Mittwoch, 21.03.2007: Mein Urlaub fängt gut an. Beim letzten Lauf macht die Spülmaschine Geräusche wie ein Rasenmäher und pumpt das Spülwasser nicht ab. Dann fällt mir beim Packen der Elektrorasierer aus der Hand - kaputt! Also erstmal am Airport zum doppelten Preis einen neuen Rasierer gekauft.

Der Flug nach Kairo verläuft am Nachmittag dafür planmäßig. Mit an Bord: eine badensische Reisegruppe mit Mitgliedern a la Heinz Becker und Ehefrau Hilde - unterwegs mit dem Herrn Pastor. Die für die Einreise nach Ägypten erforderlichen Visumanträge werden zum Ausfüllen verteilt. Hilde fragt, "Ist das ne Befragung von der Fluggesellschaft? Oder ein Preisausschreiben?" Keiner aus der Gruppe kann Englisch, ich helfe weiter. Die Crew von Egypt Air spricht nur Arabisch und Englisch. Es gibt keinen Alkohol an Bord - wir sind auf dem Weg in ein moslemisches Land. Der abendliche Anflug auf Kairo ist wirklich beeindruckend. Schon 15 min vor der Landung fliegt man über ein nicht enden wollendes Lichtermeer. Kairo, Umm el Dunia - Mutter der Welt. Fast 20 Millionen Einwohner zählt die Stadt links und rechts des Nils, umgeben von Wüste. Die größte Stadt Afrikas, ein Zentrum von Geschichte und Geschichten. Ein Inferno von Staub, Lärm und Abgasen. Wer Kairo nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen - so steht es in den Geschichten aus 1000 und einer Nacht.

Die Zoll- und Sicherheitsformalitäten in Kairo sind umständlich und zeitraubend. Ein Mitarbeiter von Studiosus, dem Reiseveranstalter, sammelt von den versammelten Reiseteilnehmern die Flug- Tickets für die Inlandsflüge und den Rückflug ein. Das ist hier so üblich, da jeder Flug von Egypt Air rückbestätigt werden muss. Diese Formalitäten erledigt der Agent. Er wird uns die rückbestätigten Tickets vor jedem einzelnen Flug wieder aushändigen.

Unsere Reiseleiterin, die sympatische und kompetente Ägypterin Mai Haikal, nimmt uns in Empfang. Im Bus gibt sie uns erste Erläuterungen und Hinweise, so z.B.: "Waschen Sie sich nach dem Anfassen unseres Geldes immer die Hände, die Scheine sind voller Bakterien und Viren!" Und genauso sehen die labbrigen Noten auch aus. Der Straßenverkehr in der Stadt ist ein einziges Chaos, aber er funktioniert. Bis wir im Hotel Sofitel Le Sphinx sind, ist es später Abend. Auch hier wieder Sicherheitskontrollen. Das eher durchschnittliche Sofitel wird gerade renoviert, was für uns zwar keine Lärmbelästigung, aber abenteuerliche Umwege zu den Zimmern bedeutet. Bei einem zweiten Ägyptenbesuch würde ich das legendäre Hotel Mena House (direkt vor den Pyramiden) buchen, von dem 2 Teilnehmer unserer Gruppe begeistert berichteten. Sie waren schon etwas früher angereist. Das Mena House war ursprünglich ein Domizil von König Farouk für die beliebte Wachteljagd. Erst später wurde es zum Nobelhotel.

Nach einem local beer, "Stella Lager", in der fast leeren, eiskalt klimatisierten Hotelbar lege ich mich Schlafen.

Donnerstag, 22.03.2007: Der Muezzin einer nahen Moschee weckt die Hotelgäste bereits um 4:15, der Zeit des ersten Tagesgebetes. Ist zwar ein wenig früh, aber so kann ich mich schon mal an die frühen Weckzeiten der nächsten Tage gewöhnen. Wir sind ja nicht zur Erholung hier, sondern auf einer Studienreise...

Bereits um 8:00 gehören wir mit zu den Ersten, die den Eingangsbereich der Pyramiden von Gizeh passieren. Es herrscht seit Öffnung der Tore schon reges Treiben hier. Bus um Bus spuckt die Besuchergruppen auf das Gelände aus. Die Japaner und Koreaner sind an ihren bonbonfarbenen Kleidungsstücken sofort auszumachen. Bei anderen Gruppen dient die Sprache des Führers zur Identifizierung. Mai, unsere Führerin, erklärt uns die geschichtliche Einordnung und Entstehung der Pyramiden. Sie spricht auch von den "Pyramidioten", die mit abstrusen Theorien von Außerirdischen und sonstigem Zauber den Bau der Pyramiden erklären wollen. Auf dem Gizeh- Plateau stehen 3 große Pyramiden, Alter: ca 4500 Jahre. Es sind die Gräber des Cheops, des Chephren und des Menaure (Großvater, Vater und Sohn). Die ersten beiden lassen sich von innen besichtigen. Das ist in der Cheops- Pyramide jedoch nur Menschen ohne Klaustrophobie und ohne körperliche Beeinträchtigungen anzuraten, der Zugang erfolgt über einen 27 m langen und nur 1 m hohen Gang, in stickiger warmer Luft. Und viel zu sehen soll es auch nicht geben. Unschwer zu erkennen: ich war nicht drin. Draußen warten Nippes- Händler und Schieber, die den Touris alles mögliche aufschwatzen wollen. Anfangs kostet alles "ein Euro", bei gezeigtem Interesse steigt der Preis aber meistens.

Die Gruppe löst sich auf, Mai legt die Uhrzeit für die Weiterfahrt mit dem Bus fest. Die Außenbesichtigung beginne ich mit Michael aus Köln. Wir stoßen auf einen Wachhabenden der Tourismus- Polizei, der auf dem Rücken seines Kamels hier patroulliert. Er weist uns auf besonders sehnswerte Ausblicke hin und läßt sich mit seinem Reittier gerne fotografieren. Natürlich nicht ohne anschließend einen kleinen Obulus, hier Bakschisch genannt, einzufordern. Für sein Kamel, nicht für ihn, versteht sich. Die Sonne brennt schon am frühen Vormittag erbarmungslos. Ich bin froh, meinen Namibia- Hut mitgenommen zu haben. Als Abschluß unseres Rundgangs besichtigen wir die hier ausgestellte Sonnenbarke, die man erst 1954 entdeckt hat. Bis heute konnten die Experten nicht festlegen, ob es des Totenschiff des Cheops oder eine symbolhaftes Modell des Schiffes ist, mit dem der Sonnengott Ra über den Horizont fährt. Der Eintritt zum eigens errichteten Sonnenbarken- Museum beträgt 40 LE (LE= Abkürzung für ägyptisches Pfund; 1 € = ca. 7 LE). Der Kassierer kann auf eine 50 LE- Note natürlich nicht herausgeben...

Der nächste Höhepunkt des Tages steht bevor: Ein Kamelritt vom Aussichtsplateau bei den Pyramiden hinunter zum Sphinx. Die Gruppe wird auf die bereitstehenden Kamele und deren Führer verteilt. Ich steige über den linken Steigbügel auf den Sattel eines Tieres als es plötzlich aufsteigt und ich im hohen Bogen in den Wüstensand fliege. Glücklicherweise breche ich mir nicht die Knochen. Mein Abflug muß aber wohl ziemlich gefährlich ausgesehen haben. Beim zweiten Versuch klappt es. Es folgt ein halbstündiger Ritt talwärts, bei dem ich mir einen Wolf reite. Ich stelle die Frage nach den B- Noten für unsere Reitkünste. Mein Bedarf für Wüstenschiff- Ritte ist aber erst mal gedeckt.

Der (nicht "die"!) Sphinx ist eine riesige Statue mit einem liegenden Löwenkörper, der einen Menschenkopf mit königlichem Kopfschmuck trägt. Er ist der Wächter der Grabstätten. Vor dem Sphinx liegt der "90- Tage-Tempel" des Chephren, worin dessen Leiche für die Bestattung in der Pyramide balsamiert und mumifiziert wurde.

Die Sonne hat den Zenit erreicht, wir sind auf dem Weg zum nächsten Highlight. Die Mittagsrast wird dem Tagesprogramm geopfert. Mai kauft für die Gruppe in einem Obstladen an der Straße Zucker- Bananen und Mandarinen ein - ein erfrischender Imbiß.

Wir erreichen Sakarra, die Nekropole von Memphis, Hauptstadt des Alten Reichs. Die Prunkstücke sind hier die Stufenpyramide König Djosers (sie gilt als das älteste, monumentale Steinbauwerk Ägyptens, geplant und errichtet von dem berühmten Architekten Imhotep), das Serapeum mit den mufizierten Stieren des Apis und die Mastaba des Ti, eines hohen Beamten, wo wir in den detaillierten Wandbemalungen den Alltag im alten Reich nachvollziehen können. Schilder verbieten dem Besucher irgendetwas anzufassen, nicht einmal den Sand - getreu dem Motto: "Nich` am Sand packen!".

Mai verteilt Blätter mit ausgewähltem arabisch- deutschem Grundvokabular, natürlich in lateinischer Schreibweise. Eine wichtige Redewendung ist "La schokran!", was soviel bedeutet wie "Nein danke!" und sehr hilfreich bei der Abwehr lästiger Verkäufer ist.

Am Abend fahren wir mitten ins Herz von Kairo auf die Nilinsel Rhoda. Hier findet auf einem Restaurantschiff zunächst die obligatorische Vorstellungsrunde bei einem Cocktail statt. Danach wechseln wir das Boot. Es geht auf eine Barkasse, wo mitten zwischen den Sitzbänken ein Buffet mit ägyptischen Speisen aufgebaut ist. Wir stärken uns an den angebotenen Gerichten während das Boot gemächlich ein Stück den Nil rauf und runter tuckert. Kairo by night! Die mangelhaften Fähigkeiten des Bootsführers offenbaren sich bei dem völlig mißglückten Anlegemanöver. Mit viel zu hoher Fahrt rammt er erst die Kaimauer, dann ein anderes festgemachtes Schiff. Da wird sich der Bootseigner freuen...

Freitag, 23.03.2007:

Heute geht es zur Zitadelle (Al-Qalaa), dem Wahrzeichen des alten Kairo, errichtet im 12. Jhdrt. vom islamischen Feldherrn Saladin. Wir betreten mit ausgezogenen Schuhen die im mamelukischen Stil errichtete Moschee an-Nasr. Hier hocken wir uns um Mai herum auf den Boden und hören gebannt ihren Ausführungen über die Besonderheiten dieser Moschee und den Grausamkeiten der Mameluken zu. Die zweite Moschee auf dem Gelände der Zitadelle ist die prachtvolle, im osmanischen Stil erbaute Moschee Mohammed Ali mit ihren zwei Minaretten. Das Innere des auch Alabaster-Moschee genannten Gebetshauses wird von über 300 Glaslampen und einem großen Kronleuchter beleuchtet. Wir sind von der Pracht des türkischen Rokoko sehr beeindruckt. Zur gleichen Zeit wie wir besucht der neue UN- Generalsekretär Ban Ki Moon, den wir kurzerhand in "Pokemon" umtaufen, die Zitadelle im Rahmen diplomatischer Konsultationen. Glücklicherweise wird das Gelände nicht abgesperrt und unsere Besichtigungen werden nicht beeinträchtigt.

Mittags machen wir Rast im Al-Azhar Park, einer vor wenigen Jahren neu errichteten Parklandschaft, so einer Art Bundesgartenschau mit künstlichen Brunnen und Teichen. Hier nehmen wir unser Lunch ein. Der Mindestverzehr im Gartenlokal am Kunstsee beträgt 35 LE (also ca 5 €), auch wenn man weniger verzehrt. Von den dafür zur Auswahl stehenden Speisen wird man mehr als satt.

Am Nachmittag steht der Höhepunkt des Tages auf dem Programm, der Besuch des Ägyptischen Museums. Hier gibt es fast alles aus der Zeit der alten Könige und Pharaonen zu bestaunen, was Archäologen bisher gefunden und ausgegraben haben. Mai gibt uns eine Einführung in die ägyptische Antike - vom Alten Reich bis zum Neuen Reich. Dazu wählt sie einige wenige Statuen und Gegenstände aus, die uns einen Überblick geben sollen. Die Zahl der ausgestellten Exponate ist so riesig, dass man Tage im Museum verbringen könnte ohne sie wirklich alle gesehen zu haben. Zu den Prunkstücken gehören zweifelsohne die Schätze aus dem Grab Tutanchamuns, eines eher unbedeutenden jungen Königs. Wie muss erst der Inhalt der geplünderten Gräber der großen Pharaonen ausgesehen haben? Die wunderschönen Schmuckstücke der Pharaonenzeit aus Gold, Türkis, Lapislazuli und roter Koralle haben mich schon immer fasziniert.

Mir werden die Darstellungen Echnatons in Erinnerung bleiben, dessen Körper mit weiblicher Hüfte und Leib dargestellt wurde. Er soll an einer Krankheit gelitten haben, die seinem Körper weibliche Züge verliehen hat. Echnaton und Nofretete sollen übrigens die Eltern von Tutanchamun gewesen sein.

Sehr beeindruckend ist auch der Besuch der inzwischen 2 Mumiensäle. Allerdings kommen mir ethische Bedenken beim Anblick der zur Schau gestellten Mumie von Ramses II, auch "der Große" genannt. Das hat sich der große Pharao wohl nicht in seinen kühnsten Träumen vorstellen können, dass sein mumifizierter Leichnam ca 3200 Jahre später zum Ausstellungsobjekt für das gemeine Volk werden würde. Neben Ramses II gibt es ca 30 weitere, teilweise sehr gut erhaltene Mumien zu besichtigen. Leider darf man im Ägyptischen Museum weder filmen noch fotografieren.

Abends besuchen wir das ägyptische Spezialitätenrestaurant Felfela Alaa El Din. Hier lassen wir uns alle möglichen typischen Vorspeisen auftischen. Dazu gehört natürlich das wunderbar zubereitete Falafel (wird hier übrigens Tameya genannt und nicht aus Kichererbsen, sondern aus Bohnen hergestellt), aber auch Homous, Tabouleh, Auberginenpüree mit Tahina, einer Sesampaste, und viele andere Spezialitäten. Auf ein Hauptgericht müssen wir danach verzichten. So groß ist der Sättigungsgrad. Es ist nur noch Platz für ein Dessert namens "Umm Ali" (Ali´s Mama), eine Süßspeise aus Milch, Pudding, Blätterteig, Rosinen und Nüssen. Mit der Entstehung dieses Desserts ist eine eher unappetitliche Geschichte verbunden, deren Widergabe ich Euch erspare.

Samstag, 24.03.2007:

Ausschlafen, ausgiebiges Frühstück, Auschecken. Wir warten auf einen Professor der Al-Azhar-Universität, einen Islamgelehrten, der uns über den Islam im modernen Ägypten berichten soll. Die Al-Azhar-Universität ist für Islamwissenschaftler eine Art "Vatikan" des gemäßigten Islam. Dann kommt der Professor und referiert der Gruppe über die Glaubensgrundsätze des Islam. Muslime sehen ihre Religion als eine Art Reform des Juden- und Christentums. Uns interessiert aber mehr die "Schnittstelle" zur westlichen Welt, insbesondere das Frauenbild im Islam. Warum sieht man in Kairos Straßenbild zunehmend mehr Frauen in Tschador und Burka? Warum dürfen islamische Mädchen bei uns nicht am Sportunterricht teilnehmen? Warum wird in manchen Regionen immer noch die Beschneidung von Mädchen toleriert? Kritische Fragen werden vom Gelehrten jedoch eher ausweichend oder für uns unbefriedigend beantwortet. Er spricht auch von Beleidigungen der islamischen Welt im Zusammenhang mit den Mohammed- Karikaturen. Man hätte sich genauso empört - so der Gelehrte - wenn ein anderer Prophet wie z.B. Jesus beleidigt worden wäre. Die Frage einer Mitreisenden, warum es keinen Aufschrei der islamischen Welt als Reaktion auf Monty Python's Film "Das Leben des Brian" gegeben habe, überhört er. Insgesamt hat die Begegnung für mich bestätigt, dass die Annäherung der westlichen an die muslimische Welt (und umgekehrt) noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern wird. Seit den Terroranschlägen des 11. September ist die Kluft zwischen der christlich-abendländischen Kultur und der arabisch-islamischen so groß wie nie. Während das Christentum wohl seine extremistische Phase überwunden hat, steckt der Islam offensichtlich gerade mittendrin. Die Empfindlichkeiten der islamischen Länder haben aber auch Gründe, die außerhalb der Religion liegen. Sie sind wohl oftmals in der jahrhundertelangen Unterdrückung durch den Westen zu suchen. Die eher friedlichen Suren des Koran werden zunehmend von Scharfmachern für deren ultrakonservative Gedanken mißbraucht. Sie nutzen die Tatsache aus, dass ein Großteil der Menschen in islamischen Ländern nach wie vor Analphabeten sind und lehren diese ihre extremen Auslegungen der Worte des Koran.

Wir fahren zum Basar Khan al-Khalili im Herzen der Altstadt. Es geht vorbei an der Totenstadt, einem riesigen Friedhof mit Grabmälern und Grabkammern, in denen Zehntausende von Menschen als Parias leben. Sie haben keine Chance, dem Stigma der Totenstadt zu entkommen, nicht einmal durch Studium oder Heirat mit einem Partner aus normalen Lebensumständen. Angekommen im Basar bummeln wir einzeln oder in kleinen Gruppen durch die vielen Gassen des Viertels. Viele der Händler tragen hier den Galabeya, das traditionelle lange Baumwollgewand. Neben den Händlern sind die Schlepper hier die wichtigsten Akteure, sie stellen den Kontakt zwischen Kunde und Verkäufer her und sind somit das "Schmiermittel" des Basars. Es gibt Straßenzüge mit Teppichen, Antiquitäten, Parfüms, Tüchern, Schmuck, aber auch mit Obst, Gemüse, Fleisch und Geflügel. In der „Gewürzgasse“ beeindrucken die Gerüche und die Musik – Orient pur. Wir treffen uns wieder im verabredeten Kaffe- und Teehaus mitten im Basar. Mai hat für uns als Imbiss Somosas mit sehr gut gewürzten Falafel vorbereiten lassen. Dazu gibt es schwarzen Tee mit frischer Minze. Und da gerade der Geburtstag des Propheten gefeiert wird, gibt es überall Süßigkeiten der arabischen Welt. Wir geniessen Türkischen Honig, Mandelschnittchen, karamelisierte Nüsse und was weiß ich noch sonst.

Als Kontrastprogramm folgt anschließend ein Besuch in einem großen Einkaufszentrum westlicher Prägung. Die Mall wurde mit saudischen Investorengeldern errichtet und bietet alles, was das internationale Publikum und die westlich orientierte moderne ägyptische Gesellschaft begehrt.

Am Abend fliegen wir mit Egypt Air nach Assuan, für viele Besucher Ägyptens die Stadt mit dem angenehmsten Flair. Ganz Assuan ist mit Bannern und Fahnen geschmückt, mit denen der berühmte Sohn der Stadt, Präsident Hosni Mubarak, gerade heute hier empfangen wird. Die Bordsteine hat man abwechselnd mit weißen und schwarzen Segmenten frisch angestrichen. Unser Hotel, das Basma liegt direkt neben dem Old Cataract Hotel, wo schon Agatha Christie wohnte und den Roman "Tod auf dem Nil" schrieb. Heute empfängt hier Mubarak die amerikanische Außenmisterin Condoleezza Rice. Und das bedeutet, in unserem Hotel sind in Condi´s Gefolge ´ne Menge CIA- Leute einquartiert. Unser Gepäck und wir selbst werden mal wieder besonders unter die Lupe genommen. Es ist fast Mitternacht bevor wir unsere Zimmer bezogen haben und in die Betten sinken.

Sonntag, 25.03.2007:

Vier Stunden später weckt der Muezzin uns mit durchdringendem Lautsprecherruf. Durchfall und Überkeit sollen an diesem Tag meine Begleiter werden. Aber mit Loperamid bekomme ich die Schieflage in den Griff. Andere Mitreisende wird es während der Reise noch richtig heftig erwischen, so dass sie mindestens einen Tag aussetzen müssen. Ist wohl nicht zu vermeiden. In den Apotheken in Ägypten kann man übrigens alle Sorten von Antibiotika ohne Rezept und zu kleinen Preisen erwerben.

Mit einer Barkasse setzen wir am frühen Morgen auf dem Nasserstausee zur Insel Philae über. Hier befindet sich die wichtigste Kultstätte der Isis, deren Liebe zu ihrem Ehemann Osiris in vielen Legenden erzählt wird. Osiris wurde von seinem hasserfüllten Bruder Seth ermordet, seine Leiche in mehrere Teile zerstückelt und diese in aller Welt verstreut. Isis machte sich auf die Suche nach den Überresten ihres geliebten Gemahls Osiris um diese anschließend, mit Hilfe von Magie wieder zusammenzufügen. Sie empfing sogar ein Kind von dem derart reanimierten Osiris, ihren Sohn Horus. Mai versteht es während ihrer Führungen immer wieder, mit derartigen Geschichten die historischen Zusammenhänge sehr lebhaft darzustellen. Der Isistempel ist ein sehr beeindruckendes Bauwerk aus der ptolemäischen und römischen Zeit Ägyptens.

Auf der Insel stoßen wir auch auf ein Relief mit dem Gesicht des Zwerges Bes, eines Pygmäen, der später zum Gott der Zeugung und der Geburt erhoben wurde. Von Bes soll es mehr Amulette für den täglichen Gebrauch im alten Ägypten geben als von sonst irgendeinem Gott.

Nach einer kleinen Erfrischung an einem Inselkiosk fahren wir mit einer anderen Barkasse auf dem Nil zur Insel Elephantine. Es ist bisher nicht geklärt, ob sie wegen der riesigen Granitbrocken, die wie badende Elefanten aussehen, oder wegen des damals hier üblichen Elfenbeinhandels diesen Namen trägt. Wegen des Treffens von Mubarak mit Condi im direkt gegenüberliegenden Old Cataract Hotel können wir nicht an der vorgesehenen Landungsstelle festmachen. Militärs winken unseren Bootsführer energisch zurück. Also werden wir am Schildbewachsenen Ufer ausgesetzt und schlagen uns durch die Büsche zum Freilichtmuseum von Assuan. Hier auf der Grenzfestung zum Goldland Nubien gibt es wieder viel Geschichte in Stein zu sehen, z.B. die Göttin Satet in ihrem Heiligtum. Ich nehme das aber nur beiläufig wahr, da ich zu sehr mit meinen Magen-Darm-Problemen kämpfe. Als Abschluss des Aufenthaltes auf Elephantine sehen wir uns den "Nilometer" an, wo die Markierungen an den Wänden den jeweiligen Wasserstand der Jahre bis zurück in die Pharaonenzeit anzeigen. Dadurch wurden damals Voraussagen für die kommende Ernte möglich.

Wir steigen in das nächste Nilboot, das uns nilaufwärts durch einen großen Katarakt zu einem nubischen Dorf bringt. Auf dem Weg passieren wir das etwas oberhalb des Nils liegende Mausoleum des Aga Khan, des ehemaligen geistigen Oberhauptes der Ismailiten, der mit der Begum, einem ehemaligen englischen Topmodel, verheiratet war..

An Land nehmen wir Einkehr in das große Haus einer nubischen Familie: Wir sitzen im kühlen Innenhof und werden mit traditionellen Speisen, Tee und Softdrinks bewirtet. Dann wird die Shisha, die arabische Wasserpfeife, angeboten. Der Herr des Hauses hat ein kleines Krodil, ca 1/2 m lang, gefangen, das er unter den Anwesenden herumreicht. Nach anfänglicher Ängstlichkeit lassen sich einige Frauen aus der Gruppe sogar mit dem Tier auf ihrem Kopf ablichten. Die zwölfjährige Tochter des Hauses verziert derweil unseren Damen Fuß- und Handgelenke mit kunstvollen Henna- Ornamenten. Sie sollen angeblich 2 Wochen halten. Das Mädchen bekommt natürlich ordentlich Bakschisch für seine Kunstfertigkeit.

Auf der Rückfahrt am späten Nachmittag werden wir zur Abkürzung unseres Rückweges ins Hotel sehr unkonventionell an einer Müllhalde ausgebootet. Ich bin fix und foxi und verabschiede mich bis zum nächsten Morgen. Condi ist übrigens wieder weg und die Security- Maßnahmen sind ausnahmslos aufgehoben.

Montag, 26.03.2007: 4:00 Wecken, ich bin wieder fit. 5:00 Abfahrt zum Felsentempel von Abu Simbel. Das Hotel hat Frühstückspakete zum Mitnehmen bereitgestellt. Wir werden von einem Soldaten mit geladener MP im Bus begleitet. Der steigt am Ortsausgang zu und macht es sich auf einem der Vordersitze zum Schlafen bequem. Super Begleitschutz!

Der Weg nach Abu Simbel führt 280 km durch eine eintönige Wüstenlandschaft Richtung sudanesische Grenze. Der Busfahrer liebt die Gefahr und überholt gerne vor uneinsehbaren Dünenkuppen. Mit große Bewässerungsprojekte wie dem "Toshka" soll rund um Abu Simbel die Wüste fruchtbar gemacht und riesige Plantagen angelegt werden. . Schließlich erreichen wir unser Ziel. 30 bis 40 Busse stehen bereits auf dem staubigen Parkplatz. Mai meint, sie hätte hier schon 120 Busse parken gesehen. Von hier läuft man ca. 15 min bis zu den beiden Tempeln. Jede Gruppe hat genau 2 Stunden Aufenthaltszeit prägt uns Mai ein. Ob die Besuchszeit der Gruppen wohl an einem der zahlreichen Kontrollposten auf dem Weg hierher gestoppt wird?

Die beiden Tempel von Abu Simbel wurden mit Hilfe der UNESCO unter Federführung des deutschen Baukonzerns Hochtief vor dem Versinken im Assuan- Stausee bewahrt. Der Tempel mit den Kolossalstatuen von Ramses II sowie der Nefertari- Tempel wurden aus dem Fels geschnitten und um 67 m höher auf eine künstliche Klippe versetzt. Perfekt! Die beeindruckenden Fassaden sollten damals jeden Gegner verstummen lassen - und noch heute stehen viele Betrachter mit offenem Mund davor. Allerdings war Ramses II ein Geschichtsfälscher mit einem krankhaften Verlangen zur Selbstüberhöhung. So ließ er beispielsweise die Schlacht von Kadesch gegen die Hethiter als großen Sieg seines Heeres darstellen, obwohl er beinahe völlig vernichtet worden wäre.

Auf der Rückfahrt sehen wir eine Fata Morgana, eine Luftspiegelung in der Wüste.

Am Nachmittag segeln wir mit einer Feluke auf dem Nil zur Botanischen Insel, die früher einmal Kitchener´s Island hieß. Aber der Name des brutalen englischen Kolonialoffiziers wurde ersatzlos gestrichen. Es gibt auf dem kleinen Eiland einige Palmenarten, Bouganvilleen und Jasmin zu bestaunen, die Kitchener hierher schaffen ließ, wirklich spektakulär ist die Insel aber nicht. Das trifft jedoch auf die Segelpartie auf dem Nil zu: Herrlich entspannend, zumal der Bootsführer und sein Vorschoter beide ihren Job vortrefflich verstehen. Es handelt sich um sogenannte Feluken, gaffelgetakelte Segelboote mit nur einem Hauptsegel. Unterwegs paddeln Jungs in Ihren selbstgebauten "schwimmenden Badewannen" heran und singen "Fiderallala" (Vogelhochzeit) für ein kleines Trinkgeld.

Abends werden wir zum Dinner mit einer Barkasse zu einem "Nubischen Restaurant" übergesetzt. Unter dem Sternenhimmel Afrikas ist der Hof des Restaurants mit Teppichen ausgelegt. Große bunte Tücher verdecken die Mauern des angrenzenden Gebäudes. Wir sitzen auf Kissen im Schneidersitz um niedrige Tische herum. Die schon bekannten ägyptischen Vorspeisen werden aufgetischt, dann gibt es wahlweise Beef, Fisch oder Hühnchenfleisch, jeweils serviert in einem Gemüsesud im Tongefäß. Mir fehlt die Schärfe, die man laut Mai wegen der empfindlichen Touristengeschmacksnerven extra weglässt. Schade!

Von einer folkloristisch verkleideten Musik- und Tanzgruppe werden wir zwangsbespaßt. Sie animieren die Gruppe zum mitmachen "a la Traumschiff- Reisen". Das ist nun gar nicht mein Ding.

Als wir wieder am Ufer in Assuan angelandet werden stellt sich mir die Frage, ob ich noch in den nächtlichen Souk gehen will. Hier in Assuan soll es die besten Gewürze und den besten roten Malventee ganz Ägyptens geben. Ich verschiebe den Einkaufsbummel auf Luxor zugunsten eines erholsamen Schlafes.

Dienstag, 27.03.2007:

Wir fahren weiter nach Luxor. Wieder ist ein schnell einschlafenden Soldat mit an Bord des Busses. Er wird bei Erreichen der Distriktsgrenze kurz vor Luxor abgelöst. Die Fahrt geht fast 300 km entlang am Nil und den Bewässerungskanälen, vorbei an langen Palmenhainen und fruchtbaren Plantagen, im Hintergrund immer die Kulisse der kahlen Wüstenberge.

Kom Ombu ist unser erstes Zwischenziel. Die südägyptische Stadt liegt inmitten von Zuckerrohr- und Maisfeldern. Wir besichtigen die Ruinen eines imposanten Tempels zu Ehren des falkenköpfigen Gottes Horus und des Krokodilgottes Sobek. An letzteren erinnern auch die Krokodilmumien, die in einer kleinen Kapelle zu sehen sind.

Weiter geht es nach Edfu zum riesigen Horustempel, Ägyptens besterhaltene Tempelanlage. Im Hof bewacht ein gewaltiger Horusfalke aus Granit den Eingang zur Säulenhalle. Anhand der vielen Darstellungen in den Heiligtümern erklärt uns Mai immer wieder die Mythologie und Götterwelt der alten Ägypter. Mit der Zeit werden wir zu kleinen Hobby- Ägyptologen und verstehen immer mehr.

Schließlich erreichen wir Luxus, wo wir im Winter Palace Hotel eingebucht sind, allerdings im neuen Teil, dem Garden Pavillon. Dieses legendäre Hotel stammt aus König Faruks Zeiten und darf getrost zu den Luxushotels des Landes gezählt werden. Es liegt direkt an der Corniche, der Uferpromenade am Nil. Der Nachmittag ist nicht organisiert. Viele von uns nutzen ihn zum Einkaufsbummel in der Hauptverkehrsstrasse oder im Souk. Der Souk besteht aus einem touristischen Teil (Kitsch as Kitsch can!) und einem arabischen Teil. Händler und Schlepper machen dem Touristen das Leben schwer. Man kann ihnen nicht entkommen, aber ein freundliches "La, schokran!" (Nein, Danke!) befreit vor zuviel Zudringlichkeit. Für mich immer wieder ein Rätsel, wie treffsicher die Händler erkennen können, welche Nationalität der Tourist hat - und zwar ohne dass sie dessen Sprache hören.

Im arabischen Souk spielt das Leben: Hier kann man alles erwerben,was den Zauber Arabiens ausmacht, Gewürze, Schmuck, Tücher, Messing- und Tongefäße, Obst, Gemüse, Fleisch, lebendes Geflügel, Lederwaren oder einfach Gegenstände des alltäglichen Lebens. Alles wird in staubiger Umgebung offen auf der Straße angeboten, was mich davon abhält, wie ursprünglich beabsichtigt Gewürze und Tee einzukaufen. Ich möchte einfach nicht zuhause mein Essen mit einem erheblichen Anteil Straßendreck aus Luxor würzen. Im Hotel gibt es am Abend ein Buffet.

Mittwoch, 28.03.2007:

Schon früh sind wir aus den Federn gekrochen. Um 7:00 geht es los Richtung Tal der Könige. Mit einer Barkasse setzen wir über den Nil, wo unser Bus auf uns wartet. Der frühe Start zu den beliebten Sehenswürdigkeiten zahlt sich während der Studienreise immer aus. Wir gehören zu den ersten vor Ort, was uns Warteschlangen, Überfüllung und die Mittagsglut erspart. Kompliment an Mai´s Organisation! Vom Parkplatz vor dem Tal der Könige bringt uns eine "Bimmelbahn" bis zum Eingang nahe der Gräber. Filmverbot, Fotos von außen erlaubt

Mit dem Eintrittsgeld haben wir die Möglichkeit, drei beliebige Königsgräber unserer Wahl zu besichtigen. Mehr ist nicht gestattet, das dient der Erhaltung der Gräber. Mai erklärt uns unter einer sonnengeschützten Pergola zunächst den Inhalt und die Bedeutung der entdeckten Gräber. Zusammen mit Marion, deren Gesellschaft ich schon in Kairo schätzen gelernt habe, besichtige ich im Anschluß die Gräber der Ramsiden, i.e. Ramses III, Ramses IV und Ramses IX. Jedes der Gräber ist prachtvoll ausgemalt mit den mythologischen Legenden ihrer Zeit. Wer darüber mehr erfahren möchte, sollte unbedingt die Internetseite kv5.de besuchen

Durch das Tal der Könige wälzen sich mittlerweile Menschenmengen. Wir beginnen in glühender Hitze unsere fast einstündige Wanderung über die Berge zum Totentempel der Hatshepsut. Der Weg wird vom Veranstalter als "leicht" bezeichnet, er ist aber nicht ohne - soll heißen: es geht steil bergaufwärts und später steil abwärts. Beim Abstieg werden wir zudem von platzheischenden Eseln mit ihren Treibern überholt, was manchen in arge Gleichgewichtsprobleme bringt. Das Tal mit dem imposanten Hatshepsut- Tempel entschädigt aber für alle Mühe. Man kann sich kaum vorstellen, dass der heute noch erhaltene große Tempelbereich nur einen kleinen Ausschnitt der ursprünglichen Anlage ausmachte, die mehreren Pharaonen geweiht war. Hier hat es Ende der 90er Jahre ein schreckliche Attentat auf Touristen gegeben, das mehrere Menschen mit ihrem Leben bezahlten. Seitdem sind die Sicherheitsmaßnahmen sehr verschäft worden, da Ägypten auf den Tourismus als volkswirtschaftliche Einnahmequelle angewiesen ist.

In einem kleinen Restaurant auf dem Weg nehmen wir einen Imbiß zu uns. Die Mehrheit der Gruppe entscheidet sich für Tomatensuppe oder Linsensuppe, arabisch, mit Kreuzkümmel (Cumin), und Brot. Dazu gibt es die üblichen nichtalkoholischen Getränke. Während unseres Rastes stelt sich hier auch eine Gruppe ein, deren Bus die Aufschrift "Christen- Transport" hat. Irgendwie ungewöhnlich, vielleicht auch diskriminierend in einem islamischen Land? Wahrscheinlicher ist allerdings, dass der Inhaber der Transportfirma Christen heißt...

Abgerundet wird unser heutiger Ausflug mit einem Halt an den 18 m hohen Kolossen des Memnon, zwei gesichtslosen Statuen des Amenhotep III., die in früheren Zeiten einmal "gesungen" haben sollen - ein akustisches Phänomen des Windes, das nach baulichen Eingriffen aber verschwandt...

Donnerstag, 29.03.2007:

Helga, Beate und Maurizio haben einen morgendliche Fahrt mit dem Heißluftballon Richtung Tal der Könige gebucht. Der günstige Preis von 120 € kann mich aber nicht zum Mitfahren animieren. Erst eine Woche vorher ist ein Ballon mit Touristen an Bord abgestürzt. Die Sicherheitsbestimmungen hier sind nicht unbedingt mit deutschen Verhältnissen vergleichbar. Kurz vor 9:00 sind unsere Ballonfahrer wohlbehalten zurück. Wegen des morgendlichen diesigen Wetters haben sie nicht sehr viel sehen können, die Ballonfahrt soll aber phantastisch gewesen sein.

Für die Gruppe stehen heute Kaleschen, einspännige Pferdekutschen, bereit. Jeweils zwei von uns nehmen Platz in einer Kalesche. Unser Fahrer stellt sich sofort als bester Freund und formidabler Reiseführer vor und läßt schon mal anklingen, dass er ein großzügiges Trinkgeld erwartet. Mai hat uns eingeschärft, den Kutschern erst nach der Rückfahrt den üblichen Bakschisch zu geben. Unsere Fahrt geht zu den Tempelanlagen von Karnak am Rande von Luxor, das früher Theben hieß und die Hauptstadt des Neuen Reiches war. Karnak ist neben den Pyramiden von Gizeh die bedeutendste archäologische Stätte Ägyptens.

Hinter dem gewaltigen ersten Pylon des Amun-Tempels lauern Geschichte und Geschichten: monumentale Tore, Säulenhallen und Höfe, Statuen, Tempel, ein heiliger See, . Dazwischen Kriege, Siege, Opfergänge ... Amun - König der Götter. Ramses II ist auch hier allgegenwärtig

Heute stehen hier noch 2 Obelisken. Viele sind in den vergangenen Jahrhunderten nach Europa verbracht worden. Der höchste von ihnen ist der Lateran- Obelisk, der heute im Vatikan steht.

In der Tempelanlage von Karnak befindet sich übrigens auch der erste schriftlich festgehaltene Friedensvertrag der Welt aus dem 13. Jahrhundert vor Christus, geschlossen zwischen den damals mächtigsten Völkern des vorderen Orients, den Ägyptern und den Hethitern. Es gibt ihn in zwei Versionen, die den Ruhm des jeweiligen Vertragspartners hervorheben und dessen Götter anerkennen. Die ägyptische Version ist in Karnak zu bestaunen.

Amun zieht uns auch abends wieder in seinen Bann, wenn die Reliefs des „kleinen“ Luxortempels im Scheinwerferlicht erstrahlen und auf magische Weise lebendig werden. Die Belohnung für zwei Tage Götter-Dienst erwartet uns in einem kleinen Restaurant am Nilufer. Es ist unser vorletzter Abend und wir nutzen ihn zur Verabschiedung von Mai, unserer ebenso liebenswürdigen wir kompetenten Reiseleiterin.

Nicht versäumen darf ich, die bei einem Juwellier bestellten silbernen Namens- Kartuschen für meine Lieben zuhause abzuholen. Das ist der Renner hier vor Ort: Vornamen werden in alt- ägyptische Hieroglyphen übersetzt und - wie die überall zu findenden Königsnamen - in sogenannten "Kartuschen" abgebildet.

Freitag, 30.03.2007:

Dieser Tag der Studienreise ist so überflüssig wie ein Kropf. Mit einem Konvoi fahren wir im Bus nach Hurghada, der Mickey Mouse- Stadt am Roten Meer, wo wir im Marriott zwangskaserniert werden. Keine Ahnung, was sich der Veranstalter dabei gedacht hat. Fast alle Reiseteilnehmer fühlen sich hier völlig deplaziert und selbst die wenigen, die leichtsinnigerweise noch 2- 3 Tage Verlängerung Badeurlaub gebucht haben, wünschen sich, dies besser nicht getan zu haben. Das Hotel bietet zwar allen erdenklichen Komfort und das Rote Meer ist Postkarten- blau, aber hier ist oder wirkt alles künstlich. So sind wir nach diesem verlorenen Tag froh, am

Samstag, 31.03.2007, erst nach Kairo und von dort aus zurück nach Frankfurt zu fliegen. Gerne wären wir dafür einen Tag länger in Assuan oder Luxor geblieben.

Ägypten hat eine der bedeutendsten Hochkulturen der Welt hervorgebracht. Seine historischen Stätten möchte ich gerne noch einmal besuchen. Dann vielleicht im Rahmen einer Nil- Kreuzfahrt. Massalama ... Euch eine gute Reise!

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Zum Schluß noch meine Reiseführer- Empfehlungen: (ein Klick auf den Buchtitel führt Sie zur Direktbestellung bei amazon.de)

Die Reiseführer aus der Vis-A-Vis-Reihe von Dorling Kindersley sind für mich immer wieder erste Wahl. Auch der Ägypten- Band überzeugt durch die für diese Reihe typische Detailliebe, die aufwändigen 3-D-Darstellungen, Karten, Bilder, Zeichnungen und Erklärungen. Die ca.350 Seiten des Vis-A-Vis- Reiseführers glänzen auch mit vielen Tipps und Hinweisen für den Aufenthalt in Ägypten, ein wirklich guter Tagesbegleiter für jeden Besucher. Der Vis-A-Vis ist mein Favorit.

Und dann gibt es da noch das in Ägypten zu kaufende Buch (Paperback, 192 Seiten) "Kunst und Geschichte in Ägypten" von Alberto Carlo Carpiceci, Bonechi Verlag (ISBN: 88-8029-088-6) zum Preis von ca. 70 LE (= 10 €). Es gibt einen hervorragenden Überblick über Geschichte, Religion, Kunst, Schrift und Architektur im alten Ägypten - ein unbedingt lohnenswerter Kauf! Das Buch wird manchmal auch gebraucht bei ebay angeboten, leider nicht bei amazon...

Wer seinen Namen mal in Hieroglyphenschrift nachlesen möchte, schaut hier oder auch dort nach.