SLOWAKEI unplugged - von Bratislava bis zur Hohen Tatra
Die Slowakische Republik ist ein touristisch noch weitgehend unbekanntes Land in Osteuropa. „Besucher sind begeistert von unerwarteten Kulturjuwelen, verträumten Dörfern, mittelalterlichen Städten und atemberaubenden Landschaften!”, so beschreibt der Veranstalter Ikarus Tours euphemistisch und plakativ die Rundreise Unentdeckte Slowakei.
Wonderland, Disney World oder Potemkinsche Dörfer in Osteuropa? "Schaun mer mal, dann sehn mer scho" wie einst der Kaiser sagte - oder wie man bei uns im Ruhrgebiet sagen würde: „Wollnwama kucken”.
Slowakei wird von den meisten EU-Staaten als grenzwertig betrachtet. Der wiedergewählte Ministerpräsident Robert Fico (gesprochen "Fiezoh") wurde Anfang 2024 Opfer eines politisch motivierten Mordanschlags, den er jedoch überlebte.
Er ist Vorsitzender der „sozial-nationalen” Smer-Partei, die, wie der Name bereits vermuten lässt, ziemlich weit rechts einzuordnen ist. Damit sitzt er mit seinen Nachbarn Viktor Orbán (Ungarn), Karol Nawrocki (Polen) und Andrej Babiš (Tschechien) sowie anderen europäischen Politikern in einem Boot. Sie sind erklärte Europa-Gegner und dienen sich dem russischen Staatspräsidenten Putin an.
Aktuell stimmten sowohl Fico als auch sein Duzfreund Orbán unter Bedingungen und nach verlangten Zugeständnissen der EU dem 19. Sanktionspaket gegen Russland wegen dessen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu. Ficos Begründung: „Wer mit den Wölfen leben will, muss mit ihnen heulen.” So reden Opportunisten und Vorteilserschleicher. In der Slowakei gibt es eine Opposition, die gegen die Russlandnähe und den autoritären Kurs der Regierung unter Fico demonstriert.
Mi 17.09.2025 Anreise - Wien - Bratislava
Am Vormittag fliege ich mit Austrian Airlines von Düsseldorf nach Wien. Dort werden wir von unserer Reiseleiterin Monika Profantová begrüßt. Mit viel Empathie für uns und Liebe für ihr Land und ihre Mitbürger wird sie uns auf unserer Rundreise durch die Slowakei begleiten.
Hier treffe ich auch Albert wieder, der schon letztes Jahr in Tschechien dabei war. "Man sieht sich immer mindestens zweimal im Leben" ist meist als Drohung zu verstehen, nicht so bei uns. Wir freuen uns auf unser Wiedersehen!
Nach unserer Reise durch das alte Böhmen im letzten Jahr wollen wir beide nun das alte Mähren kennenlernen. Im Frühmittelalter umfasste es auch Teile der heutigen westlichen Slowakei, später blieb der Begriff jedoch hauptsächlich für die Region im östlichen Tschechien erhalten.
Albert nennt mich „Flachland-Tiroler”, ich ihn „Allgäu-Ranger”. Doch dazu später mehr.
Die elf Reiseteilnehmer, die von unterschiedlichen Orten angereist sind, treffen im Ankunftsbereich des Flughafens Wien-Schwechat aufeinander. Von dort aus geht es in einer kurzen Busfahrt weiter ins nur 55 Kilometer von Wien entfernte Bratislava. Die Stadt ist seit 1919 – mit Unterbrechungen – die Hauptstadt der Slowakei.
Bratislava, das die Slowaken einst Prešporok, die Deutschen Pressburg und die Ungarn Pozsony nannten, wurde nach der türkischen Besetzung Ungarns zur Krönungsstadt, als die Türken auch die dortige Krönungsstadt Stuhlweißenburg (Székesfehérvár) besetzten. Seinerzeit war Pressburg ein sicherer Ort nahe der kaiserlichen Residenzstadt Wien, den sich der ungarische Adel, weltliche und kirchliche Würdenträger als Zuflucht ausgewählt hatten. Von 1563 bis 1830 wurden im Martinsdom in Pressburg insgesamt 18 Könige und Königinnen des Hauses Habsburg gekrönt, darunter auch Maria Theresia im Jahr 1741.
--- Info aus www.goruma.de ---
Uns erwartet angenehmes Wetter. Was sagt die Prognose? Für die Zeit meines Aufenthalts werden regenfreie Tage mit Temperaturen zwischen 23 und 25 °C vorhergesagt. Morgens noch recht kühl, aber zum Nachmittag hin optimal – die Wetterfrösche sollten sich nicht irren.
Lets start our visit! "Ahoj Bratislava!" Der bei uns bekannte seemännische Gruß ist hier eine Grußformel unter Freunden.
Der Nachmittag in Bratislava beginnt für uns mit einer Stadtrundfahrt und dem Halt an der mächtigen Burg, die auf einem Felsen über der Donau thront und das Wahrzeichen der Stadt ist. Die Burg hat eine lange Geschichte. Sie wurde erstmals im 9. Jh. erwähnt und in romanischem Stil erbaut. Im 15. Jh. wurde die Burg in eine gotischen Festung verwandelt und im 18. Jh. erfolgte im Auftrag von Kaiserin Maria Theresia eine Stilumwandlung zur barocken Residenz. Das nennt man wohl eine "Mehrfach- Transition" oder auch eine "Multi- Metamorphose". Leider können wir die Burg heute nicht besichtigen, da die Zufahrten wegen einer Demonstration von Beamten und Feuerwehrleuten für höhere Gehälter gesperrt sind. Streiks von Beamten sind in Deutschland bekanntlich nicht zulässig – hier aber schon.
Wir laufen durch die Altstadt mit den historischen Bürgerhäusern, dem Alten Rathaus sowie dem Nationaltheater mit dem davor befindlichen Ganymed-Brunnen.
Auf Geheiß des Zeus wurde Ganymed von einem Adler in den Olymp gebracht, um dort den Göttern zu dienen. Wenn man dem Gesichtsausdruck der Statue Glauben schenken darf, dann hat Ganymed seinen neuen Job als Butler wohl mit Begeisterung angenommen.
Unser Weg geht weiter vorbei an der Reduta (Philharmonie) zum Michaelertor, dem einzigen erhalten gebliebene Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus dem 13. Jh., sowie zur Jesuitenkirche.
Danach besichtigen wir den klassizistischen Primatialpalast (18. Jh., heute Rathaus), ein klassizistisches Palais, in dem nach dem Sieg Napoleons bei Austerlitz ein Abkommen, der sogenannte Pressburger Frieden,
unterzeichnet wurde. Hier bewundern wir vor allem die zentralen Ausstellungsstücke, sechs englische Tapisserien aus dem 17. Jh., die Szenen aus der tragisch endenden Liebesgeschichte von
Hero und Leander
aus der griechischen Mythologie zeigen.
Der geniale Heinz Erhardt hat die Erzählung wie folgt begonnen:
"Der Hero und auch die Leander,
die hatten gar nichts miteinander.
Das lag hauptsächlich an der Länge
und Breite jener Meeresenge,
die man, hat man nicht grad gepennt,
als Helespont von früher kennt.
Nun war der Hero ja schon immer
bekannt als Sportler, nämlich Schwimmer.
Weshalb er eines Tages rief:
"Ich schwimme zu ihr, ist’s auch tief!
Ist auch die Strecke nass und lang,
was macht das schon, mir ist nicht bang! ...""
Erhardt hat die Namen der Beteiligten bewusst oder unbewusst vertauscht. Tatsächlich ist Leander der Schwimmer und Hero seine Geliebte – und nicht umgekehrt. In einem Brief schrieb Leander an Hero, sie solle in der Nacht seiner Schwimm-Expedition eine brennende Kerze als Wegweiser ins Fenster stellen. Tragischerweise erreichte der Brief Hero jedoch erst später, weshalb Leander orientierungslos ertrank. Und die Moral von der Geschicht‘: Vertrau der Postzustellung nicht!
Komplett nachzulesen z.B. bei Der Leuchtturm
Weiter geht es zum St. Martins-Dom, der ehemaligen Krönungskirche der Könige von Ungarn, einem der schönsten gotischen Bauwerke in der Slowakei.
Der
bekannteste neuzeitliche Sightseeing-Point in Bratislava ist jedoch das "UFO", eine markante Aussichtsturmstruktur, die aussieht wie eine fliegende Untertasse, die in 95 m Höhe auf dem Pylon der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes über der Donau thront.
Im UFO befinden sich ein Restaurant und eine Bar, die für ihre gehobenen kulinarischen Erlebnisse und exklusiven Cocktails bekannt sind. Leider ist unser Aufenthalt in der Stadt zu kurz, um sie zu besuchen. Zudem wäre eine frühzeitige Reservierung erforderlich gewesen.
Beliebt ist auch der „UFO Skywalk”, bei dem wagemutige Besucher mit einem Stahlseil gesichert entlang der äußeren Kante des ufo-förmigen Turms auf einer schmalen Glasplattform laufen und dabei einen atemberaubenden Blick auf die Stadt genießen können. Das ist nichts für mich, never ever!
Etwas mehr als 100.000 Einwohner von Bratislava – also rund ein Viertel der Bevölkerung – leben in den Plattenbauten des Stadtteils Petržalka. Hier wohnen die Unterprivilegierten, deren Kinder nur geringe Chancen auf sozialen Aufstieg haben. Es gibt Berichte über eine höhere Präsenz von Randgruppen wie Obdachlosen oder Menschen mit kriminellem Verhalten in den öffentlichen Bereichen dieses Stadtteils. Ähnliches gibt es auch bei uns im Ruhrgebiet und in anderen Orten Deutschlands.
Mich begeistern bei einer Stadtbesichtigung immer die oftmals gerne übersehenen,
meist neuzeitlichen "kuriosen Figuren", die Besucher in
vielen touristisch relevanten Städten vorfinden. Wenn man am Primatialpalast vorbeigeht und links in die Radničná einbiegt, stößt man an der Hausecke Panská/Radničná auf die Bronzefigur des "Paparazzo", der dort mit seiner Kamera auf der Lauer steht. Ganz in der Nähe guckt der "Man at work", der Kanalarbeiter Cumil, aus seinem Gullyloch.
Und vor dem Café Mayer am Fischertor treffe ich auf die Statue des „Schönen Náci”, Ignác Lamár. Er war ein stadtbekanntes Original, das in der ersten Hälfte des 20. Jh. stets elegant mit Zylinder, Frack und Lackschuhen in der Altstadt von Bratislava unterwegs war. Náci (Ignác) litt an einer krankhaft ausgeprägten Schizophrenie und lebte in einer Scheinwelt. Er lächelte die Leute stets an und grüßte die Damen mit „Küss' die Hand!” auf Slowakisch, Ungarisch und Deutsch.
Wie nennt man einen Liebhaber aus Bratislava? Nicht "Bratis-Lafer", sondern "Bratis-Lover"!
Der slowakische Humor ist oft geprägt von Selbstironie, Sarkasmus und einem spielerischen Umgang mit Klischees und Wortspielen. That`s the way I love it !
Kurios und besonders sind auch die altmodischen Presporaciks, die man immer wieder im Straßenbild antrifft, leuchtend rote, offene Busse im Gewand einer alten Straßenbahn. Mit ihnen veranstaltet man hier Stadtrundfahrten für Touristen.
Schließlich checken wir – von der Anreise und vom Tagesprogramm erschöpft – im schönen Hotel Apollo**** ein, in dem auch das heutige Abendessen serviert wird.
Das mehrfach ausgezeichnete Hotel-Restaurant St. Hubertus ist vor allem für seine Wildgerichte und seine saisonale Pilzküche bekannt. Uns wird jedoch ein Menü der Kategorie „08/15” serviert, das angeblich dem Geschmack der meisten ausländischen Gäste entspricht: Tomatensuppe, Schnitzel, Pommes, gedünstetes Gemüse und Apfelstrudel. Leider gilt das auch für die meisten anderen Hotelrestaurants auf unserer Rundreise. Ich erwähne daher nachfolgend nur die Restaurants, in denen wir etwas Besonderes serviert bekommen. Zur Ehrenrettung der Küchenchefs sei angemerkt, dass selbstverständlich nur die Qualität serviert wird, die von den Veranstaltern und Reiseagenturen vor Ort bestellt und bezahlt wird. Bei dem gezahlten Reisepreis habe ich jedoch eine höhere Qualität erwartet.
Tipp: Hotelführer, deutsch: www.travelguide.sk

Die simple Organisation einer „Vorstellungsrunde“ am ersten Abend wird von unserer Reiseleiterin Monika ausgelassen. Die Anonymisierung einer Gruppenreise beginnt mit der inzwischen etablierten Verweigerung der Reiseveranstalter, ihren Reisegästen aus „Datenschutzgründen” eine Teilnehmerliste auszuhändigen. Sie setzt sich mit der fehlenden Vorstellungsrunde fort. Dabei erwartet niemand, dass die Teilnehmer ihre gesamte Vita nebst Beruf, Anschrift und Telefonnummer den anderen Mitreisenden preisgeben. Jeder kann von sich offenbaren, was er möchte. Eine solche Runde erleichtert jedoch das gegenseitige Kennenlernen bei einer einwöchigen Rundreise ungemein.
Vielleicht kann man die Reiseteilnehmer künftig selbst entscheiden lassen, ob sie das möchten oder nicht. Wir sind schließlich mündige Verbraucher!
Do 18.09.2025 Pezinok - Rothenstein - Trnava - Piestany
Unsere Rundreise durch die Slowakei beginnt mit einem Ausflug in das bekannteste Weinanbaugebiet des Landes, die "Weinstraße der Kleinen Karpaten“. Sie führt uns unter anderem durch den historischen Weinort Pezinok, der im 13. Jh. von deutschen Winzern gegründet wurde.
Am Vormittag steht eine Weinprobe in der kleinen Winzerei von Adam Sykora in Pezinok auf dem Programm. Der junge Winzer wurde in den letzten Jahren besonders für seine Silvaner, Blaufränkischen und Cuvées
ausgezeichnet. Er kredenzt uns mindestens zehn verschiedene Weine in Bio-Qualität, sodass wir leicht den Überblick verlieren. Eine Weinprobe am Vormittag habe ich bisher auch noch nicht erlebt. Das ist wohl eher ungewöhnlich.
Übrigens verkauft Adam Sykora seine Weine nur im Inland. Nach Deutschland wird nicht exportiert, weil wirtschaftliche, strukturelle und marktbezogene Hindernisse gegen eine Ausfuhr sprechen. Bis auf Albert nimmt auch keiner der Mitreisenden hier Wein mit.
Es ist eine Erfahrung, die ich immer wieder gemacht habe und die mir auch von anderen Reisenden bestätigt wurde: Nur weil ein Wein im Urlaubsland besonders gut geschmeckt hat, heißt das nicht, dass er einem auch zu Hause schmeckt. Der regionale Wein schmeckt im Ursprungsland meistens besser, da die Kombination aus Umgebung, Atmosphäre, kulturellem Bezug, idealer Speisenkombination und physikalischen Einflüssen das Geschmackserlebnis steigert.
In der Slowakei herrschen hervorragende Bedingungen für die Produktion frischer und fruchtiger Weißweine, die etwa 70 % der Gesamtproduktion ausmachen und vielfach prämiert sind. Der südliche Teil der Kleinen Karpaten liefert dank der Hanglagen und Terrassen auf Granit und Gneis schöne Rieslinge. Die direkt darunter verlaufenden
Löss-Einzellagen sind für charaktervolle Grüne Veltliner bekannt. Auch die frisch-fruchtigen Roséweine mit einer lebendigen Säure, die meist aus Cabernet Sauvignon, Merlot oder Blaufränkisch gekeltert werden, sind hoch dekoriert.
Das alkoholische Lieblingsgetränk der Slowaken ist jedoch nicht Wein, sondern Bier, insbesondere Lagerbier und Pils. Das ist nicht viel anders als bei uns. Es gibt viele regionale Brauereien, die Bier in sehr guter Qualität produzieren – davon konnte ich mich vor Ort überzeugen. Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen des slowakischen Biermarktes ist der Aufstieg der Kleinbrauereien und der Craft-Biere.
Besonders gut schmeckt mir das BARAN Čierna Ovca Bier, ein dunkles Spezialbier mit einem vollen Malzkörper und einer leichten Kaffeenote.
Wir besuchen die Burg Červený Kamen (deutsch: Bibersburg, früher auch Rotenstein), eine monumentale Festung aus dem 13. Jh. Im Jahr 1535 ging sie in den Besitz der Augsburger
Unternehmerfamilie Fugger über. Diese ließ die Burg zu einem Lagerort für Kupfer umbauen. 50 Jahre später verkauften die Fugger die Burg an den ungarischen Adeligen Nikolaus Pállfy, dessen Nachfahren bis 1945 hier lebten und die Innenräume zu einem komfortablen Herrensitz umgestalteten. In diesem Zustand können wir sie heute besichtigen. Man hat dort ein Museum eingerichtet, in dem die Wohnkultur der Adligen zwischen dem 16. und 20. Jh dargestellt wird. Im ehemaligen Rittersaal ist eine Sammlung von Jagd- und historischen Waffen untergebracht.
Die Slowakei ist eines der burgenreichsten Länder der Welt! Tatsächlich gibt es hier mehr als 200 Anlagen.
Weiter geht es nach Trnava, wo eine Stadtbesichtigung mit dem barocken Gebäudekomplex der Universität, der daneben liegende Kathedrale St. Johannes der Täufer mit dem berühmten Holzaltar und der gotischen Kirche St. Nikolaus auf dem Programm stehen.
Stadtbesichtigungen sind ja immer fester Bestandteil einer organisierten Studienreise durch Europa. Ich muss ehrlich sagen, dass mich das oftmals schon nach wenigen Tagen langweilt. Deshalb beschränke ich mich meistens auf einwöchige Rundreisen. Ich bin weder passionierter Historiker noch Kunstexperte. Wenn die Reiseleitung über Kunibert, dem 1/4-tel vor 12., oder einen spektakulär gemischten Baustil monologisiert, schalte ich ab. Ich behalte es ohnehin nicht in Erinnerung.
Ich bevorzuge die Erkundung der Urlaubsregion „abseits der ausgetretenen Pfade”, bei der man ebenso viel von den Menschen und ihrem Leben vor Ort erfährt wie von den Relikten der Vergangenheit. Aber das wird von den wenigsten Veranstaltern so angeboten und wenn, dann als Wanderreise. Das ist auch nicht mein Ding. Wahrscheinlich erwarte ich einfach zu viel.
Zur Mittagszeit machen wir in Trnava Rast, wo ich auf der Terrasse eines italienischen Restaurants einen leckeren Caesar-Salat esse.
Am späten Nachmittag erreichen wir dann die weltberühmte Kurstadt Piešťany, die über 70 °C heiße, schwefelhaltige Thermalquellen verfügt. Der warme Schlamm des längsten Flusses der Slowakei, der Waag, wird für Anwendungen gegen viele Beschwerden eingesetzt.
Wir übernachten im Hotel Park****. Dort ist auch das heutige Dinner organisiert. Es findet wieder in einem langweiligen Hotelrestaurant statt.
Als Absacker bestelle ich mir in der Hotelbar einen Wodka Lemon. Ich bekomme einen Wodka mit einem separaten Glas Zitronensaft. Der Barkeeper kennt den bei uns so beliebten Club-Drink "Wodka Lemon" offenbar nicht, also "Mischen impossible" im Hotel Park.
Da könnte auch Ethan Hunt nicht weiterhelfen, no Schweppes today - Bitter Lemon has gone away.
Fr 19.09.2025 Trenčín - Čičmany - Banska Bystrica
Unsere Tagestour führt uns zunächst nach Trenčín. Wir besichtigen den historischen Stadtkern und die mächtige Burg, die wehrhaft über dem Tal des Flusses Váh thront. Vom Aussichtspunkt auf dem Turm soll man einen fantastischen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge haben. Turmbesteigungen sind jedoch nicht mein Ding.
Damit wären wir bei meinem Nickname „Flachlandtiroler“, den mir mein Reisefreund Albert verliehen hat. Der Alpen-Kraxler hat natürlich Recht, meine bergsteigerischen Fähigkeiten sind wirklich sehr beschränkt, um nicht zu sagen überhaupt nicht vorhanden. Dazu kommt meine seit Jahren bestehende Akrophobie (Höhenangst). Albert könnte den Burgturm mit entsprechender Sicherung vermutlich auch von außen besteigen, macht er aber nicht.
Nächster Stop ist das Dorf Čičmany, berühmt für seine 136 Holzhäusern mit Schindeldächern und
weißer Ornamentmalerei auf den Außenfassaden. Die Häuser sehen älter aus als sie sind, denn vor ca. hundert Jahren fielen die meisten von ihnen einem Großbrand
zum Opfer. In den Folgejahren wurden sie originalgetreu wieder aufgebaut. Mir drängt sich bei ihrer Betrachtung ein Vergleich mit weihnachtlichen Lebkuchenhäusern auf. Der Ort Čičmany wurde erstmals im 13. Jh. urkundlich erwähnt und hat seitdem seine traditionelle Architektur und Kultur bewahrt. Hier leben nur noch ein paar alte Leute, und es werden immer weniger. Irgendwann wird Čičmany ein reines Museumsdorf sein.
Wir erreichen die alte Kupfer- und Handelsstadt Bánska Bystrica. Wie üblich folgt auch dort ein Rundgang durch den historischen Stadtkern.
Es geht zum Check-In in den Neubau des Hotels Arcade ****. Dort essen wir auch zu Abend. Im Gegensatz zum Altbau ist das neue Hotelgebäude mit einem Aufzug und einer Klimaanlage auf den Zimmern ausgestattet. Wir finden hier Unterkunft in modernen, eleganten Zimmern bzw. Suiten, einige davon mit Balkon. Leider gibt es Abendessen und Frühstück in einem Speisesaal mit Bahnhofshallen-Atmosphäre. Wir sind die einzigen Gäste.
Die Lobbybar steht leer, dann kommt einer der Kellner und versucht sich als Barkeeper. Beim Gin Tonic vergisst er das Eis. Kann passieren... Man ist bemüht, aber nicht perfekt. 4 Sterne?
Sa 20.09.2025 Banska Stiavnica - Vlkolinec - Hohe Tatra
Auf dem heutigen Tagesprogramm steht die schöne Landschaft des slowakischen Erzgebirges mit der Stadt Banská Štiavnica (ehemals Schemnitz)
im Zentrum. Sie ist die älteste Bergbaustadt auf dem Gebiet derheutigen Slowakei und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Sage erzählt von einem Salamander, der den Bergleuten dabei half, Gold und Silber in den Erzadern aufzuspüren. Mitte des 18. Jh. wurden hier sage und schreibe jährlich bis zu 600 kg Gold und 23.000 kg Silber gefördert.
Zum Andenken an den "Spür-Lurch" wird im Ort alljährlich am zweiten Septemberwochenende das "Salamanderfest" gefeiert. Schade, dass wir eine Woche zu spät dran sind. Die Stadt ist bis heute vom historischen Erzbergbau geprägt. Man findet hier begehbare alte Besucherstollen, die Bergakademie, das Haus des ehem. Berggerichts, ein Bergbaumuseum und den
Schlagturm, von dem aus die Bergleute jeden Morgen durch Schläge auf ein *Schlagbrett" zur Arbeit gerufen wurden.
In Banská Štiavnica kann man eine Mischung verschiedener Baustile vom Mittelalter bis heute bewundern. In der Altstadt steht mit der Hl. Dreifaltigkeitssäule ein besonderes Kunstwerk, das aus sechs Einzelsäulen zusammengefügt wurde. Für dessen Errichtung benötigte der Bildhauer Karl Holzknecht fünf Jahre.
Albert hat in der Altstadt das Lokal "Pivovar ERB" mit hauseigener Brauerei entdeckt. Da müssen wir beide natürlich mal einen Qualitätstest einlegen und ein lokales Craftbier verkosten. Unser Urteil: sehr gut!
Weiter geht es nach Vlkolínec, dem „Holzdorf im Wolfsland” aus dem 16. Jh., unserem zweiten UNESCO-Weltkulturerbe des Tages. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich vom häufigen Vorkommen von Wölfen in der Gegend ab (vlk = Wolf). Das malerische Dorf liegt an einem Berghang der Großen Fatra. Vom Parkplatz vor dem Dorf aus führt eine schmale Straße mit enormer Steigung zu den ersten Häusern. In Dörfern wie diesem wundere ich mich immer wieder, wie sich ältere Menschen und gehbehinderte Bewohner darin fortbewegen können. Im kleinen Dorf-Restaurant löschte ich meinen Durst mit einem Glas Kofola, der Ost-Cola.
Vlkolinec ist kein toter Ort,
sondern wie Cicmany ein "lebendiges Freilichtmuseum", das inmitten fast unberührter Natur liegt. Aufgrund des stetig wachsenden touristischen Interesses werden die meisten Häuser, die ursprünglich in traditioneller Bauernarchitektur bis auf das Fundament vollständig aus Holz errichtet wurden, heute als Feriendomizile und Pensionen genutzt. Das ist den Einheimischen nicht zu verübeln. Sie wollen nicht 365 Tage im Jahr die Komparsen in einem Heimatfilm sein. Ich verstehe das. Auch hier sind nur noch einige ältere Bewohner übrig geblieben.
Anders als viele andere europäische Länder hat die Slowakei nicht alte Kathedralen und sonstige großartige Bauwerke der Vergangenheit als Highlight zu bieten, sondern traditionelle Dörfer. Das ist eine Besonderheit, die es zu bewahren gilt.
Bei der Weiterfahrt erreichen wir schließlich die Hohe Tatra, das kleinste Hochgebirge Europas. Es geht vorbei am höchstgelegenen Ort der Slowakei, Štrbské Pleso am Tschirmer See. Wir erreichen unser Hotel für die nächsten drei Nächte – so jedenfalls der Tour-Plan. Die erste Nacht verbringen wir jedoch in den großzügigen New Horec Suites der TMR-Hotelgruppe. Das gebuchte Grand Hotel Praha können wir erst am Folgetag beziehen. Als Ausgleich dfür wird für uns am nächsten Morgen eine Seilbahnfahrt in die Bergwelt der Hohen Tatra ins Programm aufgenommen. Perfekt! Der Veranstalter Ikarus bzw. die beauftragte örtliche Agentur hat die Situation für uns Reisende optimal gelöst!
Das Abendessen und das Frühstück werden im nebenan gelegenen HUMNO Tatry Restaurant serviert. Die traditionelle und experimentelle Küche von Chefkoch Ondrej Majercak ist wirklich sehr empfehlenswert! Wir können à la carte aus drei Gängen wählen. Ich entscheide mich für eine köstliche Kürbissuppe mit Garnelen, Halušky und Käsekuchen. Alles ist sehr gut und stellt das kulinarische Highlight der Rundreise dar!
Halušky (gesprochen „Haluschky”) ist das Nationalgericht der ländlichen Slowakei. Es handelt sich um eine Art Gnocchi aus rohen Kartoffeln, Mehl und Salz, die üblicherweise ohne Zugabe von Ei zubereitet werden. Beim Servieren werden sie mit Bryndza, einem Schafskäse, und meist mit Stücken geräucherten Speck gemischt. Das Gericht sieht zwar gewöhnungsbedürftig aus, ist aber sehr schmackhaft.
Auch die Bar des HUMNO ist bestens bestückt – und die Getränkekarte weist zivile Preise aus.
Meine Mitreisenden und ich sind voll des Lobes über Kost und Logis.
So 21.09.2025 Zipser Land (Kezmarok - Levoca)
Wie bereits erwähnt, beginnt das Tagesprogramm nach dem Frühstück mit einer
Seilbahnfahrt. Die Talstation liegt in fußläufiger Entfernung. Da unsere Fahrt vorgebucht ist, können wir an der Schlange der Wartenden vorbeilaufen und direkt eine der Kabinen betreten. Die Fahrt geht hinauf zum 2.644 Meter hohen Lomnický štít (Lomnitzer Spitze) im Gebirgszug der Hohen Tatra. Schon von der vorletzten Station auf 1 768 Metern Höhe am kleinen Bergsee genießt man einen atemberaubenden Ausblick auf die Bergwelt.
Zurück im Tal setzen wir unsere Fahrt fort. Unser Tagesausflug führt uns heute ins Zipser Land, die an kulturellen Schätzen reichste Region. Zunächst besuchen wir das Städtchen Kežmarok (ehemals Käsmark), wo wir die evangelische Holzkirche mit ihrer ungewöhnlichen Deckenbemalung besichtigen. Die Kirche gehört zu den „Artikularkirchen”, deren Errichtung
der Habsburger Kaiser Leopold I. den Protestanten in seinem Reich im 17. Jh. erlaubte. Allerdings bestimmte er strenge Bauvorschriften: Die Kirchen durften ausschließlich aus Holz ohne metallische Verbindungen und ohne gemauertes Fundament gebaut werden. Sie mussten außerhalb der Stadtmauern innerhalb von zwölf Monaten fertiggestellt sein. Die 1717 erbaute Holzkirche von Kezmarok ist eine der am besten erhaltenen Artikularkirchen. Sie wurde von einem
deutschstämmigen Zimmermann erbaut. Seit dem 13. Jh. prägten deutsche Kolonisatoren die Region.
Dann erreichen wir die besterhaltene mittelalterliche (Alt-)Stadt der Slowakei, den Hauptort der Region, Levoca (ehem. Letschau), die "Königin der Zips" mit seiner Stadtmauer und 250 Renaissance-Bürgerhäusern, 2009 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Viele kunsthistorische Denkmäler blieben erhalten. Wir besichtigen die St. Jakobs-Kirche mit dem mit 19 m Höhe höchsten gotischen Schnitzaltar der Welt des Holzkünstlers Paul von Letschau.
In Spišská Kapitula (Zipser Kapitel), dem einstigen religiösen Zentrum des Landes, besuchen wir die Domkirche St. Martin (13. Jh.) und schließlich als Höhepunkt die
mächtige Spišský Hrad (Zipser Burg) aus dem 12. Jh. (UNESCO-Welterbe), heute leider nur noch eine Ruine. Die auf einem Hügel erbaute Burg gehörte mit über 4 ha zu den flächenmäßig größten Burganlagen in Europa. Zeitweise lebten dort bis zu 2.000 Menschen. Heute leben hier im grünen Innenhof nur noch Ziesel, tagaktive kleine Erdhörnchen, die in selbstgegrabenen Erdbauen leben. Sie ähneln den Erdmännchen aus dem südlichen Afrika.
Und täglich grüßt der Ziesel...
Wir beziehen jetzt unsere Zimmer im Grand Hotel Praha **** (früher Palace Hotel Tatranská Lomnica). Das Praha ist bis heute ein edles Hotel mit besonders guter Küche.
Die Grand Hotels aus der K. und K.- Monarchie verliehen als "Kathedralen des Tourismus" den Urlaubsorten in Österreich, in der Hohen Tatra oder in Südtirol ihren speziellen Glanz. Die "feine" und vor allem finanzkräftige Gesellschaft berauschte sich dort an der "champagnisierten Luft" um der realen Welt zu entfliehen und in eigene Traumwelten einzutauchen.
Heute tauchen wir hier ein - Standesdünkel und elitäres Gehabe bleiben draußen. Das steht heute nicht mehr auf der Benimm-Liste.
Die Wälder der Hohen Tatra sind übrigens die Heimat des Europäischen Braunbären (Ursus arctos). In der Slowakei leben davon nach letzter offizieller Zählung rund 1.200 freilebende Exemplare, die mittlerweile wegen ihrer zunehmenden Anzahl zu "Problembären" geworden sind und von denen deshalb 350 zum Abschuss freigegeben wurden. Die Tiere gehen Menschen normalerweise aus dem Weg, wenn sie diese rechtzeitig sehen. Bei überraschenden Begegnungen oder wenn
Muttertiere ihre Jungen gefährdet sehen, insbesondere im Frühling und Frühsommer, können die Raubtiere aber angreifen. Zunehmend besuchen die Bären auf der Suche nach Nahrung auch die Menschen in ihren Dörfern. Dann wirds kritisch...
Insgesamt sind die Hohe Tatra, die Mittelslowakei und die Region Liptau und angrenzende Städte sowie größere zusammenhängende Waldgebiete im Osten als bärengefährdet einzustufen. Wir werden keine Bekanntschaft mit den Teddies ohne Knopf im Ohr suchen...
Grundsätzlich kann Bärenfleisch, insbesondere Schinken, gegessen werden, doch davon wird abgeraten. Es birgt erhebliche gesundheitliche Risiken, wenn es nicht richtig zubereitet wird. Bären sind häufig Träger von Parasiten wie Trichinen, die bei uns Menschen schwere Krankheiten auslösen können. Das Fleisch muss daher immer vollständig durchgegart werden (Kerntemperatur mindestens 74 °C), um die Parasiten sicher abzutöten. Ich verzichte dankend ob des Risikos.
In der Slowakei kann Bärenfleisch legal im Handel erworben und in einigen Restaurants auch als Mahlzeit bestellt werden, in Deutschland jedoch nicht. Die Einfuhr ist sogar verboten – allerdings aus Artenschutzgründen.
Mo 22.09.2025 Nationalpark Pieninny - Zdiar
Wir machen einen spektakulären Ausflug in die Natur des Pieninny-Nationalparks mit dem Gebirgsfluss Dunajec, der sich durch die bizarre
Welt der Kalksteinfelsen windet. In dieser Kulisse liegt das Kartäuserkloster Červený Kláštor, das "Rote Kloster", und die gleichnamige Ortschaft. Es vereint mittelalterliche Mystik, Barockarchitektur, botanische Traditionen und faszinierende Legenden an einem landschaftlich eindrucksvollen Ort. Von letzteren sind vor allem zwei besonders bekannt:
Eine Legende handelt von dem Mönch Cyprian, einem berühmten Botaniker und Universalgelehrten, der eine Flugmaschine gebaut haben soll. Man erzählt, Cyprian habe aus Neid auf einen Adler Flügel konstruiert, mit denen er vom Gipfel der "Drei Kronen" (Trzy Korony) geflogen, dann aber abgestürzt sei. Das angeblich magische Fluggerät sei vom Erzbischof verbrannt worden, um der Ketzerei Einhalt zu gebieten.
Eine weitere beliebte Sage berichtet von elf Mönchen, die als Strafe für einen „Besuch” bei Nonnen in Stein verwandelt wurden. Diese versteinerten Mönche sind als Felsformationen entlang des Dunajec-Flusses erkennbar. Sie sollen nur dann wieder zum Leben erwachen, wenn 11.000 Jungfrauen die Dunajec-Brücke vor ihnen überqueren. Die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte bei „null” liegen.
Im Anschluss an die Klosterbesichtigung erleben wir eine Floßfahrt auf dem Dunajec-Fluss,
der die größte Felsschlucht in Mitteleuropa geformt hat. Auf Holzflößen geht es ca. 1 1/2 Stunden über ruhiges Wasser und Stromschnellen ca. 11 km bis nach Lesnica. Ein solches Wasserfahrzeug besteht aus fünf Holztrögen, die nur mit vier Eisenklammern, drei Stäben und ein wenig Schnur zusammengehalten werden. Es diente damals neben dem Transport von Holz auch zur Beförderung verschiedenen Materials, ausnahmsweise auch von Menschen. Heute erfreuen sich hier max. 12 Touristen pro Floß an einer Floßfahrt. Die Flößer, oft in der traditionellen Tracht der Goralen gekleidet, steuern unsere Flöße, die aus fünf Holztrögen bestehen und mit einfachen Mitteln zusammengehalten werden.
Ihre Witze, wonach die Fichtenzweige, die eigentlich als Spritzschutz am Bug dienen, auch als Kränze für ertrunkene Touristen Verwendung finden, kommen nicht bei allen gut an.
Die Flößer sind sehr erfahren und müssen eine
dreijährige Lehre und harte Prüfungen für ihre Zulassung bestehen. Also, keine Sorge, alles wird gut! Der Wasserstand des Dunajec beträgt bei unserer Floßfahrt stellenweise gerade mal 30 cm. Da kann selbst ein Dackel nicht ertrinken...
Am Ziel-Anleger in Lesnica wartet unser Bus, doch vorher gibt es für uns ein traditionelles mittägliches "Goralen-Picknick". Das "Picknick" findet auf der bewirteten Terrasse des Chata Pieniny Hotelrestaurants in Zdiar statt. Merkwürdig, ich kenne ein Picknick als gemeinsames Mahl, im Freien auf einer Decke sitzend, und Speis und Trank nach Angebot und Vorliebe wählend. Aber so ist es für uns natürlich bequemer.
Im Chata werden wir mit einem Wacholderschnaps begrüßt. Den Stamper darf der Gast als Souvenir mitnehmen. Ich verzichte dankend auf dieses großzügige Geschenk. Es gibt Halusky, Kartoffelpuffer und einen Sahne-Joghurt-Dip als Vorspeise sowie einen sehr wohlschmeckenden Gulasch-Eintopf mit Brot als Hauptgericht. Letzteren schärfe ich mit der hauseigenen Chili-Mischung nach.
Die Gaststätte schenkt mir eine Portion ihres scharfen Spezialgewürzes, das selbst gezogene Chilis enthält und in einem Schraubglas abgefüllt ist. Das finde ich wirklich sehr nett und bedanke mich höflich dafür. Ich hatte gefragt, ob ich diese Gewürzmischung käuflich erwerben könne.
Die Goralen sprechen einen eigenen Dialekt und tragen wunderschöne, bestickte Trachten. Berühmt sind sie für ihre traditionelle Volkskunst, die markante Holzarchitektur, ihre Volksmusik (nicht die „Bohemian Rhapsody”, sondern „Moravian Folklore” ) sowie ihre neben dem uns servierten Essen weiteren typischen Speisen wie
- Oscypek (geräucherter Schafskäse mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Oft wird er gegrillt und mit Preiselbeermarmelade serviert.)
- Bryndza (würzige Schafskäsepaste, entweder separat oder als Brotaufstrich genossen)
- Bundz (frischer, ungesalzener Schafskäse)
- Kwaśnica (sauer eingelegte Kohlsuppe mit Fleisch, traditionell über dem Feuer gekocht)
- Moskole (Fladen aus Kartoffeln, die auf heißen Steinen gebacken werden) und Kartoffelpuffern
- Kapustnica (Kohlsuppe mit Champignons, Wurst und viel rotem Paprikagewürz)
- Fazuľová Polievka (Bohnensuppe)
- Guláš (Eintopf aus Rindfleisch und Gemüse mit Paprika)
- hausgebackenes Brot, Grillfleisch, Würste und Speck
Charakteristisch ist die Kombination von einfachen, deftigen und würzigen Speisen, die für die Berglandschaft typisch sind.
In der Slowakei gibt es eine Reihe von verschiedenen Schafskäsesorten. Am bekanntesten ist der schon erwähnte Brimsen (bryndzová nátierka), der auch als Aufstrich verwendet wird. In Österreich und bei uns ist der Käse unter dem Namen Liptauer bekannt. Es gibt ihn in unterschiedlichen Schärfegraden. Ich liebe es, die Küche des jeweiligen Gastlandes zu entdecken!
Nach dem späten Mittagessen fahren wir zurück ins Grand Hotel Praha in der Hohen Tatra. Ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende zu.
Di 23.09.2025 Bardejov - Holzkirchen - Kosice
Heute verlassen wir die Hohe Tatra und fahren in die Beskiden, die Waldkarpaten mit ihren schwarzen Wäldern, eine multikulturelle Region. Zunächst geht es in die
Siedlung Lukov-Venecia, wo wir die griechisch-katholische Cosmas- und Damian-Holzkirche mit einer der schönsten Holz-Ikonostasen besuchen.
Eine Ikonostase ist - sofern dem Leser nicht bekannt - eine mit Ikonen geschmückte Wand mit drei Türen, die in orthodoxen Kirchen zwischen
dem inneren Kirchenschiff und dem Altarraum steht. Der Altarraum darf nur von den Priestern betreten werden. Die Gläubigen "müssen leider draußen bleiben". Die Ikonostase als Trennungselement von Altarraum und Kirchenschiff in der orthodoxen Kirche stammt im Wesentlichen aus frühchristlicher und jüdischer Tradition. Ihr Sinn ist hauptsächlich theologisch-symbolisch geprägt. Ursprünglich diente die Abtrennung nicht der Trennung der Gläubigen von den Priestern, sie hatte die Funktion, die heiligen Handlungen im Altarraum zu schützen und das Himmlische vom Irdischen abzugrenzen.
Weiter gehts nach Bardejov. Dort laufen wir durch den perfekt erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern zur Alten Synagoge. Sie ist aus mir nicht bekannten Gründen weder durch die SS noch durch Truppen der Wehrmacht zerstört worden. Vielmehr wurde sie nach 1945 dem Verfall preisgegeben und erst in den 2010er Jahren wieder teilweise renoviert.
Ein älterer Bürger der Stadt, der nicht jüdischen Glaubens ist, sich aber als ehrenamtlicher Konservator der Synagoge betätigt, führt uns in diesem bescheidenen Gebäude und gibt uns interessante Erläuterungen. Es gibt keine Bürger jüdischen Glaubens mehr in Bardojev.
Höhepunkt unseres Stadtbesuchs ist wohl die Ägidius-Basilika mit ihren elf gotischen Flügel-Holzaltären (UNESCO-Weltkulturerbe), allesamt Meisterwerke und eine Weltrarität.
Der sich vor der Basilika ausbreitende „Hauptplatz“ ist riesig. Am anderen Ende steht die bronzene, lebensgroße Figur des mittelalterlichen Henkers der Stadt. Er holt mit seiner Axt gerade aus, um einen armen Sünder einen Kopf kürzer zu machen. Die Statue wurde erst in den letzten Jahrzehnten geschaffen. Eine Klasse von Grundschülern findet die Figur des
Henkers sehr aufregend. Für ein Foto mit ihm legt man gerne mal seinen Kopf auf den Richtblock ...
In Hervartov schließlich sehen wir die berühmte dem Hl. Franz von Assisi geweihte katholische Holzkirche. Es ist die älteste und am besten erhaltene Holzkirche in der Slowakei mit wertvollen gotischen Tafelbildern und Wandmalereien. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jh. erbaut und gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe. Die meisten Holzkirchen in der östlichen Slowakei gehen auf das 17. und 18. Jh. zurück.
Am Abend erreichen wir Kosice, die Metropole der Ost-Slowakei und die zweitgrößte Stadt des Landes. Wir übernachten im Hotel Yasmin ****, einem großen, modernen Kongress-Hotel. Unser Abschiedsessen findet im bis auf unsere kleine Gruppe menschenleeren Restaurant des Hotels statt. Es gibt u.a. ein zähes, very well-done gebratenes Schweinefilet, das wohl die Kaltmamsell oder ein Auszubildender zubereitet hat. Dieses "Abschiedsessen" ist wirklich nicht gelungen!
Der bekannteste und wohl auch beliebteste Longdrink der Slowakei wird in der Regel mit dem hochprozentigen Kräuter- und Teelikör Tatratea zubereitet. Dieser Likör auf Schwarzteebasis ist eine slowakische Spezialität und lässt sich pur, aber auch in verschiedensten Longdrinks genießen, was ihn im Land besonders populär macht. Im Jahr 2010 gab es den ersten Tatratea, den Tatratea 52 Original (bis heute mit 52 %vol) zu kaufen. Mittlerweile hat sich das Sortiment erweitert. Typische Longdrinks sind Varianten wie "Tatratea & Tonic" oder einfach Tatratea mit Fruchtsaft und Eis. Muss man mögen...
Ich bedanke mich bei Monika Profantová, die uns sehr einfühlsam, fachkundig und gut dosiert durch ihre Heimat geführt hat.
Kompliment auch an den Veranstalter Ikarus Tours und den verantwortlichen Produktmanager Wolfgang Schneider für die von ihm organisierte Rundreise.
Mi 24.09.2025 Kosice - Abreise
Am Morgen unternehmen wir noch
einen Stadtrundgang durch das historische Zentrum von Košice und besuchen den imposanten gotischen Elisabethdom aus dem 15. Jh., die unbestrittene Dominante der Stadt.
Doch es gibt nicht nur die heile touristische Welt und die ruhmreiche Vergangenheit des Landes.
Mit fast 500.000 Menschen sind die Roma eine der größten ethnischen Minderheiten Europas und stellen etwa 10 % der Bevölkerung der Slowakei. Knapp die Hälfte von ihnen lebt in bitterer Armut, isoliert in Slums und Ghettos, ohne Arbeit, ohne Perspektive und ohne Kontakte zur slowakischen Mehrheitsgesellschaft. Ihr Lebensraum ist vor allem der Osten des Landes. Dass Kinder hier Kinder bekommen, ist keine Seltenheit – und ein Indiz für die Isolation und Ausweglosigkeit der Roma-Gesellschaft.
Nach einem kurzen Imbiss wird unsere Gruppe zum Flughafen von Košice gefahren. Am Nachmittag erfolgt unser Rückflug mit Austrian Airlines via Wien. Ich komme am frühen Abend in Düsseldorf an.
Fazit:
Es war eine schöne Reise in ein osteuropäisches Land, das sich trotz seiner innenpolitischen Probleme zu entdecken und zu erleben lohnt. Vielleicht ein paar Kirchen zu viel...
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Das ist meine Reiseliteratur- Empfehlung für die Slowakei:
- Reiseführer "Slowakei" von André Micklitza, Michael Müller Verlag
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