Es gibt wohl kaum eine touristische Seereise, zu der es im Internet mehr Informationen gibt als zur klassischen "Postschiff"- Reise mit Hurtigruten entlang der norwegischen Küste.
Ich werde mich nicht den Reiseautoren anschließen, die die angesteuerten Häfen, die dortigen bekannten oder zu suchenden Sehenswürdigkeiten sowie ein ausschließlich positiv geschildertes Bordleben zum Thema ihrer schöngefärbten Reiseberichte machen und dabei von einer "Traumreise" sprechen. Es entsteht der Eindruck, sie wollten ihre Schilderungen in Milk and Honey baden. Bekommen sie vom Veranstalter eine Provision für ihre Lobeshymnen? Oder sind sie einfach nur von toxischer Positivität infiziert?
Machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen! Sie werden eine erlebnisreiche Reise erleben, an die Sie sich gerne erinnern werden – ohne Chichi und sonstige Übertreibungen.
Ich werde "den Ball flach halten" und mich während dieser Reise weitgehend auf meine Eindrücke und Erlebnisse -positiv wie auch negativ - beschränken, nicht ohne jeweils einen kurzen Blick auf die Häfen der Postschiff-Route zu werfen und Ihnen Tipps und Hinweise zu geben. Mit Kritik an Mängeln dieser Reise halte ich mich wie gewohnt nicht zurück.
Die Teilnahme an einer Kreuzfahrt hatte ich bisher für mich ausgeschlossen. Heutige Kreuzfahrer sind natürlich nicht zu vergleichen mit den Kreuzrittern, die zwischen dem 11. und 13. Jh. in den religiös motivierten Kreuzzügen gegen Muslime und andere Gruppen im Heiligen Land kämpften. Den Transport über das Mittelmeer nannte man damals auch nicht "Kreuzfahrt", es fehlte einfach der Spaßfaktor, wie er für viele heutige Erholungs- oder Vergnügungssüchtige, Pseudo-Abenteurer oder auch Couch-Potatoes wichtig ist.
Jährlich lassen sich ca. 30 Mio. Touristen auf den Weltmeeren herumschippern, je nach Geldbeutel in engen Innenkabinen oder in Luxus-Suiten mit Balkon. Das Animations- und Bespaßungsprogramm, die Etikette an Bord mancher Schiffe und vor allem das mehrtägige Ausgeliefertsein in diesen schwimmenden Hochhäusern mit ihren All-you-can-eat- und Supervised-Drinking-Programmen sind nichts für mich!
Als begeisterter Segler besitze ich fast alle erforderlichen Bootsführerscheine für Freizeitkapitäne. Mit Jollen, Segelyachten und Motorbooten war ich als Skipper auf zahlreichen Gewässern unterwegs, europäischen Binnenmeeren und Seen, der Nord- und Ostsee sowie dem Mittelmeer. Das ist allerdings schon viele Jahre her. Grundsätzlich stört mich, dass ich während einer Kreuzfahrt keine Kontrolle über das Schiff habe. Das ist bei anderen Verkehrsmitteln, die man nicht selbst steuert bzw. steuern kann, auch nicht anders, aber eben nicht über einen so langen Zeitraum.
Trotz meiner Kreuzfahrtphobie wage ich das Experiment und buche eine winterliche Seereise durchs Nordmeer, nicht mit einem der vielen Vergnügungsdampfer und auch nicht mit dem Forschungsschiff Polarstern, sondern mit einem „Post-, Fracht- und Fährschiff” der Hurtigruten-Linie.
Die Reise führt von Bergen bis Kirkenes nahe der russischen Grenze und zurück – und ist alles andere als eine Kreuzfahrt nach bekanntem Muster! Ich bin sehr gespannt auf alles, was mich erwartet.
Seit 2021 gibt es auf Beschluss der norwegischen Regierung zwei Gesellschaften, die "Postschiffreisen" entlang der norwegischen Küste anbieten dürfen - wobei die Schiffe ihre Funktion als Postschiffe kurioserweise längst fast vollständig verloren haben. Heute werden vor allem Touristen und einige Pendler sowie wenige Güter und Fahrzeuge transportiert. Neben dem bisherigen Monopolisten Hurtigruten hat nun auch die Reederei Havila Voyages den Linienverkehr entlang der norwegischen Fjordküste aufgenommen. Die 2.500 sm (4.630 km) lange Route ist absolut identisch.
Die alte Tante Hurtigruten (übersetzt "die schnelle Route") fährt ihre Schiffe inzwischen nur noch mit einem Mix aus Marinediesel und Biodiesel (hergestellt aus Lebensmittelabfällen), verzichtet also auf Schweröl als Treibstoff - wohl weniger freiwillig als vielmehr dem politischen Druck folgend.
Kreuzfahrten sind immer noch sehr klimaschädlich, stellte der NABU in seinem jährlichen Kreuzfahrt-Ranking fest. Dabei wurde in diesem Jahr (2025) zwar Hurtigruten erneut - diesmal gemeinsam mit dem norwegischen Konkurrenten Havila - als umweltfreundlichste Kreuzfahrtreederei bewertet, doch die Umstellung auf klimaneutrale Antriebe und Energienutzung geht bei den derzeit 350 Hochseekreuzfahrtschiffen und den 700 auf den weltweiten Flüssen verkehrenden Touristenkähnen viel zu langsam. LNG als Treibstoff ist kein Heilsbringer, da bei diesen Antrieben neben CO² auch das extrem klimaschädliche Treibhausgas Methan im Übermaß produziert wird.
So 02.11.2025 - Check-in an Bord des Schiffes
Mein Seefahrt-Experiment beginnt mit einem sehr frühen Zubringerflug der Lufthansa von Düsseldorf nach Frankfurt. Am Gate zum Weiterflug nach Norwegen treffe ich außer den Mitreisenden auch unsere Reisebegleiterin. Sie wird während der nächsten 13 Tage im Auftrag ihres Arbeitgebers für das Wohlergehen unserer Reisegruppe zuständig sein.
Diese Reise habe ich als Single- Gruppenreise bei Eberhardt Travel, Dresden, gebucht. Die Gruppe besteht incl. Reisebegleiterin aus 26 Personen, 18 Damen und - mit mir - 8 Herren, also "Last Men Standing". Ich bevorzuge üblicherweise Gruppengrößen mit maximal 15 Teilnehmern.
Mittags landen wir in der norwegischen Hafenstadt Bergen, die zu den regenreichsten Städten Europas zählt und auch heute, zumindest zeitweise ihrem Ruf alle Ehre macht. Bergens Einwohner s
prechen scherzhaft von 366 Regentagen im Jahr, und das soll nahe an der Realität sein. Hier kommen die Kinder mit Gummistiefeln auf die Welt - sagt man.
Fragt ein Tourist in Bergen einen kleinen Jungen: „Sag mal, regnet es hier wirklich immer?“ Antwortet der Junge: „Ich weiß nicht, ich bin erst sechs Jahre alt!“
Nach dem Transfer vom Flughafen zum Seehafen geht es zunächst in das örtliche Hurtigruten-Terminal, wo es Kaffee, Tee und Gebäck gibt. Nach Abgabe des Koffers findet einige Stunden später dort die vorgeschriebene Sicherheitsunterweisung in Form einer kurzen Videovorführung statt. Die Teilnahme der neuen Passagiere wird zu Beweiszwecken elektronisch protokolliert, wozu die zuvor ausgegebene „Cruise Card” jedes Einzelnen verwendet wird. Das Anlegen von Rettungswesten wird nicht geübt.
Das Protokollieren per Cruise Card geschieht während der Fahrt auch bei jedem Verlassen und Betreten des Schiffs. Big Brother Hurtigruten is watching you. Sollte jemand es in den Häfen aber nicht rechtzeitig zur Abfahrt zurück an Bord schaffen, hat er Pech gehabt. Das Schiff wartet nicht auf ihn. Er oder sie muss dann auf eigene Kosten dafür sorgen, das Schiff in einem der nächsten Häfen zu erreichen.
Doch wozu wird die pünktliche Rückkehr an Bord des Schiffes überwacht und protokolliert, wenn ein Fehlen des Passagiers keinen Einfluss auf die Weiterfahrt hat? Perplexity hat dazu recherchiert, diese Maßnahme diene der "operativen Sicherheit", sei also die praktische Umsetzung von Sicherheitsstrategien im täglichen Betrieb, um die sichere und geordnete Durchführung der Schiffsreise zu gewährleisten.
Auf der Cruise Card werden alle Kostenbeträge, beispielsweise für konsumierte Extraspeisen und -getränke, an Bord gekaufte Souvenirs und Textilien oder gebuchte Landausflüge gespeichert und am Ende der Reise der von jedem angegebenen Kreditkarte belastet. Eigentlich sollten die Belastungen und der jeweilige Gesamtrechnungsstand jederzeit in der Hurtigruten-App einsehbar sein, doch aufgrund eines Softwarefehlers ist dies offenbar schon seit Längerem nicht möglich. Merkwürdig. Ersatzweise können die Passagiere eine Zwischenrechnung an der Rezeption ausdrucken lassen.
Auch auf eine Führung über das Schiff incl. Vermittlung der Hausordnung bzw. Schiffsordnung verzichtet man bei Hurtigruten.
Kurz vor 18:00 Uhr beziehe ich meine Außenkabine auf Deck 6. Sie wurde zuvor wegen des Belegungswechsels gründlich gereinigt. Wie bereits gesagt, ist es meine erste "Seh-Reise" auf einem solchen Schiff und ich kenne mich mit den Gepflogenheiten an Bord nicht aus. Diese dürften sich aber grundlegend von denen bei einem Männertörn mit einer gecharterten Segelyacht unterscheiden.
Das 2001 gebaute und zuletzt 2021 modernisierte Schiff bietet Platz für 532 Reisende. Zu dieser Jahreszeit sind jedoch weniger als die Hälfte der Passagierplätze gebucht. Die MS Midnatsol ist ein „Passenger/Ro-Ro-Cargo-Ship”. Das ist
ein spezieller Schiffstyp, der für den Transport rollender Frachtgüter wie Fahrzeuge, Baumaschinen, landwirtschaftliche Geräte und ähnliche große, schwere Gegenstände konzipiert ist.
Die MS Midnatsol ist ein eissicheres Expeditions-Kreuzfahrtschiff mit verstärkter Rumpfkonstruktion, das sich in den unvorhersehbaren Gewässern der Antarktis - also rund um den Südpol - bereits als sehr wendig und komfortabel bewährt hat.
Sie soll gemeinsam mit zwei weiteren Schiffen der derzeitigen Hurtigruten-Flotte für die neu geplante "Signature Route" umgebaut werden. Geplante Zielgebiete sind dann die Nordkap-Route und/oder Spitzbergen mit längeren Liegezeiten in den Häfen und einem erweiterten Unterhaltungsprogramm an Bord. In den nächsten Jahren werden wohl alle Postschiffe zu Kreuzfahrtschiffen umgewandelt. Der Waren- und Posttransport spielt schon seit Längerem nur noch eine untergeordnete Rolle. Geld wird im Tourismus verdient.
Das beweisen auch die beiden derzeit größten Kreuzfahrtschiffe der Welt: die knallbunte „Icon of the Seas” und seit diesem Sommer das noch größere Schwesterschiff „Star of the Seas” (für mich eher die „Horror of the Seas”) der Reederei Royal Caribbean – eine schwimmende Hommage an sozialistische Plattenbauten. Auf diesen Monsterschiffen können sich auf 20 Decks bis zu 7.600 (!) Urlauber mit allem erdenklichen Luxus verwöhnen lassen. 2.400 Crewmitglieder, der Großteil von ihnen im Service, warten auf die Gäste. Dagegen wirkt die MS Midnatsol wie eine Hafenbarkasse, auf der es nur Kartoffelsalat und Würstchen gibt.
Ich habe – abgesehen von den Suiten – die beste Kabinenkategorie, eine „Arktis Außenkabine Superior“, gebucht. Der Name klingt luxuriös, doch mit einer Grundfläche von 13,5 Quadratmetern erinnert die Kabine eher an die Größe eines Balkons oder an ein Einzelzimmer in einem 2-Sterne-Hauptstadthotel.
Zum Schlafen muss das für die nächsten 12 Tage aber reichen. Schließlich habe ich mir diesen Sardinenbüchsen- Komfort selbst ausgesucht.
Eine längere Verweildauer, auch während der Tage dieser Seereise, oder eine kleinere Kabine, dann wohl in der Größe eines Bundeswehr-2-Mann-Zeltes, würde in Kombination mit der Reiseart folgenschwere klaustrophobische Symptome bei mir auslösen. Dann hätte ich auch gleich eine Kreuzfahrt mit einem U-Boot buchen können. Ich kenne aus meinen jungen Jahren als aktiver Segler die Enge der Kojen auf einer Segelyacht. Dagegen ist die Hurtigruten-Kabine natürlich reiner Luxus...
Dank der frühen Festbuchung der Kabine wird mir ein Bordguthaben von 3.000 NOK (= ca. 255 €) auf meinem Cruise Card- Konto gutgeschrieben, das ich z.B. für Getränke oder Landausflüge verbraten kann. Norwegen hat sich nicht der Euro- Gemeinschaft angeschlossen und ist bei seiner nationalen Währung, der Norwegischen Krone, geblieben. Ich empfinde es immer als Verdummung, wenn Veranstalter besondere Zusatzleistungen und Vergünstigungen quasi als Geschenk an die Kunden darstellen, obwohl sie diese ja mit dem Reisepreis bezahlt haben.
Komfort und Einrichtung der Kabinen auf den Hurtigruten- Schiffen sollen trotz des hohen Reisepreises von weitaus geringerem Komfort-Level sein als auf den modernen Entertainment-Dampfern z.B. von MSZeh, A-iDa oder Dein Schiff. Alles hat seinen Preis, nicht nur den Reisepreis, sondern auch den der Nachhaltigkeit!
Übrigens wird in der EU ab 2030 eine Landstrompflicht für Fracht- und Kreuzfahrtschiffe in den meisten europäischen Häfen eingeführt. In Bergen gilt diese Regelung bereits jetzt. Das bedeutet, dass jedes Schiff, das dort anlegt, seine Energieversorgung für die Zeit des Anlegens auf Strom umstellen muss, der von Land per Kabel zur Verfügung gestellt wird. Bisher war es üblich, dass die Schiffe aus Kostengründen ihre Dieselmotoren auch während der Liegezeit weiterlaufen ließen und so die Luft in den Häfen verpesteten.
Die klassische Fahrroute der Hurtigrutenschiffe geht über 34 Häfen in 12 Tagen entlang der norwegischen Küste bis nach Kirkenes und zurück. Es wird kein "Blauwassertörn" werden zu dieser Jahreszeit. Ich erwarte Tagestemperaturen um den Gefrierpunkt, Regen und Schnee und ordentlichen Seegang, bin also auf widrige Umstände vorbereitet, Medikament gegen Seekrankheit (Vomex A Reise) und mitgebrachte Kotzbeutel bzw. Spuckbeutel inklusive. Hoffentlich benötige ich dieses Equipment nicht...
Anfang November verlängert sich die Polarnacht zunehmend. Die Dunkelheit besticht durch faszinierende Lichtspiele, Naturschauspiele wie das Nordlicht und eine ganz eigene winterliche Atmosphäre.
Für Fotografen, Naturliebhaber und Abenteurer ist diese Zeit ein besonderes Highlight!
An Bord gibt es neben 3 Restaurants und einer Bar nur wenige weitere touristisch geprägte Ausstattungsmerkmale wie Panoramalounges, Sauna und Fitnessraum sowie Konferenz- oder Vortragsräume.
Auf diesem Schiff informieren drei Mitglieder des "Hurtigruten Coastal Experience Teams" (Namensschöpfung eines Marketinggenies) mit Vorträgen und Präsentationen die Reisenden über ausgewählt Wissenswertes zur Region. Die Teilnahme daran ist natürlich freiwillig, es wird nicht animiert.
Dazu kommen organisierte, extra zu bezahlende, hochpreisige Landausflüge (Preise zwischen 100 und 300 €), doch fehlen die üblichen von TV-Serien bekannten Bord- Events eines Kreuzfahrtschiffs wie die tägliche Bespaßung mit Theater und Musik und das Captain’s Dinner mit Wunderkerzenparade des Servicepersonals. Es gibt kein derartiges Unterhaltungs- Programm, was ich auch nicht vermisse.
Die Kleidung der Passagiere bleibt durchgängig leger, es gibt keinen Dresscode an Bord. Hurtigruten: "Seien Sie unser Gast in einem legeren und gemütlichen Ambiente, inspiriert vom nordischen Wohlfühlkonzept Koselig." Das kommt mir sehr entgegen, denn ich hasse es, meine Freizeit im Anzug und mit Krawatte zu verbringen. Das war mein "Arbeitsanzug" während meines gesamten Berufslebens als Banker. Heute bevorzuge ich bei offiziellen Terminen business casual, ansonsten "einfach locker", Jeans und Freizeitkleidung.
Das erste Abendessen im Rahmen der Vollpension an Bord gibt es noch im Hafen von Bergen, ein Dinner in Buffetform. An den folgenden Tagen wird es jeweils ein 3-Gänge-Menü in einem zugeteilten Zeitfenster ab 18:00 Uhr geben, das an reservierten Tischen serviert wird. Der Service im Restaurant ist wirklich sehr gut. Den dort tätigen Mitarbeitern gebührt ein ehrliches Lob!
WLAN steht an Bord kostenfrei überall zur Verfügung, zumindest für alle VIPs und für Ambassador- Mitglieder. Das ist ein Hurtigruten- Programm, zu dem man sich kostenfrei anmelden kann. Nennenswerte Vorteile bringt es aber nicht. Hingegen ist es empfehlenswert, sich die App "Hurtigruten" aufs Handy zu laden. In dieser App werden die täglich wechselnden Menükarten der Restaurants, Exkursionen, Schiffsbegegnungen, Zeiten auf offener See und voraussichtliche Polarlichtsichtungen angezeigt.
Glücklicherweise ist weder Sascha Hehn noch Florian Silbereisen der Kapitän unseres Schiffs. Es ist Benny Didriksen, der das Kommando zum Ablegen gibt. Ein Kapitän ist der offizielle Leiter eines größeren Schiffes, wie z.B. eines Frachtschiffs, Passagierschiffs oder einer Fähre. Er besitzt in der Regel eine offizielle Befähigung, also ein Kapitänspatent, und trägt die volle Verantwortung für das Schiff, die Crew und die Ladung. Der Kapitän hat rechtlich und organisatorisch die höchste Autorität an Bord.
Auch Harald Schmidt als Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle ist nicht an Bord, und die wabernde, symphonische „Traumschiff”-Musik von James Last und Martin Böttcher bleibt uns ebenfalls erspart. Schade allerdings, dass Collien Fernandes als Bordärztin Dr. Jessica Delgado nicht dabei ist. Auf den Hurtigruten-Schiffen gibt es keinen Bordarzt, da sie täglich, oftmals mehrmals, in den Küstenhäfen anlegen. Für Notfälle gibt es einen Hubschrauberlandeplatz an Bord.
Die temporäre Traumwelt einer „emotionally overflowing cruise to heaven” bleibt bei unserer Reise Fiktion, obwohl unsere Reisebegleiterin sehr bemüht ist, diese Illusion zu schaffen. Jedenfalls ist diese Art von Seereise nicht "den Reichen und den Schönen" vorbehalten.
Gäste, die wie ich die gesamte Strecke von Bergen aus hin- und zurück fahren, werden alle Häfen anlaufen. Es gibt aber auch Passagiere – meist Einheimische –, die nur einzelne Abschnitte der Strecke mitfahren, quasi als Fährverbindung.
Um 20:30 legt die MS Midnatsol in Bergen ab und fährt Richtung Norden. Hurtigruten spricht in diesem Fall von „nordgehend” (südwärts heißt dann folgerichtig „südgehend”). Ich bin totmüde, mir fehlt der Schlaf der letzten Nacht. Ich suche mein Bett auf und schlafe sofort ein.
Es ist 01:00 in der Nacht von Sonntag auf Montag, als ich wach werde. Was ist bloß mit mir los? Es dauert einen Moment, bis mir klar wird, dass nicht ich, sondern das Schiff erheblich schwankt – von links nach rechts, von vorne nach hinten, rauf und runter usw. Na, das fängt ja gut an. Wenn man wach im Bett liegt, wird dieser Schaukeleffekt noch verstärkt, was wirklich sehr unangenehm ist. Versuchen Sie mal, in einem fahrenden Kirmes-Fahrgeschäft zu schlafen ...
Draußen auf dem Meer gibt es Windböen bis zu 85 km/h. Das ist Windstärke 8. Das Schiff hat zwar Stabilisatoren für ein ruhigeres Fahrverhalten, kann die Wellenbewegungen bei stärkerem Wind oder Sturm aber nicht vollständig abfangen. Doch ich überstehe die Schaukelei ohne seekrank zu werden. Das gilt für die gesamte Reise.
Themenwechsel: Die Schiffs-Inneneinrichter sind wahre Gestaltungs-Künstler. Sie bringen es fertig, in der 13,5 m² (2,7 x 5,0 m) großen „Arktis Außenkabine Superior“ eine Sanitäreinheit mit Dusche, WC und Handwaschbecken mit 1,1 x 1,7 m unterzubringen (alle Längen großzügig gemessen).
Das durchschnittliche Einkommen der Norweger beträgt mit ca. 55 bis 60 Tsd. € (2023) ca. das 1,3-fache des deutschen Durchschnittsverdieners. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten in Norwegen etwa 20 bis 40 % höher als in Deutschland. Das heißt: Obwohl man in Norwegen mehr verdient, muss man auch mehr für den Alltag ausgeben.
Die Getränkepreise an Bord sind für unsere Verhältnisse ebenfalls sehr hoch! Das liegt nicht nur an der in Norwegen berechneten Umsatzsteuer von 25 %., bei uns
sind es ja "nur" 19 %. Bei Hurtigruten werden für ein gezapftes 0,5-l-Bier in der Bordbar 135 NOK (11,50 €) verlangt, während eine 0,5-l-Dose Premium-Bier im örtlichen Supermarkt zwar auch teuer ist, aber lediglich 3 € kostet. Eine 0,5-l-Flasche Mineralwasser kostet an Bord 59 NOK, für 1,5 l zahlt man im Supermarkt nur 15 NOK. Rechnen Sie selbst.
Wenn Sie die hohen Getränkepreise an Bord nicht zahlen möchten, haben Sie während der Anlegezeiten die Möglichkeit, in den Häfen einzukaufen. Wasser und Softdrinks, Bier und Alkoholmischgetränke mit einem Alkoholgehalt von maximal 4,7 Volumenprozent sind im Supermarkt erhältlich. Getränke mit einem höheren Alkoholgehalt müssen in staatlich kontrollierten Geschäften, den sogenannten Vinmonopolet, gekauft werden. Auf der Website von Vinmonopolet findet man nicht nur die Adresse, sondern auch die Öffnungszeiten einzelner Filialen im Land.
Offiziell darf man nur eine bestimmte Menge Alkohol mit an Bord eines Hurtigruten-Schiffes nehmen. Eigentlich muss die Menge beim Anbordgehen an der Rezeption registriert werden, was aber nicht nachgehalten wird. Es gibt keine Taschenkontrollen. Das wäre wohl auch das Aus für den internationalen Tourismus auf den Hurtigrutenschiffen.
Nun ja, eine Alternative zum Schutz vor Dehydrierung sind bekanntlich alkoholfreie Getränke. Kaffee, Tee und Wasser stehen zum Frühstück und Mittagessen kostenfrei zur Verfügung. Zum Abendessen werden meist alle Getränke, auch Wasser, separat in Rechnung gestellt. Ein Tipp: Das Kranwasser in den Kabinen stammt überwiegend aus der bordeigenen Meerwasserentsalzungsanlage und soll den strengen Hygiene- und Qualitätsstandards für Trinkwasser entsprechen. Ich habe es nicht ausprobiert, sondern mich immer in den Supermärkten an Land mit Mineralwasser versorgt.
Festzuhalten ist aber: Die Reederei Hurtigruten macht sich an den Fahrgästen satt! Davon werden wir noch mehr Beispiele erfahren.
Mo 03.11.2025 - Über Ålesund nach Molde
Unser erstes Frühstücksbuffet an Bord lässt keine Wünsche offen. Selbstverständlich darf dabei Fisch nicht fehlen, neben Lachs auch Sill, die skandinavische Heringsspezialität.
Da wäre noch der Brunost (Braunkäse). Er ist braun weil bei seiner Herstellung der in der Molke enthaltene Zucker karamellisiert wird.
Mir schmeckt diese ungewöhnliche Molkekäse- Komposition. Mit einem richtigen Käse kann der Braunkäse aber nicht mithalten.
Und auch Moltebeeren-Marmelade steht
bereit, eine besonders aromatische Delikatesse. Moltebeeren sind kleine, orange-gelbe Beeren, die vor allem in nördlichen Regionen wie Skandinavien und Teilen Kanadas wachsen. Sie haben einen süß-säuerlichen Geschmack und eignen sich sehr gut für Marmelade, da sie viel Fruchtfleisch und Aroma enthalten. Unbedingt probieren!
Wie Großbritannien ist auch Norwegen eine parlamentarische Monarchie. Das Königreich Norwegen wird von verschiedenen internationalen Organisationen als das am höchsten entwickelte und demokratischste Land der Welt eingestuft. Zudem ist das Land sehr wohlhabend und verfügt über eines der besten Sozialsysteme weltweit. Norwegen ist zwar nicht Mitglied der EU, gehört aber seit 1949 als Gründungsmitglied zur NATO. Die nationale Währung ist die Norwegische Krone. Zum Zeitpunkt meiner Seereise beträgt der Kurs: 10 EUR = ca. 117 NOK.
König Harald V. von Norwegen heiratete gegen den anfänglichen Widerstand seiner Familie die Bürgerliche Sonja. Bei Kronprinz Haakon verhielt es sich ähnlich. Er heiratete die geschiedene Bürgertochter Mette-Marit. Ihr gemeinsames erstes Kind, Prinzessin Ingrid Alexandra, wird dereinst wohl Königin von Norwegen. Bis dahin werden jedoch noch viele Jahre vergehen.
An Bord der Midnatsol sind in den Herbst- und Wintermonaten viele Silver Ager unter den Touristen zu finden. In jungen Jahren fehlt meist Zeit und Geld für eine solche Reise. Für einen Urlaub mit Kindern ist eine Hurtigrutenreise ebenfalls ungeeignet weil es kein Angebot für Kinder an Bord gibt. Der geniale und scharfzüngige Christoph Maria Herbst (Stromberg) hat Kreuzfahrtschiffe unlängst als „Mumienschlepper” bezeichnet. Damit trifft er aus meiner Sicht ziemlich genau die Wahrheit, wenn auch satirisch übertrieben. Also, willkommen an Bord zur Urlaubsbetreuung noch nicht pflegebedürftiger Senioren! Mid-Ager sind selbstverständlich auch an Bord, Teens und Twens habe ich nicht gesehen.
Unter den Passagieren befinden sich nicht nur Rentner aus Mitteleuropa, sondern auch einige Skandinavier. Ich lerne Ty kennen, einen ehemaligen schwedischen Schiffbauingenieur, der sich und seiner Frau Frida mit der Küstenfahrt einen Herzenswunsch erfüllt. Unser Gespräch über die Seefahrt in den Nordmeeren wird mir in Erinnerung bleiben. Ty ist ein feiner Kerl, mit dem ich früher gern auf einem Segeltörn gewesen wäre.
Heute steuern wir Ålesund an, die "Stadt des Jugendstils". Hier wurde nach einem katastrophalen Großbrand zwischen 1904 und 1907 das Stadtzentrum in schönster Jugendstil-Architektur, gemischt mit nationalen Elementen, wieder aufgebaut. Beim Wiederaufbau half insbesondere der Nordland-Enthusiast Kaiser Wilhelm II.
Das norwegische Alphabet gleicht übrigens dem dänischen und besteht wie dieses aus 29 Buchstaben. Es sind die uns bekannten Buchstaben des lateinischen Alphabets, ergänzt um die Buchstaben æ, ø, å bzw. Æ, Ø, Å.
Friluftsliv (ausgesprochen "free-loofts-liv") ist eine norwegische Lebensweise, die wörtlich „Leben im Freien“ bedeutet. Dank Norwegens "Recht auf Zugang zur Natur" steht die Natur jedem offen. Wir erkunden heute ohne Aufpreis das Regenwetter in Ålesund.
An Bord der MS Midnatsol genießt man derweil das behagliche Leben auf See. Man kann sich im Panoramasalon oder in der Sauna entspannen. Das Sonnendeck ist mangels Sonne nicht benutzbar. Alternativ lassen sich viele im Rahmen der Vollpension kulinarisch verwöhnen.
Vor uns liegt nun das mysteriöse Land, in dem Trolle hinter den Bergen auf Wanderer warten. Hier kündet jeder Fjord mit seinem Anblick von den Geschichten kühner Recken aus alten Sagen.
Trolle? Das sind doch diese unberechenbaren Fabelwesen der nordischen Mythologie, die die Naturkräfte verkörpern.
Nach der Christianisierung und vor allem nach der Reformation um 1600 wurden sie aus der Mythologie verdrängt und überlebten (wie in Island) nur in der Folklore und in Volksmärchen.
Typische Merkmale von Trollen in Norwegen:
○ Sie sind meist sehr groß und haben oft groteske, hässliche Züge.
○ Trolle sind oft nachtaktiv und meiden das Sonnenlicht, da es sie versteinern kann.
○ Sie gelten als dumm oder tölpelhaft, aber auch als mächtig und manchmal gefährlich.
○ In manchen Geschichten sind sie feindlich gegenüber Menschen, in anderen eher scheu.
○ Trolle sind eng mit der Natur verbunden und symbolisieren oft die wilde, ungezähmte Landschaft Norwegens.
Heute sind Trolle auch ein beliebtes Motiv in der norwegischen Popkultur, im Tourismus und auf Souvenirs. Sie sind ein Symbol für die mystische und naturverbundene Seite Norwegens.
Am Abend suche ich die Bar an Bord auf. Mein Blick fällt auf einen Tisch, an dem drei ältere Damen sitzen. Sie erinnern mich an den Hexenzirkel aus Shakespeares Macbeth: „When shall we three meet again? In thunder, lightning, or in rain?” Überall, aber bitte nicht an Bord der MS Midnatsol. Hex, hex ...
Ich lerne Horst kennen. Er ist gebürtiger Pfälzer und ein großer Weinliebhaber. Seinen Nachnamen habe ich vergessen – „A Horst with no Name”. Mir geht ein alter Songtitel der Band America aus den 70ern durch den Kopf. Horst hat Angst, seekrank zu werden, und betäubt sich mit einigen Gläsern Gin, einen Schnaps, den er – im Gegensatz zur britischen Queen Mum (God save her!) – nicht gewohnt ist. Wenn das mal gutgeht ...
Di 04.11.2025 - Königsstadt Trondheim
Heute Morgen ist Horst nirgends zu sehen. Später entdecke ich ihn, wie er sich über die Reling gebeugt übergibt. Wer sich übergibt, sollte unbedingt darauf achten, sich nicht gegen den Wind zu stellen, um weder sich selbst noch andere Mitreisende mit seinem Erbrochenen zu treffen. Besser ist die Benutzung von Kotzbeuteln, die in ausreichender Menge an Bord verfügbar sind. Irgendwie hat Horst gestern Abend das Falsche oder zu viel Beruhigungsmittel – in seinem Fall Gin – zu sich genommen und dabei ein kleines Vermögen ausgegeben, das nun raus muss ... Dazu kommt der klassische Hangover.
Wir laufen ein in eine der Städte Norwegens mit Jahrhunderte alter Tradition: Trondheim wurde 997 von Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet.
Wegen ihrer Lage am 130 km langen Trondheimfjord wuchs die Stadt zum blühenden Handelshafen heran und war sogar eine Zeit lang Königssitz – die Spuren der stolzen Geschichte kann man noch heute sehen.
Die Teilnahme am bei Eberhard gebuchten Landausflug "Trondheim und der Nidarosdom" verpasse ich wegen eines Missverständnisses zu der verabredeten Taxifahrt mit zwei mitreisenden Damen. Wie heißt es gleich: "Shit happens". Die bezahlte Tour kann ich abschreiben...
Der Nidarosdom (Trondheim hieß früher Nidaros), Norwegens größter gotischer Sakralbau, gilt als Nationalheiligtum, sowie Krönungskirche. Deshalb verbieten sich mir Wortspiele mit dem Namen Nidaros.
Seit dem Tod von König Olav Haroldsson (1030) wurden im Inneren der monumentalen Kirche bisher 10 Könige Norwegens begraben. Die Kirche wurde mehrfach durch
Brände schwer beschädigt. So brannte sie beispielsweise 1708 bis auf ihre Grundmauern nieder und wurde ab 1869 wieder aufgebaut – ohne dass historische Vorlagen und Baupläne vorlagen. Somit entsprangen viele heutige Details der Fantasie der Baumeister des 19. Jahrhunderts.
Nach dem Abendessen hält eine Mitarbeiterin des Expeditionsteams einen 30-minütigen Vortrag zum Thema Polarfotografie. Der Vortrag besteht aus einem Videoclip und der Empfehlung einer Handy-App zum Austausch von Fotos der Reise. Das war's. Alle Vorträge an Bord werden von Mitarbeiterinnen des „Coastal Experience Teams” im kinoähnlichen Vortragssaal gehalten. Sie bestehen üblicherweise aus Videoclips und Foto-Präsentionen, meist mit Musikbegleitung.
In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fährt die Midnatsol in eine unruhige offene Seepassage. Wieder beginnt die unschöne Schaukelei, die uns - mit ein paar ruhigen Unterbrechungen - während der ganzen Küstenstrecke entlang der Finnmark begleiten wird, also etwa nördlich von Tromsø. Unser Schiff nähert sich nun stetig der magischen Grenze des Polarkreises.
Hier oben, soweit nördlich, gibt es keine weißen Haie, Orcas oder Killerwale, aber vieleicht ein anderes gefährliches Meereswesen:
An der arktischen norwegischen Küste ist der Mythos vom Riesenkraken entstanden, der seine bis zu 16 m langen Arme um ein Fischerboot schlang und dieses in die Tiefe zog. Auch andere Seeungeheuer haben hier ihren erzählerischen Ursprung. Heute nimmt man an, dass die Seeungeheuer symbolisch für das bis heute mangelhafte Wissen vom Meer standen, die Beziehung der Menschen zum Meer, geheimnisvoll und gefährlich.
Heute Abend lerne ich Wilfried kennen, einen Rechtsanwalt im Ruhestand aus Berlin-Kreuzberg. Er ist ein sehr angenehmer Genosse. Ich würde ihn eher „Linksanwalt” als Rechtsanwalt nennen, denn auch im Ruhestand vertritt er seine linke politische Gesinnung. Das ist für mich absolut in Ordnung, auch wenn ich mich ihm nicht inhaltlich anschließen kann. Ich liebe den Diskurs. Lieber eine unterschiedliche Meinung vertreten als gar keine. Wie sagt man in Köln? „Jeder Jeck is anders!” Und die Gebrüder Blattschuss sangen seinerzeit: „Kreuzberger Nächte sind lang!” Das werden wir heute Abend auf unserem Kurs Richtung Norden mal checken.
Glücklicherweise habe ich mit der Seekrankheit auf der gesamten Reise wie schon gesagt keine Probleme.
Mi 05.11.2025 - Polarkreistaufe durch Neptun
Früh am Morgen
überquert die MS Midnatsol zwischen Nesna und Örnes den nördlichen Polarkreis. Hier beginnt die Arktis. Sie umfasst etwa 1,71 Millionen Quadratkilometer und hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von -18° C. Die Arktis ist ein von Landmassen ungebener Ozean. Sie liegt rund um den Nordpol und besteht hauptsächlich aus Meereis, das auf dem Nordpolarmeer schwimmt.
Eine unsichtbare Linie verläuft über Schweden, Finnland, Russland, Alaska, Kanada, Grönland und Island. Eine Linie, die auch Norwegen in zwei Teile teilt. Die magische Zahl 66° 33’ markiert diese Linie, den nördlichen Polarkreis. Nördlich von ihm erstrahlt die Mitternachtssonne. Oberhalb dieser Breite steht die Sonne im Sommer 24 Stunden am Tag am Himmel. Im Winter kann man bei passenden Wetterbedingungen Polarlichter beobachten. "Schaun mer mal, dann sehn mer scho" - wie Kaiser Franz, der bayerischer Fussballphilosoph, einst sagte.
Laden Sie unbedingt die geniale Wetter-App "Ventusky" und die Polarlichter-App "Aurora" auf Ihr Smartphone. Neben den üblichen Werten visualisieren sie auch die Wellenhöhe und die Polarlichtverhältnisse.
Nun erwartet uns laut dem Veranstalter Eberhardt und der Reederei Hurtigruten „einer der absoluten Höhepunkte jeder Nordlandfahrt”. Der Meeresgott Neptun höchstpersönlich macht auf seiner Reise zum Kölner Karneval einen Abstecher auf das Hurtigruten-Schiff und bringt Kasperle-Theater für Erwachsene an Bord.
Neptun wird mit Hilfe des Hoteldirektors auf dem Oberdeck alle Neulinge der Polarkreistaufe unterziehen. Mit dieser altehrwürdigen Zeremonie wurden schon vor Hunderten von Jahren die Besatzungen der in die Arktis fahrenden Schiffe ausgezeichnet. Heute wollen die beiden uns in den Kreis der Nordmänner und -frauen aufnehmen. Neptun und der Direktor gießen den taufwilligen Gästen eine Kelle mit eisigem Seewasser, das mit Eiswürfeln versetzt ist, in den Nacken und machen sie so zu waschechten Polarfahrern. Oh ha ...
Auch meine Bar-Bekanntschaft Horst ist dabei - und macht sich heute zum "Vollhorst". Jeder Täufling bekommt eine Urkunde für seine Heldenhaftigkeit, vergleichbar dem Zertifikat zum bestandenen Ostfriesenabitur auf einer Kohl-und-Pinkel-Fahrt. Wat mutt, dat mutt. Das ist also das Unterhaltungs-Highlight auf dieser Hurtigrutenreise.
Wer möchte, kann sich noch einen einzigartigen Poststempel abholen, auf dem steht, dass man heute den Polarkreis überquert hat. Bei dieser Gelegenheit gibt es selbstverständlich auch Postkarten und Briefmarken zu kaufen.
Dieses Theater bzw. Bespaßungs- Event hätte auch auf jedem "richtigen" Kreuzfahrtschiff stattfinden können. Es ist genau das, was ich nicht mag, zeigt aber die Richtung an, in die sich Hurtigruten wohl künftig bewegen wird.
Gegen Mittag erreichen wir den Hafen von Bodø. Es hat sich eingeregnet. Die Liegezeit beträgt hier etwas mehr als zwei Stunden. Die Stadt Bodø ist bauhistorisch uninteressant, weil sie im 2. Weltkrieg durch die Wehrmacht völlig zerstört wurde und danach in modernem Stil wieder aufgebaut wurde. Es gibt dort nur die üblichen Nachkriegsgebäude zu sehen. So ganz unbedeutend ist Bodø mit seinen 50.000 Einwohnern dennoch nicht. Die Stadt inmitten zerklüfteter Fjordlandschaft war im letzten Jahr immerhin europäische Kulturhauptstadt. Und sportlich sorgt der Fußballclub Bodø/Glimt schon seit Jahren für Aufsehen. Sie haben in den letzten sieben Jahren viermal den Titel der norwegischen ersten Liga gewonnen.
Von Bodø nach Stamsund geht es über den südwestlichen Vestfjorden, also offenes Meer. Hier wird das Schiff am Spätnachmittag, somit pünktlich zum Dinner, von vier Meter hohen Wellen getroffen und hin und her geworfen. Ich kann die Wege zwischen Kabine, Vortragssaal und Restaurant kaum zurücklegen, schwanke wie ein Betrunkener und muss mich überall festhalten. Das ist nicht lustig, wenn man neurologisch vorbelastet ist. Glücklicherweise und nicht von ungefähr gibt es auf dem Schiff selbst auf den Gängen zwischen den Kabinen Handläufe...
In dieser Region ist auch der Stockfisch zu Hause.
Dabei handelt es sich um Kabeljau (Dorsch), aber auch um Schellfisch, Seelachs, Lengfisch oder Lumb. Diese Fische werden hier schon seit Hunderten von Jahren auf langen Gestellen an der salzhaltigen Luft getrocknet. Dadurch bleiben die typische weiße Farbe und der milde Geschmack erhalten.
Klippfisch, zumeist ebenfalls Kabeljau, wird hingegen vor der Lufttrocknung stark gesalzen,um ihn länger haltbar zu machen und die Trocknung zu ermöglichen. Das Salz entzieht dem Fisch Wasser, wodurch sich die Haltbarkeit erhöht und die Trocknung erleichtert wird. Seine Konsistenz, sein Geschmack und seine blättrige Struktur prädestinieren ihn für die Zubereitung als Bacalao, eine Spezialität auf Mallorca und in Portugal.
Als Dortmund-Fan schaue ich mir das Champions-League-Spiel ManCity : BvB am späten Abend auf dem Tablet an. Leider verliert der BvB verdient mit 1:4 in Manchester.
Do 06.11.2025 - am Tor zur Arktis, Polarlicht- Sichtung
Gegen Mittag trifft die Midnatsol in Tromsø ein.
Dort wartet schon die auch von mir vorgebuchte "Stadtrundfahrt in Tromsø nebst Eismeerkathedrale und Polar Museum" auf die Gäste, für die der Veranstalter Eberhardt im voraus 90 € kassiert hat. Dieser Ausflug entspricht nicht annähernd den Erwartungen, die ich mit diesem Preis verbinde.
Unsere Ausflugs- Gruppe besteht aus 16 Mitgliedern der Rundreise. Wir werden mit einem Kleinbus am Hurtigruten-Terminal abgeholt. Die Teilnehmer "quetschen" sich auf die abgezählten Sitzplätze. Wegen der nicht ausreichenden Anzahl an Sitzen muss unsere Reisebegleiterin ein Taxi nehmen um unserer Gruppe zu folgen. Das von Eberhardt bzw. der örtlichen Agentur gewählte Transportmittel ist wirklich unzumutbar.
Die Sitze in diesem Minibus sind vielleicht für kleine und leichte Personen, wie beispielsweise Kinder, ausreichend dimensioniert. Für Erwachsene mit Überlängen und Übergrößen, wie es auf sehr viele Bürger zutrifft, sind sie jedoch nicht geeignet. Wir sitzen wie Ölsardinen auf den Sitzen, insbesondere zu viert auf der engen Rückbank. Da wird ein dreieinhalbstündiger Landausflug per Bus zur Qual. Bei hochpreisigen Singlereisen bin ich es gewohnt, einen einzelnen Platz in einer 2er-Sitzgruppe zu bekommen, also ohne Nebenmann/-frau. Das ist hier nicht der Fall.
Bemerkenswert ist zudem, dass der Fahrer nicht die Innenbeleuchtung des Busses beim Aussteigen einschalten kann. Er findet den Schalter zum Einschalten nicht, kennt also das Fahrzeug nicht.
Auch das Besichtigungsprogramm ist völlig unzureichend und war so für mich in der Qualität der beiden angesteuerten Ziele nicht vorhersehbar.
Die „Eismeer-Kathedrale” mag für Fans eines skandinavischen Möbelhauses und Liebhaber eines architektonischen Minimalismus interessant sein, für Durchschnittstouristen wie mich jedoch eher nicht. Diese Kirche in Holzoptik mit Spitzdach und spartanischer Inneneinrichtung kann mich nicht begeistern. Spektakulär ist hier gar nichts, nicht einmal die farbigen Glasfenster, die man in der Dunkelheit von innen kaum erkennen kann.
Das „Polarmuseum“ befindet sich in einer alten Holzhütte am Sund. Mit seinen ausgestopften Tieren und nachgestellten Jagdszenen dürfte es eher Schulklassen als ein anspruchsvolles erwachsenes Publikum ansprechen. Es handelt sich um ein völlig antiquiertes Museumsprojekt aus der Nachkriegszeit.
Ich kann mich nur wiederholen: Die Auswahl dieser beiden „Highlights” ist völlig daneben, und der gezahlte Ausflugspreis dafür ist unverschämt überteuert. Darüber bin ich sehr verärgert.
Die Standard- Eintrittspreise für die besuchten "Sightseeing-Points":
Eismeer-Kathedrale 55 NOK, Polarmuseum 100-120 NOK,
zusammen also max. 175 NOK (= 15 €).
Pro Person bleiben somit mindestens 75 € für den Fahrer, den überflüssigen Fremdenführer, die Agentur und den Veranstalter Eberhardt Travel. Das sind mindestens 83 % des gezahlten Ausflugspreises. Vermutlich will man sich bei Eberhardt Travel den Hurtigrutenpreisen angleichen.
Mitreisende haben erklärt, dass Sie für die Folgetage unserer Reise nach den Erfahrungen auf dieser Tour von der Buchung weiterer Landausflüge, auch bei Hurtigruten, Abstand nehmen wollen. Ich auch. Man muss sich nicht sehenden Auges abzocken lassen...
Tromsø wird auch "Tor zur Arktis" genannt. Hier findet man eine Statue des Polarforschers Roald Amundsen. Der Ort war sein Ausgangspunkt für mehrere Arktisexpeditionen, daher trägt der zentrale Amundsen-Platz seinen Namen.
In Tromsø gibt es eine Eisbar: Die Magic Ice Bar Tromsø befindet sich im Stadtzentrum direkt am Hurtigruten- Anleger. Sie ist sehr beliebt bei Besuchern, die eine Bar komplett aus Eis mit den unterschiedlichsten Eisskulpturen erleben möchten. Unglaublich, aber wahr: Ich habe einmal eine Eisbar in Kapstadt kennengelernt. Leider hat die hiesige Bar heute erst ab 18 Uhr geöffnet. Genau dann verlässt unser Schiff wieder den Hafen. No ice today, the ship has gone away.
Zum Abendessen gibt es diesmal an Bord ein Buffet mit Schalen- und Krustentieren. Ich sitze mit zwei Damen aus unserer Gruppe am Tisch und erwähne beiläufig, dass die Meerestiere direkt aus der Kühlung kommen und es in der besseren Gastronomie nicht üblich ist, sie alle so kalt zu servieren. Darauf erklärt mir meine Tischnachbarin, „ob warm oder kalt” interessiere sie nicht im Geringsten, und wendet sich für den Rest der Mahlzeit von mir ab. Offenbar gibt es bei ihr weitere Ressentiments, die ich nicht kenne und die sie auch nicht äußert. Für den Rest der Reise herrscht zwischen uns Funkstille. Diese Reaktion verstehe ich wirklich nicht und habe so etwas auch noch nie erlebt. Irgendwie seltsam, ich verkneife mir hier jeden weiteren Kommentar.
Heute ist offenbar nicht mein Glückstag.
Sehr oft wird Tromsø im Zusammenhang mit Nordlichtern (aurora borealis) erwähnt, es gilt geradezu als Einfallstor der Nordlichtjäger.
Aurora Borealis, "nördliche Morgenröte" - Aurora war die griechische Göttin der Morgenröte und Boreas
der Nordwind.
Das Polarlicht der Arktis entsteht, weil Sonnenwinde winzige Teilchen ins All schleudern. Treffen diese auf das Magnetfeld der Erde, bringen sie die Stickstoff- und Sauerstoffatome in der Atmosphäre zum Leuchten: grün-gelb-violett-rote Bänder und Bögen, die nach links und rechts wabern, aufleuchten und wieder verblassen. Noch heute gibt das Phänomen große Rätsel auf.
Kaum ein Naturschauspiel wirkt so gespenstisch wie dieses Himmelsfeuer. Früher deuteten die Nordmenschen das Spektakel mal als Kinderseelen, mal als Botschaften ihrer Götter, mal als Grüße der Toten. Das Volk der Samen fürchtete gar, dass die Nordlichter sie holen würden. Und es gibt weitere Interpretationen.
Woher ich das weiß? Einer der Expeditions- Referenten hat es erklärt. Zudem habe ich das Nordlicht bereits auf meinem Island-Trip gesehen, bei dem leider alle meine Fotos auf der SD-Karte meiner Kamera verloren gingen...
Für die Postschiffreise habe ich mir drei sehr empfehlenswerte Nordlicht-Apps aufs Handy geladen: Norway Lights, Polarlicht und Aurora Compass. Sie geben genaue Auskünfte über das Wann und Wo der Nordlichter.
Das Nordlicht zeigt sich als scheue Schönheit, die kommt und geht, wann sie will – auch zur unpassenden Stunde. In Tromsø selber haben wir kein Glück, aber bei Skjervøy, etwa in der Mitte zwischen Tromsø und Hammerfest.
Gegen 21 Uhr ertönt auf dem Schiff die von vielen lang erwartete Durchsage: „Nordlichtalarm!” Zwar sind viele schon in ihren Kojen, aber das hält nicht davon ab, sich noch einmal polarnachtgerecht anzuziehen Es lohnt sich. Schlaf kann man später noch nachholen. Viele versuchen, das Nordlicht mit der Handykamera einzufangen – ich auch. Zurück auf meiner Kabine sortiere ich die Aufnahmen. Die meisten davon lösche ich wieder. Das ist das Schicksal der Digital-Fotografie.
Wie so oft in der Natur gibt es auch bei den Sonnenwinden das Positive und das Negative. Sonnenstürme beinhalten auch eine Gefahr für die Schifffahrt, denn sie können Satelliten und damit indirekt auch elektronische Seekarten, GPS, Radar und Funk lahmlegen und sogar zerstören. Daher ist es wichtig, dass Skipper und Navigatoren den Kurs auch klassisch nach alter Seefahrertradition mit dem Magnetkompass festlegen können und Seekarten auf Papier dabeihaben um einen Hafen sicher anzusteuern.
Hier noch ein Tipp: Laden Sie sich die kostenlose App „VesselFinder” auf Ihr Handy. Damit sehen Sie während Ihrer Reise jederzeit live die Position der MS Midnatsol.
Auf unserem Kurs verändert sich die Küstenlandschaft nun merklich, Bäume und Sträucher werden immer kleiner bis sie fast ganz von der Küstenlinie verschwinden. Die Landschaft wird karger, polare Landschaft überwiegt nun, während der Kurs uns Richtung Nordkap bringt.
Bei der Beobachtung des Polarlichts mache ich die Bekanntschaft mit dem dänischen Ehepaar Ole und Lale Fredriksen (viele Grüße!). Sie sind eine sehr angenehme Gesellschaft. Beide sprechen gut Deutsch. Ole ist studierter Meteorologe, inzwischen aber im Ruhestand. Wir sprechen über das Wetter auf unserer Reise. Ole meint, dass unser Kurs uns in den nächsten Tagen in eine Schlechtwetterfront führen wird. Schöne Aussichten, denn "Dänen lügen nicht", wie die Älteren von uns von Michael Holm wissen...
Fr 07.11.2025 - Wunderwelt norwegischen Marketings
Unterwegs zum „Tron des Nordens“: Heute erreichen wir Honningsvåg, den nördlichsten Hafen unserer Seereise an der Nordkap- Insel Magerøya.
Ich habe mich gegen den Bus- Ausflug entschieden, der zur Nordkaphalle mit dem nördlichsten Postamt Skandinaviens führt und dem dahinter liegenden 309 m hohen Hochplateau, auf dem der "Nordkap- Globus" (Koordinaten: 71°10'21'' N - 25°47'40''E) steht, dem wohl beliebtesten Fotomotiv Norwegens.
Die Annahme, hier am nördlichsten Punkt Kontinentaleuropas zu stehen, ist nämlich nicht richtig. Der Nordkap-
Globus liegt auf
der Insel Magerøya, rund 514 km nördlich des Polarkreises. Hier ist nicht der nördlichste Punkt Europas, der liegt auf der Landzunge Knivskjellodden, etwa 1,5 km weiter nördlich, jedoch ist das so bezeichnete Nordkap der am besten erreichbare Aussichtspunkt und damit besser zu vermarkten. Der wirklich nördlichste Ort Europas ist weniger spektakulär, weil er nur flach ins Meer hinausragt. Jährlich besuchen rund 200.000 Touristen den Nordkap- Globus - ein echter Marketing-Burner!
Man glaubt, hier am Ende der Welt angekommen zu sein. So müssen sich jedenfalls die ersten Entdecker gefühlt haben, als sie 1553 auf der Suche nach der Nordostpassage auf diese majestätischen Steilklippen stießen. In der Annahme, es handele sich um norwegisches Festland, nannten sie den Ort Nordkap oder Nordkapp, wie es auf Norwegisch geschrieben wird.
Erst 1873, als König Oskar II. die steilen Klippen erklomm, wurde das Nordkap zu einer Touristenattraktion.
Seit Jahren streiten sich die Scandic-Hotelgruppe und die Hurtigruten-Reederei um die Rechte am Nordkap für den Betrieb oder Bau eines neuen Hotels. Dabei pokern die beiden Tourismusgrößen über "verbundene Geschäfte" mit dem staatlichen Grundstückseigentümer, z.B. über erklärte Investitionsabsichten im Hafenstädtchen Honningsvåg, die sie von der weiteren Rechtevergabe abhängig machen. Das Rennen bleibt offen, mal sehen, wer den Deal macht.
"Audi, vide, tace" Hör, sieh und schweig - ich halte es hier mit den Freimaurern.
Königskrabben, King Crabs oder auch Monsterkrabben
Diese Krabben stammen ursprünglich aus dem Pazifik. Ende der 1960er wurden sie von russischen Forschern in der Barentssee nahe Murmansk ausgesetzt. Die Umsiedlungsaktion war von den Generalsekretären der Sowjetunion Josef Stalin und seinem Nachfolger Nikita Chruschtschow in die Wege geleitet worden, angeblich um die Versorgungslage in
Moskau und Murmansk zu verbessern. Andere sind der Meinung, sie wollten den Westen ärgern, denn die Königskrabben vermehrten sich mangels natürlicher Feinde stark "südgehend" und sind heute entlang der norwegischen Küste bis zu den Lofoten verbreitet. Dass sie später eine äußerst begehrte und damit kostspielige Delikatesse werden würden, konnte vor sechzig Jahren niemand ahnen...
Die grösste aus dem Varanger-Fjord gefangene Königskrabbe wog ganze 14 Kilo und hatte eine Beinspannweite von mehr als 2 Metern. Nirgends auf der Welt erreicht diese Krebsart solche Dimensionen. Königskrabben können bis zu 30 Jahre alt werden.
Einzig Oktopusse können kleinen bzw. jungen Königskrabben gefährlich werden. Sobald die Krabbe größer als der Oktopus ist, verzichtet der Kopffüsser auf das "Große Fressen". Den Kampf würde er wohl verlieren und Oktopusse sind schlau. Den Weichtieren schmecken Krabben oder Krebse ebenso gut wie uns.
Auf dem Hurtigruten-Landausflug "Königskrabben- Expedition oder King Crabs Safari" genannt, werden die gebuchten Reisegäste mit einem RIB-Boot (Festrumpfschlauchboot) zu den auf dem Meeresgrund beschwerten Krabben-Fangkäfigen in der Barentsee gefahren. Dort sehen sie dem erfahrenen Fischer zu, wie er die Käfige aus dem Wasser zieht. Die kleineren Krabben und die trächtigen Weibchen wirft er wieder zurück ins Meer, die großen männlichen Exemplare tötet er zum späteren Verzehr.

Nach dem Fang fährt der Fischer mit den Ausflüglern zu einem traditionellen Bootshaus, wo die Krabbenbeine und Scheren gekocht und als Königskrabben- Buffet "All you can eat" serviert werden.
Seitdem ich vor Jahren in Tallinn erstmals Kongekrabber (Königskrabben) probiert habe, liebe ich diesen exklusiven maritimen Hochgenuss... Zum Verzehr geeignet sind nur das Fleisch der bis zu einen Meter langen Krabbenbeine und das der Scheren. Es schmeckt ähnlich wie Hummer mit einer milden Süße und subtilen Meeresaromen.
Beine und Scheren werden bei uns in Deutschland von mehreren Online-Händlern (z.B. von Lobsterking.de oder Frischeparadies.de) vorgekocht, gesplittet und danach tiefgefroren angeboten. Eine 1- Personen- Portion mit ca. 360 g Abtropfgewicht Königskrabbenbeine und -Scheren kostet derzeit ca. 60 € plus Versand. Also kein preiswertes Genußerlebnis...
Den 3-stündigen Hurtigruten-Ausflug mit großem Königskrabbenmahl kann man zum Preis von 289 € buchen. Ist es den Preis wert? Das muss jeder selbst entscheiden. Ich entscheide mich dagegen. Auch die örtlichen Veranstalter liegen mit ihren Angeboten in dieser Preisregion.
Alternativ können Königskrabben auch in den Restaurants vor Ort oder im Kysten Fine Dining Restaurant an Bord der MS Mitnatsol bestellt werden. Das ist wesentlich preisgünstiger. Man muss sie schließlich nicht bis zur Sättigungsgrenze essen.
Ab 14:00 macht die Crew eine immer wieder abgewandelte Sicherheitsübung an Bord. Dabei werden auch viele Kabinentüren der Passagiere geöffnet um eine Evakuierung zu üben.
Heute Abend genehmige ich mir im Bistro einen Hurtigruten-Burger. Fastfood, aber sehr lecker!
Im Bord-Kino gibt es die Vorführung eines Videos über die ersten 6 Tage unserer Reise, das man natürlich auch käuflich erwerben kann. Eine Mitarbeiterin des Expeditionsteams hat unsere 1. Halbzeit der Reise gefilmt. Hurtigruten ist eben ein sales professional, ich aber nicht der typische Konsument.
Jetzt ist unser Schiff nicht mehr auf dem Europäischen Nordmeer unterwegs, sondern auf der Barentsee, der letzten und längsten offenen Strecke der Reise nach Kirkenes. In der Nacht geht es im heftigen Schaukelkurs über das Meer. Meine Kabine auf dem 6. Deck bringt mich beim vorherrschenden Seegang zum Tanzen, "Ringelpiez mit Anfassen" an den Kabinenwänden. Würde ich gerne drauf verzichten. Wie mag es erst den Passagieren auf Deck 7 und 8 ergehen. Grundsätzlich gilt für alle Schiffe, dass Passagiere mit Kabinen in den unteren und mittleren Decks die ruhigste Fahrt erleben. Das ist physikalisch sehr leicht nachvollziehbar.
Sa 08.11.2025 - am Wendekreis der Schiffsreise, nicht des Steinbocks
Gegen 9:00 legen wir in Kirkenes an, kurz vor der russischen Grenze. Es sind nur 15 km bis Briederchen Wladimir. Murmansk ist 145 km entfernt. Die Grenzstadt Kirkenes, früher Zentrum des Eisenerzabbaus und -handels, liegt so weit nördlich, dass im Winter oftmals schwer stampfende Eisbrecher die Fahrrinne freiräumen müssen. Die Nähe zu "Mütterchen Russland" brachte der Stadt als Grenzposten einen gewissen Wohlstand. Der Name Kirkenes stammt vermutlich von dem Begriff "Kirchenhalbinsel" ab, Kirche auf der Halbinsel, und ist seit 1862 überliefert. Nebenbei bemerkt: Die Stadt liegt auf dem gleichen Längengrad wie St. Petersburg und Kairo.
Vor dem Seegebiet von Murmansk ereignete sich eine der großen Tragödien der russischen Kriegsmarine. Hier sank im Jahr 2000 nach einer Munitions- Explosion das
Atom- U Boot Kursk. Dessen Besatzung erstickte elendig nach wochenlangem Kompetenzgerangel und unzureichenden Rettungsversuchen in ca. 100 m Tiefe. Kein Schiff hatte damals mehr militärische Geheimnisse an Bord als die Kursk, weshalb die Russen die angebotene internationale Hilfe zur Rettung der Besatzung bis zuletzt ablehnten. Das ganze Drama wird in dem gleichnamigen, sehr bewegenden Film des Regisseurs Thomas Vinterberg aus dem Jahr 2018 geschildert.
Kirkenes markiert den Wendepunkt der Hurtigrutenreise im Nordosten Norwegens. Das Städtchen hat nicht viel mehr zu bieten als Einkaufsmöglichkeiten und das fast vollständig aus Eis erstellte "Snowhotel". In Kirkenes beginnt für zahlungswillige Touristen auch die "Königskrabben- Expedition", an der ich nicht teilgenommen habe.
Ab heute mittag gibt es ein interessantes Bordprogramm, z.B. einen Vortrag über die Fram- Expedition.
Es handelte sich eigentlich um drei berühmte norwegische Polarexpeditionen, die zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert mit dem Forschungsschiff "Fram" („Vorwärts“) durchgeführt wurden. Das Schiff hatte einen eiförmigen Rumpf, der es im Eis vor dem Zerdrücken bewahrte und es stattdessen auf die Eisdecke hochschub.
Nacheinander fanden die Expeditionen unter der Leitung von Fridtjof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen statt. Amundsen startete mit Kurs Nordpol und änderte sein Vorhaben dann heimlich auf das Ziel Südpol, wo ihm Ende 1911 die erste erfolgreiche Eroberung des Südpols gelang.
So 09.11.2025 - Eisbären, Sami und das King Crab Dinner
Bei 3 °C ist es nasskalt, es regnet Regen und Schnee. Der hohe Seegang ist für die meisten Passagiere sehr belastend. Die Sonne geht um 8:50 auf und um 13:25 unter, sodass sie nur kurz zu sehen ist. Heute ist Sonntag und die Geschäfte haben geschlossen.
Das WLAN an Bord fällt immer wieder für mehrere Minuten aus. Das ist total nervig.
Nach dem Frühstück hat sich die Höhe der Wellen gegen 9:00 auf 5,40 m hochgeschaukelt. Die Windgeschwindigkeit beträgt 73 km/h (Windstärke 8), in Böen sogar bis zu 107 km/h. In der Kabine fangen die locker herumstehenden Gegenstände an zu fliegen. Die nächsten zwei bis drei Stunden soll es so bleiben. Der für heute geplante Vortrag eines Offiziers der MS Mitnatsol zum Thema Navigation muss leider ausfallen. Die Crew bittet die Passagiere um besondere Vorsicht auf dem Schiff und bietet bei Bedarf Hilfe an. Die Norweger nennen einen Sturm übrigens „Mittagspause für die Möwen”. Gegen 10:30 hat sich der Sturm abgemildert und wir fahren nach dem Abschnitt auf offener See wieder unter Land.
Der Halt in Hammerfest muss wetterbedingt ausfallen.
Der Isbjørnklubben (deutsch "Der Eisbärclub" englisch auch "The Royal and Ancient Polar Bear Society" genannt) ist ein Touri- Club in Hammerfest. Für eine einmalige Spende von schlappen 30 € wird man Mitglied auf Lebenszeit und erhält außer einem Zertifikat, einem Aufkleber, einem Ansteckpin, der Vereinssatzung und einem Mitgliedsausweis auf Lebenszeit freien Eintritt in das Museum. Na, das ist doch ein wirklich tolles Angebot, oder? Die Spendenbeiträge werden jedoch nicht zum Schutz von Eisbären verwendet. Sie dienen ausschließlich zur Finanzierung der Ausstellung über Hammerfests historische Bedeutung als Tor zum Eismeer. Das nenne ich einen weiteren genialen Marketing- Coup!
Ein junger Eisbär geht zu seiner Mutter und fragt sie: Bin ich ein Eisbär? Sie sagt, ja du bist ein Eisbär. Am nächsten Tag kommt der kleine Eisbär wieder zu seiner Mutter und fragt sie: Bist du ein Eisbär? Ja, sagt sie, ich bin ein Eisbär. Und ist der Papa auch ein Eisbär? Ja, er ist auch ein Eisbär. Am übernächsten Tag geht der kleine Eisbär wieder zu seiner Mutter: Wenn du und der Papa
Eisbären seid, dann bin ich doch auch ein Eisbär, nicht wahr? Ja, sagt die Mutter, du bist auch ein Eisbär. Einen Tag später kommt der kleine Eisbär wieder zu seiner Mutter und fragt: Wenn du und der Papa Eisbären seid, warum ist mir als kleiner Eisbär so arschkalt?
Wir woll'n die Eisbärn sehen! Scherz beiseite, hier wird ein Berliner Eishockey-Club besungen.
Eisbären sind die mächtigsten Jäger der Erde, höchst gefährliche Raubtiere, die Könige des Nordens. Ich weiß nicht, wie groß die Population hier oben in Norwegen ist. Aber an der Hudson Bay in Kanada gibt es noch sehr viele Exemplare. Und die haben sich den Siedlungen der dortigen Bevölkerung bedenklich genähert. Die Tiere haben einen lebensbedrohenden Feind für ihre Spezies: den weltweiten Klimawandel. Jedes Jahr weniger Eis bedeutet immer weniger Beute auf dem Eis. Werden die Eisbären zu einer aussterbenden Gattung?
Unser nächster planmäßiger Stop ist nun in Sortland, dem Zentrum der Vesteralen, dessen Häuser man seit 1999 blau angestrichen hat. Sonst gibt es nichts besonderes über Sortland zu berichten.
Einige Mitreisende haben einen Bus-Ausflug zu/über die Vesteralen gebucht. Sie sind schon in Harstad von Bord gegangen und von dort mit dem Bus über die Insel Hinnøya zur Fähre am Gullesfjord gefahren. Anschließend ging es für sie weiter mit dem Bus entlang des Sigerfjords nach Sortland, wo Sie jetzt wieder an Bord der MS Midnatsol kommen.
Wie erkennt man auf der Midnatsol erfahrene Reisegäste? Sie hören die Ansage "Es wird etwas schaukeln" und trinken ihren Kaffee trotzdem weiter. Die Neulinge bestellen Kamillentee.
Wie in der letzten Woche nehme ich mein Mittagessen im Torge-Restaurant ein. Mit zunehmender Dauer der Reise stelle ich jedoch fest, dass sich die meisten Speisen auf dem Buffet wiederholen. Schade, ich hatte mir mehr Kreativität vom Küchenteam erhofft und war davon ausgegangen, dass das wechselnde Buffetangebot erst zu Beginn der nächsten Tour des Postschiffs wiederholt wird. Wie bei Hotelbuffets werden auch hier einige Speisen, die am Vortag nicht konsumiert wurden, in neu zubereiteter Variante nochmals aufgetischt. Bestimmt nennt man das auf unserer hochpreisigen Seereise „ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit”...
An jedem Tag findet an Bord eine halbstündige Veranstaltung namens "Tägliches Treffen" statt, einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch. Der Inhalt: ein landestypisches Musikstück mit Dia oder kurzem Video, Vorstellung der kostenpflichtigen Hurtigruten- Exkursionen am Folgetag nebst Wetterbericht, ein paar norwegische Vokabeln und zum Schluß noch ein "Joik" genannter Gesang aus der Tradition des Sami-Volkes. Die Melodie eines Joik ist oft improvisiert oder persönlich geprägt, und der Text kann ganz fehlen oder nur aus Lautsilben bestehen. Ein sehr meditativer Gesang!
Die Teilnahme an den Vorträgen des Hurtigruten- Expeditionsteams ist freiwillig, niemand muss daran teilnehmen, alles kann individuell gewählt werden. Man kann selbst entscheiden, was man hören und sehen will und was nicht. Das gefällt mir, ich bin ein selbstbestimmender Reisender. Ich brauche keine Animation und Fremdbestimmung an Bord.
Heute höre ich von der Geschichte und den Gebräuchen der Sami, eines Nomadenvolks das einst weite Teile des nordwestlichen Skandinaviens besiedelt hat. Sie waren - und sind bis heute - die Halter der domestizierten Rentiere und die Jäger deren wilder Verwandten. Die Tiere dienen ihnen als Arbeitstiere, als Nahrung und ihre Felle in der kalten Jahreszeit als wärmender Kleidungsbestandteil.
Als Samen (Sámi in der Selbstbezeichnung) bezeichnet man die Ureinwohner Skandinaviens.
Sie haben ihre eigene Tracht, den Kolt. Die traditionell blauen Trachten gibt es in mindestens 12 verschiedenen Ausführungen und sie unterscheiden sich für
Männer und Frauen. Die Sami gehören zu den kleinsten indigenen Völkern der Welt. Rund 80.000 Menschen leben in Sápmi, ein länderübergreifendes Gebiet, das sich über Teile der heutigen Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Russland erstreckt.
Samisch ist die Sprache der Samen und gehört zur finno-ugrischen Sprachfamilie. Zu den traditionellen Lebensunterhalten der Samen gehören neben der Rentier-Zucht unter anderem das Fischen sowie das samische Handwerk und Kunsthandwerk. Das Volk ist sehr fortschrittlich und bringt seine alten Traditionen mit der modernen Lebensweise gut in Einklang.
Das Sameting. das Sami-Parlament, hat momentan 39 Mitglieder, die alle vier Jahre direkt gewählt werden. Seine Aufgabe ist es, die im Sami-Gesetz zugesicherte Stellung der Samen und der samischen Sprache zu wahren. Das neue Parlamentsgebäude steht in Karasjok.
Am
Nachmittag erklärt der Hoteldirektor der Midnatsol interessierten Gästen die Geschichte der King Crabs und demonstriert ein mittelgroßes Exemplar vom heutigen Fang, das seine Lebensgeister bereits in die ewigen Jagdgründe verlegt hat. Jährlich werden bis zu 15 Mio. Exemplare in West und Ost aus dem Meer gefischt. Die Krabben vermehren sich wie verrückt und würden ohne die hohe
Fangquote im Norden der norwegischen Küste das Gleichgewicht der Natur zerstören. Die größte vor Kirkenes
gefangene Krabbe, behauptet der Hoteldirektor, habe ein Gewicht von 8,4 kg, eine Panzerbreite von 45 cm und eine Beinspannweite von 2,5 m gehabt. Von solchen Dimension habe ich noch nie gehört oder gelesen. Angler- oder Hurtigrutenlatein? Egal.
Heute Abend genieße ich jedenfalls das "King Crab Dinner" im Kysten Fine Dining Restaurant an Bord der Mitnatsol, wo ich einen Tisch reservieren konnte. Leider habe ich keine Tischbegleitung in der Gruppe gefunden. Es gibt offenbar außer mir keine Liebhaber/innen von Schalentieren in der Gruppe. Der Preis fürs Krabbendinner liegt im unteren Segment eines Sternerestaurants und ist den Mitreisenden wohl zu teuer. Doch dafür gibt es eine der besten Seafood-Mahlzeiten, die ich je gegessen habe. Sie wird im Kysten- Restaurant nur an 2 Abenden auf jeder klassischen Postschiff- Rundreise angeboten.
Wie der Zufall es will, sitzt im Restaurant am Nebentisch ebenfalls eine Alleinreisende. Ich frage sie, ob wir uns nicht einen Tisch teilen möchten. Die Idee findet sie gut. So lerne ich Wibke aus Oldenburg kennen. Sie arbeitet als Controllerin und ist beruflich ständig unterwegs. Die Hurtigrutenreise ist für sie eine Gelegenheit, abzuschalten.
Das King Crab Dinner besteht aus
Vorspeise: Jakobsmuscheln
Hauptgang: großem Königskrabbenteller
mit 3 Dips
Dessert: gemischtem Dessert-Teller
Als Aperitif bestelle ich uns auf Empfehlung des Tischkellners ein Glas Havets Bobler, einen Schaumwein, der in wachsversiegelten Flaschen mindestens sechs Monate zur Reifung auf dem arktischen Meeresboden in 34 Metern Tiefe versenkt wird. Das ist wohl eher ein Marketing-Gag.
Das Projekt „Havets Bobler” ist Teil von Hurtigrutens „Norway’s Coastal Kitchen”- Programm. Zu den Krabben passt aber besser ein Bier, wie ich finde. Wibke entscheidet sich für ein Glas Pouilly-Fumé von der Loire. Als Digestif empfehle ich einen richtig guten norwegischen Aquavit, zum Beispiel den Maquavit oder den Juleaquavit von Gilde.
Der Qualitätsunterschied zum Torge- Restaurant rechtfertigt das höhere Preisgefüge im Kysten. Wie immer stellt sich aber für jeden die individuelle Frage, ob es für sie oder ihn den Preis wert, also "preiswert" ist.
Der Service ist in allen 3 Restaurants und an der Rezeption wirklich lobenswert. Großes Lob an das Personal !
Am späten Abend wird von Hurtigruten die Teilnahme am traditionsreichen Mitternachtskonzert in der Holzkathedrale in Tromso angeboten. Ein Terzett professioneller Musiker spielt dort norwegische Volks- und Kirchenlieder. Nicht so mein Ding.
Auch Horst, den ich am Anfang der Seereise kennengelernt habe, ist an Bord geblieben. Ich verbringe nach dem Candlelight- Crabs- Dinner noch einen schönen Abend mit Wibke in der Bordbar, Horst gesellt sich zu uns. Er hat sich inzwischen an den hiesigen Gin gewöhnt... Cheerio oder wie es auf Norwegisch heißt Skål ("Schkoll!")!
Heute nacht ist das Meer wieder mal "very busy". Wir legen eine weite Strecke "südgehend" auf offener See zurück. Das Schiff wird mit Besatzung und Passagieren heftig hin und her, rauf und runter gerissen. Dazu kommt ein Knarzen, Klatschen, Zittern und Hämmern als würde der Kahn kurz vor dem Auseinanderbrechen stehen. Glücklicherweise leide ich nicht an Nausea Marina (Seekrankheit), sehr wohl aber unter Gleichgewichtsstörungen beim Gehen. Na dann schlafe ich eben - soweit das möglich ist...
Mo 10.11.2025 - Inselschönheiten des Nordens, Lofoten und Vesterålen
Ein leichter Hangover lies sich als Resultat der letzten Nacht wohl nicht vermeiden, aber ich bin okay. Das Schiff hat mittlerweile Havoysund erreicht. Die Landschaft ist seit gestern mittag schneebedeckt. Es regnet weiterhin Schnee und Regen.
Reiseleiterin oder Reisebegleiterin? Wir haben über Eberhardt Travel eine Hurtigruten- Reise und keine Eberhardt- Reise gebucht. Auf die Inhalte und den Ablauf der Hurtigruten- Seereise kann unsere Reisebegleiterin keinen Einfluss nehmen. Sie kann nur begleitend moderieren und Vorschläge für einen abweichenden Tagesablauf machen - sofern Alternativen zum Hurtigruten- Tagesprogramm möglich sind. Ihre Aufgabe ist eher psychologischer als organisatorischer Natur. Als Reisebegleiterin ist sie Coach, Unterhalterin, Seelsorgerin, Mädchen für Alles, aber nicht Reiseleiterin. Nichts für ungut. Wie sie diese Aufgabe erfüllt, möge jede/r meiner Mitreisenden selbst beurteilen. Wenn man ihren Reisebericht auf der Eberhardt Travel- Website liest, hat sie jedenfalls den "Reisebegleiter-Oskar 2025" verdient.
Für mich liegt der Generalfehler beim Veranstalter Eberhardt Travel, der die Hurtigruten-Seereise als Gruppenreise verkauft, was sie aber nicht ist. Auf Hurtigrutenschiffen kann jeder Passagier sich sein eigenes Tagesprogramm zusammenstellen, aus den angebotenen Bordprogrammen und den kostenpflichtigen Tagesausflügen, die man auch alternativ bei Drittanbietern buchen kann, selbst unternommenen Hafenerkundungen oder durch Freizeit auf den Schiffen. So habe ich es angenommen. Was die Eberhard- Reisebegeiterin anbietet, ist nur ein weiteres "begleitendes" Angebot.
Unter einer Gruppenreise verstehe ich ein komplett vom gebuchten Veranstalter organisiertes Reiseprogramm, nicht aber die Einbuchung in das Programm eines anderen Reiseveranstalters wie das der Reederei Hurtigruten. Ich fühle mich insofern von Eberhard Travel getäuscht.
Themenwechsel: Wie man bei Hurtigruten per Durchsage selbst eine um 6 m vertiefte Fahrrinne, die unter der Brücke von Andøya nach Hinnøya verläuft, den Passagieren als spektakulären "Kanal" verkauft, ist schon bemerkenswert. Vor der Brücke macht das Schiff für 15 min Halt in Risøyhamn, dem kleinsten Hafen der Hurtigrutenstrecke. Auch dort gibt es selbstverständlich etwas ganz besonderes zu sehen, den "Königstein", einen kleinen Findling, auf dem sich bei ihren Reisen die letzten Könige Haakon VII., Olav V. und Harald V. per Unterschrift verewigt haben. Marvellous and really overwhelming...
Durchsage auf der MS Midnatsol: "Liebe Gäste, wir nähern uns einem weiteren spektakulären Ausblick." Die Norweger an Bord schauen nicht mal auf. "Ja ja.. welcher von den 500 denn heute?"
Das Schiff nähert sich den Inselgruppen der Lofoten und Vesterålen, die für die Schönheit ihrer Landschaften berühmt sind. Zahlreiche Seevögel bevölkern den Himmel, so z.B. Seeadler.
Zu Beginn jedes Jahres ereignet sich vor den Lofoten ein faszinierendes Naturschauspiel: Riesige Schwärme von Winterkabeljau, auch „Skrei” genannt, kommen im Januar für drei Monate aus der eisigen Barentssee, dem Randmeer des Arktischen Ozeans, um in den wärmeren Gewässern rund um die Lofoten zu laichen. Diese Zeit nutzen die Fischer zum Fang, der ihre Haupteinnahmequelle darstellt. Die Fischerei ist aufgrund von Stürmen, Kälte und Strömungen ein sehr gefährlicher Beruf. Ein Skrei wiegt im Durchschnitt 12 kg und ist somit ein schwerer Brocken! Sein festes Fleisch wird bei uns vor allem als Filet geschätzt. Der Skrei zählt zu den exklusivsten und gesündesten Fischen. „Der Wanderer“ – so wird der Skrei übersetzt – legt im Laufe seines Lebens mehr als 600 Kilometer zurück.
Eine Mitarbeiterin des Expeditionsteams, lädt die Teilnehmer ihres Vortrags herzlich vor der beabsichtigten Einfahrt in den Trollfjord ein zu einem Trolltrunk (eine Art Glühwein), mit oder ohne Alkohol. Na, eine Einladung lehnt man ja nicht ab, denke ich, und begebe mich zur angekündigten Zeit auf Deck 9. Dort warten bereits zahlreiche weitere Reisende. Es geht zügig voran bis ich in einem Keramikbecher mit Trollmotiv meinen Drink überreicht bekomme. Schmeckt gut, aber das soll es dann auch gewesen sein. Die Fahrt in den Trollsund muss leider wetterbedingt ausfallen.
Der nächste Hafen ist Svolvaer, die Hauptstadt der Lofoten. Der heutige Abend ist bestimmt durch einen heftigen Schneesturm. Einige aus unserer Gruppe haben zuvor die örtliche Eis-Bar besucht und werden auf dem Rückweg zum Schiff mit Schnee gepudert.
Am späten Abend lässt das Schiff die Lofoten hinter sich und fährt wieder in Richtung Festland.
Di 11.11.2025 - wo Naturidylle zum Mythos wird
Es gibt eine erwähnenswerte spezielle Etikette bei norwegischen Tischsitten. Das Holzmesser in der Butter. Für Norweger ist es undenkbar, dass mehrere Gäste mit ihren Besteckmessern in der Butter rumstochern. Man nimmt die Butter mit dem Holzmesser auf und verstreicht sie dann mit dem eigenen Besteckmesser auf dem Brot. Bei portioniert verpackter Butter entfällt diese Besonderheit, erhöht aber das Abfallvolumen, was man auf den Schiffen vermeiden will.
Das Frühstücksbuffet ist wie gewohnt gut bestückt.
Nach dem Frühstück überqueren wir ein zweites Mal den Polarkreis, diesmal in südlicher Richtung. Auch daraus macht Hurtigruten ein Ereignis, obwohl es außer den vielfältigen Grautönen der Landschaft, die oftmals mit Schnee verziert ist, nichts zu sehen gibt.
Mittags passieren wir die "7 Schwestern", sieben bis zu 1.000 m hohe Felsberge, die von sechs Gletschern gebildet wurden, welche zwischen ihnen durchflossen. Die Schwestern sind hinter den tiefliegenden Wolken nur unscharf zu erkennen. Wie fast alle Besonderheiten der Natur spielen auch sie eine Rolle in der norwegischen Märchen- und Sagenwelt. Danach sollen es sieben Jungfrauen gewesen sein, die sich nach einer Verfolgung durch den König Hestmannen erschöpft niederwarfen. Bei Sonnenaufgang erstarrten sie zu Stein.
Die Bezeichnung von Felsformationen als "7 Schwestern" gibt es auch in England an den Kreidefelsen in Sussex. In der griechischen Mythologie sind die Plejaden sieben Töchter des Atlas und der Pleione, die vor dem Jäger Orion flohen und von Zeus in Tauben oder Sterne verwandelt wurden, um sie zu schützen.
Das WLAN an Bord fällt immer wieder Minuten lang aus. Total nervig.
Den Nachmittagshalt bei strömendem Regen in Brønnøysund nutze ich, um im nahe gelegenen Supermarkt noch Mineralwasser zu besorgen.
Unsere Reisebegleiterin berichtet, dass die MS Polarlys, ein Schwesterschiff der MS Midnatsol, das auf dem Küstenkurs hinter uns fuhr, die Weiterfahrt in die Barentssee im Bereich Honningsvåg abgebrochen hat. Der Kapitän wollte seinen Passagieren die dort herrschenden Wetterverhältnisse nicht zumuten. Nun muss er mit dem Schiff den Zeitplan der Hurtigruten abwarten, um sich wieder in die planmäßige Rückfahrt in Richtung Süden einreihen zu können. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob diese Entscheidung richtig war, zumindest war sie aber sehr
fürsorglich.
Ich gönne mir heute ein vorzügliches Muschel- Dinner.
Miesmuscheln in der hier servierten Qualität sind wirklich ein Hochgenuß!
Für heute Nacht ist leider wieder Wildwasserfahrt angesagt. Ich hoffe, dann zu schlafen und nicht vom Seegang wachgeküsst zu werden.
Mi 12.11.2025 - letzter voller Tag an Bord
Der Sturm ist ausgeblieben oder ich habe ihn verschlafen. Wir erfahren, dass außer der MS Polarlys ein weiteres Hurtigrutenschiff seine Fahrt abgebrochen hat - wegen des Sturms und des damit verbundenen Wellengangs in der Barentsee.
Heute gibt es mehrere Besprechungen, die auf die Abläufe bei der morgigen Ankunft in Bergen vorbereiten sollen. Die sind eigentlich überflüssig, weil selbsterklärend.
Als besonderes Extra im Unterhaltungsprogramm veranstaltet das Expeditionsteam am Nachmittag ein „Quiz rund um die Hurtigruten”. Wie aufregend ... Das ist, als würde für die Selbstabholer ihres neuen VW in Wolfsburg ein „Quiz rund um Volkswagen” veranstaltet werden. Eine Alternative für das intellektuelle Niveau wäre Bingo an Bord gewesen. Das wird man aber bestimmt auch noch einführen. Die Infantilisierung des Bordprogramms in Richtung Kreuzfahrtreise schreitet voran.
Bei Interesse kann man in Kristiansund noch an einem Hurtigruten- Ausflug in ein Marmorbergwerk teilnehmen. Das habe ich aber schon in Italien gesehen.
Auch heute Abend beglückt uns das stürmische Wetter wieder mit hohem Wellengang. Das Schaukeln beginnt von vorn und es ist nicht das Murmeltier, das ewig grüßt.
Jetzt oder spätestens morgen früh heißt es Koffer packen. Ich halte mich an die bewährte Lebensweisheit "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen".
In den letzten Tagen habe ich das Abendessen oft ausgelassen. An Bord nimmt man einfach zu viele Kalorien zu sich. Auch das heutige Dinner lasse ich deshalb ausfallen. Es ist auch kein Abschiedsdinner. Zudem gibt es einen weiteren Grund für meine Abwesenheit: Die Gesellschaft der beiden Damen an meinem Tisch gefällt mir überhaupt nicht. Ich möchte mein letztes Dinner an Bord nicht in schweigender und ignoranter Gesellschaft verbringen.
Wie sagte jüngst unser Verteidigungsminister Boris Pistorius: "Man kann nur mit den Menschen tanzen, die auf der Tanzfläche sind." Wohl war, aber man muss nicht tanzen, wenn einem diese Menschen nicht gefallen...
Wie man mir am nächsten Morgen berichtet, hat es jedenfalls keine moralinsaure Abschiedsrede des Kapitäns gegeben und die Service- Mannschaft ist nicht zur Musik von James Last mit Wunderkerzen einmarschiert.
Do 13.11.2025 - Seafood und Übernachtung in Bergen
Bis um 10:00 müssen wir unsere Kabinen räumen und die Koffer vor den nächstgelegenen Aufzug stellen. Danach beginnt eine lange Wartezeit, die sich mit kleinen Häppchen zum Frühstück, Brunch und/oder Mittagessen etwas überbrücken lässt. Die MS Midnatsol fährt entlang der wildromantischen Küste Norwegens bei schönstem Sonnenschein (ja, auch das gibt es auf unserer Reise!) weiter Richtung Süden bis sie kurz vor 15:00 im Hafen von Bergen anlegt.
Im Hurtigruten- Terminal nehmen wir unser Gepäck in Empfang und werden dann mit dem Bus ins Hotel "Zander K" gebracht, eine sehr angenehme Unterkunft für eine Zwischenübernachtung. Das Hotel kann ich wirklich empfehlen.
Für den örtlichen Breitengrad eigentlich überraschend, aber Speiseeis ist eine große Leidenschaft der Norweger. Nirgendwo in Europa wird mehr Eis gegessen als in Norwegen (Pro-Kopf-Verzehr bis zu zwölf Liter im Jahr) - trotz des unbeständigen Wetters und ja, auch bei Minusgraden. Die selbsternannte Crème de la Crème kommt von Hennig- Olsen, dem ältesten Eisproduzenten Norwegens. Das Eis ist vergleichbar mit der bei uns erhältlichen wohlschmeckenden und hochpreisigen Ben & Jerry's-Eiscreme der Magnum Ice Cream Company.
Unsere Reisebegleiterin hat für den letzten Abend in Bergen ein gemeinsames Abendessen (auf eigene Kosten der Reiseteilnehmer) im guten italienischen Restaurant „Olivia Zachariasbryggen” vorgeschlagen, was von den meisten angenommen wird. Eberhardt Travel hat das "Abschiedsdinner" nicht als Leistungsbestandteil der Reise inkludiert. So etwas habe ich bei meinen zahlreichen organisierten Gruppenreisen auch noch nie erlebt. Ich befürchte, dass Reisegäste dieses Veranstalters in Zukunft wohl auch die Transfers zum/vom Hotel oder Schiff extra bezahlen müssen.
Nun gut, ich kann auch zu Hause bei einem sehr guten Italiener essen. Hier an der norwegischen Küste in Bergen genieße ich aber lieber ein Dinner in einem exzellenten Seafood- Restaurant. Ich habe mich für das
„Fjellskål Sjømatrestaurant“ entschieden, das in der Fischhalle am Strandkaien 3 gelegen ist.
Das Restaurant ist eine der führenden Adressen für Meeresfrüchte in Westnorwegen.
Ein Blick in die "A la carte" Speisekarte gefällig? Wie wärs zum Beispiel mit Fjellskåls Luxus Schalentiersymphonie?
Fr 14.11.2025 - Rückflug
Am Vormittag wird ein Stadtrundgang angeboten. Ein örtlicher, deutschsprachiger Reiseleiter führt durch die alte Hansestadt Bergen, die nach Oslo die zweitgrößte Stadt Norwegens ist. Das historische Hafenviertel Bryggen mit seinen liebevoll restaurierten, spitzgiebeligen Häusern zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
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Auch ein Besuch des Fischmarktes Fisketorget lohnt sich, jedenfalls für "kulinarisch Interessierte": Schalen- und Krustentiere, Seeigel und Muscheln vom Feinsten! Auch die teuren Königskrabben bekommt man hier in bester Qualität.
Die Norweger rollen das "R" in ihrer Sprache übrigens genauso wie die Franken. Haben Sie mal Kreuzfahrt- Kapitän Morten Hansen in der Fernsehreihe "Verrückt nach Meer" gehört - wenn er eine Durchsage von der "Brrrrügge" macht?
Dann erfolgt unser Bustransfer zum Flughafen von Bergen. Wir fliegen zurück in die Heimat. Für mich geht es nach Frankfurt und weiter nach Düsseldorf, wo ich mein Auto geparkt habe.Die Hurtigrutenschiffe fahren nicht, „um Touristen eine dekadente Luxus-Zerstreuung zu offerieren, sondern um die Bewohner der norwegischen Küstenregionen mit Gütern des täglichen Bedarfs zu versorgen bzw. um die Menschen dort als eine Art Wassertaxi von A nach B zu bringen. Bei der Ausführung dieses Auftrags nehmen sie für viel Geld auch Touristen mit, aber nicht, um diese aufwändig zu bespaßen, sondern als Frachtgut.“ Soweit ein Kommentar auf Trustpilot.de. Das ist jedoch definitiv nicht richtig. Wie bereits erwähnt, nimmt der ursprüngliche Transportumfang für die norwegischen Küstenbewohner immer mehr ab. Hurtigruten kann nur durch die Touristen überleben. Das wird nicht gelingen, wenn man die Passagiere wie bisher gnadenlos preislich abzockt. Schon bald wird sonst das hochgepriesene Naturerlebnis der Küstenfahrt über die immer höher geschraubte Preisschwelle kippen.
Für mich steht fest: „Keine Wiederholung!” Jetzt kann ich aus eigener Erfahrung mitreden. Die Hurtigruten-Reise hat meine Befürchtungen bestätigt. Vielleicht liegt meine negative Einschätzung auch an der von mir falsch gewählten Reisezeit. „Nachts sind alle Katzen grau“, sagt man. Hier und jetzt gilt das aber auch für die Tagesstunden. Ich halte die Reise trotz Vollpension für völlig überteuert! Es wird wohl meine erste und letzte „Postschiff-Kreuzfahrt” gewesen sein.
Fazit:
1. Ich werde nicht noch einmal eine Gruppenreise mit mehr als fünfzehn Reiseteilnehmern buchen.
2. Die Reise mit einem sogenannten Postschiff, das auf der Küstenstrecke überwiegend Touristen befördert, hat mich nicht begeistert. Eine Reise mit einem "richtigen" Kreuzfahrtschiff kommt für mich sowieso nicht infrage.
3. Mein Tipp für eine Hurtigruten-Postschiffreise im Winter: Sparen Sie sich die südgehende Strecke von Kirkenes nach Bergen, also die Rückfahrt mit dem "Postschiff", denn abgesehen von viel Wasser und Wellen und dem Hafen von Bergen gibt es nichts Besonderes zu sehen. Beginnen Sie Ihre Seereise lieber mit einem zusätzlichen Tag in Bergen und fliegen Sie von Kirkenes aus über Bergen zurück nach Hause!
Unsere Reisebegleiterin hat mir übrigens untersagt, ihren Namen zu nennen oder einen Link zu ihrem Bericht von dieser Reise zu setzen. Selbstverständlich komme ich ihrem Wunsch nach.
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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen für die norwegische Küste:
- "Hurtigruten", DUMONT Reise-Taschenbuch
- "Nordlicht und Sterne mit Hurtigruten", Alexander Kerste, Eigenverlag, www.kerste.de
Meine Web-Empfehlungen finden Sie durch Drücken des Buttons "MENUE", links oben im Bild...
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Eisbären seid, dann bin ich doch auch ein Eisbär, nicht wahr? Ja, sagt die Mutter, du bist auch ein Eisbär. Einen Tag später kommt der kleine Eisbär wieder zu seiner Mutter und fragt: Wenn du und der Papa Eisbären seid, warum ist mir als kleiner Eisbär so arschkalt?