Im Anschluss an unsere "Whisky- Tour" durch Schottland wollen wir noch eine Woche lang den Südwesten Irlands bereisen. Mit Aer Lingus fliegen Rüdiger und ich von Edinburgh nach Dublin.

Sa, 16.06.2012: Dublin

17:00 Uhr, Airport Dublin, der vorgebuchte Mietwagen wartet auf uns, ein Hyundai i30. Wir haben uns für einen Pkw mit Automatikgetriebe entschieden. So kann der Fahrer sich voll auf den Linksverkehr konzentrieren. Und der Fahrer wird eine Woche lang Rüdiger sein, weil es sich so ergibt.

In Dublin waren wir zuletzt zum Jahreswechsel 2011/2012. Wegen der positiven Erfahrungen dieses Kurztrips wollen wir mehr von dem Land kennenlernen.

Ein mobiles Navi mit Kartensatz für Irland habe ich mitgebracht. Erstes Ziel: unser Hotel, das Uppercross. Alle Hotels haben wir über HRS vorgebucht. Das Boutiquehotel Uppercross liegt in dem geschäftigen Stadtteil Rathmines, 2 km südlich von Dublins City. Das Hotel und die Hofeinfahrt sind etwas schwierig zu finden, aber es lohnt sich. Die Zimmer sind recht einfach ausgestattet, doch das Hotel hat wegen seiner verwinkelten Gänge und Räume einen ganz besonderen Charme. Zudem werden wir vom Chef sehr herzlich begrüßt.

Eigentlich will ich mir heute abend die Windhundrennen (Greyhound Racing "A Night at the Dogs"; "Bet on the Tote!") im Shelbourne Park Greyhound Stadium anzusehen. Rüdiger meint, das sei für ihn nicht okay. Er habe gehört, dass die Hunde sehr schlecht behandelt würden und das wolle er nicht unterstützen. Okay, ich bin sowieso ziemlich groggy, also bleiben wir im Hotel bzw in der angegliederten gemütlichen Mother Reilly's Bar hängen.

Natürlich schmeckt das Guinness hier vorzüglich. Es ist schon in Schottland zu unserem Lieblingsbier geworden, vorausgesetzt es wurde frisch gezapft. Neben Guinness gibt es in Irland noch weitere Stouts, z.B. das milde Murphys. Es ist etwas süßer und weniger rauchig. Die Iren trinken Unmengen an Bier, andere alkoholische Getränke führen eher ein Nischendasein.

Irland- SüdWest
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So, 17.06.2012: Dublin - Kilkenny - Cashel - Cork

Von Dublin aus beginnen wir heute unsere Rundreise im Mietwagen mit einer Fahrt nach Kilkenny, dem "irischen Rothenburg", mit seinen mittelalterlichen Gassen. Wir laufen zum Kilkenny Castle, das bis vor 45 Jahren der Familie Butler gehörte. Mit seinen Räumen aus der viktorianischen Zeit ist es eine Besichtigung wert. Wir ziehen es jedoch vor, die Sonne bei einem Spaziergang durch die große Parkanlage zu genießen. Entlang des Nore Rivers erreichen wir wieder das alte Stadtzentrum mit seinen bunten Häusern. Es ist Sonntag mittag und die gläubigen Iren verlassen gerade die Gottesdienste in den Kirchen der Stadt. Hier findet sich auch die Smithwick's Brauerei, wo man "Kilkenny" braut, das auch bei uns bekannte rote Ale, ein obergäriges Bier, etwas milder als das dunkle Guinness- Stout.

Weiter geht es nach Cashel, wo eine der wichtigsten historischen Stätten Irlands zu bewundern ist, der Rock of Cashel. Der mythische Sitz der Könige von Munster ist eine mächtige Festung auf einem Kalkfelsen. Die Legende erzählt, dass die Dynastie der Eóghanachta vom Hl. Patrick persönlich bekehrt worden sei. Bei der Zeremonie rammte der Heilige dem König versehentlich seinen Bischofsstab in den Fuss, was dieser tapfer schweigend ertrug - wohl in der Meinung, die Tortur sei eine Erinnerung an die Kreuzigung Christi.

Wir verzichten auf eine Innenbesichtigung des alten Gemäuers, denn wir wollen noch ins Gefängnis. Doch werden wir zu spät in Cork ankommen, weshalb wir unser Vorhaben auf den nächsten Morgen verschieben. Corks Altstadt liegt auf einer Flussinsel des River Lee und trägt selbstbewusst den Beinamen "The Rebel City". Seine Bewohner sollen einen Hang zur Rauflust haben, wovon wir nichts mitbekommen haben. Unsere heutige Herberge ist das Jury`s Inn Hotel, ein modernes Businesshotel, direkt am nördlichen Flussarm des Lee. Von hier aus ist die gesamte Innenstadt fussläufig zu erreichen, wir schauen uns mal ein wenig um, aber Shopping ist nicht so ganz unser Fall..

Die Bewohner von Cork sind auch für ihren Witz und ihre Schlagfertigkeit bekannt.

Waiter: Would you like a lemon with your tea?
Client: No, I prefer to be alone.

Heute abend müssen wir natürlich das EM-Spiel Deutschland : Dänemark sehen, das 2:1 zu unseren Gunsten endet. "Dehnen ist gut für die Bänder, aber Bender ist nicht gut für die Dänen!" Lars Bender schießt den entscheidenden Treffer. In der Hotelbar schaut ein internationales Publikum zu, die Mehrheit ist auf Seiten der Deutschen.


Mo, 18.06.2012: Cork County - Cobh - Kinsale

In der Zeitung lese ich, dass Aung San Suu Kyi, die burmesische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin heute zu Besuch in Dublin ist. Als ich vor 2 1/2 Jahren Myanmar besucht habe, wäre das noch völlig undenkbar gewesen. So schnell können sich politische Verhältnisse auch zum Positiven ändern.

Wir holen unseren geplanten Ausflug in den Strafvollzuges des 19. Jh. nach im Cork City Gaol - einer Mischung aus Gruselkabinett und Museum mit sozialgeschichtlichem Hintergrund. Es ist das 1924 geschlossene Stadtgefängnis, das von außen wie ein Schloss wirkt, von innen aber den Horror von Züchtigung, Erniedrigung und Bestrafung von verurteilten Gefangenen beherbergt. Der Besucher bekommt einen Audio- Guide (Walkman) in seiner Sprache und bewegt sich damit von Zelle zu Zelle, wo mit lebensechten Puppen einzelne Szenen nachgestellt sind. Zum Abschluss der Besichtigung gibt es eine Mediashow in der Gefängniskapelle. Die gesamte Präsentation ist eher sozialkritisch als rührselig. Dieses Museumsgefängnis wird auch von vielen Schulklassen besucht. Wirklich lohnenswert!

Für uns geht es weiter nach Cobh (phon.: cove) in der Bucht von Cork. Der Ort wurde als wichtigster Transatlantikseehafen Irlands berühmt. Von hier brachen Hunderttausende Iren auf in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die USA. Und hier hatte die Titanic ihren letzten Zwischenstopp vor der tödlichen Begegnung mit einem Eisberg.

Die RMS Titanic wurde in Belfast gebaut und war damals das größte Schiff der Welt. An Bord gab es 3 Passagierklassen, von denen der Schwerpunkt auf der 1. Klasse lag. Ihre Jungfernfahrt sollte von Southhampton über Cherbourg und das damalige Queenstown nach New York gehen. Bei ihrem Untergang am 15.04.1912 starben 1.500 Menschen, eine der größten Katastrophen der Seefahrt.

Wir besuchen das Auswanderermuseum, das Queenstown Heritage Center. "Queenstown" hat man die Stadt Cove (heute Cobh) zu Ehren von Queen Victoria genannt. Nach der irischen Unabhängigkeitserklärung wurde dieser Name aber schnell wieder abgelegt. Das Auswanderermuseum ist unbedingt einen Besuch wert, es vermittelt dem Besucher sehr realitätsnah die Atmosphäre auf den Schiffen, wo die Auswanderer bis zur Ankunft unter Deck dahinvegetierten, gequält von Seekrankheit, schlechter Luft - und bei andauernder Schiffsreise von Hunger und Durst. Die Überfahrt ins gelobte Land Amerika dauerte durchschnittlich zwei Wochen. Am Kai hat man Annie Moore und ihren beiden Brüdern ein Denkmal gesetzt. Sie waren die ersten namentlich erwähnten Iren, die durch das Lager auf Ellis Island in New York geschleust wurden. Insgesamt wanderten von 1848 bis 1950 sechs Millionen Iren aus - nach Amerika, Australien und Neuseeland. Die meisten von ihnen gingen in Cobh an Bord der Schiffe.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich der Titanic und ihrem Untergang. Was mir neu war: Die Unterbringung in der 3. Klasse, also die "low budget class", war für damalige Verhältnisse keinesfalls primitiv. Sicher waren die Kabinen eng belegt, aber es gab auch Gemeinschaftsräume und Speisesäle, sogar einen Swimmingpool. Die Titanic wurde aber als Luxusdampfer mit Vorrang für die 1. Klasse gebaut. Die anderen Klassen waren eher eine Ergänzung zur Auslastung der Kapazitäten eines so großen Schiffes.

Es regnet in Strömen als wir zur St. Colman`s Cathedral hochlaufen. Sie liegt auf einem Kliff über der Stadt, ihr Bau wurde mit Spendengeldern irischer US- Auswanderer finanziert.

In einem Imbiss bestellen wir eine Kleinigkeit zu essen. Es ist das Schlechteste, das wir seit langem vorgesetzt bekommen haben. Wir lassen fast alles zurückgehen. Ungenießbar!

Entlang der Küste fahren wir weiter nach Kinsale, eine der schönsten Kleinstädte Irlands, deren Name mit einer Katastrophe verbunden ist. Am 7. Mai 1915 wurde unweit von hier der Passagierdampfer Lusitania durch Torpedos eines deutschen U- Bootes versenkt, 1.200 Menschen verloren ihr Leben.

In der Stadt sind insbesondere der Marktplatz mit dem Old Courthouse und die St. Multose Church sehenswert. Viele der besten Pubs, Bars und Restaurants sind in den bunten Straßenzügen zu finden. Die Iren mögen schrille Farben. Wegen der hohen Qualität seiner Restaurants wird Kinsale auch das Feinschmeckerdorf genannt. Wir setzen uns an den Straßentisch eines Pubs und genießen die Sonne, die sich mittlerweile durch die Wolken gekämpft hat.

Teacher: John. Give me a sentence beginning with 'I'.
John: I is the...
Teacher: No, John. You must say "I am" not "I is."
John: All right. I am the ninth letter of the alphabet.

Unser heutiges Hotel, das Carlton Kinsale, bietet viel Komfort, liegt aber völlig abseits des Ortes. Wer ein Wellness- oder Golfhotel sucht, ist hier richtig aufgehoben. Uns gefällt die Lage nicht. Zudem ist der Service beim Dinner wirklich schlecht. Wir warten und warten... auf das Getränk... auf unser Steak, das endlich auf einem 400° heißen Vulkanstein serviert wird... und auf das Dessert. Das wiederholt sich beim Frühstück, bei dem ich den bestellten Kaffee erst kurz vor dem Verlassen des Restaurants bekomme. Sehr ungewöhnlich für ein Hotel dieser Kategorie.

Di, 19.06.2012: Beara Peninsula

Heute geht es weiter zum Urlaubsort Glengarriff. Hier setzen viele Besucher über zu der subtropischen Insel Garnish Island, deren Vegatation auf künstlich aufgeschüttetem Mutterboden wächst - so eine Art "Insel Mainau", und die kenne ich bereits. Wir erreichen die Beara- Halbinsel, die mit ihren vielen kleinen Seen, Buchten und den Caha Bergen bezaubert. In der Vergangenheit war diese Region ein beliebter Zufluchtsort und Aufenthaltsort von Schmugglern.

Die Küstenstraße, der "Ring of Beara", windet sich durch üppige Vegetation um Felsbuchten, Kaps, weiße Sandstrände und kleine Fischerhäfen. Wild wachsende Fuchsienbüsche, Lupinen und blühender Ginster säumen die Straßen, in den Vorgärten sind Palmen und Lilien zu sehen. Ich bin streckenweise an Madeira erinnert. Zwischen den Cahas und Slieve Miskish Bergen liegt der eigentliche Hauptort der Insel, Castletownbere, der mit seinem Naturhafen Anlaufstelle für einige Fischtrawler ist.

In einem kleinen Restaurant am Hafen wollen wir etwas essen und dazu ein Bier trinken. Bier gibts aber nicht, die Kellnerin meint, wir könnten uns ja ein Bier aus der Kneipe gegenüber holen. Gesagt, getan, ich überquere die kleine Straße und betrete einen Pub, dessen Alter etwa dem der Dame hinter dem Tresen entsprechen muss. Sie sei 87 Jahe alt, erzählt sie während sie in aller Ruhe die bestellten zwei Pints Stout zapft. Im TV über ihrem Kopf läuft ein alter Western in schwarz-weiß. "Do you like that movies?" fragt sie mich und die drei ebenfalls betagten Mittagsgäste schauen mich erwartungsvoll an. Ich bejahe ihre Frage um sie nicht zu enttäuschen. Sie nicken anerkennend und lassen mich mit den bis zum Rand vollen Gläsern ziehen, nicht ohne mir die Tür offenzuhalten. Vor dem Restaurant - es ist eher ein Imbiss mit Tischen - steht ein abgewrackter Alter mit vollgepinkelter Hose. Wir bekommen gerade die bestellte Seezunge serviert als er mit seiner fast zahnlosen Frau den Laden betritt und am Tisch neben uns Fish'n Chips ordert. Eine Szene mitten aus dem irischen Leben, die uns vermuten läßt, dass die Alten nicht einsam zuhause hocken, sondern bis zuletzt am sozialen Leben beteiligt sind. Und die Renten müssen ja auch ausreichen, sonst könnten sie sich das nicht leisten.

Am Garinish Point kann man mit Irlands einziger Kabelbahn 30 m über dem Meer nach Dursey Island übersetzen. In der wackeligen Kabine haben allerdings Viehtransporte Vorrang. Boden und Wände sind vom Vieh meist kotverschmiert, weshalb wir von einer Überfahrt absehen.

Unser Übernachtungsquartier für die nächsten zwei Tage ist das Brook Lane Hotel in Kenmare. Das Brook Lane hat eine familiäre Atmosphäre und bietet Unterkunft und Bewirtung auf hohem Niveau. Eine wirkliche Empfehlung! In der angegliederten Horse Shoe Bar kann man in gepflegter Atmosphäre bei Live Music seinen Drink nehmen. Eine Dame mittleren Alters spielt auf der Violine auf und wird von einem Gitaristen bei irischen Volksweisen begleitet. Hört sich richtig gut an.


Mi, 20.06.2012: Ring of Kerry

A German customer is asking: "Can I become an egg?" The assistant rolls on the floor laughing: "I don't know if you can, but I certainly wouldn't like to become one! The streets are so hard these days!" The customer seems very puzzled. The assistant: "I mean if you fall down!".

I got a hangover, wo-oh! We've been drinking too much for sure.... Nein, so weit ist es nicht gekommen! Gestern abend hat uns der Barkeeper zwar erklärt, dass Murphys im Gegensatz zu Guinness nicht pasteurisiert sei und man deshalb davon die doppelte Menge trinken könne, wir haben es aber nicht ausprobiert.

Heute wollen wir den "Ring of Kerry" kennenlernen, eine Panoramastrasse auf der Iveragh Halbinsel, die mit ihren Aussichten auf die Küste, wilden Mooren und sanften Hügellandschaften die Besucher immer wieder neu fasziniert. Das milde Klima begünstigt das Wachstum der überraschend vielfältigen Vegetation auch in dieser Region.

Wir haben uns für eine Tagestour mit O'Connor Autotours entschieden. Der Bustour haben wir den Vorteil unterstellt, dass man sich in den engen Straßen nicht auf den Linksverkehr konzentrieren muss und völlig entspannt die Schönheiten dieser Panoramastrasse bewundern kann. Die Buchung soll sich als ein Fehler herausstellen. Driver Guide John erzählt viel, allerdings mit so breitem irischen Akzent, dass wir fast nichts verstehen. Er könnte auch chinesisch sprechen... Mit Fliege und Panamahut erinnert er an Heinz Erhardt am Steuer eines 50er Jahre- Reisebusses.

Um 11:30 startet der Trip , um 17:00 sind wir zurück. Sehen werden wir im wesentlichen reine Abzock- Stationen. Als "No.1 Sensation" der Rundfahrt verkauft John die entgeltliche Vorführung von Hütehunden bei der Arbeit. "They will bring the sheep to your feet..." Sensationell!

Dann gibt es da noch ein "Torfstecher- Museum", bestehend aus 2 Häusern, die zu einer großräumigen Abfütterungsstätte gehören. Hier hat man den Irish Coffee schon mal "vorgezapft". Eine Batterie an halbvollen Gläsern steht für die ständig neu eintreffenden Busse bereit, die ihre Fahrgäste auf die Anlage ergießen. Bis hin zum Toilettengang muss hier alles extra bezahlt werden. Einen Lunch- Stop legt John an einem Seafood- Restaurant ein. Zur Auswahl gibt es z.B. eine Chowder, die wie stark verdünnte Ochsenschwanzsuppe aus der Dose mit ein paar Fischstückchen schmeckt - und das zum Preis eines Sternelokals. Souvenirshops sind sowieso Standard, es fehlt nur noch der Rheumadeckenverkauf. Leider ist an diesem Tag das Wetter sehr durchwachsen, so dass die Naturschönheiten des Ring of Kerry nur in Grau zu sehen sind.

Für den Abend haben wir uns ein Asia- Restaurant in Kenmare ausgesucht. Der Inder hat auch Thai- Gerichte auf seiner Speisekarte, kann aber meine Erwartungen leider nicht erfüllen. Schade! Aber wenn ein Thai- Curry wie ein Garam Massala schmeckt, ist das wie Grünkohl als mediterraner Salat.

Do, 21.06.2012: Dingle Peninsula

Das traditionelle irische Frühstück besteht aus gebratenem Speck, Black & White Pudding (gebratene Blutwurst und Leberwurst) sowie Schweinswürstchen. Dazu werden Rühr- oder Spiegelei, Kartoffelpuffer, Champignons, gebackene Bohnen und gebratene Tomaten serviert. Toast, dunkles Sodabrot, Butter und Marmelade komplettieren das Frühstück. Natürlich kann dies oder jenes auch einmal entfallen. Angesichts dieser Kalorienbombe wundert man sich, dass es durchaus auch viele schlanke Iren gibt.

Aber "die Iren" gibt es genauso wenig wie "die Deutschen". Jeder hat seine eigenen Vorlieben, seien es Cerealien, Obst oder nur den schnellen Coffee to go zum Frühstück.

Die heutige Tagestour führt uns zur Dingle Halbinsel im Westen Irlands. Archäologen haben hier über 2000 Relikte ausgegraben: Megalithengräber, Hochkreuze, Steinkreise, Oghamsteine und Ringforts. Und dann gibt es da noch die "Bienenhäuser", eine Art Iglu aus aufgeschichteten Steinen. Es sind traditionelle Vorratshäuschen, die neben den Wohnhäusern errichtet wurden. Diese werden als Top- Attraktion vermarktet, an denen Busse und Pkws anhalten damit die Touris die Hütten besichtigen und fotografieren können. Auch wir halten an einem solchen Ort. Eine alte, ärmlich aussehende Frau sitzt vor dem Eingang zum Garten, in dem die Bee Houses stehen, neben ihr ein Schild mit der Aufschrift "2 Euro". Die Alte streckt jedem ihre Hand entgegen und bedankt sich für den widerstandlos entrichteten Obulus mit den Worten "God bless you!". Nötigenfalls kann sie natürlich auch wechseln. Kein schlechtes Einkommen für die Alte, wenn man bedenkt, dass ein großer Bus bis zu 40 Gäste befördert. Das sind dann bis zu 80 € pro Bus.

Ein Bauer auf der anderen Straßenseite kassiert für das Betreten seines Ackers, an dessen Ende kurz vor den Klippen die baufällige Ruine eines Ringforts steht. Beides, Bienenhäuser und Ruine werden den Touris als prähistorische Stätten verkauft. Böse Zungen behaupten, sie seien erst vor einigen Jahren von den geschäftstüchtigen Iren - jeweils mit zugehörigen Parkplätzen - errichtet worden. Nicht von ungefähr lohnt sich schließlich auch die Eröffnung eines kleinen Museums, selbst wenn man dort auf 40 qm lediglich gefundenes Strandgut aus verschiedenen nordeuropäischen Ländern ausstellt. Dem Betreiber erschließt sich so eine gute Einkunftsquelle.

Weiter gehts in Richtung Westen zu dem lebhaften Fischerort Dingle, wo wir uns im Supermarkt mit einem Sandwich versorgen. Der westlichste Punkt Europas wartet auf uns, das Kap Slea Head. Meterhohe Wellen toben dort an die scharfkantigen Felsen. Es gibt auch einen hübschen Sandstrand, den Coumeenoole- Strand. Bei Ebbe soll der Atlantik hier einen sehr kräftigen Sog entwickeln, so dass man sich lieber nicht in die Fluten stürzt.

Auf dem Weg zum Kap besuchen wir mitten im Nirgendwo das Blasket Centre, ein großflächiges Museum, dessen Baukosten aus EU- Mitteln finanziert wurde. Das Museum ist dem Leben auf den Blasket Inseln und der gälischen Sprache gewidmet. Die Präsentation soll zum Besten gehören, das Irland in dieser Hinsicht zu bieten hat, ein lohnenswerter Besuch! Hier wird dem Besucher vermittelt, dass die irische Sprache ebenso wie das schottische Gälisch zu den keltischen Sprachen gehört, die nur noch in wenigen Regionen Nordeuropas gesprochen wird. Zu dieser Sprachfamilie gehören noch Walisisch und Bretonisch. Andere Zweige sind bereits ausgestorben. In Irland ist Gälisch die erste Nationalsprache. Obwohl Gälisch in der Schule Buntes HausPflichtfach ist, können sich max. 10 % der Iren in ihrer Nationalsprache unterhalten. Merkwürdige Situation. Es soll daran liegen, dass der Unterrichtsschwerpunkt die Grammatik ist und nicht das gesprochene Wort. Ich erinnere mich an den gehassten Latein- Unterricht während meiner Schulzeit.

Auf der Dingle Halbinsel, findet man zweisprachig ausgezeichnete Orts- und Hinweisschilder. In Dingle, dem kleinen Hauptort der Halbinsel, gibt es viele in knalligen Farben gestrichene Häuser zu bestaunen. Während man bei uns ja eher die Hauswände in Einheitsgrau und -beige mag, sind in den irischen Städtchen die grellsten Farbanstriche beliebt.

Über den Conor Pass fahren wir zur Nordküste der Halbinsel. Der Pass ist zwar nur 400 m hoch, man hat aber den Eindruck, in einem Hochgebirge zu sein. Auf allen drei Halbinseln im Südwesten Irlands, Beara, Kerry und Dingle gibt es übrigens empfehlenswerte Fernwanderwege.

Wir übernachten in Killarney im Lake Hotel on Lake Shore. Very british! Hier soll schon Queen Victoria ihr königliches Haupt ins Kopfkissen gedrückt haben. Das Luxushotel aus dem Jahre 1820 hat seinen viktorianischen Charme bis heute erhalten. Hier findet der Gast die klassische Piano Lounge, eine Library, ein traditionelles Restaurant, eine Bar - alles "old fashioned". Auf dem Tennis Court meint man, die Damen noch in langen weißen Kleidern und mit Hut spielen zu sehen. Die Atmosphäre ist für uns anfangs gewöhnungsbedürftig, aber schnell angenehm.

In Killarney, dem Hauptort des irischen Fremdenverkehrs, gibt es zahlreiche weitere sehr gute Hotels.

Fr, 22.06.2012: Killarney - Limerick - Cliffs of Moher - Dublin

Heute verlassen wir das County Kerry und fahren Richtung Limerick. Es ist nicht bewiesen, dass der Ort der Namensgeber für die gleichnamige scherzhafte Kurzgedichtsform ist, die in fünf Zeilen mit dem Reimschema aabba eine Geschichte erzählt. Ich versuchs mal:

Zuletzt ging es ins Irenland,
es war uns bisher nicht bekannt.
Wir liebten dort das Guiness sehr,
ein zweites, drittes, fiel nicht schwer -
das Glas gefüllt bis an den Rand.

Zwischen Limerick und Cashel liegt der kleine Ort Tipperary, dessen Name durch das nach ihm benannte Lied weltweit bekannt wurde. Das ist auch schon alles, was man über Tipperary berichten kann, weshalb wir uns gegen einen Abstecher dorthin entscheiden - auch wenn es nur ein "short way to Tipperary" gewesen wäre.

Wir fahren in die andere Richtung, unser Tagesziel sind die Cliffs of Moher. Aber nicht nur unseres, denn diese Klippen sind das Besichtigungsziel No. 1 in Irland. Busse und Pkws bevölkern die großen Parkplätze und Menschenmengen die Ränder der Cliffs, die an ihrer höchsten Stelle 214 m über das Meer ragen. Hier steht der O'Briens Tower, wo es heute dermaßen stürmig ist, dass man sich im 45° Winkel gegen den Wind legen kann ohne umzufallen. Kinder haben ihren Spaß daran während ihre Eltern diesen Kunststücken eher besorgt zusehen.

Die beste Aussicht soll man vom Moher Tower am Hag`s Head haben, das man aber nur über einen längeren Fußweg entlang der Klippen erreichen kann. Vor deren Betreten wird wegen wiederholter Gesteins- Abbrüche in jüngster Vergangenheit auf mehrsprachigen Tafeln eindringlich gewarnt. Besserwisser haben die Missachtung dieser Warnungen bereits mit dem Leben bezahlt, dennoch läuft mindestens jeder dritte Besucher die ungesicherte Klippe entlang.

Mein Navi hat seinen Geist aufgegeben, also wieder die gute alte Straßenkarte. Natürlich haben wir das Kartenlesen nicht verlernt. Geht doch! Zurück nach Dublin. Es ist die Tagesetappe mit den meisten gefahrenen Kilometern

Wie bei unserer Ankunft in Irland übernachten wir wieder im Hotel Uppercross. In den Räumen des Pubs trifft sich heute abend eine in elegante Abendkleidung gewandete Hochzeitsgesellschaft, der von einer Musikgruppe abwechselnd mit Irish Folk und Rock'n Roll eingeheizt wird. Währenddessen verfolgen wir am Großbildschirm über dem Bartresen den EM- Viertelfinalsieg der deutschen Nationalmannschaft über Griechenland. Dieses Miteinander von Alltäglichem und Besonderem zeichnet das Leben hier aus. Und dann gibt es da noch die Sehnsucht nach der Wiedervereinigung mit dem Norden.


Sa, 23.06.2012: Dublin - auf dem Tasting Trail

Nach dem Frühstück nehmen wir ein Taxi ins Zentrum.

Als Abschluss unserer Reise gönnen wir uns den Dublin Tasting Trail, einen geführten Streifzug durch Dublins kulinarische Spezialitätengeschäfte. Dazu muss man wissen, dass die Iren sich bis in das 19. Jh. überwiegend von Kohl, Kartoffeln und gelegentlichem Rind- und Lammfleisch ernährt haben. Dann kamen die Franzosen, Holländer, Deutschen und Engländer - und brachten ihre jeweiligen Landesküchen mit. Bis heute gibt es keine typisch irische gehobene Küche. Alle bekannten Gerichte sind aus den genannten Länderküchen entstanden.

Eveleen Coyle ist die Food- Expertin, die unsere kleine Gruppe sachkundig begleitet. Leider spricht auch sie in breitem irischen Dialekt, was uns das Verstehen sehr schwierig macht. Unser "Tasting Trail" beginnt bei Sheridans Cheesemongers, den Käsemachern, wo wir Milleens und Clonmore, einen Kuhmilch- und einen Ziegenkäse aus dem Südwesten probieren. Lecker! Patrick, der Käsemacher, gibt einige Erläuterungen zur Herstellung. Kurioserweise hängen im Käseladen von der Decke verschiedene Schinken und Würste, die auch aufgeschnitten in der Auslage zu finden sind.

Weiter geht es zur Camden Street, wo sich diverse Spezialitätenanbieter angesiedelt haben. Wir beginnen mit Liston`s Food Store, wo uns ein mit Käse überbackener Reibekuchen kredenzt wird, der vor Öl trieft. Unser Weg führt uns vorbei bei Frank´s Pork Butchers. Dort soll es Fleisch von bester Qualität geben. Metzger Barney zeigt uns ein Bild des Ladens aus früheren Zeiten, als man das geschlachtete Vieh noch draußen vor den Fenstern aufhängte oder besser gesagt abhängte.

Das Cake Cafe offeriert uns selbstgemachte Plätzchen und in der alten Swan Bar verkosten wir den 12-jährigen Powers Special Reserve, einen empfehlenswert milden irischen Whiskey. Mein Tipp: Probieren Sie mal den 16- jährigen Bushmills Single Malt! Den können Sie in Deutschland zu einem angemessenen Preis erstehen!

Bei Petites Gourmandises in der Georges Street Arcade gibt es eine Portion Pastry, eine Art Fleischbrät im Strudelteigmantel.

Nebenan verkauft das Cocoa Atelier seine berühmten bunten Macarons und Schokoladen. Auch hier bekommen wir natürlich eine Kostprobe der angebotenen Leckereien.

Unser Rundgang endet bei Fallon & Byrne, dem größten Feinkostgeschäft in Dublin. Wir probieren eine geröstete Scheibe Ciabatta mit Schinken und Rote Bete Chutney. Sehr schmackhaft.

Der knapp 2 1/2 stündige Rundgang ist insgesamt interessant, offenbart aber keine kulinarischen Sensationen. Das mag daran liegen, dass ein alter Gourmet wie ich die Messlatte sehr hoch legt. Auffällig ist aber das hohe Preisniveau in Dublin. Die Teilnahme am Tasting Trail kostet 50 € - das ist für das Gebotene (zu) viel Geld, wie ich meine.

Am Nachmittag fahren wir zum Flughafen, geben unseren Mietwagen zurück und checken per Smartphone online ein. Der Rückflug nach Düsseldorf mit Air Lingus verläuft planmäßig, wenn auch von einigen Turbulenzen begleitet.

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen:

Allen voran Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch", eine ganz persönliche Liebeserklärung an die Insel, unkompliziert geschrieben und leicht zu lesen. Auch wenn Böll von den 50er Jahren in Irland berichtet, ist seine Schilderung noch heute aktuell und lässt den Leser schmunzeln und sich auf Irland freuen oder daran erinnern. Zugegeben, Bölls Tagebuch hat das Bild der Deutschen von Irland geprägt...

Als Reiseführer hatten wir den Irland- Band aus dem Michael Müller Verlag dabei. Auf mehr als 850 Seiten findet man hier fast jede Information.

Für ein Wochenende in Dublin bietet sich der Führer aus der Reise Know How City Trip - Reihe an.



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