NEUSEELAND - die Nordinsel

30.12.- 18. Tag: SA Picton - Wellington

Wir kommen mit der großen Fähre von der Südinsel.

Am Fähranleger in Wellington wartet "Leo No. 2" auf uns. Unser Driverguide Piet fremdelt anfangs ein wenig mit ihm, er hat ein paar Eigenheiten, die ihn von seinem Vorgänger auf der Südinsel unterscheidet. Ansonsten ist er baugleich mit dem in Picton zurückgelassenen Bus. Alle Leos haben die gleiche Krankheit: Die Klimaanlage lässt sich nicht regulieren, entweder eiskaltes Gebläse oder Schweißausbruch bei den Fahrgästen... Diese Extreme im Wechsel führen zu grassierendem Husten und Schnupfen bei einigen Reiseteilnehmern.

Piet macht in jedem Ort, in dem wir übernachten, eine "Orientierungs- Rundfahrt" mit uns, also auch hier. Dabei fährt er einmal um den Block - "damit wir wissen, wo die nächsten (Fastfood-) Restaurants liegen!".

Wir checken ein im zentral gelegenen Hotel Travelodge Wellington, einem typischen Großstadthotel der mittleren Preiskategorie mit kleinen Zimmern, gelegen in den oberen Etagen eines Hochhauses.

Ein Wort zu den Unterkünften während der Rundreise: Sie waren alle ausgesprochen gut und teilweise liebevoll familiär, die Zimmer alle aufgeräumt, sauber und großzügig. Nur die Stadthotels in Wellington und in Auckland entsprachen bezüglich der Zimmergröße überhaupt nicht meinen Erwartungen. Sie waren wirklich nur zum Schlafen geeignet.

Direkt vor der Haustür verläuft der Lampton Quay, die Haupteinkaufsstraße Wellingtons. Es ist Samstag, 16:30, und fast alle Geschäfte haben schon geschlossen! Nur die McDoofs dieser Welt haben geöffnet und ein paar wenige weitere, die man an beiden Händen abzählen kann. Wir sind in der Hauptstadt Neuseelands, einer Stadt mit ca. 200.000 Einwohnern. Würde man den Lampton Quay mit der Orchard Road in Singapur vergleichen, wäre es wie Flensburg mit Paris zu vergleichen... Aber man soll ja auch nicht Äpfel mit Birnen...


31.12.- 19. Tag: SO Wellington  ===SILVESTER===

Es gibt hier viele moderne Hochhäuser, was in einem Erdbebengebiet doch sehr verwundert. Doch die meisten großen Gebäude sind wie in Japan auf speziellen Erdbebenpuffern gelagert, die einen Zusammenbruch verhindern sollen. Piet ist im 17. Stock des Hotel- Hochhauses einquartiert. Nach seinen Erlebnissen in Christchurch im Jahre 2011 fühlt er sich in diesem Zimmer sehr unwohl, was ich verstehen kann. Die Hochhäuser stehen im Kontrast zu den restaurierten viktorianischen Holzhäusern von Wellington.

Die Stadt kann vom Hotel aus ideal zu Fuss erkundet werden. Ein Tag für individuelle Besichtigungen steht an, den ich mit einer Fahrt mit der Standseilbahn, der Cable Car, starte. In dieser auch Furnicular genannten Standseilbahn aus dem Jahre 1902 sind die Sitzreihen in den Waggons treppenförmig angelegt. So sitzt man aufrecht und gerade während der Fahrt und rutscht bei dem Gefälle nicht vom Sitz. Die Bahn fährt in 5 min ca. 610 m weit und 120 Höhenmeter hoch zum Botanischen Garten.


Hier begegnet einem zu früher Stunde so gut wie kein Mensch. Es herrscht himmlische Ruhe. Ein schöner Rundweg führt durch den Garten hinab in die Stadt.

Die Weihnachtsbäume der Nordinsel, die Pōhutukawas, stehen in voller Blüte. Einige von Ihnen verlieren bereits die Blütenblätter, weshalb sich unter ihnen ein tiefroter Teppich ausgebreitet hat.

Und dann sind da noch die Agapanthus´, bei uns auch als "Afrikanische Schmucklilien" bekannt. Unzählige Sternchen-Blüten bilden dicke blaue und weiße Blütenbälle - ein schöner Anblick.

Die Straße geht mit leichtem Gefälle hinunter zum Beehive, dem Bienenkorb- ähnlichen Parlamentsgebäude, worin sich die Büros des Premierministers und seiner Kabinettsmitglieder befinden. Nur das Parliament House, das wichtigste der drei Gebäude im Parlamentskomplex, lässt sich besichtigen. Es besteht absolutes Fotografierverbot und alle Taschen, Kameras und Handys sind zur Aufbewahrung abzugeben. Höchste Sicherheitsstufe! Die ca. 30- minütige Führung ist kostenlos und beschränkt sich auf die Besichtigung des holzvertäfelten Repräsentantenhauses und der Grand Hall. Im Repräsentantenhaus, das dem britischen Unterhaus entspricht, hat der sogenannte Speaker den Vorsitz, nicht der Premier. Diesen Saal kann man, muss man aber nicht gesehen haben.

Hingegen sehr sehenswert ist die Old Saint Paul´s, eine vollständig aus Holz errichtete ehemalige Kathedrale der Anglikanische Kirche aus dem 19. Jh. Sie liegt nur wenige hundert Meter entfernt vom Parlament, so dass ich es mir nicht nehmen lasse, einen Blick hinein zu werfen. Zu dieser Zeit ist sie noch weihnachtlich geschmückt. Das unterstreicht die heimelige, friedvolle Atmosphäre.

Am Nachmittag steht der Besuch des Nationalmuseums Te Papa Tongarewa auf meinem Programm. Der Maori- Name bedeutet soviel wie "Der Ort der Schätze dieses Landes" und dieser Name ist sehr treffend. Auf sechs Ebenen erfährt der Besucher viel Wissenswertes über die Besiedlungsgeschichte Neuseelands, die einzigartige Flora und Fauna und die Kultur der Maori. 

Für einen Besuch in Zealandia, dem ehem. Karori Wildlife Sanctuary, einem nahe gelegenen Refugium für bedrohte Tierarten, reicht die Zeit leider nicht mehr. Zealandia ist der Name eines größtenteils unter Wasser liegenden, nicht offiziell anerkannten geologischen Kontinents im Pazifischen Ozean, zu dem die Nord- und Südinsel Neuseelands, Stewart Island, die Chathaminseln, Neukaledonien und ein paar kleinere Inseln gehören. 

Schon bei der Ankunft waren wir an der Hotelrezeption darauf hingewiesen worden, dass die Hotelbar an Silvester nicht bis Mitternacht geöffnet haben wird. Die anderen Gäste würden schlafen wollen. Sehr ungewöhnlich, aber wenn es hier so üblich ist... 

Am Abend hat die Reiseagentur für die Gruppe ein Dinner im Travelodge bestellt. Es wird kein Galadinner, sondern ein bescheidenes Buffet. Wir essen an blanken Tischen. Zweckmäßig für die Systemgastronomie, aber ohne jegliches Ambiente für den Gast.

Die Kiwis machen sich nichts aus Silvester - obwohl Wellington jedes neue Jahr immer als erste Hauptstadt der Welt begrüßt. Irgendwie scheint sich außer den ausländischen Touristen kaum jemand für Neujahr zu interessieren… Es gibt keinen Countdown, rein gar nichts.. Jetzt wird mir klar, warum bei uns immer Sydney im TV als erste Hauptstadt für den Jahreswechsel gezeigt wird.

Hier können die Menschen schon auf 2018 anstoßen während in Good Old Germany noch das letzte Mittagessen des alten Jahres auf den Tisch kommt. In der neuseeländischen Hauptstadt erlebe ich den nüchternsten Jahreswechsel seit langem.

Wellington ist die Stadt der Stürme, von ihren Einwohnern auch "Windy Welly" genannt. Aus Sicherheitsgründen gibt es deshalb hier nur zwei kleine kurze Feuerwerke, die um 22:00 und 0:00 von Profi- Feuerwerkern gezündet werden. Böller und Raketen auf den Straßen sind verboten. Das können wir jedenfalls gut nachvollziehen.

Wie jede Stadt in Neuseeland hat auch Welly seine "Alcohol Ban Area", innerhalb der ein absolutes Alkoholverbot in der Öffentlichkeit herrscht! Von der Polizei scharf überwacht gilt es praktisch für die gesamte Innenstadt - selbstverständlich auch an Silvester...


01.01.- 20. Tag: MO Tongariro Nationalpark  ===NEUJAHR===

Früh am Morgen brechen wir auf. Aufgrund fehlenden exzessiven Feierns in der Silvesternacht gibt es unter den Mitreisenden weder Brummschädel noch gestörte Magenbefindlichkeiten... 

Entlang der Kapiti-Küste und durch Farmgebiete fahren wir zum Zentralplateau der Nordinsel, das durch drei teilweise noch aktive Vulkane geprägt ist, Mt. Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro. Nach letzterem wurde der gleichnamigen Nationalpark benannt, der zum Weltkultur- und Naturerbe gehört. Wegen des allgegenwärtigen Vulkanismus wird die Nordinsel auch "Wobbly", die Wacklige, genannt.

Der Tongariro ist der heilige Berg der Maori. Ende des 19. Jh. hatte die Entwaldung und Beweidung durch die Siedler dermaßen zugenommen, dass der Häuptling des lokalen Maori- Stammes die drei Vulkane der neuseeleändischen Regierung übertrug mit der Maßgabe, sie für alle Menschen zugänglich zu erhalten. Ein kluger Deal! Der Häuptling hatte die Weisheit, sie zu schützen, indem er sie verschenkte. Doch wir bekommen die Vulkane nicht zu Gesicht. Sie sollen nur an 6- 7 Tagen im Monat komplett zu sehen sein. Ansonsten sind sie wolken- und dunstverhangen. So auch heute.

An der Straße steht eine ausgemusterte DC3, der legendäre Rosinenbomber. Die Kiwis lieben Oldtimer, egal ob es Flugzeuge, Schiffe, Lokomotiven, Autos, Motorräder oder sonstwas sind.

Im Städtchen Taihape gibt es eine weitere Besonderheit: Einmal im Jahr findet die traditionelle Landwirtschafts- Ausstellung statt und dazu hat man sich einen ergänzenden Wettbewerb ausgedacht, das "Gummistiefel- Weitwerfen"! Weshalb man an der Straße ein Gummistiefel- Denkmal errichtet hat. Crazy, aber nichts ungewöhnliches. Denn Denkmäler gibt es auch in anderen Orten, meist für Lebewesen wie Hunde, Gemsen, Stiere, Fische, Vögel und und und.

Seit 14 Uhr regnet es ohne Unterbrechung und die ganze Landschaft versinkt im Regendunst. Der Regen war für die Gegend vorausgesagt worden. Regenprognosen sind für Neuseeland jedoch immer sehr schwierig, das Wetter kann sich von jetzt auf gleich ändern.

Wir durchfahren den kleinen Ort (!) namens National Park und erreichen Whakapapa Village, unser Ziel. Die heutige Herberge ist eine Skotel genannte Ski Lodge bzw. ein Alpine Resort. Es ist der auf 1.142 m höchstgelegene Hotelbetrieb Neuseelands. Der Tongariro N.P. hat ein sehr gutes Wanderwegenetz, ist aber wegen seiner schnellen Wetterwechsel gefürchtet. Und heute regnet es ja mal wieder...

Für diesen Fall ist die Hotel- Bar überaus gemütlich und gut bestückt und wir machen ausgiebig Gebrauch davon.


02.01.- 21. Tag: DI Rotorua

Die Straße zwischen Tongariro und Rotorua heißt "Thermal Explorer Highway" - man könnte sie aber auch "Highway to Hell" nennen, denn auf der Strecke zwölf Kilometer nordöstlich von Rotorua liegt Hell's Gate, mit vier Hektar Fläche eines der größten Thermalgebiete in der Region.

Die Wairakai Terrassen sind beeindruckende Silizium- Terrassen (wie z.B. Pamukkale in der Türkei). Um der Wahrheit die Ehre zu geben, die angeblichen Sinterterrassen sind vor Jahren mit Spritzbeton angelegt worden und werden allmählich vom kalkhaltigen heißen Wasser vernaturellt. Die Maori haben auch gleich eine Poollandschaft/Spa mit Becken abgestufter Wassertemperaturen angelegt.

Wir besuchen das Gelände der Maori des Ngati Tuwharetoa- Stammes und werden von Joe, einem Stammesangehörigen, herumgeführt. Er erklärt uns die Besonderheiten der Maori-  Bauten. Der Eingangsgiebel stellt jeweils die Beine, Arme und den Kopf eines Gottes dar. Dann gibt es da noch die geschnitzten Pfähle der Maoris, die Totempfählen ähneln. Jeder von ihnen erzählt eine Geschichte und bildet verschiedene Personen aus der Maori- Mythologie ab.

Im Anschluß an Joe´s Führung haben wir Zeit für eine kleine Fragerunde bei der 85-jährigen Grand Dame mit dem Namen Teatemire. Sie ist die Tante des Clanchefs und eine ehemalige Lehrerin, und sie gehört zu den weisen Frauen des Stammes, die einen erheblichen Einfluss auf dessen Wohlergehen haben. Sie bewirtet unsere kleine Gruppe zum "Morning Tea" mit Scones, Muffins, Tee und Kaffee und beantwortet unsere zahlreichen Fragen geduldig und sehr diplomatisch. Es ist keine Show, sondern eine echte Begegnung mit einer kompetenten Maori- Vertreterin.

Auch das Städtchen Taupo ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend: Schwefelgestank liegt in der Luft, Rauchschwaden vernebeln den Blick, dampfspeiende Fumarolen zischen direkt neben der Hauptstraße. Taupo liegt am gleichnamigen Taupo- See, dem größten See Neuseelands, mit 616 qkm Fläche größer als der Bodensee. Der "JR"- Darsteller Larry Hagman war ein großer Fan des Taupo. Mindestens einmal pro Jahr kam er zum Forellenfischen hierher.

Die Seen dieser Region sind nämlich für ihre Forellen weltbekannt. Es sind, wie in ganz Neuseeland, keine Zuchtforellen, weshalb sie nie auf den Speisekarten der Restaurants auftauchen. Sie dürfen nur privat und für den Eigenverbrauch geangelt werden. Unbelievable.

Unser nächstes Ziel sind die Huka- Fälle, eine Kaskade von Wasserfällen des Waikato Rivers. Sie sind mit 11 m Höhe nicht gerade sonderlich hoch, beeindrucken aber durch ihr Farbenspiel aus weiß und blau und ihr schieres Volumen - 220.000 Liter Wasser rauschen hier pro Sekunde hinunter. Eine beliebte Touristenattraktion sind Jetboot- Fahrten bis zum Fuß der Fälle.

Wir erreichen das Tagesziel Rotorua, Thermalgebiet und wichtiges Zentrum der Maori-Kultur. An den Schwefelgeruch, der über der ganzen Stadt liegt, muss man sich gewöhnen. Im Thermal- Reservat Te Puia erleben wir kochende Schlammtümpel, den stündlich ausbrechenden Pohutu- Geysir, dampfende und bebende Erde und weitere Thermalaktivitäten. Hier befindet sich auch das Maori Arts and Craft Institute, wo Holzschnitzer bei der Arbeit beobachtet werden können. 

In grauer Vorzeit ging es dem Mond schlecht, und er wurde krank. Da nahm er ein Bad im Heilwasser von Rotorua und kam wieder zu Kräften. Maori-Legenden wie diese ranken sich um viele Plätze in Neuseeland.

Wir übernachten in einem der größten Hotels der Nordinsel, dem Sudima Hotel in Rotorua.

Abends gibt es im Ort eine Maori- Show mit Dinner. Der Veranstalter hat ein traditionelles Hangi- Essen angekündigt. Für das Hangi werden heiße Steine in ein Loch geschichtet. Darauf kommen die in große Blätter gewickelten Fleischstücke, die wiederum mit Blättern bedeckt und anschließend mit Erde zugeschüttet werden. Bis das Essen gar ist, vergehen einige Stunden. Eine ähnliche Essenszubereitung habe ich auf der Azoreninsel Sao Miguel erlebt. Dort kochen die Leute in den heißen Fumarolen. Das uns hier angebotene Abendessen ist aber eher ein konventionelles Buffet, auf dem ich nichts typisches aus der Maori- Küche entdecken kann. Fake! Wirklich schade!

Nach dem Essen folgt eine halbstündige Gesangs- und Tanzaufführung an deren Ende die Touris auf die Bühne gebeten werden um sich zum Affen zu machen. Dabei stehen die Japaner in vorderster Front. Vermutlich ist das der dortigen Karaoke- Tradition geschuldet.

Zu den traditionellen Tänzen gehört der Haka und die Gesänge der Maori - alles perfekt für die Touris inszeniert.

Aber der Haka gehört auch zum Rugby, dem Nationalsport von Neuseeland ("All Blacks").  Per Zufall habe ich vor kurzem das Match Samoa vs Neuseeland zuhause im TV gesehen. Die Spieleröffnung mit dem Haka ist wirklich martialisch, mit Gänsehauteffekt beim Zuschauer. Danach verstehe ich bei den Regeln des Spiels als Mitteleuropäer nur noch Bahnhof. Begriffe wie Versuchleger oder 15er Rugby - kommen mir Spanisch vor, sind es aber nicht. Da bevorzuge ich doch lieber Fussball, dessen Regeln in Deutschland 80 Mio. Einwohner verstehen. Wir alle sind schließlich zugleich Bundestrainer...

Mitten in der Nacht wache ich auf, weil es in meinem Hotelzimmer nach Schwefel riecht. Der Geruch von Schwefelwasserstoff ist überall und kommt natürlich auch durch leicht  geöffnete Fenster und Klimaanlagen in die Zimmer. Das Gas ist eigentlich hochgiftig, dennoch war und ist Rotorua ein Kurort. Und auch wir überleben den Aufenthalt ohne Schaden zu nehmen.
 

03.01.- 22. Tag: MI Coromandel Halbinsel

Der Tag beginnt mit einer wirklichen Sensation. Wir werden Kiwi- Vögel zu sehen bekommen! Dazu besuchen wir am Ortsrand die Aufzuchtstation Rainbow Springs, wo man Kiwi- Eier in speziellen Brutkästen ausbrütet und den Jungvögeln ins Leben hilft, die in der Natur ohne elterliche Hilfe ab dem Ausschlüpfen zurecht kommen müssen. Kiwis legen Eier, die mit 400 g Gewicht etwa 1/5 bis 1/4 des Gewichtes der Henne ausmachen. Unglaublich! Es wäre gerade so, als würden unsere Frauen ein 2-3 jähriges Kind gebären.

In einem stark abgedunkelten Raum können wir drei sehr aktive erwachsene Kiwis beobachten  (absolutes Fotoverbot!). Der agilste Roadrunner ist ein 40- jähriges Weibchen. Sie läuft ständig hin und her hinter den Glasscheiben zum abgedunkelten Besucherbereich. Wir sind angehalten zu schweigen, denn Kiwis haben neben einem ausgeprägten Geruchssinn ein sehr gutes Gehör. Die Vögel können bis zu 60 Jahre alt werden. Das ist aber in freier Wildbahn ein eher theoretisches Alter, denn Kiwis haben viele Feinde, Possums, Katzen, Hunde und weitere kleine Räuber. Diese Feinde haben dafür gesorgt, dass es nur noch Minderbestände in Neuseeland gibt. Und nur hier gibt es sie, die endemische flugunfähige Vogelart mit den Stummelflügeln und den von den Dinosauriern geerbten kräftigen Läufen. Es ist schon etwas sehr Besonderes, einen Kiwi- Vogel zu Gesicht zu bekommen, denn diese Vögel sind sehr scheu und nur nachtaktiv.

Auch in Rotorua werden viele schrille Extremsportarten angeboten. Eine davon ist Zorb ! Dabei trudelt man im Inneren eines riesigen Balls einen Hügel hinunter, entweder "dry", dann wird man in einem speziellen Geschirr fixiert, das alle Rollbewegungen mitmacht, oder "wet", dann wird das Kugelinnere mit einer ordentlichen Menge warmen Wasses geflutet, in dem man herumschwappt. Die Dry- Version soll übrigens den extremsten Kick versprechen.

Durch die Bay of Plenty führt unsere Strecke zur Coromandel Halbinsel. Es geht durch Te Puke, das größte Kiwifrucht-Anbaugebiet, und weiter über Tauranga und Mt. Maunganui Richtung Tairua.

Für heute Nachmittag, spätestens aber heute Nacht, ist der Durchzug eines Tropensturms mit viel Regen vorausgesagt. Erste Schauer begleiten uns schon auf der Fahrt Richtung Coromandel Halbinsel. Piet malt das herannahende Unwetter in den düstersten Farben wie den bevorstehenden Weltuntergang aus. In Matamata schüttet es aus vollem Himmel und wir legen mal wieder einen dieser meist überflüssigen "Comfortstops" ein. Ich werde es nie verstehen, warum ein gesunder Mensch ohne ständige Flüssigkeitszufuhr alle zwei Stunden eine Pinkelpause benötigt. 

Für die kurzgetakteten Pinkelpausen gibt es aber noch eine andere Erklärung. Piet hat von seiner Agentur Tankkarten für zwei Mineralölgesellschaften. Und er nutzt jede Gelegenheit zum Nachtanken an einer Tanke dieser Gesellschaften. Das verkauft er seiner Reisegesellschaft dann immer geschickt als "Comfortstop" oder als Gelegenheit zum Einkauf von Getränken und Snacks für den nächsten Tag in nahen Supermärkten.

In Matamata hat man das Info- Center im Stil eines Hobbit- Hauses gebaut. Und ganz in der Nähe liegt Hobbiton Movie Set, das künstliche Hobbit- Dorf. Hier hat man die grasbewachsenen Erdwohnungen der Hobbits zum Entzücken der Besucher nachgebaut. Natürlich vermarktet man hier alles, was nur annähernd mit der Herr der Ringe- Trilogie oder den Hobbits zu verbinden ist.

Über Paeroa, einem Zentrum der Gemüseproduktion geht unsere Fahrt weiter. Hier werden Avocados und Tamarillos angebaut und die in ganz Neuseeland berühmte Zitronenlimonade L & P (Lemon and Paeroa) gebraut.

Bei unserer Ankunft in Tairua kehrt das schöne Wetter zurück, zumindest für heute nachmittag. Allerdings ist es sehr windig.

In Tairua warten die Pacific Harbour Villas auf uns. Diese Unterkünfte sind sehr komfortabel eingerichtet und sie liegen zentral und dennoch idyllisch am Ortseingang.

Einige von uns besuchen den Hot Water Beach, an dem bei Ebbe heißes Quellwasser durch den Sand an die Oberfläche steigt. Man gräbt sich an dem kleinen Strandabschnitt seinen eigenen Pool in den Sand und genießt das sehr warme Bad (bis zu 60° Wassertemperatur) in der selbst geschaufelten Badewanne...

In Whangara, einem kleinen Ort im Nordosten der Nordinsel, spielt der Roman "Whale Rider" von Witi Ihimaera, der hier auch als deutsch-neuseeländische Koproduktion verfilmt wurde. Er handelt von einem zwölfjährigen Mädchen, welches sich innerhalb der Maori-Traditionen emanzipiert. Den Film gibt es auf DVD - sehr empfehlenswert!


04.01.- 23. Tag: DO Auckland

Morgens Weiterfahrt nach Auckland, der Metropole des Landes, "The City of Sails". 

Die älteste Segelregatta der Welt, der America`s Cup, war traditionell fest in amerikanischer Hand bis er 1987 durch die Crew aus Australien gewonnen werden konnte - und 2000 endlich von Neuseeland! Die vielen Yachthäfen von Auckland liegen voller Segel- und Motoryachten, was bei diesem Wetter gut nachvollziehbar ist. Es ist stürmisch mit zahlreichen Schauern.

Auckland ist riesig, die Fläche der Stadt beträgt 1.086 km² (zum Vergleich: Berlin hat 892 km²) und sie wächst durch Eingemeindungen ständig weiter. Mit 1,7 Mio. Einwohnern ist Auckland die größte Stadt Neuseelands.

Es gibt eigentlich nur wenige Sehenswürdigkeiten. Eine davon ist sicher der Sky Tower, ein 328 m hoher Fernsehturm, der bisher höchste der südlichen Erdhalbkugel. Für die nach dem ultimativen Kick Suchenden gibt es dort den SkyJump und den SkyWalk. Beim SkyJump stürzt man sich, gesichert durch ein Stahlseil, 192 m vom Turm mit einer Fallgeschwindigkeit von 85 km/h hinab. Dabei wird man anders als beim Bungee im Fall gebremst. 

Wem die schöne Aussicht nicht genug ist, der kann beim sogenannten Skywalk mit nur einem Klettergurt am Turm gesichert direkt auf der Absprunghöhe der SkyDiver an der Plattform rumlaufen und sich ein wenig über die Kante lehnen, um direkt in den Abgrund zu schauen.

Unser heutiges Hotel ist das Grand Chancellor Auckland City, wieder eines dieser seelenlosen Hochhaus- Stadthotels wie zuletzt in Wellington. Ab mittags regnet es sich ein. Nachts sind alle Katzen grau und das gilt auch für Großstädte. Auckland versinkt im Regen.

Da kann ich mich auf kulinarische Entdeckungsreise machen. Denn hier haben alle Ethnien ihre eigenen Restaurants. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Zu Mittag esse ich indisch - und zum Dinner wähle ich wieder einmal Seafood. Am neu gestalteten Jachthafen von Auckland reiht sich eine Seafood- Bar an die nächste. Enchanté! Der ehemalige Wirtschaftshafen wurde zur Lifestylegegend und Gastrozone. Die ganz exotischen Restaurants, wie z.B. ein polynesisches Restaurant, müssen auf mich warten.

05.01.- 24. Tag: FR Auckland - Bay of Islands

Über Whangarei, der Hauptstadt des "winterlosen Nordens", geht es heute zur Bay of Islands nach Paihia.

In Kawakawa, einem Dorf, das sonst keine Besonderheit aufweist, hat der Maler und Architekt Friedensreich Hundertwasser die letzten Jahre bis zu seinem Tod gelebt. Und er hat sich hier verewigt mit dem Bau einer öffentlichen Toilette an der Hauptstrasse, die wohl zum berühmtesten Abort der Welt wurde. Um diesen zu sehen halten zahllose Touristen an diesem stillen Ort...

Der vorgesehenen Schiffsausflug durch das Insellabyrinth zur Cape Brett Halbinsel muss auf morgen verschoben werden. Die See ist einfach zu aufgewühlt und ein Ausflug mit vollgekotzten Tüten der Fahrgäste macht keinen Sinn. Das Wetter soll sich bis morgen beruhigen, wir checken für 2 Übernachtungen ein im Scenic Hotel in Paihia. (Ich verstehe immer "Bahia"...)

Heute Abend gibt es ein Kantinen- Buffet im Scenic Hotel. Im Anschluss daran verteilt Piet in einem neutralen Kuvert einen Fragebogen seiner Agentur zum Verlauf der Reise. Nachtigall ick hör dir trapsen! Piets Abschied von der Gruppe steht übermorgen bevor und da ist ein neutralen Umschlag doch eine unauffällige und dezente Erinnerung daran, sein Trinkgeld nicht zu vergessen.


06.01.- 25. Tag: SA Bay of Islands

Ein Vormittag zur freien Verfügung. Es besteht die Gelegenheit zu einem optionalen Ganztages- Ausflug über den Ninety Mile Beach zum Cape Reinga an der Nordspitze Neuseelands, verbunden mit einer 600 km langen Busfahrt. Wir sind im Rahmen der Rundreise über die Süd- und die Nordinsel bisher insgesamt ca. 4.500 km gefahren, aber jetzt langt es auch! Meine Meinung: Manchmal ist weniger auch mehr! Bis auf zwei Mitreisende hat niemand Interesse an diesem anstrengenden Tagesausflug.

Das Wetter hat sich gebessert und Regen und Sturm sind vorbei.

Ich entscheide mich am Vormittag für einen Spaziergang nach Waitangi, dem Gründungsort von Neuseeland. Waitangi ist über eine ca. 150 m lange Brücke über den Waitangi River von Paihia aus zu erreichen. Hier unterzeichneten Maori- Häuptlinge und Britische Offizielle im Jahr 1840 den Vertrag von Waitangi im Treaty House. Mit diesem Vertrag wurde das Land Kolonie und Mitglied des British Empire. Viele Maori- Chefs wußten gar nicht, was sie da unterzeichnet hatten. Die Maoris gaben alle Rechte auf Souveränität auf und bekamen dafür den Status eines britischen Bürgers. Außerdem wurde ihnen garantiert, dass sie Land, Grundstücke und andere Besitztümer behalten durften. Noch heute sorgt dieser Vertrag für Kontroversen.

Ausländer müssen für das Betreten des geschichtsträchtigen Geländes 50 NZD zahlen, Neuseeländer die Hälfte. Ich verzichte dankend und mache mich auf den Rückweg.

Am frühen Nachmittag wird die 4- stündige Katamaranfahrt von Gestern nachgeholt. Die Fahrt geht entlang der zahlreichen Inseln in der Bay of Islands. In einer Bucht der Insel Motuarohia, auch Roberton Island genannt, werden die Passagiere mit einem speziellen Landungsboot an Land gebracht und 45 min später wieder abgeholt. Man kann einen kleinen Spaziergang durch den ursprünglichen Wald der Insel auf einen hochgelegenen Aussichtspunkt unternehmen. Vor dieser Insel ging seinerzeit James Cook mit dem Schiff Endeavour vor Anker.

Weiter gehts zum Höhepunkt des Ausfluges, zum Hole in the Rock auf der Insel Piercy Island , das groß genug für eine vorsichtige Durchfahrt unseres Schiffes ist. Der Skipper ist ein alter Hase, er versteht zu steuern, denn er muss neben dem Wellengang die Versetzung durch die Strömung im Auge behalten. So gleiten wir langsam ohne Felsberührung durch die Grand Central Cave. Ganz in der Nähe endet die Cape Brett Halbinsel. Hier steht auf 150 m Höhe ein für die Schifffahrt wichtiger Leuchtturm, der bis 1978 manuell von Leuchtturmwärtern befeuert wurde. Seitdem ist er auf automatische Lichttechnik umgestellt.

Unser Ausflugs- Katamaran hat sehr starke Motoren, die ihn auf eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten bringen. Es ist wirklich atemberaubend, welche Power sich da entfaltet. So erreichen wir genau in der veranschlagten Zeit wieder den Anleger in Paihia.

Zum Abschlus unsere Reiseverlängerung ins Northland- Territorium will ich ein Seafood- Dinner der Küstenregion genießen. Und wie der Zufall es will, werde ich fündig im Restaurant Only Seafood, direkt an der Promenade. Nomen est omen, hier gibt es keine Fleischgerichte. Ich lasse mich mit Austern und dem Fish of the Day verwöhnen. Die nette Kellnerin sagt, es handele sich um Fin Fish. Das ist aber ein Oberbegriff für alles was Flossen hat. Soll wohl ein Scherz sein. Auf den Teller kommt fangfrischer Kabeljau, wenn auch nicht ungewöhnlich, so doch sehr delikat zubereitet. Dazu wieder einen Sauvignon Blanc aus der Region und der Abend ist gerettet.

Wie ich im Nachhinein höre, hat es im Scenic Hotel für unsere kleine Reisegesellschaft ebenfalls Fisch und Meeresfrüchte von guter Qualität gegeben. Aber wer weiß das schon im voraus.


07.01.- 26. Tag: SO Bay of Islands - Auckland

Entlang der Bucht von Hokianga fahren wir zurück nach Auckland. Unterwegs besuchen wir den Waipoua- Kauriwald. Und hier erwartet uns als Sensation der Tane Mahuta, der "Gott des Waldes", ein geschätzt 2.000 Jahre alter majestätische Kauri- Baum. Der Riesenbaum wurde von den Maoris "Tane" nach dem Sohn des Himmlischen Vaters Ranginui genannt und gilt als wichtiges lebendes Kultobjekt der Maori- Mythologie.

Er ist ca. 50 m hoch und sein Stamm hat einen Umfang von fast 14 m. Ein Mensch wirkt davor wie eine Zwerg. Dieser uralte Baum hat eine Aura, die uns Menschen vereinnahmt. Der Kauribaum erinnert mich an die Mammutbäume in Westkanada und die kalifornischen Redwoods. Kauris gehören zu den mächtigsten Bäumen der Erde.

Auf der Weiterfahrt legen wir eine Mittagsrast ein an einer Raststätte, die von einer Deutschen betrieben wird. Hier gibt es Gerichte wie Bratwurst oder Frankfurter mit Kartoffelsalat oder Currywurst mit Pommes. Ich probiere die Bratwurst. Na ja, geht so...

Dann erreichen wir unsere letzte Station, Auckland. Wir checken erneut ein im Grand Chancellor Auckland City und verabschieden uns von unserem Driverguide Piet. Er wird heute abend nach Christchurch zu seiner Frau zurückfliegen.

Neuseelands Millionenstadt Auckland ist wohl die einzige Großstadt der Welt, die auf einem großen Feld von Vulkanen, einem riesigen unterirdischen Magma-Pool, gebaut wurde. Der letzte der ca. 50 Vulkane brach vor 600 Jahren im Hafen der Stadt aus und ist heute eine Lavainsel. Aber es kann jederzeit wieder losgehen. Und das könnte das Ende von Auckland und seinen Bewohner bedeuten.

Die Stadt ist geprägt durch die verschiedensten Kulturen. Von französischen über polynesischen, asiatischen bis hin zu maorischen Einflüssen kann man im Stadtbild alles erkennen. Tolle polynesische Handwerkskunst gibt es auf dem Otara Market zu kaufen. Shoppen kann man vor allem in der Parnell Street, die mit verschachtelten Gässchen und Läden mit origineller Mode begeistert.

Für das Abschiedsdinner entscheide ich mich für das Restaurant Mekong Baby, dessen vietnamesische Küche nicht hoch genug gelobt werden kann, ein schöner Abschluss der Neuseelandrundreise. Allein der Papayasalat ist sensationell! Das Restaurant sollte man von Auckland Central mit einem Taxi anfahren - und eventl. einen Tisch reservieren. Heute, am Sonntag abend, ist das nicht erforderlich.


08.01.- 27. Tag: MO Auckland

Am Vormittag werden wir zum Flughafen gebracht. Mit einem vierstündigen Zwischenaufenthalt in Singapur geht es in 2 Etappen zurück nach Frankfurt. Wie gut, dass es die VIP Lounges auf den Airports gibt, in denen man bequem die Zeit bis zum Weiterflug überbrücken kann.

Ein genereller Tip für Reisen in andere Länder: Viele Länder haben andere Netzsteckertypen als wir in Deutschland. Da lohnt es sich unbedingt einen Mehrfachadapter (z.B. von Skross)  mitzunehmen, der in Verbindung mit einer Steckdosenleiste (mit Überspannungsschutz) für 4-6 Stecker eine unglaublich große Hilfe auf Reisen darstellt. So kann man problemlos am Abend gleichzeitig sein Handy, den Kamera- Akku, das Tablet, das Netbook ... aufladen!


09.01.- 28. Tag: DI Ankunft Frankfurt

Frühmorgens lande ich in Frankfurt und fahre mit dem ICE weiter nach Hause. Bei meiner Ankunft bin ich fast 40 Stunden auf den Beinen gewesen, davon 24 Stunden reine Flugzeit. Ich will nur noch eines: Schlafen!

Jetlag? Dazu kann ich nur sagen "That's not a piece of cake"! Es hat mich auch auf dem Rückflug schwer erwischt.


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Meine Literatur- und Video- Tipps (ein Klick auf den Titel führt zu Amazon):

Da wären zunächst mal zwei DVDs.

Whale Rider ist ein wirklich bewegender Film über das Leben der Maori und ihrer Mythen. Das Mädchen Paikea (Keisha Castle-Hughes) kämpft um Anerkennung und Liebe ihres Großvaters und gegen die Maori- Traditionen.

Mahana - eine Maori-Saga ist ein mitreißendes Familiendrama nach einem Roman des Autors von Whale Rider, Witi Ihimaera, der die Zerissenheit der Maori zwischen Traditionen und Moderne thematisiert.

Als begleitende Reiseführer- Lektüre haben meinen Mitreisenden und mir mit ihren ausgiebigen Informationen zu Land und Leuten sehr geholfen:

- Neuseeland - lonely planet

- Neuseeland - Michael Müller Reiesehandbuch

- Neuseeland - Reise Know How

Ich hatte den Reise Know How- Führer als ebook auf dem Tablet dabei und kann ihn nur weiterempfehlen.

Hier gehts zurück zur Startseite: www.travelhomepage.de (falls es mit dem Slide-In-Menü am linken Rand nicht klappen sollte...)