LOUISIANA on my minds

Hi y´all !  How a´ya doin´? [31.09.2000] Beim Einchecken in Düsseldorf haben Sina, meine Tochter, und ich für den Atlantikflug mit Delta die ersehnten Plätze in der 1. Reihe, nicht Klasse, mit ausreichender Beinfreiheit bekommen. Doch beim Wechseln der Maschine in Paris kommt es anders: Eine junge amerikanische Mutter mit Säugling und Kleinkind bittet uns flehentlich, die Plätze zu tauschen, weil nur hier der Babykorb an der Wand befestigt werden kann. Natürlich kann ich ihr das nicht ablehnen, wir quetschen uns lächelnd (und zähneknirschend) in die Standard- Sitzreihe der Touristenklasse. "You are so kind. God bless you for your sacrifice!" Mit diesen Wünschen läßt sich der 8-Std.-Flug doch gut an, oder? Als wir uns beim Umsteigen in Atlanta erstmals die eingeschlafenen Beine vertreten können, erwartet uns eine Armada schwerbewaffneter Farbiger: Immigration Officer, Zoll, Polizei, Security- Leute. Alle schauen ziemlich finster drein, keine Willkommens- Atmosphäre, eher bedrohlich! Na ja, wird schon werden. Was mir noch am Airport in Atlanta auffällt: Hier heißen die Terminals "Concourse" - warum, weiß ich nicht - und werden von einer selbstfahrenden U-Bahn angefahren. Eine Tonbandstimme sagt vor jedem Stop  "Please hold on! The Train stops now." Das klingt doch sehr beruhigend. Der Anschlußflug bringt uns nach New Orleans. Der "Pelikan- Staat" Louisiana ist Anfang und Ende unserer kleinen Südstaaten- Rundreise.

New Orleans ("N´Ahlins"), Louisiana: "The Big Easy" - Der große Leichtsinn, The Crescent City, Heimat des Mardi Gras im Frühjahr jeden Jahres. Hier steht die Wiege des Jazz, hier ist die Hauptstadt des Voodoo und hier fließt der Mississippi - der Ol`Man River... Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Großstädten soll hier die "pure Leichtigkeit des Seins" angesagt sein, so die verheißungsvollen Versprechen der Reiseführer. Schaun´wir mal.

[Wetter z.Zt. in New Orleans, Louisina]
 

Wir haben das Ambassador in der Tchoupitoulas St. von Deutschland aus vorgebucht.  Abenddämmerung,  seit 20 Std. unterwegs, vor der Airport- Halle schwüle 30° C (mind.), also schnell ein Taxi nach Downtown (Einheitspreis 25 $ plus Tip). Der Taxifahrer, ein Schwarzer, wie etwa die Häfte der Stadtbevölkerung, ist sehr einsilbig. Wir fahren am Superdome, einem riesigen UFO- ähnlichen Stadion mitten in der City (hier übrigens "Säddy" genannt), vorbei. "What´s the name of the team playin` here?" frage ich den Fahrer. Er nuschelt sowas ähnliches wie "Senns". Wie wir später erfahren sind es die N.O. Saints, ein Top- Footballteam, das in der NFL spielt.

Unser Hotel liegt downtown New Orleans zwischen Warehouse District und French Quarter, sieht aus wie ein ehemaliges Fabrikgebäude Anfang letzten Jhdrts., innen wie außen weitgehend altes, unverputztes Ziegelmauerwerk. Das vermittelt French Quarter- Atmosphäre, wie wir noch feststellen sollen. Die Möblierung der Zimmer: viel Mahagoni -oder zumindest so gebeizt-, Schmiedeeisen, dicke Teppichböden, riesige Deckenventilatoren. Apropos Deckenventilator: Hat man sich erst an den leichten Windzug im Zimmer gewöhnt, ist ein Ventilator viel angenehmer als die ewig zu laute und zu kalte Klimaanlage. Wir sind total kaputt vom langen Flug und gehen früh zu Bett.

Nächster Morgen. American Breakfast: scrambled eggs and bacon with hush browns, genau das richtige für mich zur Einstimmung! Sina wählt "Frühstücks- Cerealien" und Obst. Dann machen wir uns auf den Weg. Zum Ol`Man River sind es zu Fuß 5 min, zum French Quarter 10 min. Optimale Lage des Hotels!  Wir wollen erstmal zum Flußufer, laufen prompt in die falsche Richtung, fragen einen Passanten nach dem Mississippi. Was wir genau suchen würden, ein Hotel oder Restaurant mit diesem Namen oder den "Mississippi River"?Der Mississippi heißt hier nämlich eben nicht nur Mississippi sondern Mississippi River.

Die Poydras St. führt runter zum Riverwalk Marketplace, einer Laden- Passage in unmittelbarer Nähe zum Hilton und zu Harrah´s, dem Casino. Hier legen auch die Steam Boats (Schauffelraddampfer) an: "Cajun Queen", "Creole Queen" und "Natchez". Ein Spendensammler für Witwen und Waisen verkauft uns erstmal zwei Baseball- Caps für 15 $. Er gibt uns den Tip, die kostenlose Fähre zum anderen Ufer zu benutzen. Dort gäbe es parrots, Papageien, in den Bäumen zu bestaunen und natürlich "Blaine Kern´s Mardi Gras World" (MGW).

Wir setzen über nach Algiers Point.  Papageien sehen wir keine, dafür einen kleinen Shuttle- Bus in den grellen MGW- Farben. Wir nehmen Platz und lassen uns mit ein paar Mitfahrern von dem schwarzen Piloten im Schneckentempo durch den heruntergekommenen (historic) Stadtteil Algiers Point kutschieren. Dieser wird vorwiegend von Schwarzen bewohnt, besteht aus alten Holzhäusern, vor denen schrottreife Autos (uralte Caddilacs, Mercurys...) stehen und auf deren Veranden die Leute ein Pläuschchen halten. Ziel ist MGW, eine Mischung aus Museum und Werkstatt für den nächsten Mardi Gras (spricht man "Maadi Graa"). Die Hallen können im Rahmen einer Führung besichtigt werden, die mit dem traditionellen Verköstigen eines bunten Kings´s Cake (plastic doll inside) beginnt. Wir sind von der Führung und den riesigen kunstvollen Phantasie- Figuren und Umzugswagen aus bemaltem Styropor begeistert und beeindruckt.  Am Ende der Führung gibt es einen Film über die Mardi Gras` der letzten Jahrzehnte zu sehen, eine Art Mischung aus Karneval in Rio und in Köln, andererseits ein ganz eigenständiger, nicht vergleichbarer Karneval, den ich sehr gern mal miterleben würde. Dann haben die Besucher noch Gelegenheit, sich mit alten Masken und Kostümen selbst zu verkleiden und - natürlich zu fotografieren. Jede Menge Spaß: Sina als Mardi Gras- Prinzessin, ich als Hofnarr, König und  Al Capone.

Am frühen Nachmittag sind wir zurück am anderen Ufer. Affenhitze! Wir schlendern durch den Wuldenberg Park Richtung French Quarter, auch "Vieux Carré" genannt, dem legendären Herzen der Stadt, der Geburtsstätte des Jazz. Wir passieren das örtliche Hard Rock Cafe an der Decatur St. und sind mittendrin. Aus jedem 2. Laden klingt Jazz, Blues, Zydeco, Cajun, Soul oder Salsa - meist aus übersteuerten Anlagen. Natürlich am meisten auf der legendären Bourbon St., die viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren haben soll. Musikkneipen, Restaurants, Andenkenläden, Voodoo-Zauber, reihen sich aneinander. Die Menschen stehen wie vor Jahrzehnten mit einem Glas in der Hand am Straßenrand, die andere Hand im Rythmus schnippend oder tanzend. Hier  im French Quarter wurde auch der erste Cocktail kreiert.  In den Voodoo- Läden Warnhinweise: "nicht den Altar berühren", "böser Zauber"... Wir wollen in den berühmten Court of two Sisters. Hier ist es aber brechend voll. Deshalb wählen wir einen Patio (Hinterhofgarten) gegenüber für ein verspätetes Lunch.

In unserem Patio steht das bestellte Essen noch nicht auf dem Tisch, zieht draußen auf der Bourbon eine Parade geschmückter Wagen mit diversen Dixie- und Jazz- Kapellen vorbei. Wir stürzen hinaus. Es handelt sich um eine Parade der Deutschstämmigen aus Lousiana, Themenwagen aus "deutschen Landen". Hat aber wenig damit zu tun. So spielt z.B. auf dem "Hessen"- Wagen eine ganz verrückte Dixie- Combo, einzig zu "Bayern" gibt es Mädels, die vermeintliche Dirndles tragen und die Musik spielt "Oans, zwoa, zuffa...". Aber das Deutschlandbild der Amis ist eh ein Thema für sich. Von den Wagen werden -wie beim Mardi Gras- bunte Ketten unters Volk geschmissen. Manche der Zuschauer haben bis zu 30 Stück davon um den Hals. In den Läden zahlt man dafür 2- 3 $ pro Stück. Wir widmen uns unserem Essen.

Als großer Seafood- Fan lerne ich, daß die Shrimps hier im Süden der USA eher Riesengarnelen sind, zumindest wenn man sie mit Nordsee- Krabben vergleicht. "Bubba taught me all there is to know about the shrimpin´ business" sagt der unvergleichliche Forrest Gump in dem gleichnamigen Film. Die Shrimps werden hier nicht auf den Kuttern abgekocht, sondern innerhalb von 2 min. nach dem Fang in Tiefkühlräume an Bord eingelagert. Na ja, soviel wie Bubba und Forrest weiß ich nicht über die Shrimps, aber ich kann sie von Crawfish unterscheiden, kleinen Flußkrebsen, deren Größe unseren Nordseekrabben ähneln, die aber ein festeres Fleisch haben. Ebenfalls sehr lecker, schmeckt ähnlich wie Hummer! Irgendwo habe ich neulich gelesen, Crawfish seien eigentlich Schlammkäfer... Schon allein wegen der Shrimps-, Crawfish- und Catfish- Gerichte  lohnt sich ein Louisianabesuch.

Nach dem Essen wandern wir die Bourbon hoch bis zu John Lafittes´s Blacksmith Shop (Kneipe) und biegen dann in die viel schönere Royal St. ein. Beeindruckend hier: Die vielen kunstvollen schmiedeeisernen Balkone. Auch das Niveau der Läden und Boutiquen ist hier höher als in der Bourbon. Sina entdeckt einen Laden, der exclusiv original Hawai- Hemden verkauft, Stückpreis 50 $ (bei uns in D kosten die ca. 200 DM!). Ich kaufe gleich zwei davon. Auf der Decatur St. entdecken wir den Virgin Records CD- Shop, ich vertiefe mich in die Blues- Abteilung. Am Abend sind wir dann am Jackson Square mit der St. Louis Kathedrale. Hier stehen zig Pferdedroschken, deren Kutscher darauf warten, Touristen durchs Vieux Carré zu fahren. Wer´s mag... Wir laufen lieber den "Moonwalk" entlang. Diese Uferpromenade hat nichts mit Michael Jacksons Hit zu tun, sondern wurde nach einem ehemaligen Bürgermeister namens Moon benannt. Hier am Ufer fährt die Riverside- Line der historischen Streetcars. "A streetcar named desire" (Endstation Sehnsucht) ist der wohl berühmteste.
Im French Market Cafe lassen wir den Abend ausklingen. Hier - wie an vielen anderen Stellen - spielt eine Jazzband "only at your tip". Jede halbe Stunde geht ein Bandmitglied mit dem Hut ´rum und sammelt unter den Zuhörern. Im Herbst 2000 haben wir übrigens Pech mit dem Wechselkurs. Während die Preise in den USA nominal 1:1 zu denen in Deutschland sind, stehen auf der Kreditkartenabrechnung für ausgegebene 100 $ leider 225 DM...

Nächster Morgen. Die Temperatur ist auf erträgliche 24° gefallen. Das French Quarter zieht uns wieder magisch an. Natürlich ist hier noch nicht viel los. Die Spuren der letzten Nacht werden gerade beseitigt, Aufräumen und Reinemachen ist angesagt. Dennoch sind die ersten Straßenmusiker bereits auf der Bourbon, Rampert und St. Louis aktiv. Der Bauch der Stadt schwillt langsam wieder an. Am French Market herrscht bereits geschäftiges Treiben. Der dortige Flea Market und Farmers´ Market sind gut besucht. Trödel und Kitsch aller Art sowie frische Lebensmittel aus der Region werden hier angeboten. Im Shopping- Center der ehemaligen Jackson Brewery kauft sich Sina einen regenbogenfarbenen Winterpullover (O-Ton: "Hoffentlich wird´s bald kalt in Deutschland."), in den sie sich unsterblich verliebt hat. Wir rasten wieder mal am Jackson Square. Hier ist der Treffpunkt der Straßenmusiker, Eisverkäufer und - Taschendiebe. Luftballon- Clowns haben ein Auge auf Sina geworfen. "Is she your daughter? Can I marry her?" Kurz danach sind sie in ein Gespräch mit irgendwelchen Sekten- Leuten vertieft. Ein Fernsehteam kommt hinzu, führt Interviews. Am Abend genießen wir eine Karaoke- Veranstaltung auf der Bourbon. Unvergeßlich: eine schon merklich alkoholisierte junge Frau mit ihrem "Miss American Pie"- Vortrag. Wir essen in Papa Joe´s Restaurant. Sina bestellt Po- Boys (Sandwiches) mit Ham and Chips, ich ein Crawfish Etouffee (eine Art Ragout aus Flußkrebsen, Tomaten, Okra, Zwiebeln und Chili).

Nach 2 1/2 Tagen in der Jazz- Metropole New Orleans übernehmen wir unseren Mietwagen am Convention Center und fahren auf dem Hwy. 90 nach Houma dem "Venedig Amerikas" (eine Beleidigung der ital. Lagunenstadt, wie wir meinen). 55 Brücken über den Bayous (indian. Wort für "stilles Wasser") und Kanälen sowie eine chaotische Straßenführung kennzeichnen das Stadtbild. Hier wollen wir eine Bootstour durch die Sümpfe unternehmen.  Wir entscheiden uns für Munson´s Swamp Tours (Eigenwerbung: "World Famous") am Ortsrand. Zusammen mit 4 Franzosen und einem Paar aus Berlin fährt uns unser Guide mit einem kleinen Ponton- Boot in die Sümpfe Louisianas. Zypressen mit Luftwurzeln und moosbehangene Eichen am Bayou- Ufer, dicke Spinnen, die ihre Netze quer über das Wasser gesponnen haben (Sina ekelt sich sehr davor). Dann sehen wir auch die ersten Alligatoren: Ein weibliches Tier in der Nähe eines Nestes. Hier liegen die kleinen Baby- Alligators dicht beieinander. Unser sympatischer Guide erzählt viel interessantes über die Gators. Im weiteren Verlauf der Tour sehen wir Waschbären ("Rocky Racoon"), die offensichtlich an Menschen gewöhnt sind und sich mit hingeworfenem Toastbrot füttern lassen. Die Waschbären halten aber immer einen gebührenden Sicherheitsabstand zum Wasser wegen der Alligatoren. Die vermeintlich trägen Reptilien können nämlich blitzschnell zuschnappen und auf kurze Distanz eine Geschwindigkeit von 20 mph erreichen. Dann machen wir die Bekanntschaft mit dem ältesten und größten Gator hier im Sumpf. Es ist ein über 5 m langes Männchen, 100- 120 Jahre alt, so unser Führer, das sich nur selten zeigt. Wir hätten Glück, das Reptil zu sehen.  Der Guide füttert den Gator mit mitgebrachtem Hühnchenfleisch, bringt ihn dazu, sich mit aufgerissenem Maul etwas aus dem Wasser zu katapultieren. Spektakulär! Die 2- stündige Sumpf- Tour ist wirklich ihren Preis von 18 $ p.P. wert.

Wir essen in einem urigen Cajun- Restaurant in Houma zu Abend. Sina bestellt "Gator Bites" (fritierte Matschkugeln aus Alligatorenfleisch; na ja, war´n Experiment) und Hühnchen- Gumbo, ich "bacon wrapped shrimps" (wie der Name sagt -und fritiert; sehr lecker) und Seafood- Gumbo. Die Gumbo sieht aus wie das schlammige Wasser der Swamps und ist ein höllisch scharfer Suppeneintopf mit Reis.

Unsere Zelte bauen wir dann im neu eröffneten Best Western Houma auf, etwas abseits gelegen.

Cajuns` FlagAm nächsten Morgen geht es weiter Richtung Lafayette. In Morgan City wollen wir uns die Swamp Gardens ansehen, die sind aber wg. dringender Renovierungsarbeiten gerade geschlossen. Pech! Nach kurzer Fahrt auf dem Hwy 90 fahren wir auf die 182 West entlang am Bayou Teche durch Franklin, Jeanerette, New Iberia und viele weitere kleine Orte mit traumhaften Südstaaten- Villen und Antebellum- Häusern (so genannt, weil vor dem Bürgerkrieg errichtet). An der Straße liegen viele Zuckerrohrfelder und eine (stinkende) Zuckerrohr- Fabrik.

Die Sumpfgebieten Süd-Louisianas waren bis 1973, dem Baujahr einer Schnellstraße auf Betonpfeilern über das Atchafalaya- Sumpfbecken hinweg, völlig isoliert vom übrigen Amerika. Hier leben die Cajuns. Der Name ist eigentllich eine englische Verballhornung des Namens "Arcadians", ursprünglich französische Einwanderer, die zunächst im 17. Jahrhundert in Kanada siedelten, dann aber im Laufe der Geschichte vertrieben wurden und bis hierhin weiterzogen. Von dieser Geschichte und einer tragischen Liebe erzählt das Gedicht "Evangeline" von Henry Longfellow. Dass die Cajuns ihre eigenständige Kultur so lange bewahren konnten, verdanken sie der Abge- schiedenheit. Hier konnte die eigentümliche Sprache, die ihre Wurzeln im Französischen hat, bis heute überdauern. Der Name "Cajun" wurde im amerikanischen Sprachgebrauch zum Schimpfwort für einen  "zurückgebliebenen Bauernlümmel", ebenso wie "Rednecks" (Rotnacken) ein rüdes Schimpfwort für besonders hinterwäldlerische Südstaatler ist. Ich erinnere mich an den Actionfilm "Die letzten Amerikaner" (Original: "Southern Comfort") von Walter Hill, ich meine mit Keith Carradine in einer der Hauptrollen, der vom Überlebenskampf von US-Army-Reservisten handelt, die sich durch die Sümpfe schlagen und von bösen Cajuns gejagt werden. Die Atmosphäre dieses Films ist sehr spannend und beängstigend. Vermutlich wurden hier alte amerikanische Klischees über die "unheimlichen" Cajuns bedient.

Die so verunglimpften Cajuns haben jedoch in jüngster Zeit ein neues Selbstbewußtsein entwickelt, nicht zuletzt wegen der magischen Anziehungskraft ihrer traditionellen Küche und der vom Akkordeon dominierten Folkmusik. "laisser les bon temps rouler", "let the good times roll", genießt die schöne Zeit! - das ist das durchgängige Motto der Cajunmusik.  


Creolian FlagCreolen werden übrigens die Bevölkerungsteile in und um New Orleans genannt, die sich aus der ethnischen Mischung von Indianern, Spaniern, Franzosen und Afrikanern gebildet haben. Die "Creolische Küche" ist auch an der US- Westküste in California zu finden (unser Reisebericht "USA- Der Westen"), dort aber eher als Mischmasch aus creolischen und Cajun- Gerichten, immer dominiert von scharfen Saucen (Tabasco kommt ja genau aus dieser Ecke hier). Das berühmteste Gericht ist Jambalaya, ein Paella- ähnliches Reisgericht mit Schinken.

Unser Tagesziel ist Lafayette, die inoffizielle Hauptstadt der Arcadianer oder Cajuns. Abends im Comfort Inn sehen wir im TV zufällig die Originalversion von "Lola rennt" mit englischen Untertiteln. Der preisgekrönte deutsche Film lief erst 2 Jahre später bei uns im Fernsehen.  Im Motel- Restaurant gibt es zuvor Catfish (Wels), den Lieblingsfisch der schwarzen Bevölkerung.

Am nächsten Morgen besuchen wir in Lafayette Vermilionville, das "lebende" Freilichtmuseum der Cajun- Kultur. Eine freundliche alte Dame, mind. 80 J. alt, in historischem Kostüm und mit Sonnenschirm begrüßt uns als die ersten Besucher an diesem Morgen. Ohne eigene Bemühung erleben wir eine exklusive Führung durch die alte Arkadianerin. Sie ist schwer zu verstehen, da sie Halbsätze regelrecht herauspreßt und auch Probleme mit ihrem zwar strahlend weißen, aber wohl schlecht sitzenden Gebiß hat. Aber sie erzählt mit einer solchen Inbrunst von ihrer Kindheit und ihren verfolgten Vorfahren, daß wir uns einfach nicht von ihr loseisen können. Bis Mitte des 20. Jhrdt. haben die Arcadians nur Französisch gesprochen, dann wurde ihren Kindern in den Schulen die englische Sprache unter Strafe aufgezwungen.

Im Museumsdorf erzählt uns später ein alter Tischler, daß er im 2. Weltkrieg in Afrika unter de Gaulle gegen die Nazis gekämpft habe. Stolz präsentiert er uns handgeschnitzte und getischlerte Utensilien - vom Löffel bis zur Truhe -  "all handmade". Eine farbige Köchin bietet uns ein leckeres Bohnengericht zum Probieren an. Ein Schmied und eine Schneiderin demonstrieren ihre Handwerkskünste. Zum Abschluß des Rundgangs besuchen wir die Cajun Cooking School, wo wir andächtig der Zubereitung eines typischen Gumbos zusehen. Für die Zubereitung sind oft Zutaten erforderlich, die es bei uns nicht zu kaufen gibt. Sie lassen sich jedoch über das Internet beziehen bei www.cajungrocer.com. Hier gibts auch Rezepte!

Wir fahren weiter Richtung Baton Rouge auf dem Interstate 10 durch die Atchafalaya- Sümpfe. Der Highway führt meilenweit auf Stelzen durch eine teilweise unwirkliche Sumpflandschaft, abgestorbene Bäume in von Entengrütze (sieht jedenfalls von oben so aus) überzogenem Wasser .

Die Plantagenhäuser am Mississippi River zwischen Baton Rouge und New Orleans stehen auf unserem Programm. Als erstes besichtigen wir im Rahmen einer Führung ausgiebig das größte und auffälligste aller Plantagenhäuser, das Herrenhaus der Nottoway Plantation, auch "White Castle" genannt. Wie in allen anderen Plantagenhäusern darf innen weder fotografiert noch gefilmt werden. Die verschwenderische Architektur und die prunkvolle Inneneinrichtung lassen die rauschenden Feste erahnen, wie sie vor 150 Jahren dort gefeiert wurden. Scarlett O´Hara läßt grüßen. Der krasse Gegensatz zwischen den Villen und den umliegenden ärmlichen Schwarzensiedlungen ruft aber auch in Erinnerung, um welchen Preis dieser Reichtum erworben wurde. Sklavenarbeit auf den Zuckerrohr- Plantagen. Die Führer durch die Plantagenhäuser betonen auffällig, daß der jeweilige damalige Eigentümer ein guter Herr zu seinen Sklaven war. Kommt uns irgendwie verdächtig vor.

Nach Nottoway sehen wir uns noch an: 
- San Francisco Plantation (eine der kunstvollsten Villen der Südstaaten, leider heute mitten in einem Industriegebiet gelegen)
- Oak Valley Plantation (beeindruckt durch die vorgelagerte Eichenallee) und
- Houmas House Plantation (sehr schönes Herrenhaus auf der damals größten Südstaaten- Plantage).
Hierbei beschränken wir uns aber auf Außenbesichtigungen.

Wir fahren den Hwy 61 Richtung Natchez, MS.

Fortsetzung des Reiseberichtes unter ->

Teil 2: Mississippi: Cotton - vom Winde verweht
 

Am vorletzten Tag unserer Reise sind wir wieder zurück in New Orleans. Wir übernachten am nördlichen Rand im Holiday Inn Express. Wunderbares Wetter und ein wunderschöner letzter Tag im Süden der USA. Wir frühstücken im Café Du Monde und bestellen die Spezialität des Hauses: Café au Lait mit Beignets, ganz frisch und sooooo lecker! Zwei wohlschmeckende Spezialitäten: Der mit Zichorie versetzte (Milch-) Kaffee und die berühmten kleinen Krapfen, immer 3 Stück pro Portion, reichlich mit Puderzucker bestreut.

Die letzte Mahlzeit dann nochmal nach Cajun- Art: Salat mit Crawfish, das werde ich bestimmt vermissen... Wir geben den Mietwagen am Airport zurück. Tschüs Louisiana. You`ll be on my minds...