1. Tag - Sa 29.09.18: Ankunft in Tirana

unsere Balkan- RouteAm Vormittag fliegen wir mit dem Kranich zum doppelköpfigen Adler nach Tirana. Wir landen sicher auf dem Nene Teresa- Flughafen. Die wenigsten wissen, dass Mutter Teresa, die überwiegend in Kalkutta gearbeitet hat, Albanerin war. Meine Meinung über diese Frau ist sehr zwiespältig. Das gilt auch für den ihr verliehenen Friedensnobelpreis und ihre schnelle Heiligsprechung.

Diesmal habe ich mich einer Reisegruppe angeschlossen, die aus Mitarbeitern des genossenschaftlichen Finanzverbundes und ihren Angehörigen besteht. Veranstalter ist RV Touristik, München. Es sind 9 Paare und alle kommen aus Bayern... Hoffentlich wird nicht die ganze Woche von Bank- und Versicherungsthemen oder über den FC Bayern gesprochen. Das würde mich sehr nerven. Ich bin wirklich auf die nächsten Tage gespannt. Unsere Gruppe wird von Carola, einer charmanten Mitarbeiterin des Reiseveranstalters, begleitet. Die Reiseleitung übernimmt in Tirana die resolute, aber sympathische, einheimische Fremdenführerin Dhurata.

Nach unserer Ankunft fahren wir zum Hof eines Ziegenbauern. An einem kleinen See werden wir von seiner Familie mit einem einfachen Lunch bewirtet. Dazu gehören Käse, Salat, Gemüse, Rindersteaks, Hühnchen, Rotwein und Raki. Albanischer Raki ist nicht zu verwechseln mit dem bekannten türkischen Anisschnaps, es ist vielmehr ein Grappa- bzw. Trester- ähnlicher Traubenschnaps. Den brennt hier jeder Bauer selbst. Dennoch hat er erstaunliche Qualität. Dieses einfache Lunch gefällt allen sehr gut. In Russland gibt es das Sprichwort "Gast im Haus, König im Haus!". Das gilt auch auf dem Balkan. Wir nutzen die zünftige Mahlzeit für eine gegenseitige Vorstellung und die Verabredung, uns fortan zu duzen.

Nachdem der Bauer uns noch stolz seine Ziegen präsentiert hat, fahren wir weiter nach Durres, einst ein wichtiger Knotenpunkt an der Via Egnatia, die Konstantinopel mit Rom verband. Heute ist Durres als größte Hafenstadt die wirtschaftlich zweitwichtigste Stadt des Landes nach Tirana. Hier sind unzählige Hotels, Appartementhäuser, Feriendörfer und Geschäftsgebäude entstanden. Am frühen Abend erreichen wir den Hafen von Durres. An der Promenade hat man eine permanente Kirmes für Kinder aufgebaut. Diverse Fahrgeschäfte locken. Jedoch ist es ziemlich leer, die Hauptsaison ist vorbei.

Albanien gilt als hoch entwickeltes Land, gehört aber gleichzeitig zu den ärmsten Staaten Europas. Deshalb versuchen viele Albaner in Deutschland Asyl zu beantragen, werden aber zu fast 100% abgelehnt, da ihr Land als sicheres Herkunftsland gilt. Seit 2014 ist Albanien Beitrittskandidat der EU. Bis dahin ist es noch verdammt weit, denn wie zu Zeiten des Diktators Hodscha gibt es auch heute einen hohen Grad an Korruption und Vetternwirtschaft im Land. Mafiose Clans sind gewalttätig, in dunkle Geschäfte verwickelt und es gibt auch zahlreiche Fälle der vielzitierten Blutrache. Jedoch bekämpft die derzeitige Regierung alle kriminellen Machenschaften mit großer Härte.

Statussymbol der Skipetaren, der Adler-Söhne, ist heute nicht mehr ein rassiges Pferd wie es Karl May noch in seinem Band "Durch das Land der Skipetaren" beschrieb, sondern ein Stern, der einen Namen trägt: Mercedes. Und das fällt im Stadtbild sofort auf. Als hätten die Stuttgarter hier eine Deponie für Pkws aller Jahrgänge errichtet, sind ganze Straßenzüge mit Mercedesfahrzeugen, aber auch mit BMWs zugeparkt. Und selbst auf dem Land finden sich alte Autos der deutschen Luxusmarken am Straßenrand. Albanien hat die höchste nationale "Mercedes- Dichte" der Welt!

Die Landeswährung Albaniens ist der Lek. Zur Zeit unseres Besuches gilt 1 € =125 L; 100 L = 0,80 €. Da wird es mit dem Umrechnen manchmal kompliziert, aber wozu gibt es das Smartphone mit seinen praktischen Apps...

Das Hotel Klajdi liegt in Golem direkt am Meer südlich von Durres. Bis auf unsere kleine Gruppe steht es fast leer. Wir werden hier 3 Übernachtungen haben und jeweils Frühstück und Abendessen einnehmen. Darüber gibt es nichts besonderes zu berichten.

2. Tag - So 30.09.18: Ausflug Kruja

Kruja war das Zentrum des albanischen Widerstandes gegen das Osmanische Reich unter der Führung des Nationalhelden Gjergj Kastrioti, genannt Skanderbeg (1404-1468). Als kleiner Junge wurde Gjergj von seinem Vater Gijon, dem Fürst von Albanien, als Pfand und Beweis für dessen Gefolgschaft dem Osmanenherrscher an den dortigen Hof gegeben, wo er abredewidrig als Moslem erzogen und als Krieger ausgebildet wurde. Gjergj sprach mehrere Sprachen perfekt und zeichnete sich durch hohe Intelligenz und Tapferkeit im Kampf aus. In Gedenken an Alexander den Großen erhielt er als Namen die türkischsprachige Form des griechischen Vornamens Alexander, İskender. Später wurde dieser Name mit seinem militärischen Ehrentitel Bey zu Iskender Bey (- Skanderbey - Skanderbeg) verknüpft.

Als Skanderbegs Vater starb, brach der Sultan erneut sein Versprechen. Er setzte nicht Gijons Sohn auf den Thron von Albanien, sondern einen Abtrünnigen. Als Skanderbeg darüber informiert wurde war seine Rache gnadenlos. Mit 300 albanischen Rittern verließ er 1443 das osmanische Heer und zog nach Kruja. Er tötete den falschen Fürsten und alle türkischstämmigen Bewohner im Land, nahm sich sein rechtmäßiges Erbe und bekehrte sich zum Katholizismus.

In den folgenden Jahren schickte Sultan Murad II. wiederholt große Heere gegen Skanderbeg und seine Verbündeten. Doch die Heere der Osmanen wurden von den Verteidigern alle vernichtend geschlagen. Wir hören von der Legende, warum Skanderbeg einen Helm trug, der von einem gehörnten Ziegenschädel gekrönt wird. Er hatte sich damals mit wenigen Männern in die Berge zurückgezogen um der Belagerung der Osmanen zu entgehen. Da ließ er seine Männer den Tieren einer Ziegenherde brennende Kerzen an die Hörner binden und trieb die Herde in der Nacht talabwärts. Die Osmanen hielten sie für eine Verstärkung von Skanderbegs Trupp und begannen sofort den Rückzug... Der Ziegenhelm wird wie eine Reliquie verehrt - obwohl es sich hier um ein Replikat handelt. Der angeblich echte Helm befindet sich in Wien.

1468 starb Skanderbeg vermutlich an Malaria. Er ging in die Geschichte ein als großer Held Albaniens und Verteidiger des Christentums gegen die Osmanen.

Die heutige Nationalflagge mit ihrem doppelköpfigen schwarzen Adler auf rotem Grund geht zurück auf das Wappen der Kastrioten, der Fürstenfamilie Skanderbegs. Kruja, die einstige Hauptstadt Albaniens im 15. Jahrhundert, liegt etwas nördlich von Tirana auf den Hängen der Skanderbeg- Berge hoch über der faszinierenden Küstenebene.

Wir genießen die Aussicht und besichtigen die eindrucksvolle Burg von Kruja mit venezianischen, byzantinischen und osmanischen Elementen. Hier erwartet uns das Skanderbeg Museum und das Ethnographische Museum, das u.a. das Leben einer Familie in Albanien im 18. Jh. veranschaulicht. In diesem ehemaligen Wohnhaus eines vermögenden Kaufmanns gab es separate Räume für den Aufenthalt der Frauen und Männer. Man hat alle Räume des Hauses wie früher eingerichtet.

In der schön restaurierten Basarstraße bieten Souvenirläden landestypische Handwerkskunst an.

Zu mittag speisen wir im Hotel Panorama in Kruya. Wie auch an den nächsten Tagen verlassen wir uns auf Dhuratas Empfehlung. Am Abend sind wir zurück im Hotel in Golem.

3. Tag - Mo 01.10.18: Tirana

Der Tag beginnt mit einem frühmorgendlichen Stromausfall. Heute geht es nach Tirana. Prognose: 29° und Sonne. Ganz so warm wirds aber nicht. Es bleibt bei angenehmen 25°.

Tirana, die Hauptstadt Albaniens ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Orientalische und teilweise italienische Einflüsse machen den besonderen Reiz dieser Stadt aus.

Unter den Kommunisten war Albanien das einzige atheistische Land der Welt. Alle Religionen waren verboten. Ab 1990 wurden überall im Land wieder Kirchen und Moscheen gebaut. Die Mehrheit der Gläubigen sind heute Moslems, gefolgt von orthodoxen und katholischen Christen. Nach wie vor aber sind die meisten Albaner Atheisten.

Wir besuchen das Zentrum des Bektashi-Ordens (Kufis), einer der größten islamisch-alevitischen Derwischorden auf dem Balkan und in Anatolien. Lehre und Gebetspraxis der Gemeinschaft geht auf Hadschi Bektasch (13.Jh.) zurück. Ihr Gebetshaus nennen sie eine "Teke", der Koran ist ihre heilige Schrift. Es gibt eine Hierarchie der Gläubigen vom initiierten Mitglied über den Derwisch, den Baba (Vater), den Halifebaba (Großvater) bis zum Dede bzw. Großdede, dem Vorsitzenden des Ordens. Zum jeweiligen Dede unterhält der Vatikan sehr gute Beziehungen. So führte die erste Auslandsreise Papst Franziskus nach Tirana zu Dedebaba Edmond Brahimaj. Die offene Art, mit der die Glaubenslehre und die Riten der Bektaschis praktiziert werden, ermöglicht ihnen, die Barrieren zwischen Moslems, Katholiken und Ortodoxen zu überwinden.

Anschließend zeigt uns Dhurata die City von Tirana, wir laufen vorbei an zahlreichen Regierungsgebäuden zum Skanderbegplatz. Dort steht die Reiterstatue des Nationalhelden.

Die Fassade des Historischen Nationalmuseums schmückt ein Monumentalgemälde aus kommunistischer Zeit. Der damalige Diktator Enver Hodscha hat sich ein Mausoleum in Form einer Pyramide bauen lassen. Die Bevölkerung verschmäht dieses Gebäude und lässt es verfallen. Dieses und auch das Kriegsmuseum Bunk'Art 2 mit seinen atombombensicheren Luftschutzkellern besichtigen wir nicht von innen. Leider reicht die Zeit nicht.

Dhurata führt uns auf den großzügigen Boulevard mit der typischen Breite für sozialistische Aufmärsche und Paraden. An ihm reihen sich Regierungs- und Universitätsgebäude und einige kleinere Parkanlagen. Ein Abstecher führt durch den "Block", die früher verbotene Stadt, wo sich auch das für heutige Maßstäbe eher bescheidene Wohnhaus von Enver Hodscha (albanisch Hoxha) befindet. Heute ist dieses Viertel eines der beliebtesten der Einheimischen mit vielen modernen Cafes, Restaurants und Geschäften.

Wir landen in einem Fischrestaurant im neuen Basar, einem Restaurantviertel, wo wir unfreundlich bedient werden weil wir nach Ansicht des Kellners zu wenig bestellen. Wir lassen uns ausgesuchten frischen Fisch zu einem gemischten Salat schmecken. Dhurata liest dem Kellner lautstark die Leviten, das sei keine Werbung für ihr Land. Dieses Verhalten läuft ihr völlig zuwider, sie lobpreist ihre Heimat immer wieder über den grünen Klee und so ein Idiot beschädige unüberlegt das mühsam von ihr aufgebaute positive Image des Landes...

Danach geht es zurück ins Hotel. Es ist unser letzter Abend in Albanien bei Bier, Wein und Raki.

Schätzungsweise 750.000 Bunker hat Albaniens damaliger kommunistischer Staatschef Hodscha in den 70er und frühen 80er Jahren bauen lassen - einen für durchschnittlich vier Personen, Ausdruck der beispiellosen Paranoia des früheren Diktators, dessen Angst vor ausländischen Invasoren sich während seiner rund 40-jährigen Regentschaft augenscheinlich zum Wahn steigerte. Er isolierte und verbunkerte das Land gegen den Rest der Welt. 1985 starb er in Tirana im Alter von 76 Jahren an Herzversagen. Ich kann mich noch gut erinnern, Hodscha und Albanien, das war für mich damals eine Wortpaar- Verbindung wie Ho Chi Minh und Vietnam und Castro und Cuba.

Hodschas Diktatur ist mehr als 30 Jahre her, aber seine Spuren sind bis heute sichtbar. Die "grauen Pocken" (Bunker) verschandeln bis heute manchen Ort und Straßenrand, auch wenn sie teilweise bunt angemalt wurden.

4. Tag - Di 02.10.18: Shkodër - Budva

Heute besuchen wir zunächst die Stadt Shkodër, die ehemalige Hauptstadt eines illyrischen Königsreiches im 3. Jh. v.Chr. Aufgrund der traditionellen Verbindung zu Venedig ist Shkodër noch heute ein wichtiges christliches Zentrum.

Die Flüsse Drin, Kiri und Buna bewässern die Tiefebene rund um Shkodër und schlängeln sich ganz natürlich durch die Landschaft mit den Ausläufern der Albanischen Alpen. Shkodër ist bekannt für die Vielzahl an Fahrrädern. Viele Menschen in Skhodër leben unter erbärmlichen Umständen, die Arbeitslosenzahl ist hoch.

Für heute ist Regen vorhergesagt, also Regenschirm bereithalten. Unterhalb der Rozafa Burg in Shkodër warten Shuttlebusse auf Besucher um diese bis zum beschrankten Eingang zu bringen. Ab da geht es per pedes auf extrem rutschigem unbehauenem Kopfsteinpflaster zur Oberburg mit ihren Mauerresten. Zum Glück bleiben wir von Regen verschont. Ansonsten wäre zumindest der Rückweg wohl ein gefährliches Unterfangen geworden.

Die eindrucksvolle Burg bietet einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung bis zu den albanischen Alpen. Die Festung ist das Wahrzeichen der Stadt. Sie liegt auf einem etwa 130 Meter hohen Felsen. Die Geschichte rund um die Entstehung der Burg ist spannend und reicht von den Illyrern bis zu den Osmanen.

Dhurata berichtet uns von einem speziellen albanischen Gegenwarts- Problem, der Blutrache. Diese Art von Eigenjustiz war unter den Kommunisten verboten. Seitdem nimmt sie aber, von der staatlichen Justiz mehr oder weniger geduldet, wieder eklatant zu, insbesondere in Nordalbanien, wo wir uns gerade befinden. Die Blutrache richtet sich nach dem Kanun, dem alten Gesetz der Berge mit seinen Lehren von Ehre, Schuld und Sühne. Eine Familie hat demzufolge nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, jede Ehrverletzung mit Blut zu sühnen. 

Ist ein Mann aus einer Sippe getötet worden, soll auch ein Mann der anderen Sippe sterben. Frauen sind von dieser Regel ausgenommen, ihr Blut ist zu unwürdig, um einen Toten damit zu sühnen. Die Rache richtet sich oftmals gegen die männlichen Kinder des gegnerischen Clans. Dies hat zur Folge, dass die bemitleidenswerten Jungen zuhause eingesperrt leben müssen damit sie nicht Gefahr laufen, draußen erschossen zu werden. Sofern die Familie des Opfers dies akzeptiert, kann die Blutfehde gegen Zahlung eines verhandelbaren Preises friedlich beendet werden.

Wir machen Mittagsrast in einem Restaurant gehobener Qualität am Shkodër-See. Auf besondere Empfehlung und Anpreisung des Restaurantinhabers bestelle ich Forelle "aus dem See". Ich warte ca 1 Std und bekomme dann eine Dorade serviert! Einigen Mitreisenden passiert Gleiches. Das geht natürlich gar nicht. Ich weiß nicht, was sich die Restaurants bei dieser Art von Rochade denken. In Tirana war uns das ja auch schon passiert.

Dhurata macht den Chef lang, sagt ihm, es wäre das letzte mal, dass sie eine Gruppe hierher gebracht habe. Das sei Betrug am Gast und das würde sie sich nicht gefallen lassen. Der Chef kann darauf nicht wechseln und schaut sehr betroffen aus der Wäsche. Mit der Gäste- Bewirtung durch ihre Landsleute als Werbung für ihr Land hat Dhurata wirklich Pech...

Danach überqueren wir ohne lange Wartezeit die Grenze nach Montenegro und setzen unsere Fahrt fort nach Ulcinj, der südlichsten Stadt Montenegros mit ihrer sichelförmigen kleinen Bucht. Hier legen wir einen Kaffeestop ein. Über Bar setzen wir entlang der grandiosen Küstenlinie unsere Fahrt weiter fort. Inzwischen ist es dunkel geworden. Aus dem vorgesehenen Fotostop mit Blick auf das ehemalige Fischerdorf Sveti Stefan wird nichts. Wir werden das morgen früh nachholen.

Montenegro, Crna Gora, das "Land der schwarzen Berge", das Land der Helden und Piraten, die im Mittelalter die Türken aus dem Gebirge vertrieben und venezianische Schiffe überfielen, ist heute ein kleines Land mit ca. 650.000 Einwohnern, etwa so viele wie Stuttgart. Sein Nationalheld heißt Ivan Crnojević. Er gründete die Stadt Cetinje, in die wir noch kommen werden, und auch er profilierte sich im 15. Jh. durch den Kampf gegen die Türken.

Das Land gehörte seit 1920 zum ehemaligen Jugoslawien und wurde 2006 selbstständig. Auch Montenegro ist Beitrittskandidat der EU. Man nutzt bereits den Euro als staatliche Währung, was europäischen Touristen sehr entgegenkommt.

Die Flagge zeigt - wie in Albanien - einen doppelköpfigen Adler auf rotem Grund und geht zurück auf ein altes Fürstenwappen. Hier ist der Adler allerdings goldfarben.

Im Gegensatz zu Albanien, wo aus der Hodscha- Zeit der staatlich verordnete Atheismus vorherrschte, gibt es hier christliche Traditionen. Zahlreiche Kloster finden regen Zulauf und die Kirchen werden gut besucht.

Während der Busfahrt wird von den bayrischen Kollegen das eine oder andere Fahrtenlied angestimmt. Dazu hat der mitreisende Vorsitzende eines Gesangvereins ein eigens zusammengestelltes und aufgelegtes Liederbüchlein mitgebracht und verteilt. Ich kenne diese Lieder aus der Pfadfinderzeit in meiner Kindheit, weiß aber auch über deren unkritische Verwendung durch die Hitlerjugend ("Heute wollen wir maschier'n, einen neuen Marsch probier'n..") bis hin zur Bundeswehr. Deshalb widerstrebt mir das Mitsingen, auch auf die Gefahr hin, als Spaßbremse geächtet zu werden. Aber meine Verweigerung fällt wohl den wenigsten auf. Gut so, ich will nicht zum schwarzen Schaf dieser netten Reisegruppe werden.

Wir erreichen den Ferienort Budva. Die Stadt ist mit ihrem Alter von über 2.500 Jahren eine der ältesten Siedlungen auf dem Balkan. 1979 wurden die meisten Bauten der auf einer Landzunge gelegenen Altstadt durch ein schweres Erdbeben beschädigt oder vollständig zerstört. Nach Plänen aus österreichischen Archiven hat man die Gebäude Stein für Stein im venezianischen Stil rekonstruiert. Südlich der Altstadt wurden an langen Sandstränden riesige Hotelanlagen gebaut. Die gesamte Küstenlinie zwischen Sv. Stefan und Budva wurde durch diese Bauten rettungslos verschandelt.

Die adriatische Küste Montenegros und die Bucht von Kotor sind das "Malle" der Russen und Serben. Die suchen und finden hier Sonne und Strand sowie 24 Stunden Partytime. Podgorica, die Hauptstadt Montenegros, liegt nur 65 km entfernt im Landesinneren, so dass auch viele Einheimische aus der Großstadt am Wochenende nach Budva fahren. Der montenegrinische Teil der Adriaküste zwischen Albanien und Kroatien ist knapp 300 km lang.

Unser Hotel ist das familiengeführte Hotel Kadmo in Budva .. Klein aber fein! Nur 23 Zimmer, alle großräumig und modern eingerichtet. Das Hotel besticht durch den sehr persönlichen Service seines Eigentümers. Er lobt die Kochkunst seiner Mutter in der Hotelküche zwar viel zu hoch, aber entscheidend ist hier der gute Wille, die Gäste bestmöglich zu versorgen. Das Kadmo ist ganz weit oben gelistet bei Tripadvisor und booking.com!


5. Tag - Mi 03.10.18: Cetinje, ehemalige Hauptstadt und fabelhafte Ausblicke

Neben Dhurata begleitet uns heute die junge Deutschlehrerin Ana als einheimische Reiseführerin. Sie beherrscht unsere Sprache fast fehlerfrei.

Kurz hinter Budva holen wir auf der Küstenstrasse einen Fotostop nach, den Ausblick auf Sveti Stefan - heute eine exklusive Hotelinsel der Schönen und Reichen. Die Insel wurde 2007 von der Luxushotelkette Amanresorts aus Singapur für 30 Jahre vom Staat Montenegro gepachtet und die Unterkünfte unter Beibehaltung des ursprünglichen Dorfbildes zu luxuriösen Suiten umgebaut. Diese Idylle hat natürlich ihren Preis, mit mind. 500 € die Nacht muss man rechnen. Außer den eingebuchten Gästen hat niemand Zutritt zu der Hotelinsel. Die schönen Badestrände befinden sich aber beidseitig neben dem Verbindungsdamm an der Küste - und sind damit für alle zugängig.

Diese Art von Ausverkauf eines Landes an ausländische Geldgeber finde ich sehr bedenklich. Jüngstes Beispiel ist der Pachtvertrag Griechenlands mit den Chinesen zum Hafen von Piräus. Die Chinesen errichten so still und heimlich eine Enklave mitten in Europa. Im Fall Griechenland war die Verpachtung des Staatseigentums auf 35 Jahre sogar eine Bedingung der Euro-Geldgeber.

Unser nächstes Ziel ist Cetinje, die ehemaligen Hauptstadt Montenegros, 670 Meter über NN gelegen im Tal der Cetina am Fuß des Lovćen-Massivs. Mit über 450 Jahren ist sie eine der ältesten Königsstädte und von großer historisch-kultureller Wichtigkeit für das Land.

Cetinje ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten und war bis 1918 die Hauptstadt des Landes. Wir laufen zum serbisch-orthodoxen Kloster, dem Sitz des Metropolitans von Montenegro. Eine Innenbesichtigung ist nur für angemeldete Gruppen möglich, wir müssen leider draußen bleiben.

Daher laufen wir weiter zum bescheidenen Palast des letzten Königs von Montenegro (1910-1918), Nikola I. Er verstarb schon 1921 im Exil. Der Palast ähnelt eher dem vornehmen Haus eines reichen Kaufmanns als dem eines Königs. Aber Nikola soll ein bescheidener Mann gewesen sein. Zusammen mit seiner Frau, Königin Milena, hatte er 2 Söhne und 7 Töchter. Wegen guter Verheiratung der Töchter an die europäischen Königshöfe wurde Nikola auch der "Schwiegervater Europas" genannt.

Über eine romantische Bergstraße erreichen wir das kleine Dorf Njegusi, wo wir in einer Berggaststätte bei Brot und Wein den ortstypischen stark geräucherten Schinken (njeguški pršut) und Käse (njeguški sir) probieren können. Der Schinken genießt landesweit einen sehr guten Ruf, die verarbeiteten Schweine kommen allerdings aus holländischen Mastbetrieben. Die gängigen Weinsorten sind hier Krstac, ein frischer Weißwein, und Vranac, ein relativ leichter Rotwein.

1992 hat sich das kleine Montenegro selbst zum "Öko- Staat" erklärt und unterstützt soweit es geht Kleinbauern und ihre Bemühungen, die nachhaltige Landwirtschaft zu pflegen. Deren Tiere fressen nur natürliches Futter ohne Zusätze. Alles was sie produzieren hat Bio- Qualität.

Über eine der schönsten Panoramastraßen Europas, die 32 enge Serpentinenkurven aufweist, kommen wir über den gut 1.000 m hohen Krstac schließlich nach Kotor. Am südlichsten Fjord Europas gelegen begeistert der Blick auf die Stadt, die umgeben ist von steil aus dem dunklen Wasser emporragenden Bergen und dem Meer im Hintergrund. Die Altstadt von Kotor, die auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO steht, ist ein architektonisches Kleinod und gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten.

Ana überschüttet uns bereits den ganzen Tag mit Namen und Informationen, die wir nicht mal näherungsweise behalten können. Ganz Lehrerin fragt sie uns zwischendurch "Haben Sie behalten, was ich Ihnen dazu bereits gesagt habe?" Wir nehmen es ihr nicht übel.

Kotor ist von Touris überlaufen, vor allen von Russen. Dazu kommen die Kreuzfahrtschiffe, die hier am Ende der fjordähnlichen Bucht anlegen. Gerade liegt ein Schiff der TUI- Flotte am Kai. Ab 2019 will man den Zustrom kontingentieren: max. 5.000 Passagiere und max. 2 Kreuzfahrtschiffe pro Tag.

Nach einem Stadtrundgang und etwas Freizeit in Kotor besuchen wir die Altstadt von Budva. Der Legende nach wurde sie von Kadmos, einem phönizischen Königssohn gegründet.

Die letzten 3 Tage sind wir sehr viel gelaufen. Auch hier in Budva darf die obligatorische "Stadtführung" nicht fehlen. Mir tun die Füße weh, aber ich bin kein Maßstab. Die Mitreisenden sind wahre Wandersleut. Ihnen macht die Latscherei nichts aus, sie gieren geradezu nach weiteren Kilometern...


6. Tag - Do 04.10.18: Budva

Eine Küsten- Bootsfahrt mit kleinen Booten für max. 10 Personen soll am Morgen stattfinden. Aus unserer Gruppe (19 Pers.)  haben sich 14 dafür angemeldet. Aber die Bootsfahrt fällt aus. Der Skipper meint, es sei zu windig. Wir haben Windstärke 4-5. Ersatzweise werden die Fast-Seefahrer zu Sehleuten und fahren mit dem Bus noch einmal nach Kotor. Am Nachmittag holen sie dann ihre gebuchte Schiffchenfahrt nach.

Ich habe mich schon im voraus gegen diesen Ausflug entschieden und bevorzuge einen Chillout- Tag in Budva: Ausschlafen, gemächlicher Bummel durch die Altstadt und ein Lunch in einem sehr guten Seafood- Restaurant. Erste Adresse dürfte das Jadran an der Promenade sein. Es ist gegen Mittag aber überfüllt von japanischen und koreanischen  Gruppen. Zur Vermeidung dieses Klangteppichs speise ich nebenan im Restauran Olimp. Ich bestelle Fischsuppe, Chopska-Salat und einen Fisch-Merresfrüchte-Teller, dazu ein Nikšićko pivo (lokales Lagerbier) und einen Rakija Dunja (Quittenbrand). Alles hervorragend! Zurück im Hotel erlaube ich mir einen späten Mittagsschlaf.


7. Tag - Fr 05.10.18: Porto Montenegro - Herceg Novi - Cavtat

Unsere Reise geht weiter nach Kroatien. Doch zuvor legen wir einen Stop ein am Porto Montegrino, einer Marina für Luxusyachten, wo wir einen kleinen Spaziergang unternehmen. Mit der Fähre setzen wir über die Kotorbucht nach Herceg-Novi. Dort folgt ein weitererer kleiner Spaziergang an der Promenade.

Von Beginn der Reise an wandert sowohl ein Erkältungsinfekt als auch eine Magen-Darm- Infektion durch unseren Bus. Seit gestern hat es auch mich erwischt - mit einer heftigen Erkältung. Bei manchen dieser Spaziergänge und Stadtrundgänge habe ich den Eindruck, dass Dhurata sie als Lückenfüller für den Tagesverlauf veranstaltet... Geschenkt! Ich bleibe im Bus.

Dann erreichen wir unser letztes Hotel, das Epidaurus in Cavtat, ein Riesenhotel, vorwiegend bevölkert von All Inclusiv- Gästen. Genau mein Ding. Die Mahlzeiten werden in einer Bahnhofshallen- großen Abfütterungsstation als Buffet eingenommen. Die Qualität der Speisen sind der Quantität des Saales angeglichen - Großkantinenniveau. An der Lobbybar werden Getränke im Akkord ausgegeben, Empfangs- Legitimation: gelbes oder orangenes Plastikarmband. Tragen wir nicht. Wie ich das hasse! Glücklicherweise haben wir hier nur eine Übernachtung. Morgen abend gehts zurück nachhause.


8. Tag - Sa 06.10.18: Dubrovnik - Rückflug

Nach dem Frühstück in der "Hotelkantine" fahren wir mit Gepäck nach Dubrovnik. Örtliche Reiseführerin ist die dauerlächelnde Zelinka. Die Erkältung und die eingeworfenen Medikamente haben mich in einen leichten Trance- Zustand versetzt, Zelinkas Worte verhallen im Windzug der Adria.

Ich gönne mir ein letztes adriatisches Lunch auf dieser Reise, Muscheln und Fritten, zum Abschluss noch einen guten Sliwowitz. Dieser ist nicht zu vergleichen mit dem sprittigen Schnaps aus unseren Supermarkt- Regalen!

Dubrovnik ist eine der attraktivsten und bekanntesten Städte in Südeuropa. Von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt, präsentiert Dubrovnik eine der schönsten Altstädte Europas und besitzt eine einzigartige politische und kulturelle Vergangenheit. Weltbekannte Kulturdenkmäler sowie prächtige Kirchen, Klöster und Paläste befinden sich im mittelalterlichen Stadtkern, welcher von einer 2 km langen, hohen Stadtmauer umgeben ist. Auf dieser kann man gegen Zahlung einer Gebühr von 18 € die Altstadt umwandern. Ein letzter Drink mit Blick auf die Mauer. Am Nebentisch sitzt ein junges Paar, Amerikaner, er ganz der Typ College- Quarterback, sie mit fiepsender Stimme und ständig unmotiviertem Lachen die Inkarnation von Barbie- Girl, zum Wegschreien...

Unser Kurztrip auf den Balkan geht am örtlichen Flughafen zu Ende. Wir verabschieden uns von Dhurata, die uns mit ihrer Ortskenntnis die besuchten Balkanländer nähergebracht hat. Es waren schöne Tage in einer angenehmen Gesellschaft, zum Glück ohne Bankthemen und ohne FC Bayern- Ultras.

Ein besonderer Verdienst kommt Carola zu, die sich stets fürsorglich und freundlich um das Wohlergehen jedes Einzelnen von uns und für allzeit gute Stimmung in der Gruppe gesorgt hat. Danke nochmals an beide Damen!

Der Abflug verspätet sich und die Rückfahrt mit dem Pkw ab Frankfurt wird durch nächtliche Baustellen und Unfälle beeinträchtigt. Ich bin erst weit nach Mitternacht zuhause und falle erschöpft ins Bett. Von der mitgebrachten Erkältung zehre ich noch ein paar Tage.

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