichkeit ausbauen. Nach einer Stunde Fahrt sind wir im Hotel. Das Sedona ist ein luxoriöses Tagungs-, Hochzeits- und Touristenhotel mit schöner Poolanlage und tollem Restaurant. Mich interessiert heute nichts mehr. Ich schlafe mich 13 Stunden lang halbwegs gesund.

--------------------------------------------------------------------------------------------
Teil 2: Mandalay - Ayeyarwady - Bagan - Mount Popa


(c) Studiosus-ReisenTag 8 - Donnerstag, 12.11.2009

Aye Aye überrascht uns jeden Tag mit einem anderen Longyi, jeder davon kleidet die attraktive Burmesin ausgesprochen gut. Longyis sind Wickelröcke, bestehend aus einer 2 m langen und 1 m breiten Stoffbahn, die um die Hüften geschlungen und zusammengeknotet wird. Es ist die traditionelle Bekleidung, die von Männern wie Frauen gleichermaßen getragen das Straßenbild des Landes bestimmt.

Mandalay - der Name dieser gerade einmal 150 Jahre alten letzten Hauptstadt der burmesischen Könige hat immer einen unerklärlichen Zauber auf mich ausgeübt. Sie wurde errichtet nach einer alten Prophezeiung, dass an dieser Stelle zum 2400. Jubiläum des buddhistischen Glaubens eine Stadt entstehen würde.

Ein geballtes Tages- Programm steht uns bevor. Beginnen wir mit einem Handwerksbetrieb zur Blattgoldherstellung, einer Goldschlägerwerkstatt. Ein Goldkügelchen wird zwischen Hirschlederlappen gelegt und mit schweren Hämmern hauchdünn geschlagen. Eine Knochenarbeit, die junge kräftige Männer mit blankem Oberkörper ausführen. Zum Schluß wird der entstandene Hauch von Blattgold vorsichtig in einem abgeschlossenen winddichten Raum zwischen Ölpapier verpackt. Man verkauft die Päckchen an die Gläubigen, die sie den Buddhastatuen auflegen.

Einige von uns kaufen ein Goldblättchen für die nächste Station unseres Programms. Wir besuchen nun das zweitwichtigste Heiligtum des Landes, die Mahamuni oder Arakan Pagode. Sie liegt am Weg nach Amarapura, der Stadt die vor Mandalay Hauptstadt war.

Im Inneren der Pagode steht die vermutlich älteste (146 n.Chr.) und größte (ca 4 m groß) bronzene Buddhastatue Myanmars. Das Gesicht der Statue soll eine der 5 wahrheitsgetreuen Darstellungen Buddhas sein. Es darf nur vom Abt des Klosters berührt werden und wird im Rahmen einer täglichen Morgen- Zeremonie von ihm gewaschen. Ansonsten dürfen sich der Statue nur Männer (auch Touristen) nähern und diese über und über mit Blattgold bekleben. Die Goldauflage soll schon 15 cm dick sein. Sie bedeckt sogar die Edelsteine, die die Brust verzieren.

Die Frauen dürfen sich nur bis zu einem abgetrennten, 6 m entfernten Bereich hinter den Mönchen nähern. Man könnte daraus schließen, dass die Frauen in Myanmar gegenüber den Männern benachteiligt seien. Dies gilt jedoch nur in religiöser Hinsicht. Die Frau kann nach der Lehre zwar ins Nirwana kommen, aber nicht als Buddha zurückkehren. Jede Myanmarin wünscht sich daher, bei ihrer nächsten Geburt als Mann zur Welt zu kommen, weil nach buddhistischer Überzeugung die Geburt als Frau das Ergebnis eines weniger guten Lebenswandels im letzten Leben ist. Verfassungsrechtlich ist die Frau dem Mann gleichgestellt und wahrscheinlich sind die Myanmarinnen sogar die freieste Frauen in ganz Asien.

#######################
Auf den Spuren der letzten Könige erkunden wir die schönsten Ecken von Mandalay: Lassen Sie sich vom „größten Buch der Welt“ in der Kuthodaw-Pagode überraschen, vom Shwenandaw-Kloster in die Zeiten des alten Palastes zurückversetzen und vom Glanz des Mahamuni-Buddhas verzaubern. Ganz in der Nähe werden wir schon freudig erwartet: In einer auch von Studiosus unterstützten Klosterschule sehen wir, wie junge Birmaner auf ein von staatlichen Arbeitgebern unabhängiges Berufsleben vorbereitet werden. Wir haben die Gelegenheit, uns mit den jungen Leuten über ihre Lebensperspektiven zu unterhalten.

9. Tag, Freitag, 13.11.2009: Die unvollendete Pagode
Beschauliches Leben am Fluss - bei unserer Bootsfahrt auf dem Ayeyarwady (Irrawaddy) zur Mingun-Pagode zieht es gemächlich an uns vorbei. Ein Erdbeben zerstörte den Traum König Bodawpayas von der höchsten Pagode der Welt. Dennoch - selbst die Ruine ist beeindruckend! Wir erfreuen uns am Anblick der im Sonnenlicht leuchtenden Pagoden der Klöster von Sagaing, bis wir am späten Nachmittag aufbrechen und einen Abstecher zu einer anderen Attraktion machen: Die besondere Atmosphäre auf der U-Bein-Brücke bei Sonnenuntergang wird Sie in den Bann ziehen. 30 km.

10. Tag, Samstag, 14.11.2009: Auf dem Ayeyarwady

Ein Tag der Ruhe und der stillen Impressionen. Mit dem Boot gleiten wir auf dem Ayeyarwady flussabwärts von Mandalay nach Bagan (Pagan). Wir sehen uralte Frachtkähne vorüberziehen, fahren vorbei an Pagoden und Klöstern.

Rudyard Kiplings eindrucksvolles Gedicht „Road to Mandalay“ handelt nicht von einer Straße, sondern von der Sehnsucht nach der guten alten Zeit, nach der Zeit des Glücks und der Harmonie. Es hat seinen Ursprung in den gluckernden Paddelgeräuschen der Raddampfer der alten „Irrawaddy Flotilla Company“. Weitere Dichter und Schriftsteller wie Somerset Maugham und George Orwell ("Burmese Days") haben der alten Schiffsgesellschaft und dem Fluss in den vergangenen 150 Jahren mit ihren Werken ebenfalls Beifall gezollt.

Am Abend erreichen wir Bagan. (Je nach Wasserstand des Ayeyarwadys sind Verzögerungen möglich.) Drei Übernachtungen.

11. Tag, Sonntag, 15.11.2009: Pagoden bis zum Horizont

Der Tag startet mit einer Ballonfahrt über Bagan.... ( 250 EUR )
Balloons over Bagan: http://www.youtube.com/watch?v=v8LAgWFpsXM

Schon einmal bot sich mir die Möglichkeit, mit einem Heißluftballon über historisch bedeutsame Weltkultur- Stätten zu gleiten, es war das Tal der Könige in Ägypten. Damals hatte ich Sicherheitsbedenken. Hier in Bagan ist es anders. Die Ballonfahrer von "Balloons over Bagan" sind absolute Voll- Profis! Und für dieses Abenteuer habe ich mich nach ausgiebigen Recherchen entschieden. Natürlich bleibt ein Restrisiko, aber wie heißt es so schön: "no risc, no fun!".

Punkt 5 Uhr werden die Ballonfahrer im Hotel abgeholt. Schon zu dieser frühen Stunde ist es 25° C warm und schwül. Andrew, unser Ballonpilot, meint, es gebe eine sehr schlechte Ernte in diesen Monaten. Das sei eine Folge von El Niño, dem zerstörerischen Klimaphänomen, das alle 3-7 Jahre Überschwemmungen und Dürren zur Folge habe. Das Wetter ändert sich dann dramatisch, weil bei einem El Niño warmes Wasser aus dem tropischen Pazifik ostwärts zieht. Dabei steigen ungewöhnlich viel Wärme und Feuchtigkeit in die Atmosphäre auf. Weil das immer im Dezember und Januar geschieht, wird das Phänomen El Niño genannt - Spanisch für Christkind oder Junge.

Bagan! Inmitten einer ländlichen Idylle liegt das größte Tempelareal Südostasiens. Wir schlendern über den urigen Markt von Nyaung U und pilgern zur bedeutenden Shwezigon-Pagode. Das eindrucksvolle Museum und die prächtigen Tempel im goldenen Licht der untergehenden Sonne lassen uns in eine andere Welt eintauchen.


12. Tag, Montag, 16.11.2009: Bagan für Sie!

Ihr freier Tag. Planen Sie Ihr ganz persönliches Besichtigungsprogramm und genießen Sie die immer neuen Motive Bagans auf einer Erkundung des Tempelareals - zu Fuß oder mit einem Pferdewagen. Oder begleiten Sie Ihren Reiseleiter auf einen Ausflug zum legendären Mount Popa (Achtung: 777 Stufen und 1 Std. Aufstieg!). Dort, so besagt die Überlieferung, leben 37 allmächtige Naturgötter, die Nats. Da Buddha keinen Einfluss auf die Geschicke des Einzelnen nimmt, greifen die Nats lenkend ein. Daher empfiehlt es sich, sie nicht zu erzürnen. Nach dem Besuch der bedeutenden Pilgerstätte genießen wir bei schmackhaften Speisen die Aussicht von der Anlage des Mount Popa Resorts (25 €). 100 km.

13. Tag, Dienstag, 17.11.2009: Unendliche Weisheit ...
... ist die Übersetzung für „Ananda“ - den bedeutendsten Tempel Bagans.

Auf unserer Entdeckungsreise in der alten Königsstadt wählen wir die schönsten Pagoden aus der Fülle der Sakralbauten aus. Gegen Abend fliegen wir mit Yangon Airways zurück nach Yangon.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Teil 3: Goldener Felsen - Sittwe - Mrauk U

14. Tag, Mittwoch, 18.11.2009: Auf zum „Goldenen Felsen“
Der „Goldene Felsen“ von Kyaiktiyo ist einer der heiligsten buddhistischen Plätze Birmas - ein gewaltiger, vergoldeter Felsblock, der den Eindruck erweckt, als stürze er jeden Augenblick in die Tiefe. Nur ein Haar Buddhas hält ihn der Legende nach in Balance. In einer guten Stunde wandern wir auf dem teilweise schweißtreibenden Pilgerweg zum Berg hinauf (Höhendifferenz: aufwärts 200 m) - oder Sie nehmen die Dienste der einheimischen Träger in Anspruch - und übernachten ganz in der Nähe des Felsens. 175 km.

15. Tag, Donnerstag, 19.11.2009: Mystisch ...
... ist die Morgenstimmung, die wir am „Goldenen Felsen“ erleben! Anschließend wandern wir talwärts (1 Std., Höhendifferenz: abwärts 200 m) und fahren in die alte Hauptstadt Bago (Pegu). Von ihrer Glanzzeit zeugen immer noch prächtige Pagoden und eine gewaltige Figur Buddhas. Unvergesslich bleibt auch der rustikale Markt der Stadt. Abends sind wir wieder in Yangon. 175 km.

16. Tag, Freitag, 20.11.2009: An den Golf von Bengalen
Flug mit Air Mandalay nach Sittwe an den Golf von Bengalen. Das Abenteuer beginnt: Mit einem einfachen Boot fahren wir flussaufwärts nach Mrauk U (ausgesprochen wird es 'Miau U'), der alten Hauptstadt des Rakhine Reiches. Die 70 Kilometer lange Fahrt dauert bis zu 7 Stunden und kostet mit dem öffentlichen Boot $US 4. Es fährt täglich um 07:00 ein Boot. Man kann sich auch für ca. $US 50 ein privates Boot chartern. Zwei Übernachtungen in Mrauk U.

17. Tag, Samstag, 21.11.2009: Tempel in Mrauk U
Das sagenhafte Mrauk U, einst goldenes Zentrum des mächtigen Königreichs Arakan, wurde im frühen 15. Jahrhundert gegründet. Ein Netz von Kanälen machte es damals möglich, dass selbst größte Schiffe die Stadt erreichen konnten. Am eindrucksvollsten können wir die einstige Macht und Stärke am Shittaung-Tempel (Pagode der 80000 Bildnisse) und der massiven Ordinationshalle Dukkanthein ablesen.

18. Tag, Sonntag, 22.11.2009: Königreich Dhannavati
Ein Ausflug führt uns in das alte Dhannavati. Bis zu seinem Raub im 18. Jahrhundert stand hier der berühmte Mahamuni-Buddha. Gegen Mittag verlassen wir Mrauk U und gleiten auf dem Kaladan River wieder in Richtung Sittwe.

19. Tag, Montag, 23.11.2009: Abschied von Arakan
Ursprüngliches Birma: Mischen wir uns beim Bummel über den exotischen Markt des Küstenstädtchens Sittwe unters Volk! Die Nähe zu Indien und Bangladesch ist hier bereits deutlich zu spüren. Am Nachmittag fliegen wir mit Air Mandalay zurück nach Yangon.

20. Tag, Dienstag, 24.11.2009: Zurück nach Europa
Der Tag in Yangon gehört Ihnen! Soll es noch ein Blick auf die goldglänzende Shwedagon-Pagode sein, ein Spaziergang durch das geschäftige Chinatown, oder möchten Sie in der schönen Hotelanlage entspannen?

In einem Spielwarenladen entdecke ich eine eiförmige Figur mit einem lachenden und einem ernsten Gesicht. Es ist ein Pyit taing daung, eine symbolträchtiges Spielzeug, das sich beim Anstossen immer wieder aufrichtet und einen mal mit dem lachenden und ein anderes mal mit dem ernsten Gesicht anschaut - wie das Leben eben so ist.

Am Abend Rückflug mit Thai Airways über Bangkok nach Frankfurt (Abendessen im Flugzeug, Flugdauer ca. 14 Std.).



21. Tag, Mittwoch, 25.11.2009: Ankunft in Europa
Morgens erreichen wir Frankfurt.

"Wenn du jemanden ohne Lächeln siehst, gib ihm deines!" So lautet eines der schönsten Sprichwörter des Landes.

Wußtet Ihr, dass die Bezeichnung der Tropenkrankheit Malaria auf das italienische "mala aria" zurückgeführt wird? Man dachte früher, die "schlechte Luft" in den Sümpfen sei Schuld an der Krankheit.

Die Websiten von gmx, gmail und Co sind ja oft nicht aufrufbar bzw. geblockt!
Falls das passiert...probiert folgenden Anonymizer: vtunnel
also http://vtunnel.com oder https:vtunnel.com
Von dieser Website könnt ihr dann problemlos alle geblockten Websites im Land aufrufen.....


*Maps courtesy of www.theodora.com/maps used with permission.

Hier gibt es den Reisebericht als PDF zum Ausdrucken.

...............................................................................................................................................................

Meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Myanmar beginne ich mit eher ungewöhnlichen Büchern: (ein Klick auf den Buchtitel führt Euch zur Direktbestellung bei amazon.de)

Aufzeichnungen aus Birma, Guy Delisles Comic-Tagebuch seines Myanmar-Aufenthaltes im Jahr 2005 ist heiter und ernst zugleich und entwickelt damit einen besonderen Charme, der einen ebenso unterhält wie informiert. Während seine Frau in einem Projekt für Ärzte ohne Grenzen arbeitet, hütet er zuhause das gemeinsame Kind und erlebt viel vom Alltag in Myanmar, der Bürokratie und den Besonderheiten der Militärdiktatur.Er zeichnet seine Erlebnisse und unterrichtet einheimische Künstler. Delisles beobachtet, aber bewertet nicht. Auf fast dreihundert Seiten entstehen so Aufzeichnungen aus einem familiären Mikro- und einem birmesischen Makrokosmos. Eine sehr lohnenswerte Lektüre, nicht nur für Comic-Freunde!

Thich Nhat Hanh: Wie Siddhartha zum Buddha wurde - Eine Einführung in den Buddhismus. Dies ist die poetisch erzählte Lebensgeschichte Buddhas, der als indischer Prinz Siddhartha Gautama geboren wurde und eine der großen Weltreligionen begründete. Die Darstellung und Erläuterung seiner wichtigsten Lehren erschließen uns einen guten Zugang zu dieser Gedankenwelt.

Pilgerreise in Myanmar von Ma Thanegi: Die Autorin schildert spannend und humorvoll mit einem liebevoll kritischen Blick auf die Menschen und die Kultur ihres Landes eine Pilgerreise durch Myanmar. Dieser lebendige Erlebnisbericht läßt sich vor, während und nach der Reise lesen.

Ma Thanegi hat auch die Texte zu dem derzeit wohl schönsten Bildband über Myanmar geschrieben - BURMA MYANMAR Im Herzen eines unbekannten Landes, erschienen bei Knesebeck. Die einzigartigen Aufnahmen dieses Buches stammen von Achim Bunz, der über 20 Jahre lang den Alltag der Burmesen fotografiert hat, aber auch diewunderschönen Landschaften, Kulturdenkmäler und religiösen Stätten des Landes. Ein rundum schöner Fotoband, wenn auch nicht ganz billig...  

Und zu guter Letzt mein Reiseführer- Tipp: Der Myanmar- Band von Brigitte Blume aus der Reise Know-How- Reihe. Sehr gut gelungen ist die Darstellung von Geschichte, Land und Leuten und die Tempel- und Pagodenbeschreibungen. Für Rucksack- Touristen soll er nicht so sehr geeignet sein, aber ich war ja auf einer organisierten Reise unterwegs. Die Backpacker wählen lieber das Stefan Loose Travel Handbuch MYANMAR .

Und hier gehts zurück zur Startseite: www.travelhomepage.de (falls es mit dem Slide-In-Menue am linken Rand nicht klappt...)