Donnerstag, 26.05.2016: Wiedersehen mit Madrid

Die spanische Hauptstadt hat mich bei meinem letztjährigen Besuch im Juni 2015 derart begeistert, dass ich zurückgekommen bin. Vorrangiges Ziel meines Interesses ist diesmal der Besuch eines Stierkampfs. Doch da bin ich bisher ein echtes Greenhorn.

Ich habe das Hotel Intur Palacio San Martin gebucht. Es liegt zentral in der Altstadt. Das Hotel ist eine Empfehlung von Anne, Inhaberin der Agentur Madrid auf Deutsch, die ich bereits im Vorjahr u.a. auf einer Tapas- Tour kennengelernt habe. Sie und ihr Partner Javier bieten diverse deutschsprachige Madrid- Führungen an, die ich wärmstens empfehlen kann.

Heute Abend besuche ich das Restaurant Thaidy in der Calle de Jorge Juan 54. Dazu nehme ich die Metro Linie 2 Ri. Las Rosas von Opera bis Principe de Vergara. Den Gastro- Kritiken nach soll das Thaidy die ursprünglichste Thai- Küche Madrids mit Bestnoten haben. Dafür werfe ich alle Tapasbar-Tipps über Bord - und werde nicht enttäuscht, das Thaidy überzeugt! Seit meinen Reisen nach Indochina und Thailand ziehen mich gute Vietnamesische und Thai- Restaurants an wie Motten das Licht.

Freitag. 27.05.2016: Corrida in der Plaza de Las Ventas

Der heutige Freitag gehört einem Mythos - dem Stierkampf. Ich will eine Corrida besuchen, zugegeben nicht jedermanns/-fraus Geschmack, weshalb ich diesmal auch allein unterwegs bin.

Die Stierkampfarena Las Ventas ist eine der renommiertesten und die drittgrößte Stierkampfarena der Welt, sozusagen das Mekka der europäischen Stierkampfkunst im Stadtviertel Salamanca. Hier möchte jeder Matador triumphieren und möglichst nach dem Kampf durch das Haupttor Puerta Grande getragen werden. Doch das ist den wenigsten vergönnt. Las Ventas ist eine saisonale Arena, die im März die Türen öffnet und im Oktober schließt.

Im Mai wird das mehrtägige Fest zu Ehren von San Isidro, des Stadtpatron Madrids, gefeiert. Falls Sie einen Stierkampf einmal live erleben möchten, finden Sie keinen besseren Ort als die Stierkampfarena auf dem Plaza de Toros de Las Ventas in Madrid und keine bessere Zeit als die Feria de San Isidro im Mai.

Der Plaza de Toros de las Ventas wurde 1929 im Neo-Mudéjarstil erbaut, basierend auf arabischen Stilelementen wie Ornamenten und Kacheln, und faßt ca. 24.000 Zuschauer. Davon sind 20.000 Plätze fest im Abonement vergeben. Das bedeutet, dass das Stammpublikum alle Regeln, die Toreros, Schritte und Rituale kennt und deshalb sehr anspruchsvoll ist. Ein schlechter Torero wird von den Kennern schnell gnadenlos ausgepfiffen. Die besten Matadores werden hier promoviert.

Nach dem Frühstück nehme ich die Metro Linie 2 Ri. Las Rosas bis zur Station Ventas. Es ist die optimale Verkehrsanbindung von meinem Hotel und das Fahrtticket kostet pro Fahrt nur 1,80 €.

Ich habe mich auf den abendlichen Stierkampf vorbereitet und bereits etwas zum Thema (siehe unten: meine Literaturtipps) gelesen. Heute morgen will ich die Las Ventas Führung mitmachen und das Museo Taurino besuchen.

Am Haupttor, dem Puerta Grande, werde ich mit einem Audioguide ausgerüstet. Der Weg in die Arena führt zunächst auf die erste Ebene, von wo man einen guten Blick auf das Innere des Bauwerkes hat. Die drei Etagen sind auf den innenliegenden Gängen mit Theken bestückt, dort kommt man vor und nach der Corrida bei Wein, Bier und harten Drinks zusammen. Die Arena ist kreisrund, der Kampfplatz besteht aus leicht konisch aufgeschüttetem und befestigtem Sand. So kann bei Regen das Wasser schneller nach außen ablaufen. Am Tag des Stierkampfs sind Arbeiter akribisch mit der Präparierung des Untergrundes beschäftigt. Er wird auch gewässert - wie ein Tennisplatz - damit die Kämpfer einen möglichst guten Stand haben, denn das kann entscheidend sein.

Die Arena ist in 10 Abschnitte unterteilt: darunter die drei Bereiche Sol, Sol y Sombra und Sombra (Schatten). Im Bereich Sombra, den Abschnitten 1, 2, 9 und 10, und hier besonders in den ersten Reihen liegen die teuersten Plätze. Ebenfalls im Schatten liegt natürlich die königliche Loge und der Platz des Präsidenten der Arena, der hier die höchste Instanz bildet. Man sagt, König Felipe setze sich lieber unters Volk auf die harten Bänke. Seine Frau, eine bekennende Vegetarierin, wurde hingegen noch nie hier gesehen.

Gegen Ende des Kampfes liegen durch die untergehende Sonne übrigens auch die Sol- Plätze im Schatten, aber zu Beginn wird man dort gegrillt, besonders im heißen Hochsommer bei Temperaturen um 40 C.

Das Museo Taurino enthält alle möglichen Dinge über die Stierkämpfer: Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Anzüge und vieles mehr. Was ich als Novize mitnehme: die Matadores tragen meist goldbestickte hautenge Anzüge, die übrigen Toreros silberbestickte Anzüge. Die Namen und Bilder der berühmtesten Matadores sagen mir natürlich gar nichts. Eine Besichtigung der Arena und des Museums ist während der Stierkampfsaison von 10:00-14:00 Uhr möglich und kostet 14 € incl. Audioguide.

Nach diesen ersten Eindrücken fahre ich mit der Metro zum Sol und nehme einen Mittagsimbiss im Museo del Jamon. Das ist kein Museum, sondern ein Restaurant, in dem man Schinken in allerbester Qualität serviert bekommt und auch zum Mitnehmen kaufen kann. Der beste ist der Dehesa de Extrematura Ibérico de Bellota DO. Eine Portion kostet 18 €.

Heute nachmittag will ich den Palacio Real, den Königspalast, besichtigen. Nein, der König wohnt hier nicht! Felipe und Letizia leben in einem kleinen Palast am Stadtrand. Der Palacio Real ist das Madrider Stadtschloss und die offizielle Residenz des spanischen Königshauses.

Natürlich werde ich nicht alle 2.500 Räume sehen, aber den Thronsaal und den Spiegelsaal, die bekanntesten Zimmer. Der Bau im Stil des Barock stammt größtenteils aus dem 18. Jh.

Die Besichtigung ist auf 15:00 Uhr limitiert. Heute nachmittag gibt es einen offiziellen Empfang und im Bankettsaal, einem der großen Säle, ist eine riesige Tafel bereits für ein Galadinner eingedeckt. Die Tafel dürfen sich die Besucher aus gebührendem Abstand kurz ansehen, werden dann aber höflich weiterkomplementiert.

Der Abend rückt näher. Schon Monate vorher hatte ich Anne und Javier eingeladen, mich zum Stierkampf zu begleiten, aber es hat bei den beiden zeitlich nicht geklappt, weil sie an diesem Wochenende einige lukrative Führungen annehmen konnten. Das ist wirklich schade, aber es ist ihr kleines Unternehmen und ich habe vollstes Verständnis für die Absage.

Anne hat mir ein Ticket im Abschnitt 1, 3. Reihe im Schatten, Sombra, besorgt - besser gehts fast nicht! Von hier kann man dem Stier fast in die Augen schauen. Natürlich ist Sombra am teuersten. Aber es lohnt sich, weil man nur auf diesen Plätzen der prallen spanischen Sonne entgehen kann - und das kommt mir sehr entgegen. Diese Plätze scheinen überwiegend von der besseren Madrilener Gesellschaft gebucht zu sein. Die Herren in feinstem Zwirn mit Krawatte, die Damen in teuren Designer- Kostümen. Man kennt sich und begrüßt sich mit Küsschen und Umarmung - so eine Art Ascot in Madrid. Noblesse oblige! Da bin ich ja genau richtig in ihrer Mitte... Allerdings gibt es auch die Erklärung, dass traditionelle Besucher einen Stierkampfbesuch mit dem gleichen Respekt wie einen Kirchgang behandeln, und das bringen sie mit der festlichen Kleidung zum Ausdruck. Alle sitzen auf den Steinstufen der Arena, den Hintern gepolstert durch ein derbes Sitzkissen, das man für wenig Geld ausleihen kann. Die vorderen Reihen werden bevorzugt bedient von einem jungen Mann, der Erfrischungsgetränke und Longdrinks mit Eis verkauft. Sein Umsatz bei der heutigen Veranstaltung ist beachtlich.

Rest-Tickets kann man am Tag des Kampfes auch an den kleinen Tickethäuschen erwerben oder bei den Schwarzhändlern, die ungeniert Karten anbieten. Aber auch online kann man Tickets kaufen z.B. bei https://www.bullfightticketsmadrid.com/en/recogida. Einen Aufschlag zum regulären Preis nehmen offensichtlich alle.

Die Stiere für den heutigen Kampf kommen von der Ganaderia (Zuchtfarm) El Pilar in der Nähe von Salamanca. Toro Bravos, spanische Kampfstiere, sind keine gewöhnlichen Stiere. Sie verhalten sich zu ihren normalen Artgenossen wie der Wolf zum Hund, sind auf Aggressivität gezüchtet und ähneln stark ihren Vorfahren, den Auerochsen.

Die Matadoren des heutigen Abends sind der 34-jährige David Fandila, "El Fandi", der angeblich aktuell beste Stierkämpfer Spaniens, ferner David Mora, der hier erst vor zwei Jahren von einem Stier fast getötet wurde und nur durch die Arena- Notärzte gerettet wurde, und López Simón, ein weiterer junger Matador der allerersten Liga, der hier viele Anhänger hat.

Die Stierkampfarena Las Ventas besitzt übrigens einen der bestausgerüsteten Operationssäle Spaniens mit einer erstklassigen medizinischen Mannschaft. Daran mag man erkennen, dass es nicht selten passiert, dass ein Torero vom Kampfstier schwer verletzt wird und es im schlimmsten Fall auf Leben und Tod geht.

Die Arena ist heute abend ausverkauft. Möglicherweise hängt das mit der Qualität der Toreros und der Toros zusammen, aber sicher auch mit dem hohen Anteil des Stammpublikums.

Ursprünglich kämpften spanische Adlige auf Pferden gegen die Stiere. Als König Phillip V im 18. Jh. diese Art zu kämpfen verbot, begannen Männer, auf dem Boden gegen die Stiere anzutreten. Die Corrida de Toros, der Stierkampf zu Fuß, wurde bei den spanischen Massen beliebt, und eine Tradition wurde geboren. 

Das sehr gute deutschsprachige Informationsportal http://stierkampffueralle.blogspot.de/ gibt zum Stierkampf folgende Hinweise:

Anfang Zitat

"Wer einen Stierkampf besucht, muss vor allem vier Dinge wissen:

  1. Der Stier ist dazu da um zu sterben.
  2. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ein Mensch verletzt, schwer verletzt, gar getötet werden kann.
  3. Es handelt sich hierbei um keinen sportlichen Wettkampf.
  4. Es gibt Blut zu sehen, mit Sicherheit beim Stier aber auch gelegentich beim Torero.

Wer sich dessen nicht bewusst ist, sollte den Besuch eines Stierkampfes meiden.

All die Klagen, daß der Stier keine Chance habe - er hat keine, aber er kann sie nutzen und den Torero töten oder verletzen -, gehen von einer falschen Vorstellung der Corrida aus, die oft irreführenden Bezeichnungen, wie sie außerhalb Spaniens üblich wurden - Stierkampf, bullfighting - geschuldet sind. Es ist kein Treffen zweier gleichwertiger Gegner; der Stier ist Mittel zu einem einzigen Zweck: die mit Risiko verbundene Fähigkeit des Menschen, sich ungebändigter Natur zu unterwerfen, und diese Fähigkeit nicht theoretisch zu fassen, sondern im Tun selbst zu zeigen...."

Ende Zitat

Der Stierkampf soll auf den untergegangenen Mithraskult zurückgehen. Persische Händler brachten ihn ins Imperium Romanum, das für eine Verbreitung im gesamten Hoheitsgebiet sorgte. So sei der Stierkampf auch auf die Iberische Halbinsel gekommen. Ob das stimmt?

Aber woher stammt die Begeisterung der Menschenmassen in den Arenen, die in dem Augenblick aufbrandet, in dem der Stier tot zusammenbricht?

Ich will herausfinden, ob auch ich ein Aficionado de Toros, ein Stierkampfliebhaber, ein begeisterter Anhänger von Stierfesten werde oder aber ein Antitaurino, der Stierkämpfe ablehnt. Werde ich fasziniert oder angewidert sein?


Ein schriller Trompetenstoß, gefolgt von der Musik des Paso Doble, der klassischen Stierkampfmusik, erklingt. Der Paseillo beginnt, der Einzug der Kämpfer. Die Toreros in ihren glänzend bestickten, hautengen Anzügen betreten die Arena. Mit ihnen kommen die beiden Picadores (Lanzenreiter) auf ihren gepanzerten Pferden, die Banderilleros (Toreros mit geschmückten Stechlanzen), weitere Helfer und die geführten Gespanne mit drei Pferden, die später den toten Stier aus der Arena ziehen werden.

Zwei schwarzgekleidete Reiter, die Alguacilillos, reiten ein und erbitten vom Präsidium symbolisch den Schlüssel zur Puerta de los Toriles, dem Tor der Kampfstiere.

Pro Stier wird der Kampf etwa 15 min dauern. Während einer Corrida werden insgesamt sechs Stiere getötet: drei Matadores und ihre Mannschaften haben je zwei Stieren den Todesstoß zu versetzen. Als Toreros werden alle am Stierkampf Beteiligten bezeichnet, der Matador steht an der Spitze der Hierarchie. Er ist der Stiertöter.

Das Toril wird geöffnet. Der Stier schießt aus der dunklen Stallung in die Arena hinein. Geblendet durch das Tageslicht, nimmt das ohnehin farbenblinde Tier die Umgebung stark eingeschränkt wahr. Der Torero benutzt ein Tuch mit greller Farbe, das für den Stier gerade noch wahrnehmbar ist. So ist der capote auf der einen Seite pink, auf der anderen gelb. Nur das kleinere Tuch, muleta, für die letzte Kampfphase ist rot.

Der Präsident des Stierkampfes, Senor Julio Martínez Moreno, gibt aus seiner Loge mit einem farbigen Taschentuch das Signal für die Trompeter. Die erste von drei Phasen der Corrida beginnt. Zunächst versucht der Matador herauszufinden, wie sich das Tier bewegt. Der Stier sieht in dem Tuch seinen Feind, dem er folgt. Zwei Männer auf gepanzerten Pferden reiten in die Arena, die Picadores. die den Stier mit Lanzenhieben im Nackenmuskel treffen sollen, um ihn durch die Verwundung zur Kopfabsenkung zu zwingen, was später die Tötung durch den Matador ermöglicht. Die Verletzung des Stiers durch die Lanzenhiebe ist teilweise so schwer, dass das Blut sichtbar aus den gerissenen Wunden pulsiert.

Im zweiten Drittel des Kampfes setzen Banderilleros mit kunstvollen Bewegungen Holzspieße mit Widerhaken, banderillas, in den Nacken des Stiers so dass diese hängen bleiben. Dabei soll die Stelle zwischen den Schulterblättem für den späteren Todesstoß freigelassen werden. Während er mit Zurufen die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich lenkt, läuft der Banderillero mit stark durchgedrücktem Rücken und möglichst eng an den Hömem des Stieres vorbei. Es ist der einzige Moment im Kampf, in dem der Stier nicht dem Tuch, sondern der Person folgt. Besonders gelungene Figuren der Akteure, der Banderilleros, des Matadors und auch des Stieres werden vom Publikum mit lauten Olé-Rufen begleitet.

Danach beginnt die entscheidende dritte Phase, die sogenannte faena, in welcher der Matador den Stier so oft und so eng wie möglich an seinem Körper vorbeiführt. Er hat nun den Capote gegen die Muleta, ein kleineres rotes Tuch, und den Degen eingetauscht. In einem passenden Moment, wenn der Stier den Kopf senkt, versetzt er diesem den Todesstoß indem er ihm den Degen bis zum Heft tief in den Nacken stößt. Er trifft dabei das Herz oder die Aorta, der Stier bricht wenige Sekunden später tödlich getroffen zusammen. Ist er nicht auf der Stelle tot, wird er von einem Helfer mit einem Dolchstoß ins Genick getötet.

Unmittelbar nach seinem letzten Atemstoß wird der Stier an den Hörnern von einem Pferdegespann zum Klang des Paso Doble aus dem Sand der Arena gezogen.

Ehrlich gesagt, habe ich nach 3 Stierkämpfen eigentlich genug gesehen und will die Pause zum Abgang nutzen - aber es gibt keine Pause und damit kein Entrinnen vor den nächsten 3 Kämpfen. Stier Nr. 6 bietet dann noch ein besonderes Schauspiel. Er ist nach den Lanzenhieben schon derart geschwächt, dass er wiederholt über seine Vorderläufe stolpert und sich eher passiv verhält. Das sachkundige Publikum fordert durch laute Rufe und Pfiffe den Abbruch des Kampfes. Einen unfairen einseitigen Kampf will hier niemand sehen. Die Würde des Tieres muss immer gewahrt bleiben. Der Präsident gibt dem Verlangen des Publikums nach und gibt das Signal zum Abbruch. Daraufhin verlassen die Toreros das Arena-Rund, das Stiertor wird geöffnet und herein laufen weiße Ochsen mit Kuhglocken um den Hals. Ein wirklich surreales Bild! Die Ochsen drehen eine Runde auf dem Rund, der verwundete Stier schließt sich ihnen an und verläßt mit ihnen die Arena. Leider entgeht er damit nicht seinem Schicksal. Der Metzger wartet draußen schon auf ihn.

Natürlich gibt es einen Ersatzstier für die Corrida, der jetzt in die Arena stürmt. Die Stiere haben alle einen Namen. Jetzt kämpft Lugarteniente anstelle seines Kollegen Duda-Noches. Kampf No. 6 beginnt also in veränderter Besetzung von vorn - und endet natürlich mit dem Tod des Tieres.

Das Publikum ist zufrieden, die Arena leert sich. Sehr viele Besucher verlassen das Gelände mit der Metro, die mit ankommenden leeren Zügen hier für einen schnellen Abtransport im 3-Minuten-Takt Richtung Altstadt sorgt. Das funktioniert perfekt ohne lange Wartezeiten. Kompliment an die Verkehrsbetriebe der Stadt Madrid!

Im Hotel brauche ich erstmal einen Drink um die Eindrücke des Abends zu verarbeiten. Ich bin im Rückblick nicht zum Stierkampf- Fan geworden, wohl auch deshalb, weil mir der gesellschaftliche Bezug zu diesem rituellen Kampf Mensch gegen Tier fehlt. Aber mit Abscheu oder Ekel habe ich der Corrida auch nicht beigewohnt. Panem et circenses - Brot und Spiele? Eher nicht. Ich empfehle jedem, einmal eine Corrida zu besuchen um sich selbst ein Bild zu machen. Dieses offizielle Video kann einen ersten Eindruck verschaffen.

Samstag 28.05.2016: Museo Thyssen- Bornemisza

Mein Ticket (Eintritt 12 €) für das Museo Thyssen- Bornemisza hat Gültigkeit für den Eintritt um 10:00 Uhr. Es gilt, das gebuchte Zeitfenster einzuhalten. Das Museum liegt ca 1/2 Std. Fußweg von meinem Hotel entfernt. Es ist neben dem Prado das wohl berühmteste Museum Madrids.

Als Kind des Ruhrgebiets stutzt man bei dem Namensteil "Thyssen". Die Erklärung ist einfach. Die Sammlung geht zurück auf Heinrich Thyssen, den jüngsten Sohn des Großindustriellen August Thyssen. Heinrich und sein Sohn Hans Heinrich trugen eine unschätzbar wertvolle Sammlung alter Meister zusammen, die erst seit 1992 in diesem Museum der Öffentlichkeit zugängig ist. Sie wurde ergänzt durch die Sammlung von Carmen Bornemisza, der Ehefrau von Hans Heinrich.

Der Rundgang durch das Museum führt bewusst chronologisch durch die Kunstgeschichte. Er beginnt im Obergeschoß bei der frühen italienischen Kunst des 13. Jh. und endet im Erdgeschoss bei bedeutenden Werken der experimentellen Avantgarde und der Pop Art des 20. Jh. Die Bilder aus der letzten Kunstperiode begeistern mich besonders. Dazu gehören Werke von Franz Marc, Edward Hopper, Salvador Dali und vielen anderen...

Ich mache mir heute keinen Stress und suche mir auf dem Plaza Santa Ana einen beschirmten Außenplatz. Die hier ansässigen Cervecerias servieren auf dem Platz ihren Gerstensaft und kleine Gerichte. Anfangs dienen die Schirme als Sonnenschutz, ab 14:00 leider auch als Regenschirme. Es hat nämlich angefangen zu regnen, was die Jungs an meinem Nachbartisch nicht im geringsten stört. Sie trinken sich langsam aber sicher warm für ein bevorstehendes sensationelles Fußballspiel. Die beiden Stadtvereine Real Madrid und Atletico Madrid haben das heutige Finale der Champions League erreicht. Das findet aber leider in Mailand statt. Die jungen Männer haben schon einen ordentlichen Alkoholpegel erreicht und üben sich in Fan- Gesängen. Laute "Griezmann, Griezmann"- Rufe verraten ihre Vorliebe für den Underdog Atletico. Erstaunlich finde ich, wie tolerant sie mit den farbigen Straßenverkäufern umgehen, die ihnen Ketten, Hüte und Schals verkimmeln wollen. Ich bezweifle, dass es bei uns auch so friedlich ablaufen würde.

Zurück im Hotel gönne ich mir eine spanische Besonderheit - Siesta! Die Alternative wäre ein Stadtbummel im Regen. Doch statt "walking in the rain" halte ich lieber einen Nachmittagsschlaf.

Heute abend findet also das Finale der Champions League 2015/2016 statt - wie vor zwei Jahren als Stadtmeisterschaft zwischen Real Madrid und Atletico Madrid. Natürlich ist fast die ganze Stadt auf den Beinen und ich schließe mich dieser Begeisterung gerne an. Atletico ist eigentlich kein Underdog, in dieser Saison ist man mit zwei Punkten hinter Real Dritter der Primera División geworden. Real musste sich mit einem Punkt Rückstand als Vizemeister hinter dem FC Barcelona begnügen. Knapper gehts nicht.

Eigentlich wollte ich - wie die meisten im Viertel - das Spiel beim Public Viewing auf dem Plaza Puerta del Sol verfolgen, aber die Behörden haben das aus Sicherheitsgründen abgesagt. Man befürchtet Fan- Ausschreitungen. Das gilt übrigens für alle drei ursprünglich vorgesehenen Orte. Es regnet sowieso in Strömen. So verbleiben zum Geniessen eines Gemeinschaftserlebnisses nur die Bars und Gaststätten. Die sind natürlich entsprechend rappelvoll. Immer noch besser als das Spiel auf dem Hotelzimmer zu verfolgen.

Das Duell der Stadtvereine endet nach Elfmeterschießen 5:3 für Real Madrid. Echte Spannung kommt nur in dieser Schlußphase auf. Der Sieger Real ist ein glücklicher Gewinner und ausgerechnet der Beau Ronaldo versenkt den entscheidenden letzten Treffer für seinen Verein und lässt sich feiern, als ob er allein Atletico besiegt hätte.

Als neutraler Alemán muss ich weinende Mädels in den Arm nehmen und trösten... Mach ich gerne!

 

Sonntag 29.05.2016: Adiós Madrid

Adios Madrid! Ein ausgiebiges Frühstück lässt mich heute morgen Abschied nehmen von Madrid, nicht ohne Wehmut.

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Das sind meine Reiseliteratur- Empfehlungen für Madrid:

Für einen 3-tägigen Aufenthalt in Madrid kommt sinnvollerweise nur ein kompakter Reiseführer in Frage, den man in die Jackentasche stecken kann und der zudem eine brauchbare Karte mitbringt. Dennoch bleibt eine erstaunliche Auswahl, denn jede Reiseführer- Reihe hat einen kleinen Madrid- Führer im Angebot. Ich habe mich für DuMont direkt und
Dorling KindersleyTop 10 entschieden.

Beide Bände (120 S. bzw. 160 S.) liegen in der 10 € Preisklasse und bieten für einen Kurztrip ausreichend Infos. Mehr kann man in so kurzer Zeit sowieso nicht aufnehmen und umsetzen. Mein Favorit ist der Dumont.

Eine sehr gute Übersichtskarte für unterwegs ist Streetwise Madrid. Mir gefällt besonders die gute Darstellung der Metro-Linien auf dem Stadtplan.

Wer sich mit dem Stierkampf beschäftigen möchte, dem empfehle ich "Der Stierkampf" von Rolf Neuhaus, eine umfassende Kulturgeschichte. Neuhaus erzählt von Toreros und Toros, von berühmten Matadores und legendären Stieren, von archaischen Riten und neuen Festen, von Ablehnung und Faszination der "corridas de toros".

Beim Thema Stierkampf kommt niemand an Ernest Hemingway vorbei. Sein Roman "Tod am Nachmittag" schildert besonders eindringlich den Kampf auf Leben und Tod, bei dem der Stier immerhin eine Minimalchance zum Überleben hat.



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