14.09.2019 Sa - Flug nach Jersey

Diesmal geht es auf die Channel Islands, die Kanalinseln, so genannt weil sie im Ärmelkanal liegen. Ich habe bei Eberhardt Travel, Dresden, eine Gruppenreise auf die Inseln Jersey, Guernsey und Sark gebucht. Es ist zur Abwechslung mal wieder eine Singlereise und wieder mal fliege ich mit Eurowings von Düsseldorf. Unsere Reisegruppe bilden 17 Frauen und 2 Männer, eine nicht ganz glückliche Quote, wie ich sie schon von vorherigen Singlereisen kenne.

Die Kanalinseln sind weder ein Teil des Vereinigten Königreichs noch eine Kronkolonie, sondern als Kronbesitzungen direkt der britischen Krone unterstellt, so wie ansonsten nur die Isle of Man. Damit haben sie in Großbritannien einen Sonderstatus. Die Inseln sind gesonderte Rechtssubjekte und auch nicht Teil der Europäischen Union. Jersey und Guernsey haben mit dem Jersey-Pfund und Guernsey-Pfund auch eine eigene Währung, wenngleich das britische Pfund ebenfalls überall akzeptiert wird.

Politisch sind die Inseln weitgehend autonom, ihr Staatsoberhaupt ist die Queen, aber nicht als Königin von Großbritannien, sondern als "Herzogin der Normandie". Dieser Anachronismus geht zurück auf die Eroberung Englands durch den normannischen Herzog William the Conqueror im Jahre 1066, der dadurch König von England wurde. "Ten-Sixty-Six", Schlacht bei Hastings, was hat man uns diese historische Jahreszahl damals im Englisch- und Geschichtsunterricht eingetrichtert, vergleichbar nur mit "333 - bei Issos Keilerei".

Die Kanalinseln liegen im südwestlichen Teil des Ärmelkanals, 22 km vor und in Sichtweite der französischen Küste der Normandie. Bis zur britischen Südküste sind es dagegen 160 km. Die Inseln sind geografisch ein Teil Frankreichs, waren jedoch nie französisch. Politisch gehören sie zu Großbritannien. Das Lebensgefühl der Insulaner wird aus einer Mischung englischer und französischer Kultur bestimmt, was zu einer ganz eigenen Qualität führt. Zu den Kanalinseln gehören Jersey, Guernsey, Alderney, Sark, Herm und Jethou. Aufgrund der Lage am Golfstrom haben die Kanalinseln ein "Klima, das für den Müßiggang wie geschaffen ist" wie Victor Hugo Mitte des 19. Jh. feststellte.

Heute kommt noch ein entscheidender weiterer Vorteil hinzu. Die Inseln sind ein Steuerparadies. Die Einwohner zahlen pauschal 20% Einkommensteuer. Die Zuwanderung wird aber streng kontrolliert. Man bürgert jetzt nur noch Immigranten ein, die mindestens 600.000 Pfund Steuern im Jahr bezahlen. Rechnen Sie mal!

Jersey (Jèrri) hat neben der Amtssprache Englisch auch eine eigene Sprache, das Jèrriais. Diese vom Aussterben bedrohte normannische Sprache wird von den Einheimischen auf Englisch auch Jersey-French genannt. Jèrriais ist in den Schulen Jerseys kein Hauptfach mehr, kann jedoch als Nebenfach belegt werden. Eine Hörprobe gibt es im Jersey Museum oder hier bei Youtube.

Bei der Landung in St.Helier auf Jersey stellen wir die Uhren 1 Stunde zurück (-> GMT). Auf den Kanalinseln gilt auch die Sommerzeit. Unsere Unterkunft für die nächste Woche ist das Ommaroo Hotel, ein historisches Haus, das 1916 eröffnet wurde und das Flair der britischen Ferienhotels des frühen 20. Jahrhunderts bewahrt hat. Es ist gekennzeichnet durch viele verwinkelte Etagengänge und Treppen, bei denen man leicht die Orientierung verlieren kann. Fluchtwege sind hier mit Einschränkung zu bewerten. Deutschen Sicherheitsbestimmungen genügt das nicht. Das Hotel wurde kürzlich von der Inhaberfamilie renoviert, hat aber immer noch viel Ursprüngliches und zudem eine grandiose Küche.

Das Ommaroo liegt am Havre des Pas, einem Strandbezirk von St. Helier. Gegenüber im Meer befindet sich ein großes Naturschwimmbecken mit dem angrenzendem Lido, einem der bekanntesten Küstengebäude der Insel. Dieser Pool hat eine zum Ufer hin geöffnete, kreisförmige Betonumrandung. Bei ablaufendem Wasser bzw. Ebbe bleibt das Poolbecken gefüllt, so dass man auch dann dort gut schwimmen kann. Die Stehhöhe beträgt ca. 1,20 m. Bei Flut ist der Pool incl. seiner Umrandung komplett vom Wasser überflutet und nicht mehr zu sehen. Das Cafe-Restaurant Lido befindet sich an seiner Westseite auf einer künstlichen Insel, die durch eine Seebrücke mit dem Ufer verbunden ist.

Unsere Reisebegleiterin auf den Kanalinseln ist Kristin Weigel, eine junge Mitarbeiterin des Reiseveranstalters, die mit ihrer charmanten Art unsere Gruppe als ausgleichender und vermittelnder Part begleitet. Das ist auch nötig, denn unsere östereichische Driver- Guide Heidi versteht es, sich mit kratzbürstigen Antworten und beleidigenden Kommentaren bei der Gruppe unbeliebt zu machen. Schon bei unserer Ankunft weist Heidi in scharfem Befehlston die Gruppe an, auf die Minute pünktlich um 8:15 am nächsten Morgen vor dem Hotel zu stehen, wo sie uns mit ihrem Sprinter-Bus abholen will.

Der hat 20 Sitzplätze und deren Abstand ist für kleinere Menschen mit nicht zu langen Beinen ausgelegt. Für größere Menschen wie mich ist es eine Qual, mit diesem engbestuhlten Fahrzeug transportiert zu werden. Man hat die Wahl: Kniescheibe opfern oder quer auf dem Gestühl sitzen.


15.09.2019 So - Ausflug auf die Kanalinsel Sark

Nach dem Frühstück setzen wir mit der Fähre auf die kleine Kanalinsel Sark über. Die Fährfahrt dauert ca. 1 Stunde. Kristin hat uns bei Abfahrt des Busses erst einmal mit je einer kleinen Flasche Wasser versorgt. Wir freuen uns über ihre Fürsorge. Außer mir sind noch weitere Mitreisende nicht dazu gekommen, Geld zu wechseln oder die Inselwährung am ATM zu ziehen. Erst später stellen wir fest, dass selbst der kleinste Supermarkt auch Kreditkartenzahlung akzeptiert.

"Nehmen Sie bitte nichts mit außer Fotos, und lassen Sie bitte nichts hier außer ihren Fußspuren." Mit diesen wohlgemeinten Worten begrüßt die Insel ihre Gäste an der Landungsbrücke. Trecker ziehen die Gäste in Anhängern mit Sitzbänken den steilen Hügel vom Fährhafen hinauf ins Dorf auf dem Plateau – wanderbegeisterte Besucher bewältigen den Aufstieg zu Fuß in etwa einer halben Stunde. Aber für die Treckerfahrer ist hier oben auch Schluß mit dem Transport per Motorkraft. Weiter geht es nur zu Fuß, mit dem Leihfahrrad oder mit der Pferdekutsche.

Hier gibt es keine Ortschaften, nur kleine Ansammlungen von Gebäuden entlang der Straßen oder in der Nähe von wichtigen Landmarks. Im Herzen der Insel verläuft The Avenue, die "Hauptstraße" der Insel mit einigen Läden. Es ist eher eine Dorfstraße.

Auf Sark mit seinen 600 Einwohnern herrschte noch bis vor kurzem altes normannisches Feudalrecht. Keinem der Einwohner gehört das Land, auf dem er lebt, er bewohnt und bewirtschaftet es auf Pachtbasis. Mitten im modernen Europa vergab bis 2008 der Seigneur de Sercq das Land als Lehen an seine "Untertanen" - wie im Mittelalter. Curious!

Traditionell hat nur der Seigneur, Staatsoberhaupt und selbst Lehensnehmer der britischen Krone, als einziger das Recht, Tauben zu halten. Es stammt aus einer Zeit, als Tauben zum Verzehr gezüchtet wurden. Der amtierende Seigneur ist Major Christopher Beaumont. Bis vor kurzem durfte nur er Hunde auf Sark züchten. Ich fühle mich in vergangene Zeiten des alten englischen Adels zurückversetzt.

Autos sind hier nicht erlaubt. Außer ein paar Traktoren begegnen uns auf der Insel nur Radfahrer und Fußgänger. Der Klassiker auf der Insel ist eine Tour mit der Pferdekutsche und genau dieses Verkehrsmittel nutzen außer mir noch weitere neun Mitreisende. Die andere Hälfte der Gruppe läuft. Wir fahren vorbei an der kleinen Schokoladenmanufaktur Caragh Chocolates, über die der Kutscher berichtet, dass man hier lediglich belgische Schokolade einschmelze um sie dann als Inselschokolade zu verkaufen. Wir haben das nicht überprüfen können. In gemütlicher Fahrt geht es durch die engen Gassen und Hohlwege über die Insel bis wir La Coupée erreichen.

Sark besteht aus zwei hohen Felseninseln, Sark und Little Sark, die nur durch den kurzen, bis zu 100 m hohen Grat, La Coupée, miteinander verbunden sind. La Coupée besitzt erst seit 1900 ein Geländer und wurde 1945 von deutschen Kriegsgefangenen betoniert. Natürlich spazieren auch wir über diesen pittoresken Damm. Er darf nur per pedes benutzt werden, Radfahrer müssen absteigen. Den Grund dafür lassen plötzliche Windböen erahnen. Schließlich geht es links und rechts neben dem Damm 90 m steil hinab ins Meer.

In dem gemütlichen Gartenrestaurant Fleur du Jardin legen wir eine Mittagspause ein. Es gibt u.a. frischen Fisch und Meeresfrüchte. Ich wähle einen ganzen Sark- Hummer zum unglaublich günstigen Preis von 16,95 £. Leider wird er kalt zum Salat serviert und nicht frisch gekocht oder gegrillt mit Kräuterbutter oder als Lobster Thermidor.

Der Sark Lobster (Hummer) ist eine Delikatesse und ein Hochgenuss für Gourmets. Ein Kilo europäischer Hummer, homarus gammarus, kostet bei uns im Einkauf 70 €, im Restaurant kostet die Portion dann mindestens 120 €, also eine nicht gerade preisgünstige Delikatesse. Aber hier auf Sark kann man sich den heimischen Lobster durchaus leisten. Noch preiswerter ist nach meinen Erfahrungen nur der amerikanische Lobster, besonders zur Fangzeit an der Ostküste, in Maine.

Auf der kleinen Insel gibt es nur einen Arzt. Heidi berichtet, ein Nachfolger sei nach dem Tod des alten Arztes schwierig zu finden gewesen. Der einzige Bewerber hatte sich die Nutzung eines Autos auf der Insel ausbedungen, was von der Mehrheit der Einwohner abgelehnt wurde. Als Kompromiss bot man ihm an, sich mit einem Auto auf Sark zu bewegen, wenn dieses von einem Traktor gezogen wird. Kaum zu glauben, aber wohl wahr! Letztendlich kaufte sich der neue Arzt einen Traktor mit einem "Huckepack"- Container, der mit den notwendigen medizinischen Instrumenten ausgerüstet ist.

Am Nachmittag besuchen wir die Gärten La Seigneurie, die zum Herrenhaus der Insel gehören. Es handelt sich um in klassisch englischer Gartenarchitektur angelegte Blumenbeete und Hecken, aber auch einen Gemüsegarten, dessen Produkte der Selbstversorgung des hier seit einigen Jahren betriebenen Café- Restaurants Hathaways dienen.

Ursprünglich gab es hier ein Kloster, das Priorat von Saint Magloire, das vom 6. bis 14. Jh. existierte. Heute sind nur noch wenige Überreste davon erhalten.

Hier auf Sark spielt sich in jüngster Zeit eine unrühmliche Geschichte ab. Die britischen Milliardäre David und Frederick Barclay haben versucht, mit ihrem Geld die ganze Insel in Ihren Besitz zu bekommen. Den Zwillingsbrüdern, die überwiegend in ihrem Domizil in der Schweiz leben, gehören u.a. der Daily Telegraph und das Ritz London.

Es begann 1993 mit dem Kauf der Pacht für die kleine Insel Brecqhou vor der Westküste von Sark. Die Brüder verwandelten die Insel in einen ausgedehnten Park, der von einem Herrenhaus dominiert wird, das einer gotischen Burg nachgebildetet wurde.

Den Barclays gelang der Ankauf auch weiterer Pachten für Grundstücke auf Sark, vier von sieben Inselhotels, des einzigen Pubs, der inseleigene Zeitung und 6 der 40 Farmen. Als die Brüder bereits ein Drittel der gesamten Landfläche von Sark besaßen, weigerten sich die wenigen Einwohner, weiteren Grund und Boden an sie zu verkaufen. Die Barclay Brothers reagierten nach den Regeln des Kapitalismus und griffen zu legalen, aber unmoralischen Mitteln um den Widerstand zu brechen. Sie schlossen ihre Unternehmen und verursachten so einen schmerzhaften Anstieg der Arbeitslosigkeit auf der Insel. Es waren Massnahmen zur Einflussnahme auf die lokale Politik. Bei ihrem bisher letzten Versuch versuchten die Barclay Brüder, das Lehen für das Grundstück der La Seigneurie zu kaufen. Damit wären sie Generalpächter der ganzen Insel geworden und hätten alles wirtschaftliche Handeln in ihrer Hand gehabt. Der Seigneur de Sercq hat dies abgelehnt und seinen Lehensbesitz klugerweise in einen Trust, eine Stiftung, eingebracht, damit er auf alle Zeit unverkäuflich bleibt. Es heißt "Wer die Gärten besitzt, dem gehört die ganze Insel."

Zu der beispiellosen Übernahmeschlacht der Barclay Brüder hat Bettina Borgfeld eine sehenswerte Dokumentation mit dem Titel Was kostet die Welt gedreht, die aktuell (2019) in den Kinos läuft.

Dann geht es mit der Katamaran- Fähre zurück nach Jersey. Am Fährhafen erwartet uns Ernst, Heidis Lebensgefährte, mit dem Sprinter- Bus. Es geht Heidi nicht schnell genug mit dem Einsteigen, was sie zu der Bemerkung veranlasst, unsere Gruppe zu führen sei "schwieriger als einen Sack Flöhe zu hüten". Und Ernst meint, wir hätten wohl keinen Espresso gehabt... Wir haben das beiden übel genommen. Eine Reisegruppe ist keine Militäreinheit, die auf absolute Pünktlichkeit gedrillt werden kann. Minimale Abweichungen Mitreisender von der vereinbarten Zeit, und mehr war es nicht, müssen Reiseleiter tolerieren. Ansonsten sollten sie lieber Linienbusse fahren.

16.09.2019 Mo - Inselrundfahrt auf Jersey

Das Frühstück auf den Kanalinseln ist very british - mit allen Zutaten, die Briten zum Tagesstart lieben und die ich schon wiederholt in anderen Reiseberichten beschrieben habe. Es wird als Buffet angeboten, der Gast kann sich aber auch ein kontinentales Frühstück zusammenstellen.

Heute erkunden wir Jersey, die größte der Kanalinseln. Entlang der St. Clement's Bay im Süden der Insel mit seiner felsigen Zerklüftung des Watts führt uns die Tour zum idyllischen Hafenort Gorey am Ende der Royal Bay of Grouville an der Ostküste. Queen Victoria war so begeistert von der Schönheit dieses Strandes, dass sie ihn kurzerhand mit dem königlichen Namen adelte. In Gorey thront die mehr als 800 Jahre alte Burg Mont Orgueil Castle am Ende der kleinen Küstenpromenade. Eine Besichtigung der ältesten Burg der Insel ist - wohl aus Zeitgründen - aber leider nicht vorgesehen.

Schon am Flughafen sowie vor unserem Hotel sind mir lebensgroße Skulpturen eines Gorilla- Männchens ("Silberrücken") aufgefallen, die außergewöhnlich bemalt waren. Hier in Gorey nun der nächste Gorilla. Heidi erklärt, dass es insgesamt 40 große Silberrücken- Skulpturen und weitere 85 Skulpturen von jungen Gorillas auf der Insel gibt, die alle von internationalen Künstlern unterschiedlich bemalt seien. Hintergrund der Aktion sei der 60. Geburtstag des Jersey Zoos, der als Aufzuchtstation für gefährdete Tierarten gegründet wurde. Mitte November sollen die Gorilla- Statuen meistbietend versteigert werden und von dem Erlös ein neues Gorillahaus im Zoo gebaut werden.

Auf der Weiterfahrt passieren wir befestigte Rundtürme, die durch zahlreiche Schießscharten gekennzeichnet sind. Ich frage Heidi, ob diese Türme auch wie z.B. in Irland "Martello- Türme" genannt werden. Ihre Antwort: Nein! Auf meine Frage, was denn der Unterschied zwischen Jersey- Türmen und Martello- Türmen sei, erwidert sie wie gegenüber einem quengelnden kleinen Kind, das würde ich schon noch sehen. Warum ist die Banane krumm? Weil sie krumm ist... Später meint sie, die einen seien Wehrtürme und die anderen Beobachtungstürme. Doch so einfach ist die Erklärung nicht, siehe Wikipedia.

Entlang der Buchten St. Catherine's Bay und Rozel Bay erreichen wir die Bouley Bay, wo einige Mitreisende am Strand Muscheln und Steine sammeln.

Eine Institution auf Jersey ist die Snackbude The Hungry Man im Hafen von Rozel im Nordosten. Die geringe Grösse soll der Imbiss mit bunten Tafeln und dem angeblich besten Krabbensandwich der Insel wettmachen. Leider ist diese Imbissbude nicht Lunchziel unseres Ausflugs.

Es geht zur Bonne Nuit Bay und zur Sandbucht Greve de Lecq im Norden von Jersey, wo wir stattdessen im Seaside Cafe eine Mittagspause einlegen.

Ich bestelle mir Cider, das traditionelle Nationalgetränk der Insel. Früher war ganz Jersey mit Apfelgärten überzogen. An vielen Ecken findet man noch die alten steinernen Apfelmühlen, bei denen zum Pressen der Äpfel ein schweres Steinrad von einem Ochsen oder Pferd im Kreis um den Trog gezogen wurde. So wurde Apfelsaft gewonnen, der dann zu Cider, Apfelschaumwein, vergoren wurde.

Heidi hat offenbar Deals mit ausgewählten Zielen für Touri- Gruppen, bei denen sie für die Zuführung zahlender Gäste mindestens mit einem Gratis- Essen honoriert wird. Wir stellen fest, dass Heidi sich grundsätzlich an einen Tisch abseits der Gruppe setzt. Bezeichnend ist, dass diese Verköstigungsziele als zusätzlichen Umsatzbringer oftmals auch einen Souvenir- Shop haben... Diese Vermittlung zahlenden Klientels gegen Provision ist weltweit unter Reiseleitern gängige Praxis, trägt aber nicht der Erwartung der Gäste nach lokaler Küche Rechnung. Kritische Reisende kommen sich vor wie auf einer Kaffeefahrt mit Rheumadeckenverkauf.

Beim Besuch der Ruinen von Grosnez Castle haben wir einen einmaligen Blick auf die Steilküste und die benachbarten Inseln.

Entlang der St. Ouen's Bay im Westen erreichen wir den beeindruckenden Corbiere-Leuchtturm, an dem wir einen Fotostopp einlegen. Ein Besuch von Jersey ohne Foto vom Corbiere- Leuchtturm? Unvorstellbar! Je nach Ebbe oder Flut findet man ein ganz anderes Bild vor.

In der St. Brelade's Bay, dem beliebtesten Strand der Insel, besuchen wir am südwestlichen Ende die kleine Pfarrkirche mit der Fischerkapelle. Die Kirche wirkt innen sehr spartanisch, Wände und Decken bestehen aus kleinen unbehauenen Granitsteinen. Der einzige Schmuck sind die bemalten Glasfenster. Ihre Grundmauern sollen aus dem 6. Jh. stammen.

In der Fischerkapelle sind erhalten gebliebene mittelalterliche Fresken zu bewundern. Neben den beiden Gotteshäusern befindet sich ein alter Friedhof mit vielen steinernen Kreuzen und Grabsteinen.

Nach einem Kaffee oder Eis an der Strandpromenade fahren wir entlang der Südküste durch St. Aubin's Village zurück zu unserem Hotel in St. Helier.

Möchten Sie sich einen optischen Eindruck von der schönen Insel Jersey machen, dann schauen Sie sich dieses Video von Expedia bei Youtube an.

17.09.2019 Di - Ausflug zur Insel Guernsey

Heute geht es auf die Schwesterinsel von Jersey, nach Guernsey. Mit der Fähre setzen wir von St. Helier nach St. Peter Port auf Guernsey über. Zum Bailiwick (Vogtei) von Guernsey gehören auch die Nachbarinseln Herm, Sark und Alderney. Die sind zwar klein, aber wie sagt man hier, "Great things come in small packages!".

Am Hafen in St. Peter Port beginnt unsere Bus-Rundfahrt über die Insel Guernsey. Das Tempolimit beträgt auf den schmalen kleinen Strassen 55 km/h, innerorts nur 40 km/h. Dennoch begegnen einem unterwegs hochmotorisierte Land Rover, Mercedes, Ferrari... Autos sind als Statussymbol eben überall sehr beliebt - unabhängig von ihrer Eignung für lokale Verhältnisse.

Im Landesinneren von Guernsey geht es genauso idyllisch zu wie auf Jersey. Grüne Täler, kleine Bachläufe und die traditionellen Granit Cottages prägen das Bild. An der steilen Westküste machen wir einen kurzen Spaziergang bevor uns die Küstenstraße mit herrlichen Panoramen begeistert.

Wir besuchen die wohl kleinste Kirche der Welt, die Little Chapel (Heidi auf Austrian English: "Littel Schappel") in St. Andrew. Sie wurde mit Muscheln und japanisch bemalten Porzellanstücken verziert. Für den Treppenaufgang wurden auch kleine Scherben der Porzellanmanufaktur Wedgwood verwendet. Alles erinnert entfernt an den Stil von Antoni Gaudi. Eigentlich hasse ich die von Veranstaltern und in Reiseführern gebräuchlichen Superlative, aber das hier scheint mir wirklich die "kleinste Kirche der Welt" zu sein. Bruder Deodat, der Erbauer, wollte eine Miniatur der Basilika von Lourdes schaffen.

Bei der Einweihung der Minikirche soll der dafür eigens aus England angereiste Bischof von Portsmouth wegen seiner Leibesfülle nicht durch die Eingangstür gepasst haben. Das Innere der Kapelle besteht aus einem kleinen Altarraum, 5 mal 3 m groß und einem noch kleineren Gebetsraum, beide miteinander durch einen niedrigen schmalen Gang verbunden. Maximal 8 Personen können die Kapelle gleichzeitig besuchen. Man könnte meinen, es handele sich um eine Kirche im Lilliput- Land.

Unser heutiger Lunch- Stop ist das Guernsey Pearl, La Rocqueine, St. Peters - wieder so ein "Heidi's Spezialimbiss". Sie empfiehlt die russische Solanka Soup, der Imbiss- Inhaber sei Osteuropäer. Die Suppe ist wirklich gut. Gegenüber am Strand liegt das Fort Grey, heute ein Schiffswrack- Museum, von dem uns Heidi nichts weiter erzählt. Böse Zungen könnten meinen, um den Umsatz im angesteuerten Imbisslokal nicht zu beeinträchtigen.

Wir fahren nach St. Peter Port, wo wir in der Oberstadt aussteigen und gemütlichen Schrittes durch die Einkaufsstraße zum Hafen runterlaufen. Wir finden am Kai ein windgeschütztes Plätzchen in einer Außengastronomie. Von hier ist es nur ein Katzensprung bis zum Anleger der großen Condor- Fähre nach Jersey. Die Wartezeit beim Einschiffen ist immer recht lang, aber die Abfahrtszeit darf man natürlich in keinem Fall verpassen. Eine britische Sitte wird auch hier auf den Inseln praktiziert, das "to stand in a queue", das geduldige Anstehen in einer Warteschlange mit Abstand zum Vordermann. Höchster Fettnäpfchen- Alarm für Touris: Vordrängeln ist absolut verpönt, ja geradezu gesellschaftlich geächtet!

Der französische Dichter Victor Hugo ("Les Misérables", "Der Glöckner von Notre-Dame") verbrachte in St. Peter Port 14 Jahre im Exil. Auf seinen nicht gerade freiwilligen Aufenthalt sind die Insulaner noch heute mächtig stolz. Im Stadtgarten hat man ihm ein Denkmal gesetzt.

Guernsey ist berühmt für die hiesigen Vorkommen von Green Ormers, Seeohren, die bei uns besser bekannt sind unter dem Namen Abalone. Sie sehen aus wie große Ohrmuscheln, haben aber im Gegensatz zu diesen am Rand 5- 9 kleine Öffnungen, durch die sie Abfallprodukte und Meerwasser wieder entsorgen. Manche sprechen von Atmungslöchern. Die Meeresschnecken haben einen großen muskulösen Kriechfuß, mit dem sie sich fortbewegen. Es ist der einzige Teil des Tieres, der kulinarisch genutzt wird.

Ormers sind eine ganz besondere Delikatesse, die man wie Austern auch roh essen kann. Üblicherweise werden die Meeresschnecken gesalzen und frittiert, manchmal auch in Tempurateig. In früheren Zeiten wurden sie in Essigsud wie Pickles eingelegt. Die Ormers dürfen wegen ihrer Seltenheit nur zwischen dem 1.10. und 30.4. bei Ebbe gesammelt werden, und auch nur bei Vollmond und den darauf folgenden drei Tagen. Die Ormers müssen mind. 9 cm lang sein. Inzwischen gibt es aber einen Zuchtbetrieb auf Jersey, der die "Trüffel des Meeres" auch außerhalb der genannten Zeit verfügbar macht.

Leider finde ich keine Ormers auf den Speisekarten. Es ist ja auch noch nicht Oktober. Zuletzt habe ich Abalone 2007 im Hafen von Kapstadt gegessen. Ein Restaurant in der Fischhalle in St. Helier auf Jersey bietet ersatzweise Lapas, Napfschnecken, an, die insbesondere auf der iberischen Halbinsel als Delikatesse gelten.

Und für noch etwas ist Guernsey berühmt, für die Guernsey Jumpers, dunkelblaue Pullover aus schwerer Insel- Schafswolle, die bei Seefahrern sehr beliebt waren. Sie sind extrem wärmend und langlebig, aber hart und kratzig und daher für den Normalverbraucher nicht gerade der Hit.

Hier bekommen Sie einen Eindruck von Guernsey in einem Expedia- Video bei Youtube.


18.09.2019 Mi - Gartentour auf Jersey, Orchideenzucht

Heute erkunden wir das Blumen- und Garten-Paradies Jersey. Unsere Reisegruppe bekommt Zugang zu zwei besonders schönen privaten Gärten der Insel, die sonst nur selten öffentlich zugänglich sind. Hier gibt es die einheimische und exotische Pflanzenwelt zu bestaunen, die durch das milde Klima auf den Kanalinseln besonders gut gedeiht.

Durch den ersten Garten führt uns die 90- jährige Eigentümerin höchstpersönlich.

Heidi erlaubt sich den nächsten Fauxpas indem sie unsere Gruppe der alten Lady gegenüber mit einer Schulklasse vergleicht. Unverschämter geht es kaum. Unser Durchschnittsalter dürfte bei mind. 50 J. liegen...

Wegen Ihrer Altersgebrechlichkeit fährt die Eigentümerin mit einem Elektromobil über den moosweichen englischen Rasen zu den einzelnen Beeten. Wir folgen ihr und lauschen ihren Erläuterungen. Die alte Dame ist eine typische englische Lady früherer Zeiten, steht aber immer noch mitten im Leben. Für den Garten beschäftigt sie einen Gärtner auf Stundenbasis, dessen Frau hilft ihr täglich ein wenig im Haushalt. Zum Ende ihrer Gartenführung verkauft uns die Lady Blumenzwiebeln der Jersey Lilie - eine absolute Rarität.

Sind Sie schon mal auf englischen Rasen gelaufen? Er ist frisch- grün, dichtwüchsig, belastbar und federnd. Man geht auf ihm wie auf einem sehr dicht gewebten mittelflorigen Teppich. Wenn man es nicht gewohnt ist, so wie ich, könnte man seekrank werden...

Wir legen eine Mittagsrast ein im The Portelet Inn, oberhalb von St. Aubin. Ich bestelle eine Vorspeisenportion frischer Miesmuscheln in Kräuter-Sahnesauce. Sehr gut! Auch Heidi genießt ihr Agentenmenü.

Dann besuchen wir eine mehrfach ausgezeichnete Orchideen-Ausstellung, die Eric Young Orchid Foundation im Herzen von Jersey. Ehrlich gesagt bin ich ein wenig enttäuscht. Aber es ist immer so: Wenn etwas als außergewöhnlich schön angekündigt wird, bin ich als Vielgereister das eine und andere mal enttäuscht, weil ich es woanders schon viel schöner gesehen habe. Am Beispiel Orchideengärten gilt das insbesondere für den Nationalen Orchideengarten in Singapur, der sogar ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde.

Der Bailiff (Vogt) ist der wichtigste Zivilbeamte auf Jersey und der oberste Vertreter der Gerichtsbarkeit, er ist sozusagen der Stellvertreter der Krone auf der Insel. Seit 2015 ist es Sir William James Bailhache.

Ebenso einzigartig wie der Bailiff ist die Milch der Channel Cows. Sie hat den höchsten Fettgehalt weltweit und eignet sich damit hervorragend zur Herstellung von Clotted Cream (vanillegelber Rahm von den Insel- Rindern) für den legendären "Cream Tea". So nennen sie die nachmittägliche kleine Mahlzeit, die aus Tee, meist mit Milch, Scones, Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre besteht. Wir genießen diesen typisch britischen Nachmittagstee, auch "Four O'Clock Tea" genannt, auf der Terrasse des Landhaushotels Chateau La Chaire oberhalb der Rozel Bay, einem wirklich sehr luxuriösen Domizil.

Für den nächsten Tag versorgt uns Kristin mit vergrößerten Stadtplänen von St. Helier, in denen sie die Route vom Hotel in das Zentrum gemarkert hat. Damit kann sich jede/r gut orientieren.


19.09.2019 Do - Jersey War Tunnels und Oysters

Am Vorabend hatte ich davon gesprochen, heute an der angebotenen Wanderung entlang der Steilküste im Norden der Insel nicht teilzunehmen und stattdessen die Jersey War Tunnels zu besichtigen. Nachdem sich mir zunächst mehrere Damen anschließen wollten, verbleiben heute morgen noch Jutta und Heike als Begleiterinnen.

Wir fahren um 10:20 mit dem Liberty Bus, Route 28, ab Liberation Station Ri. La Mare Wine Estate (outbound) und erreichen schon nach 15 min unser Ziel. Praktisch: in den öffentlichen Liberty- Bussen kann man contactless mit der Kreditkarte zahlen. Eine Fahrt kostet dann £2,00, statt £2,30 bei Barzahlung.

Die Jersey War Tunnels (Ho8 oder Hohlgangsanlage No.8) erinnern an ein dunkles Kapitel aus dem 2. Weltkrieg. Das Museum ist in einem unterirdischen Krankenhaus untergebracht. Es ist von Tunneln umgeben, die unter menschenverachtenden Bedingungen von tausenden Arbeitssklaven aus dem Fels gehauen wurden, die während der deutschen Besatzung aus Russland, der Ukraine und Spanien hierher verschleppt wurden. Diejenigen, die dabei verstarben, wurden einfach durch weitere Zwangsarbeiter ersetzt. Viele Leichen sollen in die Wände eingemauert worden sein - eine wirklich gruselige Vorstellung.

Zu Beginn der Tour erhält jeder Besucher eine Kopie des Ausweises eines Zwangsarbeiters. Am Ende erfährt er anhand von Schautafeln an der Tunnelwand, welches Schicksal dieser Arbeitssklave erlitten hat. So wird der Besuch der War Tunnels personalisiert.

Bestimmt wußten Sie, dass man die britischen Soldaten in den beiden Weltkriegen "Tommys" nannte, nach einem Namen, der schon 100 Jahre vorher entstand. Tommy Atkins war der Mustername für das Ausfüllen der Bewerbungsformulare zum Eintritt in Infanterie und Kavallerie der British Army. War Ihnen auch bekannt, dass die deutschen Soldaten von den Briten u.a. "Jerrys" genannt wurden? Eine Erklärung für "Jerry" ist die Ableitung von "German". Tom und Jerry?

Wir nehmen den Liberty Bus zurück zur Bus Station (inbound). Alle Buslinien auf Jersey gehen sternförmig vom Busbahnhof in St. Helier ab und wieder zurück. Es gibt keinen "roundtrip". Dieses Nahverkehrssystem kenne ich von Malta.

Im Internet habe ich ein lohnenswertes Restaurant ausgemacht. Es liegt an der Promenade der St. Brelade Bucht. Das Oyster Box ist ein Seafood- Restaurant, das bei Tripadvisor hoch gevotet wird und auch im Guide Michelin gelistet ist.

Jutta und Heike sind mit meiner Restaurantwahl einverstanden, so dass wir uns von der Liberation Station mit dem Linienbus, Route 14, auf den Weg machen. Ein sonniger Sandstrand und ein Ausblick auf das himmelblaue Meer erwarten uns. Der Kellner ermöglicht uns einen Tisch an der Promenade. Perfekt! Und perfekt sind auch die Austern "Kenny-Herbert Grilled", die ich bestelle. Sie werden mit Worcestersauce, Bacon, Tomaten-Konfit und Gruyerekäse überbacken. Ein Hochgenuss! Ansonsten entscheiden wir drei uns für den bewährten Caesars Salad, denn wir wollen noch Platz lassen für das Dinner.

Der Tidenhub beträgt auf Jersey bis zu dramatischen 12 m. Bei Ebbe zieht sich das Meer im Süden kilometerweit zurück. Zum Vergleich: in der westlichen Ostsee beträgt der Tidenhub ca. 30 cm, an der deutschen Nordseeküste um 2 bis 3 m. Es ist extrem wichtig, den Tidenkalender im Auge zu behalten wenn man die vor der Küste gelegenen Bauwerke bei Ebbe zu Fuß besuchen will. Ansonsten setzt man sich lebensgefährlichen Situationen aus, denn neben dem schnellen Anstieg des Wassers bilden die zwischen den Felsen entstehenden starken Strömungen die größte Gefahr.

Die Strände und die See werden schon seit Jahrzehnten akribisch saubergehalten. So kommt es nicht von ungefähr, dass Jersey als erste Insel der Welt mit dem Green Globe Certification Standard ausgezeichnet wurde. Und das macht sich bezahlt, sowohl für den Tourismus als auch bei der Qualität des Seafood.

Jersey Oysters (Austern) sind unter Feinschmeckern sehr begehrt. Austern kaut man. Schlürfen tun sie nur Leute, die sie nicht mögen, aber damit angeben wollen, dass sie sich Austern leisten können. Das habe ich irgendwo gelesen. Die mittlere Größe (Nr. 3, ca. 50 g) bekommt man in der Markthalle von St. Helier für £1,00 das Stück. Das ist sehr preiswert für diese Güteklasse. Bei der Grösse gilt übrigens: Je kleiner die Zahl, desto grösser die Auster, es gibt die Größenklassen 00 und 0 bis 5. Man sollte immer darauf achten, dass sie noch viel Meerwasser zwischen den Schalen haben. Dann sind sie wirklich frisch. Da sie über einen geringen Brennwert verfügen, sättigen Austern kaum und sind sehr beliebt als Vorspeise.

Auch Spider Crabs (Seespinnen), sind eine hiesige Spezialität. Der überwiegende Anteil der geernteten Spider Crabs, geht aber in französische Kochtöpfe, nur ein geringer Anteil in die hiesigen. Das Fleisch der Seespinne ist süßer als das ihrer Artgenossen und erinnert an Hummer.

Dann gibt es noch die Chancre Crabs, bei uns Taschenkrebse genannt, eine weitere Köstlichkeit. Etwa ein Drittel des Gewichts eines ausgewachsenen essbaren Krebses besteht aus Fleisch, wovon wiederum ein Drittel weißes Fleisch aus den Klauen stammt und zwei Drittel braunes Fleisch vom Körper. Das Krebsfleisch schmeckt köstlich in Pasteten und Krabbensalat.

Scallops (Jakobsmuscheln) gibt es hier in 2 Sorten, die bis zu 20 cm Durchmesser großen King scallops und die kleineren Queen scallops. Diese Muscheln sind weltbekannt und schmecken richtig zubereitet einfach genial!

Ja, und neben den vielen Seafood- Spezialitäten wäre da noch die berühmte Jersey Black Butter, die gar nichts mit Butter zu tun hat. Es handelt sich um eine Creme aus gekochten Äpfeln, Cider und Gewürzen. Sie schmeckt süßlich würzig, ein wenig wie Pflaumenmus und etwas lakritzartig und lässt sich wie Butter aufs Brot streichen. Angeboten wird die Black Butter pur und in Mischungen, etwa mit Tomaten Relish oder Apfel-Chutney, sowie verarbeitet in Schokolade oder Biscuits. Eine Mitreisende berichtet, dass ihre Oma damals in Ostdeutschland auch eine ähnliche Paste aus Äpfeln gekocht habe, die nach Weihnachtsgewürzen schmeckte.

Jerseys exklusiver Exportschlager sind aber vor allem die Frühkartoffeln namens Jersey Royals. Die tolle Knolle mit der dünnen Schale wird seit 125 Jahren auf Jersey kultiviert und gilt als ganz besondere Köstlichkeit, was sich natürlich in ihrem Preis niederschlägt. Für die Düngung des Bodens nutzt man Seealgen, die an den Stränden dafür gesammelt werden. Der Großteil der begehrten Kartoffeln wird noch am Erntetag zum Frischverzehr in die britischen Großstädte verschifft, wo Feinschmecker schon sehnsüchtig auf die Jersey Royals warten. Selbst Aldi UK hat die "Königlichen" saisonal als Frühkartoffel im Sortiment. Die Jersey Royals lassen sich auch bei uns vorbestellen, z.B. bei Tartuffli.

Am Abend besuchen wir zusammen mit Kristin, unserer Reisebegleitung, einen der ältesten Pubs von St. Helier, das am Royal Square gelegene Cock & Bottle. Hier gibt es außer Bier die typischen englischen Pub- Gerichte. Diesen Besuch habe ich wie auch einige weitere Mitreisende völlig missverstanden. Der organisierte Pub- Besuch ist vor allem ein Angebot für diejenigen unter uns, die entweder der englischen Sprache nicht mächtig sind oder für eigeninitiative Unternehmungen zu ängstlich sind. Essen und Trinken gehen dabei natürlich auf eigene Rechnung der Teilnehmer, es ist nicht im Reisepreis inkludiert.

Das hätte der Veranstalter deutlicher ausschreiben sollen. Aber egal, es wird ein netter Abend.


20.09.2019 Fr - Jersey

Heute schaue ich mir in St. Helier das Jersey Museum an, das die Geschichte der Insel vermittelt, angefangen vor 250.000 Jahren, als die ersten Menschen in Jersey eintrafen.

Hier erfährt der Besucher viel über die traditionelle Landwirtschaft der Insel. Im Museum kann man zudem faszinierende Archivfilme aus den Kindertagen des Tourismus auf Jersey anschauen. Die Exponate und deren technisch anspruchsvolle Aufbereitung haben den guten Ruf des Museums begründet. Besonders beeindruckt mich eine nachgestellte Szene, in der mehrere mit einer Fußkette aneinander gefesselte Inselgefangene eine Pfeffer- Tretmühle betätigen mussten. Eine Nachbildung der Höhle von St. Brelade, in der die ältesten Spuren von Menschen auf der Insel gefunden wurden, zieht sich vom Erdgeschoss über zwei Etagen.

Im nebenan liegenden Maritime Museum kann man in einer Lagerhalle die zwölf gestickten Wandteppiche "Occupation Tapestry" nach dem Vorbild des 70 m langen Teppichs von Bayeux besichtigen. Die hier ausgestellten Teppiche zeigen Szenen der Besatzungszeit zwischen 1940- 1945. Das Maritime Museum ist auch sehenswert wegen seiner Installationen zu physikalischen Phänomenen, wie z.B. dem extrem großen Tidenhub rund um die Kanalinseln. Auf der Rückseite des Museums ist die leider außer Betrieb genommene große Dampfuhr des Raddampfers Ariadne zu bestaunen. Eine Dampfuhr habe ich zuletzt in Gastown Vancouver, Canada, gesehen.

Nach den Museumsbesuchen laufe ich zur gußeisernen Markthalle am Halkett Place und dem dahinterliegenden Fish Market. Letzterer hat drei Händlerstände und ein Imbiss- Restaurant. Da habe ich mir doch etwas mehr an Angebot vorgestellt. Auch die architektonisch sehr schöne Markthalle überzeugt mich nicht von der Auswahl der dort feilgebotenen Waren. Aber wenn man einmal den Mercat de la Boquerìa in Barcelona und den Mercado dos Lavradores in Funchal gesehen hat, sind alle weiteren Vergleiche wohl unfair.

Auf dem Markt kaufe ich noch ein wenig ein:

- Jersey Royals
- Black Butter
- Chutneys
- Jersey Salted Caramel Sauce von La Cremiere
- Guernsey Cream Fudge (zartschmelzendes Karamellkonfekt)

Heute Abend wird uns im Ommaroo Hotel ein fantastischen Meeresfrüchte- und Fisch- Buffet angeboten, wirklich ein tolles Abschiedsessen! Die Austern sind superfrisch und superlecker! An dieser Stelle muss ich einmal die Küche des Ommaroo loben. Für das Restaurant eines mittelklassigen Hotels wird hier eine herausragende Qualität geboten, und zwar jeden Abend. À la bonne heure!

Und besonders erwähnenswert ist Ion, der Oberkellner des Ommaroo, der uns mit ganz persönlichem Service verwöhnte und uns schon am zweiten Abend mit unseren Vornamen begrüßte. Danke Ion, das war ganz große Klasse!

Die Gruppe hat mich gebeten, das gesammelte Trinkgeld mit einer Laudatio an Kristin zu übergeben. Das mache ich sehr gerne. Auch an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Kristin!

Es ist noch früh am Abend, so dass ich mit einigen Mitreisenden noch in die White Horse Bar um die Ecke ziehen. Dort wird dann aber nach alter britischer Tradition kurz vor 23:00, also 11 p.m., zur "Last Order" gerufen...

21.09.2019 Sa - Rückflug

Leider geht es schon wieder nach Hause. Wir haben während der zurückliegenden Woche ein fantastisches Wetter genossen. Sonne, Temperaturen von 20- 24° C und kein einziger Regenschauer. Noch einen letzten Tag atme ich die herrliche Atlantikluft von Jersey.

Während dieser Woche haben wir uns näher kennengelernt, jetzt gehen wir wieder auseinander. Die Reisegruppe fliegt heute über London oder München zu den Heimat- Flughäfen. Ich verbringe die Wartezeit in der Sonne auf der Terrasse der White Horse Beach Bar & Eatery, The Dicq St. Saviour, bei Ginger Beer und vegetarischem Mezze- Teller.

Dann werden wir zum kleinen Flughafen von Jersey gefahren und fliegen am späten Nachmittag zurück nach München, wo die Anschlußflüge warten. Die Uhren stellen wir wieder eine Stunde vor. Da Jersey weder zum Vereinigten Königreich noch zur EU gehört, hat der Flughafen sogar einen echten "duty-free" Shop.

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Abschließend noch ein persönlicher Rat: Parken Sie nicht am Düsseldorfer Flughafen in einem Parkhaus (Danziger Str. 101) von Parkkönig. Der Shuttlefahrer war unzuverlässig bzw. unpünktlich und gab mir keine Quittung über den bar zu zahlenden Parkpreis. "Ich nur Fahrer. Wenn Sie wollen Quittung, müssen anrufen Chef!" Das habe ich gemacht, sogar 2 mal, aber bis heute keine Quittung erhalten... Sehr bezeichnend ist auch, dass negative Kritik auf der Parkkönig- Website eliminiert wird. Na ja, letztendlich habe ich mein Auto unbeschadet zurückbekommen.

Beste Erfahrungen habe ich in Düsseldorf hingegen mit Parkvogel gemacht. Versuchen Sie, einen Stellplatz im Parkhaus ISS Dome (Theodorstr. 281) zu reservieren! Der Shuttlebus fährt von dort halbstündig zum Airport und zurück.


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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlung für die Kanalinseln:

Es gibt einen sehr guten Reiseführer "Kanalinseln" aus der Baedeker- Reihe. Einige der ehemals spießigen und unattraktiven Bände von Baedeker, Gott hab ihn selig, können inzwischen ohne Einschränkung mit den Konkurrenten aus den Verlagen Michael Müller, Dumont, Marco Polo, Reise KnowHow, Trescher u.a. mithalten und sind teilweise sogar besser!

Ferner sind folgende Romane lesenswert:

- Charlotte Link, Die Rosenzüchterin
- Klaus Beling, Was Du nicht weißt
- John Nettles, Hitlers Inselwahn



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