Rom (ital.: Roma), die Hauptstadt Italiens und der Region Latium, hat 2,6 Mio. Einwohner im Stadtgebiet bzw. 3,5 Mio. Einwohner im Großraum (Stand 2004). Innerhalb der Stadt liegt der unabhängige Staat der Vatikanstadt, der Sitz des Papstes, des Bischofs von Rom und Oberhauptes der katholischen Kirche. Außerdem ist Rom auch der Sitz des Malteser Ritterordens, der ein eigenständiges, jedoch nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt ist. Somit kann Rom als dreifache Hauptstadt gelten. In der Geschichte war Rom vor allem als Zentrum des Imperium Romanum sowie als Sitz des Papsttums von Bedeutung.

Do, 30.09.2004 Bereits vor Monaten habe ich für meine Tochter und mich bei EasyJet die Flüge gebucht. Low- Budget- Flüge sind für mich Neuland, weshalb ich auf den Flug in der "Holzklasse" sehr gespannt bin. Es gibt kein Flug- Ticket, lediglich die Buchungsnummer ist beim Einchecken in Dortmund zu nennen. Am Flieger selbst hat die Airline aber nicht gespart, es handelt sich um einen 2 Monate alten Airbus A319 und der 1:30 Std- Flug verläuft völlig problemlos. Beim Bord- Service muss man Abstriche machen, aber bei einem Preis von 19,90 € (+ Tax) pro Person und Strecke kann man nun wirklich nicht den Standard eines Linienfluges erwarten.

Wir landen auf dem römischen Flughafen Ciampino und nehmen den Shuttlebus von Terravision (nonstop hin und zurück 13,50 € p.P.) zum Termini- Bahnhof mitten im Zentrum. Von hier bringt uns die Metro (1 € pro Fahrt) Linie A zur Station Ottaviano /St. Pietro. Rund um den Vatikan gibt es viele Pensionen in unterschiedlichen Qualitäten. Das Bed & Breakfast "Federici" in der Viale Giulio Cesare gehört zu den besseren Herbergen. Das Preis- Leistungsverhältnis neigt sich dennoch bei 80 € für das Einzelzimmer für unsere Begriffe stark zu Gunsten des Preises...

Es ist früher Abend, wir haben Hunger und suchen uns ein typisches Restaurant mit Außenplätzen. Sina, meine Tochter, bestellt sich Spaghetti mit Erbsen, Pilzen und Käse. Das Gericht wird auf der englisch- sprachigen Karte als "Spaghetti Vongole" bezeichnet - ein Druckfehler. Damit ist das Mißverständnis vorprogrammiert: Die Bedienung bringt ein Nudelgericht mit kleinen Venusmuscheln und pikanter Sauce. Pech nur, dass Sina Muscheln nicht mag. Bei meiner Lasagne ist alles gutgegangen. Ich lasse mir das Peroni- Bier dazu schmecken, Sina entdeckt eine Vorliebe für Averna auf Eis. Wer übrigens Wert auf reichlich belegte Pizzen legt, sollte sich eher für ein Stück von den fertiggebackenen Pizzablechen im Straßenverkauf entscheiden. Die Anreise war irgendwie anstrengend, wir gehen relativ früh zu Bett. Mein Zimmer liegt zur Straße raus, so dass ich mich zwischen dem nächtlichen Straßenlärm und der brummenden Klimaanlage entscheiden kann...

Fr, 01.10.2004 Das italienische Frühstück ist traditionell eher bescheiden. Wir fahren mit der Metro zum Zentralbahnhof Termini. Von hier startet die ATAC- Linie 110 zu einer Rundfahrt entlang der wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten Roms. Jeder Fahrgast erhält Ohrhörer, kann diese an seinem Sitzplatz einstöpseln und erhält in der Sprache seiner Wahl online wichtige Erläuterungen. Das besondere an den Bussen der Linie 110 ist ihre Form: Es sind Doppeldecker bei denen das Dach weggelassen wurde, sozusagen Cabrio- Busse. Für einen ersten Überblick können wir diese Rundfahrten wirklich empfehlen. An jeder Station kann man aussteigen und die Fahrt später mit einem anderen Bus der Linie fortsetzen.

Wir setzen unsere Rom- Erkundung per pedes fort. Es ist Mittag und die Sonne brennt unbarmherzig, die Tagestemperatur ist auf 27° C gestiegen. Vom Termini- Bahnhof aus ist es nicht weit bis zum Trevi- Brunnen. Der wird umlagert von Touristenmengen, ist aber noch gut erkennbar... Der monumentale Brunnen stellt den Meeresgott Oceanus dar sowie zwei Tritonen, von denen einer ein wildes Pferd bändigt (= die stürmische See) und der andere in eine Muschel bläst (= die ruhige See). Wirft man eine Münze in das riesige Wasserbecken, kehrt man nach Rom zurück, so eine Legende - und offensichtlich glauben viele daran...

In der Nähe des Trevi- Brunnens lassen wir uns in einem gewöhnlichen Straßenbistro nieder, das auch von den Römern aufgesucht wird. Diesmal liegt das Mißverständnis auf meiner Seite. Das gewünschte Thunfisch- Sandwich haben sie nicht mehr, dann bestelle ich eben die "Pizza Speciale". Wir freuen uns zunächst über die Vorspeise: 2 hauchdünn gebackene Mini- Teigtaschen mit pikantem Inneren sowie frisches Weißbrot. Dann bekommt Sina ihren bestellten Schinken mit Melone und ich ... warte... Nach einiger Zeit frage ich den Kellner höflich, ob er mich vergessen habe. Er scheint mich nicht zu verstehen. Ich ergebe mich in mein Schicksal - bis mir dämmert, dass die beiden Minitaschen, die wir für den Begrüßungshappen des Hauses gehalten haben, meine "Pizza Speciale" gewesen sein muss - und das für 6 € !

Wir wollen uns das Rom der ollen Römer ansehen und beginnen mit den Kaiserforen. Das eindrucksvollste davon soll das Trajansforum sein, von dem die Trajansmärkte einmal mit der berühmten Trajanssäule zu den architektonischen Weltwundern gehörten. Wir lösen Eintrittskarten (6,20 € p.P.) und durchwandern die antike Stätte. Ohne Führung ist diese leider nicht selbsterklärend, weshalb wir eine gewisse Enttäuschung über die vielen Mauern nicht verhehlen wollen.

Es geht weiter, vorbei am Forum Romanum Richtung Kolosseum, Roms größtem Amphitheater. Auf einer Mauer sitzen völlig entrückt 3 Meditierende, die diesem Ort erkennbar ein ganz besonderes Karma beimessen. Hier kämpften damals zur Belustigung der Bürger wilde Tiere und Gladiatoren auf Leben und Tod. Bis zu 70.000 Zuschauer fanden in der Arena Platz. Der Eintritt beträgt heute 12 €, damals wurde er gesponsert vom Kaiser und wohlhabenden Bürgern. Wir können uns einer Besichtigung nicht entziehen und betreten den Innenraum, von wo aus man in ein Labyrinth von Gängen und Kellergewölben schaut, aus denen einst die Tiere und Kämpfer mit Aufzügen nach oben befördert wurden. Von den oberen Rängen, auf denen die einfachen römischen Bürger saßen, bekommen wir den besten Eindruck von der monumentalen Größe des Kolosseums. Auf dem Vorplatz lassen sich "Karnevals- Gladiatoren" mit Plastikbrustpanzer und -helm gegen gutes Geld mit Touristen fotografieren - und finden tatsächlich Kunden!

Am Abend schmerzen unsere Füße und Waden vom ungewohnten Asphaltmarathon. Wir fahren mit der Metro zurück zu unserer Pension und suchen eine hübsche Pizzeria in der Nähe auf. Es ist immer noch sehr mild, wir wählen einen Tisch im Außenbereich und lassen uns von der italienischen Küche verwöhnen.

Sa, 02.10.2004 Zum Frühstück besorge ich uns in einem nahegelegenen Laden einige Scheiben Wurst, sozusagen als Upgrade für die sonst karge Morgenmahlzeit. Heute steht der Vatikan auf unserem Programm. Der Vatikan ist mit einem Staatsgebiet von 0,44 km² der kleinste Staat Europas. Er verfügt über eine eigene Post, eine staatliche Bank und eigene Euro- Münzen mit dem Konterfei des Papstes! In kurzer Entfernung von unserer Pension beginnt das Gebiet des Vatikan- Staates. Menschenschlangen stehen an den videoüberwachten Mauern an und warten geduldig auf den Einlaß zu den Vatikanischen Museen - und hier besonders der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo. Wir entscheiden uns gegen stundenlanges Anstehen in praller Sonne und betreten durch die halbkreisförmigen Kolonnaden den Petersplatz, wo sich die Gläubigen oft zu Messen und Ansprachen des Papstes versammeln. Nach einer ausgiebigen Sicherheitskontrolle - wie am Airport - dürfen wir den Petersdom betreten, die größte Kirche der Welt mit Platz für 60.000 Gläubige in 5 Schiffen. Der Eindruck ist überwältigend. Zu den einzigartigen Kunstwerken gehören die Pietà von Michelangelo sowie die ebenfalls von ihm geschaffene monumentale Kuppel und Berninis bronzener Baldachin über dem päpstlichen Hochaltar. Durch die unglaublichen Besuchermassen geht hier aber jegliche Andacht verloren - meinen wir.

Andenkenbuden und Devotionalienhändler machen in der Umgebung des Petersdoms ein gutes Geschäft, hier gibt es (fast) alles, was das nach Kitsch schmachtende Herz begehrt. Einen Kaffeebecher mit Papstkonterfei habe ich gesucht, aber nicht gefunden...

Wir machen uns auf den kurzen Weg zur nahe gelegene Engelsburg, Castello St. Angelo. Sie wurde unter Kaiser Hadrian erbaut und diente später den Päpsten bei feindlichen Angriffen als Fluchtburg. Durch einen Gang auf den Grenzmauern des Vatikan gelangte man auf kürzestem Weg aus der Peterskirche zur sicheren Engelsburg. Das Innere ist düster, kalt und abweisend.

Am Piazza Navona angekommen, genießen wir auf einer Bank die Atmosphäre eines der schönsten Plätze Roms mit seinen 3 meisterlichen Brunnen. Piazza Navona ist auf den Ruinen des antiken Stadions des Domitian gebaut worden, einer Stätte für Zirkusspiele und Wagenrennen. Hier durchlitt auch die hl. Agnes, ein 13-jähriges christliches Mädchen, ihr Martyrium, das sich aus Glaubensgründen weigerte, einen römischen Konsul zu heiraten. Bei unserem Besuch findet gerade ein Kunstmarkt auf dem Platz statt, auf dem u.a. einige Portraitmaler und -zeichner ihr Bestes geben.

Der mit einem Obelisk größte Brunnen in der Mitte des Platzes ist das Werk Berninis und stellt die vier Flüsse Donau (für Europa), Ganges (für Asien), Nil (für Afrika) und Rio della Plata (für Amerika) dar. Gegenüber befindet sich die Barockkirche Sant’ Agnese in Agone. Die Preise in den umliegenden Cafes und Restaurants sind völlig überteuert. Sina hat sich in Kokoseis verliebt.

Weiter geht es zur Piazza di Campo de’Fiori, auf der einst "Hexen" und Verbrecher öffentlich hingerichtet wurden. Auf der Piazza findet der Wochenmarkt statt. Jetzt am Nachmittag werden aber nur noch die Reste und der Müll weggeräumt. Wir sind leider zu spät dran.

Für das heutige Abendessen empfiehlt uns unser Pensionswirt sein Lieblings- Restaurant, das nahegelegene "Bella Napoli" in der Via Simone de Saint Bon 51/61. Wir sollen nicht enttäuscht werden. Insbesondere das Antipasti- Büffet und die frischen Fischgerichte sind sensationell! Das Restaurant wird überwiegend von Römern frequentiert, was für die Qualität der Speisen spricht - und das zu absolut zivilen Preisen. Ich habe mich für fritierte Zucchiniblüten, gefüllt mit Büffel- Mozarella und Anchovis, sowie einen im Ganzen gegrillten Fisch entschieden, dessen Namen ich nicht mehr erinnere.

So, 03.10.2004 Beim Frühstück quatscht uns ein Pensionsgast aus Kanada voll, der sich als wahrer Rom- Kenner entpuppt. Er hat früher jahrelang hier und in Spanien gelebt. Allerdings möchte ich mich beim Weißbrotkauen noch nicht über Probleme der deutschen Nationalökonomie unterhalten, nach denen er mich befragt...

Auf der Viale Giulio Cesare und der Via Ottaviano bieten die Straßenhändler bereits am frühen Morgen auf Decken ausgebreitete billige Plagiate an. Hier gibt es "Marken"- Taschen und Brillen für´n Appel und´n Ei. In der Via Cola di Rienzo werden gerade die Stände eines Flohmarktes aufgebaut, die lt. Reiseführer zahlreichen Feinkostgeschäfte gibt es dort hingegen nicht.

Der Papst spricht heute auf dem Petersplatz den Habsburger Karl I. von Österreich und eine Münsterländer Seherin seelig. Kann man ganz unterschiedlicher Meinung zu sein, wir waren - leider - nicht dabei. Es wäre eine der letzten Gelegenheiten gewesen, Johannes Paul II. zu sehen, der sechs Monate später verstirbt. Sein Tod sollte die Welt bewegen, seine Beisetzung zu einer bewegenden Massenveranstaltung werden.

Ab mittags geht es per Metro, Shuttlebus und Flieger wieder zurück nach Deutschland. Wir haben unser Besichtigungsprogramm in Rom bewußt klein gehalten. Weniger ist oft mehr - und ein guter Grund wiederzukommen.
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