28.12.2019 Sa - Flug nach Tel Aviv und Fahrt nach Jerusalem

Der Staat Israel liegt im Auge eines politischen Hurrikans, ringsum brennt der Nahe Osten. Libanon, Syrien, Jordanien und Ägypten sind die Nachbarländer, in denen Islamisten, verfeindete Stämme und Gruppierungen sich brutal bekriegen und den noch jungen Staat Israel als Fremdkörper und Besatzungsmacht betrachten. Und Israel selbst tut ein übriges dazu um mit seiner Siedlungspolitik auf der Westbank (Westjordanland) die Feindschaft seiner Nachbarn zu befeuern. Wie kann man in Frieden mit den Palästinensern leben, wenn man ihnen ihr Land nimmt, auf dem und von dem sie leben?

Das entscheidende Jahr war wohl 1948. Die Briten hatten gerade die Region verlassen, für die sie ein UN-Mandat hatten, als eine Gruppe jüdischer Siedler unter der Führung von David Ben Gurion den neuen Staat Israel ausrief. Wegbereiter dieser Staatsausrufung war der Begründer der zionistischen Bewegung, Theodor Herzl. Damals erklärten die Juden große Teile des damaligen Palästinas aufgrund ihres "Selbstbestimmungsrechtes" zu israelischem Staatsgebiet. Das geschah mit Billigung der UN. Die öffentliche Weltmeinung war kurz nach dem fürchterlichen Holocaust den Israelis sehr gewogen. Der ursprüngliche Plan, den Staat Israel gemeinsam mit Juden und Palästinensern aufzubauen, scheiterte am Widerstand der arabischen Nachbarn. Den Palästinensern verblieb danach nur das Gebiet westlich des Toten Meeres, Judäa und Samaria, die heutige Westbank.

Spätestens die militärische Inbesitznahme weiter Teile des Palästinensergebietes im Rahmen des Sechstagekrieges 1967 hat zur Verhärtung des Konfliktes beigetragen. Die Golanhöhen auf syrischem Staatsgebiet, das Westjordanland (Westbank) und der Gazastreifen als Teil des umstrittenen Palästinenserstaates - alles von Israel gegen das internationale Völkerrecht besetzte Grenzregionen. Heute leben mehr als 400.000 Siedler auf der Westbank. Friedenspolitik sieht anders aus, aber der Dauerkonflikt zwischen Juden und Palästinensern hat historische Wurzeln, die bis in biblische Zeiten zurückreichen. So ist auch der Konflikt um Jerusalem als Hauptstadt von Israel und auch Palästinas zu erklären.

Und der mächtige Verbündete Israels, die USA, gießen Öl ins Feuer. Am Tag unserer Abreise wird der militärische Mastermind der Schiiten und Anführer der Al-Quds-Brigaden, der iranische General Soleimani, auf Befehl Donald Trumps durch einen Drohnenangriff getötet. Der Nahe und Mittlere Osten stehen jetzt erneut vor einem Krieg mit unabsehbaren Folgen auch für Israel.

Seit Mitte November 2019 gibt es wieder Raketenangriffe der islamistischen Hamas auf Tel Aviv - eine Reaktion auf die Tötung eines Führers des islamischen Dschihads im Gazastreifen durch die israelische Luftwaffe. Die kürzlich im Fernsehen gezeigten Bilder von rennenden Passanten in Tel Aviv, die in die Bunkeranlagen flüchten, sind mir sehr gegenwärtig. Die israelische Luftwaffe hat mit gezielten Gegenschlägen reagiert.

Zur Information:

"Die Fatah ist die größte Bewegung innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), der die Hamas nicht angehört. Die Fatah wurde 1965 von Jassir Arafat gegründet und hat jahrzehntelang den palästinensischen Kampf um einen eigenen Staat angeführt. Sie hat faktisch die Verhandlungen mit Israel geführt und Vereinbarungen unterzeichnet. Derzeitiger Chef der Bewegung ist Präsident Mahmud Abbas.

Zur Fatah gehört eine ganze Reihe von Extremisten-Gruppen. Am bekanntesten sind die Al-Aqsa-Brigaden, die zahlreiche Anschläge verübt haben. Filz, Vetternwirtschaft und Korruption nach Jahrzehnten an der Macht waren die Hauptvorwürfe gegen die Fatah vor der Wahl im Januar. Sie verlor gegen die Hamas deutlicher als erwartet und zog sich in die Opposition zurück. Die meisten Mitarbeiter der Verwaltung und der Sicherheitsdienste sind allerdings nach wie vor loyal zur Fatah.

Der Name Hamas ist eine Abkürzung für „Islamische Widerstandsbewegung“. Die Gruppe hat sich Ende der achtziger Jahre während des ersten palästinensischen Aufstands gegen die israelische Besatzung im Gazastreifen gegründet. Die Hamas ist ein Ableger der ägyptischen Muslimbrüder und vertritt deren strikte Auslegung des Islams. Sie hat in den vergangenen Jahren an die 60 Selbstmordattentate begangen und wird von der Europäischen Union und den USA als Terror-Gruppe betrachtet.

Die Charta der Hamas ruft zu einem islamischen Staat in ganz Palästina auf. Israel werde nur so lange existieren, bis der Islam es vernichte, heißt es darin; Verhandlungen seien Zeitverschwendung. Zur Begründung verweist die Charta auf die anti-semitischen „Protokolle der Weisen von Zion“, in denen den Juden eine Verschwörung zur Beherrschung der Welt unterstellt wird.

Seit sie an der Regierung ist, hat die Hamas mit eigenen Leuten einen neuen Polizeidienst geschaffen und im Gazastreifen stationiert. Abgesehen davon unterhält sie weiterhin ihre Miliz."

Quelle: https://www.welt.de/politik/article718853/Wofuer-stehen-Hamas-und-Fatah.html

Das sind die Gründe, die mich bisher von einem Besuch des "Gelobten Landes" abhielten. Doch schon Mitte 2019 hatte ich mich entschieden, diese Reise anzutreten, die ich bei Eberhardt Travel, Dresden, gebucht habe. Das Auswärtige Amt (AA) schließt nicht aus, dass es in der aktuellen Situation zu terroristischen Angriffen im öffentlichen Raum kommen kann; das Risiko eines Anschlags besteht fort. Vor einem Besuch der Palästinensischen Gebiete wird gewarnt.

Ich komme dem Rat des AA nach und registriere die Reise auf der webbasierten Krisenvorsorgeliste "Elefand".

Via Wien fliege ich mit Austrian Airlines nach Tel Aviv, mein Meilenkonto ist mal wieder zum Plündern fällig.

Nach der Landung auf dem Ben Gurion Airport geht es durch die Pass- und Einwanderungskontrollen. Hier bekommt der Reisende ein kleines hellblaues oder rosafarbenes "Ticket" mit seinem Foto und den Pass-Angaben, das stets mitzuführen ist und bei Ausreise wieder abgegeben werden muss. Es ersetzt den Einreisestempel im Pass, der zu großen Schwierigkeiten bei künftigen Reisen in arabische Länder führen kann.

Zur Begrüßung sagt man in Israel "Shalom!" - Frieden! Unsere Reisegruppe wird ins 60 km entfernte Stadtzentrum von Jerusalem zum gebuchten Hotel Grand Court Jerusalem gebracht. Das riesige Touristenhotel - oder besser "Pilgerhotel" - hat 442 Zimmer und einen unglaublich weiträumigen Speisesaal, gerade so als müssten alle Gäste gleichzeitig bewirtet werden. Dagegen hat das Hotel eine vergleichsweise kleine Lobbybar. Es ist Samstag abend und der Sabbat ist zu Ende.

Eine Besonderheit beim Veranstalter Eberhardt: Neben der örtlichen Reiseleiterin Rahel (die historische Rahel war die Ehefrau Jakobs) begleitet die Gruppe eine Reisebegleitung. In unserem Fall ist es Marianne Förster, eine junge Touristik- Expertin und Angestellte des Veranstalters, die mit ihrer stets freundlichen und souveränen Art die Gruppe eskortiert. Das Konzept "Reisebegleitung" hat sich schon auf meiner Reise auf die Kanalinseln bewährt.

Zuhause in Westfalen haben sie Schmuddelwetter, Regen und Tagestemperaturen um die 5° C, hier in der Levante, dem Morgenland Israel, sind es 15° und Sonne.



29.12.2019 So - Jerusalem und Bethlehem

Jerusalem ist die Heilige Stadt (arabisch "Al Quds") der drei Weltreligionen Judentum, Islam und Christentum. Und diese sind wiederum untergliedert in verschiedene Zweige. Für das Christentum sind es im Wesentlichen die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen, die protestantischen, die anglikanischen Kirchen und die Pfingstbewegung. Und alle haben ihre Dependancen in der Stadt.

Rahel erklärt, dass uns in Israel und besonders in Jerusalem die Bibel "auf Schritt und Tritt verfolgen" würde. Das soll sich als völlig richtig erweisen.

Wir beginnen unsere Stadterkundung Jerusalems auf dem Ölberg mit einem herrlichen Blick auf die Stadt. Die Altstadt von Jerusalem ist mitsamt Tempelberg nahezu komplett von einer fast fünf Kilometer langen Befestigungsmauer aus dem 16. Jahrhundert umgeben. Acht Tore führten in die Ewige Stadt. Die Altstadt, in der auf 1 qkm Fläche mehr als 20.000 Menschen leben, ist in ein jüdiches, muslimisches, christliches und armenisches Viertel geteilt.

Rahel macht uns auf einen behinderten Verkäufer von Panorama- Fotos der Ölberg- Aussicht aufmerksam, von dem einige von uns sein Angebot zum Kauf annehmen. Danach spazieren wir gemeinsam auf dem Palmsonntagsweg hinab und passieren den großen jüdischen Friedhof, noch heute eine begehrte Ruhestätte erster Klasse. Dem Glauben nach sind die hier Beerdigten dem Messias bei seiner Ankunft besonders nah. Anders als im Christentum werden jüdische Tote nicht aufgebahrt, sondern so schnell wie möglich beerdigt - und auch nicht in einem Sarg, sondern nackt in ein Leichentuch gewickelt. Auf die Grabplatten legt man statt Blumen kleine und etwas größere Steine.

Wir erreichen die Kirche Dominus Flevit ("der Herr weinte"), die dem Franziskaner- Orden gehört. Sie soll an die Trauer Jesu im Wissen um die kommende Zerstörung Jerusalems erinnern. Weiter geht es in den Garten von Gethsemane mit seinen Jahrhunderte alten Olivenbäumen. Der älteste Olivenbaum soll 900 Jahre alt sein. So haben es jüngst italienische Wissenschaftler festgestellt. Dies ist der Ort, wo Jesus Christus in der Nacht vor seiner Kreuzigung betete, ehe er von Judas Iskariot verraten und von Abgesandten des Hohepriesters verhaftet wurde.

Am Fuße des Ölbergs steht die römisch-katholische Kirche der Nationen, auch Todesangstbasilika genannt. Die Kirche wurde zwischen 1919 und 1924 mit Geldern aus zwölf Ländern, u.a. Deutschland, erbaut. Der Innenraum mit seinen violett gehaltenen Glasfenstern ist passend zum Thema Todesangst sehr düster. Unsere Augen müssen sich beim Betreten und Verlassen des Gotteshauses jeweils an die extremen Helligkeitsunterschiede gewöhnen.

Nächstes Tagesziel ist Bethlehem im Westjordanland, das nur einen Steinwurf von Jerusalem entfernt liegt. Hier befinden wir uns im Palästinensischen Autonomiegebiet der Zone A. Die A-Gebiete wurden unter palästinensische Kontrolle gestellt und bestehen aus den größeren Städten der Westbank. Wir passieren Grenzanlagen und Mauern, die hohen Sicherheitskriterien genügen. Ein Grenzer betritt kurz unseren Bus und gibt sich zufrieden mit der Auskunft, dass wir Touristen aus Deutschland seien. Auf der Westbank führt uns nun Mohanet, ein junger Palästinenser. Er begrüßt uns auf Arabisch mit "Marhaba!" - "Willkommen!".

Als Westjordanland oder als Westbank wird ein Gebiet bezeichnet, das westlich von Jordanien und östlich von Israel liegt und eine Fläche von etwa 5.800 qkm hat. Im Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 wurde es von Jordanien besetzt und 1950 annektiert. Im Sechstagekrieg 1967 wurde es dann von Israel erobert und steht seitdem weitestgehend unter israelischer Militärverwaltung ("occupied territories"). 83 % der Bewohner sind Palästinenser und 17 Prozent Juden, die in annähernd 400 israelischen Siedlungen und Außenposten leben. Die Siedler haben ihre Häuser in einem Gebiet gebaut, das nicht der Staatshoheit Israels unterliegt. Der politisch forcierte offensive Ausbau der Siedlungen verstößt gegen internationale Vereinbarungen und wird von den meisten Ländern der Welt kritisiert. Israel dient das Westjordanland militärstrategisch als Pufferzone gegen mögliche militärische Angriffe durch Nachbarländer. Rechtfertigt das die illegale Landnahme?

Rahel hatte bereits erzählt, dass der größte Etat des Staatshaushaltes Israels die militärischen Ausgaben zur Verteidigung des Landes seien. Dieser Focus sei unverrückbar. Mit weitem Abstand folgten danach die Etats für Soziales, Bildung, Wohnen etc. Zudem seien viele israelische Ministerpräsidenten vorher Generäle der Streitkräfte gewesen, so auch Benjamin Netanjahu.

Wir gönnen uns eine organisierte Mittagspause in einem einfachen Restaurant namens Four Stars Restaurant. Na ja, man muss sich halt Ziele setzen. Das von jedem individuell zu zahlende Essen schmeckt aber wirklich gut und ist preislich okay. Von einigen Mitreisenden wird kritisiert, dass es keine Alternative gibt, außer in der seelenlosen Umgebung spazieren zu gehen.

Die Kritik richtet sich auch gegen den Besuch des Shops einer Olivenholzschnitzerei mit ihrem Angebot an Olivenholz- Produkten, Keramik und Schmuck. Der Laden liegt direkt neben dem Restaurant. Es fallen Begriffe wie "Kaffeefahrt" oder "Rheumadeckenverkauf". Ich schließe mich dem nicht an, glaube vielmehr, dass es sich um eine Fair Trade Kooperative handelt. In dubio pro reo...

Als Geburtsort Jesu Christi ist Bethlehem einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Christentums. Wir besuchen die Geburtskirche, welche auf der vermuteten Geburtsstätte Jesu Christi errichtet wurde. Die Kirche kann nur durch ein 1,20 m hohes Tor, das Tor der Demut, betreten werden, das man damals so tief setzte um zu verhindern, dass Ungläubige mit ihren Pferden hineinritten und so das Heiligtum entweihten. Ursprünglich war das Eingangsportal wesentlich größer und höher. Die Besucher werden gruppenweise in die Geburtsgrotte eingelassen. An manchen Tagen wird man von den Massen fast erdrückt. Heute haben wir Glück.

Ein silberner Stern markiert die Stelle, an der Jesus von seiner Mutter Maria geboren worden sein soll.

Von Weihnachten bis zum Fest der Hl. Drei Könige liegt ein hölzernes Jesulein in der daneben liegenden Krippengrotte. Die Krippe wird vor Berührungen durch die Gläubigen von einem Drahtkäfig geschützt. Hier soll das neugeborene Jesuskind in den Futtertrog im Stall gelegt worden sein. Ich beobachte tiefgläubige Christen, die ehrfürchtig und demütig die heiligen Stellen küssen.

Kurioserweise gibt es in den christlichen Konfessionen unterschiedliche Lesarten zum Geburtsdatum von Jesus. So hat etwa die katholische Kirche dazu die Nacht zum 25.12. im Jahre 5 v.Chr. bestimmt. Auf das Jahr 0, auf dem die abendländische Zeitrechnung basiert, pocht keine der Konfessionen.

Der Besuch in Bethlehem ist eher ein spirituelles Ereignis, denn die Stadt selbst hat wenig zu bieten.

Wie sagte eine Bekannte als sie von meinen Reiseplänen hörte: Ihre Eindrücke von den biblischen Stätten seien vor acht Jahren zwiespältig gewesen. Den christlichen Religionstourismus habe sie unerträglich gefunden und sie sei sicher, dass er Jesus auch nicht gefallen hätte. Diesen Eindruck teile ich schon jetzt, wenige Stunden vor Ort. Für diese Art Tourismus gibt es bei uns sogar Spezialveranstalter. Einer firmiert bezeichnenderweise als "Biblische Reisen"...

Nach unserem Besuch in Bethlehem kehren wir nach Jerusalem zurück. Heute Abend endet das Chanukahfest (Lichterfest), unschwer zu erkennen an einem 9- armigen Menora- Leuchter, dessen Kerzen in den Hotels und Haushalten brennen. Rahel informiert uns über die Ursprünge dieses jüdischen Festes, mit dem die Befreiung ihres Volkes aus griechischer Herrschaft, die Wiedereinweihung des zweiten Tempels und ein Lichtwunder gefeiert werden.

Im Judentum gibt es unter den Gläubigen unterschiedliche Ausprägungen der gelebten Religion, von den ultraorthodoxen Juden bis zum modernen Judentum. Dem ultraorthodoxen bzw. charedische Judentum, der konservativsten Richtung dieser Religion, wird mit vielen Ressentiments begegnet. Diese Bevölkerungsgruppe ist im unteren Segment des sozialen Status angesiedelt, ein Resultat der Beschäftigungslosigkeit ihrer Männer, von denen sich die meisten lieber dem Studium religiöser Schriften widmen, und der Bedeutung und dem geringen Stellenwert der Frau in dieser Religionsgemeinschaft. 45% der Stadtbevölkerung von Jerusalem leben aktuell unter der Armutsgrenze. Es sind ultraorthodoxe Juden und palästinensische Araber, die 70% der Einwohner ausmachen und die einen überwiegend niedrigem Bildungsgrad haben.

Die Männer der Ultraorthodoxen sind an Äußerlichkeiten zu erkennen. Sie tragen schwarze Kleidung und Hüte, weiße Hemden, Kippas, Gebetskapseln und -riemen, haben Schläfenlocken und Bärte. An Einzelheiten ihres Äußeren sieht man, ob sie und ihre Traditionen aus dem west- oder osteuropäischen Raum stammen.

Zum Abendessen sind wir wieder zurück im Hotel. Es gibt ein Buffet, das zwar reichhaltig, aber ohne besondere Highlights ist. Es wäre auch vermessen, in diesem riesigen Speisesaal eine Haute Cuisine zu erwarten.

Einer der bekanntesten Köche aus Israel ist der in London tätige Yotam Ottolenghi. Wöchentlich sind Rezepte von ihm schon seit geraumer Zeit in der Zeitschrift Focus nachzulesen. In der Küche finden sich neben traditionellen jüdischen Gerichten auch viele orientalische Gerichte und die bekannte Mittelmeerküche.

Doch was ist eigentlich "koscher"? Als koscher bezeichnet man allgemein Speisen, deren Verzehr nach den jüdischen Speisegesetzen erlaubt ist. Die Speisegesetze sind für die Identität von Juden, die in der Diaspora leben, besonders wichtig. Reformjuden beachten sie weniger.

30.12.2019 Mo - Via Dolorosa - Grabeskirche - Tempelberg - Klagemauer - Jüdisches Viertel

Ein weiterer Tag in Jerusalem erwartet uns heute. Wir betreten die Altstadt Jerusalems durch das Löwentor der historischen Stadtmauer und laufen über eine hölzerne Brücke, von der wir auf die betenden Gläubigen an der Klagemauer blicken können. Männer und Frauen sind in zwei Sektoren geteilt. Die tiefe Gläubigkeit und Ergriffenheit der Juden ist für uns beeindruckend. Sie beten an den unteren Mauerschichten des ehemaligen Salomonischen Tempels.

Nach Durchqueren einer Sicherheitskontrolle befinden wir uns auf dem Tempelberg. Nur an bestimmten Zeiten und auch nicht jeden Tag hat man als nichtgläubiger Muslim die Möglichkeit, den Tempelberg zu betreten. Wir haben Glück und Zugang. Dort oben befinden sich unter anderem der Felsendom und die Al Aqsa- Moschee.

Der Felsendom ist ein Gebäude aus dem 7. Jahrhundert und für die Muslime eines ihrer wichtigsten Heiligtümer. Der Kuppelbau wurde über dem Felsen errichtet, auf welchem Abraham der Legende nach seinen Sohn zu opfern bereit war und von wo die Himmelfahrt Muhammeds stattgefunden hat. Der Felsendom ist immer als ein Schrein verstanden worden, nicht als Moschee. Deren Kuppeln sind im übrigen fast immer grün - die Farbe des Islam. Die jüngste Vergoldung der Felsendom-Kuppel hat Anfang der Neunziger Jahre der König der Haschemiten, Hussein I. von Jordanien, aus eigener Schatulle bezahlt.

An der Südost-Seite des Felsendoms steht der kleine Kettendom. Hierbei handelt es sich um ein rundes, offenes und von Säulen getragenes Bauwerk an der Stelle, wo einst König David Gericht gehalten und sein Sohn Salomon zum Andenken seines Vaters eine Kette zwischen Himmel und Erde gehängt haben soll. Die Moslems wiederum glauben, dass an diesem Ort am Jüngsten Tag die Guten von den Bösen getrennt werden.

Etwas weiter entfernt befindet sich die Al Aqsa- Moschee. Hier soll zu biblischen Zeiten der zweite Tempel Salomons gestanden haben, wo nach jüdischen Prophezeiungen dereinst die Ankunft des Messias erwartet wird. Daher fordern radikale jüdische Gruppen den Abriss der drittwichtigsten Moschee des Islams und die Neuerrichtung des Tempels an diesem Ort. Nicht nur die Al Aqsa-Brigaden der Fatah haben wohl einiges dagegen. Wie löst man derart konträre Sichtweisen auf?

Nach jüdischem Glauben ist der erwartete Messias ein von Gott ausgewählter Mensch. Jesus von Nazareth war für die Juden ein Mensch und nicht der Sohn Gottes. So käme er für die Messiasfindung in Frage. Ein israelischer Philosoph soll auf die Frage nach dem künftigen Messias gesagt haben: "Wenn er kommt, werde ich ihn fragen: Werter Herr, waren Sie schon einmal hier?" So erzählt uns Rahel.

Heute hat unsere Reiseleiterin, die gebürtige Schweizerin und konvertierte Jüdin Rahel, ihren Vortrags- Höhepunkt. Und das erwähne ich mit größtem Respekt. Sie schafft es, eine Klammer über die Zusammenhänge religiöser Glaubensfragen und geschichtlicher Ereignisse zu legen, die uns das Verständnis der hiesigen Konflikte erleichtert. Es wird der Wunsch geäußert, Rahel möge doch einmal zu diesem Thema ein Buch schreiben.

Der babylonische König Nebukadnezar eroberte 586 v.Chr. Jerusalem, verschleppte einen Teil der Bewohner und plünderte den Tempel. Seitdem gilt die Bundeslade als verschollen. Es soll sich um eine innen und außen mit Gold überzogene Truhe aus Akazienholz handeln, welche die Steintafeln mit den 10 Geboten enthält, die Moses von Gott erhielt. Rahel macht uns auf den englischen Schriftsteller und Journalisten Graham Hancock aufmerksam, insbesondere sein Werk "The Sign and the Seal", worin er das Verschwinden der Bundeslade und die Suche nach ihr thematisiert. Ist auch er ein pseudowissenschaftlicher Sensationsautor wie Erich von Däniken? Ich werde das Buch lesen.

Wir verlassen den Tempelberg und begeben uns auf die weltbekannte Via Dolorosa, den nach dem Leidensweg Jesus benannten Prozessionsweg über 14 Stationen, der über mehrere Straßen durch das muslimische Viertel führt.

Eine Oase inmitten des Gassengewirrs ist das Österreichische Hospiz, das älteste christliche Gästehaus in der Heiligen Stadt. Dort im Café Triest erwartet man uns zu Wiener Melange und Apfelstrudel. Das ehemalige Hospiz hat heute nicht mehr seine ursprüngliche Bestimmung und dient jetzt als Pilger- Gästehaus und Café-Restaurant.

Vom Dach des Hauses bietet sich ein schöner Blick über die Altstadt. Sie ist viergeteilt, es gibt einen jüdischen, christlichen, muslimischen und armenischen Teil.

Der Via Dolorosa folgen wir weiter bis zur Grabeskirche im christlichen Viertel. An diesem Ort, wo Jesus ans Kreuz geschlagen und bestattet worden sein soll, kulminieren die christlichen Konfessionen. In über 30 Kirchen und Kapellen, möglichst nahe an die Grabrotunde gebaut, rangeln sie um die Vorherrschaft. Und ihre Vertreter, Priester und Mönche, benehmen sich untereinander und gegenüber den Gläubigen und Touristen als sei dieser Ort ihr Privatbesitz. Es soll sogar schon Schlägereien unter den Mönchen gegeben haben.

Die Hauptanziehungspunkte innerhalb der Grabeskirche sind der Salbungsstein, eine Steinplatte, auf der Jesus Leichnam gesalbt worden sein soll, die Golgatakapelle, wo das Kreuz gestanden haben soll, und die Grabrotunde, die Grabhöhle, wo Jesus bestattet wurde und die am Ostersonntag leer aufgefunden wurde. Die heiligen Stätten werden von Gläubigen durch Berührungen, Küsse und Gebete verehrt. Die enorme Menschenmenge weckt in mir klaustrophobische Symptome, so dass ich den Komplex der Grabeskirche schnell wieder verlasse.

Nach einem kleinen Mittagsimbiss geht es durch den arabischen Basar ins jüdische Viertel und vorbei am Cardo, der antiken Einkaufsstraße, zur Klagemauer, dem Ausgangspunkt unseres Rundgangs. Die westliche Stützmauer des einstigen Tempelberges, als einziges antikes Stück erhalten, ist heute der heiligste Ort der Juden. Sie ist bekannt als Westmauer oder Klagemauer.

Wegen des enormen Andrangs will die Gruppe mehrheitlich von einem Besuch absehen, doch Rahel findet ein Nadelöhr... Die Security-Dame am Metalldetektor schickt mich missmutig immer wieder durch den Scanner. Es piept immer noch. Vielleicht ist es eine Zahnbrücke? Rahel versichert der Lady, dass ich ein harmloser Touri sei... gerade rechtzeitig bevor ich laut meinen Missmut über diese Behandlung kundtue, was wohl nicht hilfreich gewesen wäre. Vermutlich muss die Dame Stress oder Frust abbauen. Man ist in solchen Situationen wirklich ohnmächtig.

Wir diskutieren kontrovers mit Rahel über die Bedeutung der Klagemauer für die Juden und andere Fragen zum Judentum.

Jerusalem wirkt wie ein Magnet auf alle Gäste Israels, doch nur wenige Bewohner profitieren davon. 2018 haben 1,8 Mio. Touristen hier übernachtet. Schon 1980 schrieb Israels Parlament das "vereinigte Jerusalem" als Hauptstadt im Grundgesetz fest. Bis heute trennt Ost- und Westjerusalem jedoch ein tiefer Graben. Nach vielen Jahren der Vernachlässigung Ostjerusalems entschied die israelische Regierung erst vor einem Jahr umzusteuern und in den Ostteil zu investieren um den dortigen Lebensstandard zu heben.

Heute sind wir viele Kilometer durch die Jerusalemer Altstadt getigert. Ich bin müde vom Wandern. Zudem ist es kühl geworden heute Abend. Nicht zuletzt deshalb verzichten einige Mitreisende und auch ich nach dem Abendessen im Hotel auf die im Reiseprogramm vorgesehene "Open Air- Lightshow" in den alten Gemäuern der Davids-Zitadelle am Rande der Altstadt. Ich bevorzuge einen Absacker an der Hotelbar. Vielleicht gibt es ja einen "Jerusalem Sundowner"? Mit zahlreichen Projektoren sei die Geschichte von König David optisch sehr imposant erzählt worden. So haben es mir die teilnehmenden Gruppenmitglieder berichtet.



31.12.2019 Di - Neustadt Jerusalems - Street-Food-Tour auf dem Yehuda-Markt - Alt- Jaffa
& Silvester in Tel Aviv

Bevor wir heute Jerusalem verlassen fahren wir durch die Neustadt Jerusalems auf den Hügel der Regierungsgebäude zur Knesset- Menora von Benno Elkan. Der siebenarmige Leuchter ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Hier legen wir eine Besichtigungspause ein. Rahel erklärt uns die Bedeutung der Darstellungen auf den sieben Armen des riesigen Leuchters.

Auf der anderen Straßenseite steht das unspektakuläre Gebäude der Knesset, des israelischen Parlaments. 120 Abgeordnete sind jeweils für 4 Jahre gewählt, die Politik des 9 Mio.- Volkes zu bestimmen.

Auf dem bunten Machne Yehuda-Markt, erleben wir passend zur Mittagszeit die orientalische Seite von Jerusalem auf eine besondere Art. Marianne verteilt eine Art Voucher, mit dem wir an 6 ausgewählten Marktständen und Lokalen sechs verschiedene Speisen und Getränke probieren können. Ich entscheide mich für

- einen Pfefferminz-/Ingwer-/Zimt- Tee
- mit Käse gefülltes Georgisches Fladenbrot (Chatschapuri)
- ein Rindfleisch- Patty
- eine kleine Portion Rote Bete- Suppe mit einem Bulgur-Fleischkloss (Kubeh) als Einlage
- ein kleines Craftbier

Craftbier von den angesagten Microbreweries ist momentan das Trendgetränk, das bei der jüngeren Generation den Wein abgelöst hat. Der Markt, die Verkaufsstände und Imbissbuden sind jetzt zur Mittagszeit rappelvoll, so dass sich unser Aufenthalt über fast 2 1/2 Stunden hinzieht.

Die Geschichte des Marktes geht auf die osmanische Zeit zurück. Das ist gar nicht so lange her, denn das heutige Israel gehörte bis vor 100 Jahren noch zum Osmanischen Reich. Unser Streetfood-Erlebnis wird abgerundet durch einen speziellen Natursäfte-Saft.

GEWÜRZE der Region sind insbesondere:
- Sumach (Berberitze, Essigbeere, eine leckere, winzig kleine, säuerliche Frucht - als Ersatz für Zitronen und Essig in Speisen)
- Zatar (palästin. Gewürzmischung aus wilden Thymian, fein geröstetem Sesam, Sumach und einer Prise Salz)
- Dukkah (palästin. Gewürzmischung aus Kreuzkümmel, Anis und geröstetem Sesam)

In herausragender ursprünglicher Qualität aus Palästina können Sie diese Gewürze und auch Olivenöl übrigens beziehen bei https://nabalifairkost.com/ (fairer Handel!).

Nach diesem schmackhaften Erlebnis verlassen wir Jerusalem mit dem Bus und erreichen die moderne Metropole Tel Aviv am Mittelmeer, die größte Stadt des Landes, das New York des Nahen Ostens, auch "Big Orange" genannt - wegen der zahlreichen Orangenbäume im Stadtbild... Von den Plantagen in der Umgebung kommen die uns bekannten saftigen Jaffa- Orangen.

Wir besuchen Alt- Jaffa mit seinen Künstlerateliers. Es handelt sich um ein schmuckes, aber völlig seelenloses wiederaufgebautes Viertel ohne wirkliches Leben, eigentlich nur eine Kulisse. Hier gibt es keine Cafés, Bars, Eisdielen od. sonstige Gastronomie. Folglich fehlt es an Besuchern... Wir durchstreifen das Viertel im Eiltempo, es bleibt keine Zeit zum Stöbern in den einzelnen Ateliers.

An der Promenade spielt ein junger Mann nach Playback auf seiner Schießbude. Seine trommlerischen Fähigkeiten sind freundlich ausgedrückt mager. Einem Hochzeitspaar, das hier gerade Fotos von sich machen läßt, scheint seine Musikkunst aber zu gefallen - zumindest als Kulisse für Fotos...

Vier von uns hatten sich schon am Vormittag von der Gruppe abgesetzt und eigenständig die Holocaust- Gedenkstätte Yad Vashem besucht. Das passt Rahel erkennbar nicht. Die vier sind dann per Taxi nach Tel Aviv nachgekommen.

Nach dem Check-In im Hotel Herods Tel Aviv direkt an der neuen Marina haben wir noch freie Zeit um uns für den Silvester-Abend vorzubereiten. Aufbrezeln ist jedoch nicht notwendig, denn Silvester und der Jahreswechsel sind in Israel normale Tage. Der Jahreswechsel nach jüdischem Kalender wird schon im Herbst gefeiert. Deshalb gibt es hier um Mitternacht auch kein Feuerwerk! Dennoch haben sich einige Lokale auf den Jahreswechsel nach gregorianischem Kalender eingestellt.

Wir speisen heute Abend in einem Strandrestaurant, das wir bis auf wenige weitere Gäste für uns alleine haben, eine ungewöhnliche Atmosphäre an Silvester. Hier gibt es ein gut schmeckendes Menü mit Freigetränken. Ein ärztlicher Notdienst wird nicht benötigt. Gegen kurz nach 23:00 fahren wir zurück zum Hotel, wo wir am Strand mit gut gekühlten Sekt auf das neue Jahr anstoßen. Marianne und Rahel haben den Ersatz- Champagner besorgt. Willkommen in 2020! Die Lobbybar hat schon geschlossen als wir kurz vor 1:00 ins Hotel zurückkommen.



01.01.2020 Mi - Erkundungen in Tel Aviv

Beim reichhaltigen Hotel- Frühstück gibt es neben - nicht benötigten - sauren Gurken und Hering auch Shakshuka, das traditionelles Gericht aus pochierten Eiern in einer Sauce aus Tomaten, Paprika und Zwiebeln. Man streitet darüber, ob es ein israelisches Nationalgericht, ein Gericht aus dem arabischen Raum oder den Maghreb- Ländern ist. Zumindest gibt es zahlreiche Varianten.

Tel Aviv ist die erst 100 Jahre alte Stadt des jungen und modernen Israels.

Unseren Rundgang in Tel Aviv beginnen wir auf dem Rothschild- Boulevard. Hier im Haus Nr. 16, wo ursprünglich der erste Bürgermeister Tel Avivs, Meir Dizengoff, lebte, verlas David Ben-Gurion vor den Mitgliedern des Provisorischen Staatsrates am 14. Mai 1948 die Unabhängigkeitserklärung des neuen Staates Israel. Für die 400 Versammlungsteilnehmer hatte man zuvor aus den umliegenden Cafés zusätzliche Stühle ausgeliehen. Der Raum der Staatsgründung wird heute als Independence Hall bezeichnet.

Die Gründerbauten gehen am Rothschild- Boulevard in den moderneren Bauhaus- Stil über. Aufgrund der weltweit höchsten Konzentration - man spricht von 4.000 - originaler Bauhausgebäude wird diese Gebäudesammlung Tel Avivs auch als Weiße Stadt bezeichnet. Die UNESCO hat sie 2003 zum Weltkulturerbe erklärt. Zwischen der Shenkinstraße und der Ben-Yehuda-Straße stehen einige besonders schöne Exemplare. Die Architekten der Bauhausgebäude waren - wie zu vermuten - zum größten Teil deutschstämmige Juden, die nach der Machtergreifung der Nazis 1933 aus Deutschland ausgewandert waren.

Wir laufen durch das Sarona- Viertel, eine 1871 von deutschen Anhängern der Tempelgesellschaft (so genannte Templer, keine Tempelritter!) gegründete Siedlung. Nach der Vertreibung der deutschstämmigen Templer wegen deren Kontakten zu den Nazis, wurden die Gebäude von den umliegenden Städten aufgekauft. Nach umfangreichen Restaurierungen soll sich Sarona inzwischen zu einem bevorzugten Wohn- und Ausgehviertel entwickeln. Davon bekommen wir nichts mit. Leider macht uns Rahel auch nicht auf die Besonderheit des Sarona- Markets aufmerksam, Tel Avivs neue kulinarische Topadresse. Wir erkennen von außen nur einen Eingang, der aussieht wie der eines gewöhnlichen Supermarktes. Schade, ich wäre zur Abwechslung von den vielen Basaren und Flohmärkten gerne mal im israelischen Schlaraffenland der Haute Cuisine unterwegs gewesen. Schließlich ist Tel Aviv auch das gewählte Zuhause des deutsch-israelischen Starkochs und MasterChefs Tom Franz.

Gegenüber ihrem Top- Vortrag auf dem Tempelberg in Jerusalem hat Rahel seit gestern spürbar nachgelassen. Sie führt die Gruppe zwar routiniert, aber nicht mehr leidenschaftlich. Auch die Interessen und kleinen Sonderwünsche einzelner Gruppenmitglieder werden von ihr nicht mehr begleitet, sondern eher geduldet.

In einem Straßencafé in Serona esse ich zu Mittag eine Gemüsesuppe, die eigentlich nur aus Wasser und ein paar Gemüsestücken besteht, völlig ohne Geschmack. Dem kann ich nur mit Salz- und Pfefferstreuer nachhelfen. Diese kleine Mahlzeit ist enttäuschend, zumal in einem Land, das beste vegetarische Küche, Mezze, Shawarma, die besten Falafel und den besten Hummus anbietet.

Danach folgt ein weiterer 90- minütiger, nicht geführter Aufenthalt auf einem Flohmarkt mit Schrottplatzcharakter, wonach wir am Rabin- Platz vor dem Rathaus vorbeifahren, an dem am 04.11.1995 Israels Premierminister während einer Friedensdemonstration ermordet wurde; eine Tat, die bis heute als Trauma der israelischen Nation gilt.

Was mir auffällt: In Strandnähe sind mehrfach Schilder mit dem Hinweis "Tsunami Evacuation Route" zu sehen. Tsunamis sind in Israel eher selten, aber die Gefahr, die von der unterseeischen Plattenverschiebung zwischen Europa und Afrika ausgeht, wird hier ernst genommen. Es werden immer wieder Evakuierungsübungen durchgeführt.

Am Nachmittag sind wir zurück im Hotel. Die abendliche Restaurant- und Essenswahl ist nicht Programmbestandteil. Für diejenigen, die ihr Dinner mit der Gruppe einnehmen möchten, hat Marianne Plätze in einem nahen Pavillon- Restaurant auf der Promenade reserviert. Ich schließe mich an. Leider werden nur einfachste Fastfood- Gerichte zu völlig überhöhten Preisen angeboten. Wir vermissen die leckeren Mezze- Gerichte und das legendäre Falafel. Doch das nehmen wir mit Humor.

Kennen Sie den israelischen Humor? Bestimmt haben Sie etwas von Ephraim Kishon, dem genialen Satiriker, gehört und gelesen. "Der Blaumilchkanal" ist eine seiner berühmtesten Geschichten. Jüdischer Humor ist bekannt für seine weise und verschmitzte Hintergründigkeit und für die Gnadenlosigkeit, mit der sich Juden selbst auf die Schippe nehmen. In ihrer wechselvollen Geschichte durften sie sich nie ungestraft über andere lustig machen, also flüchteten sie in Selbstironie.

 

02.01.2020 Do - Haifa - Kreuzfahrerstadt Akko - Weinverkostung im Karmel-Gebirge

Am letzten Tag unserer Reise durch Israel erkunden wir die Region nördlich von Tel Aviv. Entlang des Mittelmeeres fahren wir zunächst nach Haifa und stoppen an einem Aussichtspunkt um das UNESCO-Welterbe der Bahai-Gärten zu bestaunen. Diese sogenannten hängenden Gärten sind eine Augenweide und gelten gleichzeitig als Friedenssymbol und Ort der Ruhe. Umgeben von saftig grünen Terrassengärten, ziegelroten Wegen und farbenfrohen Blumenbeeten erhebt sich der Schrein des Bab, des Religionsstifters des Babismus, einer Abspaltung der Schiiten, mit seiner goldenen Kuppel. Leider wird unser Ausblick auf die Bahai-Gärten durch Nebelwolken eingeschränkt. Nach einigen Minuten verziehen sich diese aber wie durch ein Wunder.

Im Rheinischen gibt es eine Redensart, die lautet: "mach nich sonnen Buhai" (so einen Umstand, so ein großes Getue um eine kleine Sache). Das hat aber wohl nichts mit den Bahai zu tun.

Sunniten und Schiiten, das ist ein Dauerthema zum Verständnis des "wahren Islam" und zwei Religionsrichtungen, die sich aus politischen Gründen bekämpfen. Die Staaten mit mehr als 2/3 Schiiten sind Iran und Irak. Etwas weniger beträgt der Anteil der Schiiten in Syrien, Libanon und Jemen. Alle anderen Länder im Nahen und Mittleren Osten werden mehrheitlich von Sunniten bevölkert.

Was unterscheidet das Islamverständnis der beiden Richtungen? In den ersten Jahrzehnten nach dem Tode des Propheten Mohammeds gab es Auseinandersetzungen über die Frage, wer dazu berechtigt sei, die Geschicke der Gemeinschaft zu lenken. Die Schiiten vertreten bis heute die Auffassung, dass nur Mohammeds Cousin und Schwiegersohn Ali und seine Nachkommen das Recht hätten, das politische Oberhaupt (Kalif, Imam) aller Muslime zu stellen. Dagegen waren die Sunniten damals der Ansicht, dass sie besser einen Mann ihres Vertrauens als Nachfolger von Mohammed wählen und dabei nicht auf seine Herkunft achten sollten. Sie wählten 3 enge Freunde und Vertraute des Propheten als seine Nachfolger und bestimmten zusätzlich Ali als vierten Nachfolger. Letzterer war für die Schiiten bereits zuvor der alleinige rechtmäßige Nachfolger von Mohammed.

In zentralen Glaubensinhalten unterscheiden sich die beiden Hauptrichtungen des Islam nicht. Lediglich einige Überlieferungen über das Leben Mohammeds und der von ihm überlieferten Aussprüche werden unterschiedlich bewertet.

Weiter geht unsere Tagesfahrt entlang der Mittelmeerküste nach Akko, eine der ältesten Städte der Welt. Die Besiedelung der Region begann vor 7.000 Jahren. Zur Zeit der Kreuzfahrer war diese Stadt mit ihren riesigen Befestigungsmauern das Tor zum Heiligen Land. Man findet in Akko die schönsten Ausgrabungen aus dieser Zeit. Die imposante unterirdische Kreuzfahrerfestung gehört zum UNESCO-Welterbe. Sie war das Hauptquartier des Johanniterordens, hier "Hospitaliterorden der Ritter des Hl. Johannes" genannt. Vor Ort wundern wir uns, wer denn wohl die Hospitaller oder Hospitaliter gewesen sein könnten. Beide Namen sind uns kein Begriff - und Rahel löst das Rätsel nicht auf.

Sultan Saladin und Richard Löwenherz, Araber und Christen, lieferten sich hier in Akko blutige Kämpfe.

Der schönste Saal der Festung ist das kathedralenartige Refektorium, der Speisesaal der Johanniter, wo auch Marco Polo während seines Aufenthaltes in der Stadt gegessen haben soll. Bis heute rätselt man über die Zweckbestimmung der anderen riesigen Gewölbehallen, die von den Mamelucken zugeschüttet und später von den Türken als Fundament für deren eigene Stadt genutzt wurden. Deshalb liegt die Kreuzritterstadt heute 8 m unter dem Straßenniveau. Auf der Kreuzritterstadt wurde auch die aus dem 18. Jh. stammende Zitadelle, ein mächtiges und sehr sehenswertes Bauwerk, errichtet.

Akko hat heute ein arabisches Flair. Beim Streifzug im hiesigen Basar und Obst- und Gemüsemarkt tauchen wir in den Orient ein. Es gibt auch Fleisch und Fisch. Draußen regnet es "cats and dogs", aber die Gänge sind durchgehend überdacht. So wird der Markt bis auf wenige durchlässige Stellen vor der Sintflut beschützt.

Im Talmud heißt es: Als die Sintflut die Küste Akkos erreichte, befahl Gott: "Bis hierher (hebräisch: Ad Koh) sollst du kommen und nicht weiter". Vermutlich ist der Name der Stadt darauf zurückzuführen: Ad koh = Akko.

Die Besichtigung der geschichtsträchtigen Hafenstadt Akko kommt viel zu kurz, was wohl auch dem heutigen Regentag geschuldet ist.

Wir sind hier in Grenznähe zum Libanon und damit dem Herrschaftsgebiet der Hisbollah, einer schiitisch- islamistischen Organisation, deren geistiges Oberhaupt der Führer der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Chamenei, ist. Die Hisbollah verfolgt eine panislamistische Idee über alle Staatsgrenzen hinweg mit dem vordersten Ziel, den Kampf gegen Israel und die USA weiterzuführen.

Auf dem Rückweg nach Tel Aviv fahren wir in das Karmel- Gebirge, einen Nationalpark, der wegen seiner üppigen Vegetation und dem milden Klima als Naherholungsgebiet der Israelis gern genutzt wird. Hier in den Bergen (eher Hügeln) liegt die Tulip Wein-Kellerei, in der wir 5 israelische Spitzen- Weine aus eigener Produktion verkosten. Bis auf einen Syrah sind es Cuvées. Dazu wird ein wenig Käse und frisches Brot gereicht. Das Flagschiff unter den Tulipweinen ist der "Black Tulip", eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot von sehr alten Reben, dessen 2012er Jahrgang mit 92 Parker- Punkten ausgezeichnet wurde. Der aktuelle Jahrgang kostet 62 € pro Flasche und wird aus verständlichen Gründen nicht zur Verkostung angeboten.

Diese Kellerei verbindet soziales Engagement mit der erst wenige Jahre alten Produktion von erstaunlich guten Weinen. Ein Teil des Erlöses kommt einer Einrichtung für behinderte Menschen zugute, die hier leben und arbeiten.

Die örtliche Agentur hat am Abend für uns einen Tisch im angesagten Restaurant Onza Food & Vibe, direkt neben dem Flohmarkt von Jaffa, reservieren lassen. Das Onza steht ganz oben auf der Tripadvisor- Empfehlungsliste und das zu Recht. Es gibt u.a. eine Vielzahl an Vorspeisen, Mezze, aus der modernen osmanisch-türkischen Küche. Die beiden jungen Küchenchefs Arik Darhani and Muli Magriso gehören zu den Spitzenköchen von Tel Aviv und verarbeiten nur beste Zutaten. Die freundliche Bedienung und das reichhaltige und sehr leckere Essen bereiten uns einen schönen Abschiedsabend.


03.01.2020 Fr - Rückflug von Tel Aviv - Lehitraot Israel! (Auf Wiedersehen in Israel!)

Heute geht unsere Israelreise zu Ende. Den Vormittag können wir noch individuell in Tel Aviv verbringen.

Gegen Mittag wird der Teil der Gruppe, der nach Frankfurt fliegt, vom Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Der Ben Gurion International Airport sollt der weltweit höchst bewachte Flughafen sein. Zahlreiche Sicherheitskontrollen und -maßnahmen verschaffen ein Höchstmaß an Schutz vor terroristischen Anschlägen auf den Flugverkehr.

Hunderte von Reisenden stauen sich vor den "Befragungstischen" in der Abflughalle. Dort wird nach endlosem Warten der Pass und das Ausreiseticket kontrolliert und eine kurze "Sicherheitsbefragung" vorgenommen. Ob man Geschenke im Gepäck habe oder der Koffer mit Hilfe Dritter gepackt worden sei und ob man Stich- oder Schusswaffen dabei habe usw. Danach erfolgt das Einchecken des Gepäcks und der Gang durch die Sicherheitskontrolle. Als letztes wird nochmals der Pass kontrolliert.

Natürlich ist dieses Procedere alles andere als komfortabel, aber das nimmt wohl jeder Flugreisende für eine erhöhte Sicherheitsstufe gern in Kauf. Zum Glück sind wir nicht über Teheran zurückgeflogen, wo nur wenige Tage später eine ukrainische Passagiermaschine mit 176 Menschen an Bord "unbeabsichtigt" von den iranischen Revolutionswächtern abgeschossen wird...

Ist Israel das "gelobte Land"? Ja, für die Juden, die über Jahrhunderte bis hin zum Holocaust verfolgt wurden. Ist es das "heilige Land"? Ja, für die monotheistischen Religionen, die Juden, die Christen und die Muslims. Hat Israel eine weitergehende Bedeutung? Nein, es ist ein Staat wie jeder andere auf der Welt, allerdings "terra nova" für die heutigen Juden, ohne lange Tradition und Geschichte und mit vielen Nachbarschaftsproblemen, vor allen anderen mit den palästinensischen Brüdern.

Ich verlasse Israel mit gemischten Gefühlen. Aber eigentlich habe ich so gut wie nichts von dem Land gesehen und kennengelernt und kann mir kein wirkliches Urteil erlauben. Es war wie so oft wieder mal eine "Helikopter-Visite": Der Touri schwebt ein, schaut sich um, hört den Erklärungen der Reiseleitung zu, fotografiert und schon gehts weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. Und täglich grüßt das Murmeltier!

Festgestellt habe ich, dass Israel für uns Deutsche teuer ist, jedenfalls liegen die Preise in den Hotels und Gaststätten weit über unserem Niveau. Für 0,5 l Bier zahlt man umgerechnet 8,00 €, ein Glas Wein dto., eine kleine Flasche San Pellegrino 4,00 €, Fish & Chips 20,00 € usw.

Der Reiseveranstalter Eberhardt Travel hat übrigens ein bemerkenswertes System zur Zahlung "erwarteter Trinkgelder" eingeführt. Dabei werden von jedem Reisenden pauschal 50 € (in unserem Fall) eingesammelt, die von der Reisebegleitung unter Reiseleitung, Fahrern und Hotel-/Restaurantpersonal aufgeteilt werden. Die Aufteilung wird der Reisegruppe dann bekanntgegeben. So will man eine anonyme Trinkgeldsammlung vermeiden, bei der es "mehrere verdeckte Sparer" gebe, was zu Problemen in der Gruppe und bei den Reiseleitern führen könne. Ich habe mich geweigert, dieses "Zwangstrinkgeld" bzw. die verdeckte Reisepreiserhöhung zu zahlen und mir die eigene Entscheidung über Trinkgeldzahlungen vorbehalten. Das wurde vom Veranstalter akzeptiert.

Nochmals Vielen Dank an Rahel und Marianne für ihre Reiseleitung und -begleitung!

Uns allen wünsche ich: Dona Nobis Pacem!
(auch Commander in Chief Trump und Ajatollah Chamenei)

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Israel:

Das Dumont- Reisehandbuch "Israel" von Michael Rauch ist eine Fundgrube gut recherchierter Informationen, ergänzt um eine große Reisekarte. Wir haben es vom Veranstalter als Reiselektüre bekommen. Eine wirklich gute Wahl!



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